Systrana
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so viele Berichte habe ich in Foren durchgelesen und ich weiss, der Schmerz wird nachlassen. Ich möchte meine Geschichte hier niederschreiben. Sie ist sehr komplex und muss etwas ausholen.
Vorab soviel: Mein Freund hat mich vor 3 Wochen abrupt verlassen, ist ausgezogen und hat mich, meine zwei Jungs (nein, er ist nicht der Kindsvater) und den gemeinsamen Husky und Katze einfach sitzen lassen. Ist in den Zug gestiegen, ohne sich noch einmal zu wenden. Tschüss und ciao!
Die Vorgeschichte: Wir haben uns im Sommer 2009 kennengelernt. Nicht irgendwo, wo man sich sowieso gerne treffen hätte können, sondern er hat in einem anderen Kanton bei einer Alpinschule gearbeitet und ist genau an diesem einen Tag lange gereist, um in meinem Kanton für ein Outdoorfest mitzuhelfen. Mein Grossvater hat genau an diesem Tag mir gesagt, ich solle mich für einen Spaziergang auf diesen Hausberg motivieren, sonst wäre ich nie an diesem Tag auf diesen Berg gegangen.
Das Schicksal wollte es so, dass er beim Klettern der Ansprechpartner war und als sich unsere Augen getroffen haben, wir miteinander geredet haben, als kannten wir uns schon lange, hat mich so ein starkes Gefühl der Attraktion gefesselt und dieser Mann ist mir seit dieser Begegnung nie mehr aus dem Kopf. Er hat mir seinen ganzen Namen verraten und so habe ich ihn über FB gesucht und ihm mal unverbindlich eine Nachricht geschickt. Zwei Mal ein hin und her, eher belanglos, er hat mich gefragt, was er für mich tun könne. Ich musste dann jedoch davon ausgehen, dass er in einer Beziehung ist, denn er hat dann nicht mehr zurückgeschrieben. Seltsamerweise aber, habe ich jeden Tag an diese Augen und diese Ausstrahlung gedacht. Er hat mir buchstäblich in mein Gehirn geschissen. Gut, ich habe dann irgendwann losgelassen und prompt, fast ein Jahr später hat er mir eine sms geschrieben, ob ich mit ihm eine Flussfahrt machen wollte. Er ist Raftguide. Ich traute meinen Augen nicht, ich zitterte und kam ihm entgegen. Wir trafen uns also und hatten einen tollen Tag, philosophiert und geredet. Er meinte, er fühle sich zu mir sehr hingezogen. Ich bin dann am Abend wieder in meine Heimat gefahren.
Schnell nahm er wieder Kontakt auf mit mir und wollte mich wieder treffen. Meinte aber, dass er nach Indien gehe für 1 Monat und er nicht wisse, ob es eine gute Idee sei, einander nochmals zu treffen, wegen den Gefühlen, denn er wisse ja nicht, ob er noch Arbeit hätte auf dem Fluss nach seiner Reise. Ich, sehr naiv zu glauben, dass ich meine Gefühle unter Kontrolle hätte, ging dieses Unterfangen ein und wir trafen uns für ein verlängertes Wochenende. Mit Zelt und auf dem Fluss waren wir unterwegs und hatten dann auch das erste Mal zusammen Sex.
Wie geschrieben, er ging nach Indien, schrieb mir von dort aus, dass sein Herz frei sei. Nach seiner Rückkehr trafen wir uns dann wieder und waren zusammen, also eigentlich war es zunächst eine Affäre. Er wohnte dann im Winter in einem anderen Kanton, ich reiste dann alle zwei Wochen zu ihm, die Kinder waren dann bei ihrem Vater. Freiheit, juhuu, es hat alles gestimmt.
Wir hatten wundervollen Sex, spielten Gitarre und tranken Wein und redeten und interpretierten Gedichte und Texte. Alle zwei Wochenende ging das so.
