Daisie72
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Es ist mir echt schwergefallen, mich hier anzumelden, aber die Lektüre vieler Beiträge in den letzten Tagen hat mich dann doch überzeugt, dass ich hier jetzt leider genau richtig bin.
Meine Geschichte ist so banal wie schmerzhaft: Mein Mann und ich waren jetzt fast 20 Jahre zusammen, geheiratet haben wir vor 15 Jahren. Natürlich war es nicht immer einfach, wir haben schon zwei große Krisen erfolgreich bewältigt, aber das, was jetzt passiert ist, habe ich überhaupt nicht kommen gesehen, und die Trennung vor drei Wochen hat mich eiskalt erwischt.
Anfang des letzten Jahres hatte ich mir das Sprunggelenk gebrochen, es heilte nicht richtig und ich musste in der Folge drei Mal operiert werden, das letzte Mal am 3. Juli diesen Jahres. Weil ich nicht richtig laufen konnte, war ich also die meiste Zeit zu Hause und darauf angewiesen, dass mein Mann sich um mich kümmert, einkaufen geht, den Hund bespaßt, putzt etc. Aber ich habe die Hoffnung nicht aufgegeben, dass es mir bald/irgendwann wieder besser gehen wird und dass dann alles wieder gut wird. Mein Mann ist freiberuflich im kreativen Bereich tätig, er hat sehr unregelmäßige Arbeitszeiten, wenn Aufträge kommen, muss er ran, wenn nicht, dann nicht. Dieses Jahr war ziemlich gut ausgebucht, gleich zu Anfang kamen ein paar tolle Projekte rein. Während er also den in seinem Studio war, saß ich zuhause, konsumierte Filme und Serien am Fließband und wartete jeden Tag darauf, dass er mit dem Hund abends nach Hause kommt und kam mir dabei ehrlich gesagt ziemlich einsam vor. Ich denke, ihm ging es genauso, den ganzen Tag schaffen und am Abend sitzt dann die Gattin auf dem Sofa und mault, dass es wieder so spät geworden ist...
Vor drei Wochen, an einem Sonntagabend, waren wir gerade mit dem Abendessen fertig und ich merkte, dass er ganz komisch war. Er konnte mich nicht ansehen. Er zupfte an seinem Bart, was immer ein schlechtes Zeichen ist. Er war fahrig und hörte mir überhaupt nicht zu. Dann fragte ich, was denn los sei - Nichts, er sei nur müde. Eine Viertelstunde später habe ich dann noch einmal gefragt, er sah mich an und sagte: Wenn ich dir dass jetzt sage, wirfst du mit der Bierflasche nach mir. Da wusste ich sofort, was er meinte. Es war alles klar. Er hatte sich in eine Kollegin verliebt.
Die beiden haben sich vor zwei Jahren bei einem Arbeitstreffen kennengelernt, sie ist Spanierin aus Barcelona, und sie haben sich sofort gut verstanden. Letztes Jahr hatte sie dann wieder einen längeren Arbeitsaufenthalt in unserer Stadt, mein Mann hatte sie eingeladen, weil ihm ihre Arbeit gefiel (mir übrigens auch). Im November schrieb sie dann, dass Barcelona sie verrückt mache, es sei zu laut und nervig, sie wolle lieber nach Deutschland ziehen. Wir beide haben sie eingeladen, bei uns zu wohnen, während sie sich hier eine Wohnung sucht. Sie kam, sie suchte, sie fand ein Atelier in unserer Nähe, im Mai zog sie her. Und dann war sie auf einmal immer da. Natürlich nicht in unserer Wohnung, da saß ja ich und wartete auf Mann und Hund, aber sie war fast täglich in seinem Studio oder er war bei ihr und half ihr beim Bau ihrer Küche, und sonntags begleitete sie ihn dann auf seinen langen Spaziergängen mit unserer Hündin. Ich konnte das Haus nicht mehr richtig verlassen, ich konnte kaum laufen ohne dass es unerträglich weh tat. Mein Mann sagte nichts davon und versicherte mir immer wieder, dass es ihm nicht ausmache, sich um mich zu kümmern, das sei doch selbstverständlich. Aber zwei bis drei Tage später verplapperte er sich dann doch, dann erfuhr ich, dass er wieder mit ihr unterwegs gewesen war, und alles in mir schrie: Was will die Frau von dir? Sag ihr, sie soll weggehen! Nichts davon habe ich gesagt, ich wollte ihn nicht nerven. (Großer Tusch für die verständnisvolle Ehefrau)
Vor fünf Wochen hat sie ihm dann gestanden, dass sie ihn liebt. Er hat gemerkt, dass es ihm genauso geht. Sie haben miteinander geschlafen und beschlossen, dass sie es mir sagen, wenn ich wieder laufen kann. Dann habe ich nachgefragt und er hat mir alles erzählt, ich konnte übrigens nicht laufen! Am Montagmorgen hat er dann zwei Taschen gepackt und ist mit dem Hund zu ihr gezogen.
Seitdem sitze ich hier auf dem Balkon, rauche, als kriegt ich's bezahlt, aktiviere meinen Freundeskreis für Einkäufe, Wäsche usw. und habe jeden Tag eine Panikattacke. Ich kann kaum essen, ich schlafe nachts wenig und immer, immer sehe ich die beiden vor mir.
Verdammt noch mal, warum? Was findet er an ihr? Sie ist in allem mein Gegenteil! Ich bin laut, lache viel, wiege zu viel aber habe alles an den richtigen Stellen sitzen, ich koche gern und bin laut meinen Freunden sehr herzlich. Sie ist klein, zart, mager (meine Arme sind so dick wie ihre Beine!), leise und introvertiert.
Ich verstehe einfach die Welt nicht mehr, es gab keine Anzeichen für eine Trennung, und nun ist alles vorbei. Ich bin total verzweifelt und hoffe, dass ich hier bei euch etwas Zuspruch und Unterstützung finde. Danke schon mal im Voraus.