Nach 3 Jahren dann kam immer wieder das Thema «Zusammenziehen». Er hat jedoch immer gezögert, wollte sich nicht wirklich binden lassen. Er pflegte einen ganz anderen Habitus, als ich. Er, der Freelanzer, ich, die Lehrerin und alleinerziehend.
Schliesslich gestand er seine Liebe zu mir und meinen Kindern, sagte, er stünde hinter uns. Wir zogen 2015 zusammen.
Für mich bedeutete das, dass ich mein ganzes Hab und Gut aufgegeben habe, (ich wohnte in der Stadt, verdiente sehr gut) und zog in jenen Kanton, der alles in meinem Leben verändern sollte.
3 Jahre haben wir also in einer sehr grossen Wohnung zusammen gelebt, geliebt und gemeinsam für das Wohle der Kinder gesorgt. Er hat sich wirklich prima in die neue Lebenssituation angepasst.
Nach wie vor liebten wir uns abgöttisch, hatten sehr viel Sex, fast täglich und das nach 10 Jahren unserer Bekanntschaft. Es fühlte sich alles so surreal an, irgendwie immer alles wie ein Traum. Ich habe auch alles mit ihm geteilt, Sport zum Beispiel. So waren wir zusammen klettern, paddeln, Biken oder auf Skitour, waren regelmässig in einem Majensäss, wo wir nur für uns waren und hatten so viel Spass. Und vor allem soooo unendlich viel Leidenschaft, in allem, was wir unternahmen. Letzten Sommer waren wir in Kroatien, Seekajak fahren, es war wundervoll, doch leider auch mit viel Leid geprägt. Hatten teilweise wegen Eifersucht heftigste Kriege, wieder aufs wundervollste versöhnt.
So, jetzt kommts: Unsere Eskalationen nahmen zu. Es war mein Neid ihm gegenüber, denn er hatte einen tollen Job, war begehrt, sehr beliebt und macht seinen Job, egal ob im Winter oder Sommer, einfach super. Alle mögen ihn, er ist sehr beliebt. Seit ich hier wohne, gings bei mir nur bergab. Ich unterrichte Teenager, habe hier kaum Möglichkeiten, ein grösseres Arbeitspensum zu übernehmen. Ich habe kein eigenes Beziehungsnetz aufbauen können in diesen 3 Jahren. Wir wohnen wirklich ländlich und hier gibts fast niemanden, der alle Sportarten mag, wie ich. Ich bin sehr einsam geworden hier oben. Er wächst, ich stagniere. Als er mich kennenlernte, habe ich gerade mein Studium absolviert, als Alleinerziehende sehr gute Noten gemacht, er war stolz. Sehr stolz auf mich. Hier konnte ich ihm nichts mehr beweisen. Kein Geld, nicht genügend Arbeit, eine unzufriedene Stelle, ein Team, welches ich nicht so mag, etc. Mein Neid wurde immer grösser. Er kam lieb nach Hause, küsste mich immer und ich war einfach nur kühl und widerspenstig. Wenn er mich dann noch fragte, ob ich einen tollen Tag gehabt hätte, rastete ich aus!
So: Vor 3 Wochen schlief ich unruhig, wie immer am Dienstag auf den Mittwoch (hat mit meinen Unterrichtsstunden an diesem Tag zu tun), erwachte um 5 Uhr, weil er mich geweckt hatte, konnte nicht mehr einschlafen und hab mich hin und her gewälzt. Er schnarchte und ich konnte nicht mehr einschlafen. Irgendwann hat er dann gesagt:» SO, jetzt ist Schluss! Mir reichts! Aus, ich ziehe weg!»
Thats it.
Immer wieder im letzten Jahr, hat er die Beziehung quasi beendet, hat irgendwo draussen übernachtet, kam immer wieder zu uns zurück und sagte jedes Mal, er könne nicht ohne mich. Jedes Mal jedoch war für mich das Gefühl so, als müsste ich einen Tod verarbeitet und jedes Mal, als er wieder kam, war für ihn alles wieder gut. Nie hat ein ernsthaftes Gespräch stattgefunden, ehe er immer mir die Schuld zuwies. Immer war es ich, die an allem Schuld war. Mein ganzes Leben habe ich nach ihm gerichtete, liebte ihn so sehr, er war der einzige bis jetzt, den ich von Kopf bis Fuss sehr geliebt und begehrt hatte, und ich denke, es war gegenseitig.
Am Dienstag, vor diesem ominösen Mittwoch Morgen, als er Schluss machte, hatten wir noch den schönsten Sex, sind Hand in Hand eingeschlafen und haben uns noch gesagt, dass wir einander so dankbar sind, können wir einander aushalten. Ich war sooo glücklich und ein Gefühl von unendlicher Geborgenheit umhüllte mich, wie immer, wenn ich neben ihm lag und er mir seine Geborgenheit schenkte.
Seit 3 Wochen ist er also weg, ausgezogen und ich habe ihn nicht mehr wieder gesehen. Am Freitag Morgen hat er dann mit mir per sms Schluss gemacht. Quasi definitiv, ohne vorab noch mit mir zu sprechen. Da gibts aber noch eine Vorgeschichte zu diesem sms.
Am Samstag zuvor waren wir auf einer Geburtstagsparty eingeladen. Wir hatten vorhin bereits etwas Streit, nicht schlimm aber. Wir feierten durch, tranken Kaffee Lutz und waren bis zum Schluss die Einzigen mit 4 anderen Männer, die Billard gespielt hatten. Ich hatte ein Kleid an, ein Merinenwollkleid, welches einen tieferen Ausschnitt hatte, darüber einen Wollpullover. Mir wurde warm und ich hatte den Pulli ausgezogen. Das Kleid ist nicht anziehend, sondern einfach bequem. Mir ist aufgefallen, dass die anderen Männer mein Dekoltee möglicherweise schön finden. Ich habe dann etwas mit meinen Reizen gespielt, war etwas angetrunken, aber alle. Es war so, als wollte ich ihm unbewusst mitteilen, wie es sich anfühlt, wenn man blossgestellt wird. Denn er dreht bei jeder Frau immer den Kopf, bei jeder Jungen und ich habe ihm so oft schon gesagt, dass mich das stört, so intensiv, fast lüstern. Nie hat er mir zu verstehen gegeben, dass das mein Empfinden ist und meinte immer, ich hätte einen «Schuss ab».
Ich muss auch sagen, dass ich mich wenig Beachtung schenkte in dieser Nacht. Ich fühlte mich einfach auch mal bestätigt, und das nach ganz Langem wieder mal in diesen 3 Jahren. Denn ich sehe niemanden, ausser unseren Hund, meine Jungs und meine Schüler/Innen tag aus tag ein. Ich fühlte mich nicht mehr bestätigt durch gute Arbeit in der Schule, durch einfach alles, was ich vorhin gemacht habe mit meinem Studium, welches mein Selbstwertgefühl aufwertete.
Er verübelte mir dann am nächsten Morgen meinen Auftritt und sagte mir, ich hätte mich wie ein *beep* verhalten und ihm keine Zuwendung gezeigt. Ich empfand das aber überhaupt nicht so, denn ich habe ja keine sexuellen Anstalten gemacht und keine Anspielungen in dieser Form, sondern ich fühlte mich einfach schön, und hatte Spass und fühlte mich gut aufgehoben. Es war wirklich ein netter Abend und mehr nicht. Ich habe auch überhaupt nicht geflirtet. Ihn störte einfach mein Verhalten.
Ok, am Freitag hat er dann per sms Schluss gemacht, mit den fiesen Worten, ich sei eine *beep* und hätte es nicht anders verdient, sitzen gelassen zu werden. Immer wieder hat er geschrieben «*beep* you du *beep*», er hätte immer gewusst, dass ich so eine sei.
Ich verstand die Welt nicht mehr. Ich versuchte ihn anzurufen, um mit ihm zu reden. Er hat nicht abgenommen, bis jetzt nicht. Nie wollte er mit mir reden. Immer wieder sms «*beep* you» *beep* etc Unterste Gürtellinie. Ich habe ihn weder betrogen, noch belogen.
Ich habe das dann auch noch begonnen zu glauben. Ich habe mir selbst gesagt, ich sei eine *beep*, fürchtete mich vor einer Rufschädigung. Ich fragte in meinem Freundeskreis, ob ich wirklich eine *beep* sei deswegen. Niemand gab mir Recht, trotzdem glaubte ich das. Seine Worte wurde immer böser. Ich versuchte ihn zu beruhigen, um mit ihm vernünftig zu reden.
Wir haben die Wohnung gemeinsam unterschrieben. Er will aber damit nichts mehr zu tu haben. Weg ist weg. Er hat mir noch das Auto überlassen, denn ohne dieses kann ich gar nicht arbeiten gehen, da keine ÖV.
Nun sind drei Wochen vergangen, jeden Tag schreibe ich in mein Tagebuch, jeden gottverdammt verfluchten Tag muss ich funktionieren, als Mutter, als Frau, als Lehrerin an einer Oberstufe. Es ist Ohnmacht, Verzweiflung und der absolute Albtraum für mich. Haben wir uns noch geliebt, Sex und gesagt, dass wir einander so sehr lieben, und dann tschüss. Auf nimmer wiedersehen!
Ich arbeite im Teilzeitpensum, kann mir also diese Wohnung hier gar nicht mehr leisten. Nicht mal eine günstigere, ich werde zum Sozialfall, denn hier oben eine Stelle zu suchen ist unmöglich, es gibt einfach nichts. Nächstes Jahr habe ich eine neue Stelle, noch viel weiter von meinem Zuhause entfernt, wie jetzt. Wieder mit dem gleichen Pensum.
Was soll ich machen? Ja, ich habe dem Sozialamt telefoniert, die können mir vielleicht helfen. Aber will ich das? Bürojobs gibts hier auch nichts. Es ist wirklich traurig, wie er uns alle verlassen hat. Feige und schwach eigentlich. Mein jüngerer Sohn hat so ein schönes Verhältnis gehabt mit ihm, nicht mal meinen Kindern gegenüber (sind auch Teenager) hat er sich gemeldet. Mein Sohn hat ihm geschrieben, wann er denn wieder komme, er vermisse ihn. Erst dann hat er sich bei ihm gemeldet.
Das Ganze kommt mir vor, wie ein Filmriss. Alleine mit Hund, Katz und Kinder. Und dieser Wohnung, welche ich nicht alleine zahlen kann. Und der ganze Liebeskummer. Gestern hat er mir geschrieben, er hätte bereits loslassen können. Mir wurde so schlecht, dass ich die ganze Nacht erbrochen habe. Wie kann er mich nach so einer intensiven, leidenschaftlichen Liebe und Verbundenheit verarbeiten? Ich denke Tag und Nacht an ihn und versuche meine Fehler zu erörtern. Sehe auch seine instabile Emotionalität, verzeihte ihm immer. Er lässt mich jetzt einfach hängen. Es ist ein Albtraum. Und das ohne Gespräch Gestern schrieb er auch noch, dass er am Freitag, wenn ich wollte, mit ihm noch reden kann, wenn er seine letzten Sachen holt. Was bitte soll ich ihm dann noch mitteilen, wenn ihn meine Gefühlswelt ohnehin nicht interessiert?! Er hat mich ja nun losgelassen, die Beziehung ist für ihn beendet. Alles schmerzt so sehr und es ist nicht nur der unendliche Liebeskummer, sondern die Art, wie er mich einfach wegschmeisst, uns wegschmeisst.
So, jetzt wisst ihrs, falls ihr alles gelesen habt. Sorry, tut mir leid für den langen Text.