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Akzeptanz für Trennung fällt so schwer

Lottii

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Hallo zusammen,
nachdem ich schon längere Zeit zu den stillen Lesern gehöre, schreibe ich nun selbst zum ersten Mal. Ich bin wieder an einem Punkt, an dem ich mich gedanklich nur im Kreis drehe und das Gefühl habe, dass ich niemals werde weitergehen können. Mein langjähriger Freund hat sich vor ca. 4 Monaten von mir getrennt, und das ohne erkennbare Gründe. Wir haben schon sehr viel zusammen gemeistert und wussten beide, wie gut wir zusammen sind. Das hat auch er mir immer wieder gezeigt und bestätigt - er war und ist sehr wertschätzend, wir waren beste Freunde und Partner zugleich und haben beide über Kinder und Zukunft gesprochen, ohne dass wir uns Druck deshalb gemacht haben. Auch unser Umfeld hat das so wahrgenommen und seine Zweifel und die Trennung kamen für alle überraschend. Ich war gefühlt am Anfang etwas stärker, aber das geriet immer mehr ins Wanken und ich hatte zwischendurch einige Tiefpunkte. Nachdem ich erfahren habe, dass er eine Andere trifft und sie nach sehr kurzer Zeit als seine Freundin bezeichnet hat, kam ich aus dem Weinen kaum noch raus, auch an der Arbeit - ich bin aufgewacht und bin panisch geworden wie am ersten Tag, als er nicht mehr neben mir lag. Um damit fertig zu werden bin ich zu einer psychologischen Beratung, was mir auch sehr geholfen hat. Allerdings komme ich regelmäßig wieder an den Punkt, an dem ich einfach nicht weiß wie ich das durchstehen und wieder meinen Weg finden soll. Ich kann mir immer noch nicht vorstellen, wie ich wieder wirklich glücklich und erfüllt von etwas werden soll. Ich verbinde alles mit ihm und merke, dass auch meine Zukunft viel zu eng mit ihm geplant war. Zugleich frage ich mich, wie ich sowas in Zukunft vermeiden kann. Darf man sich nie mehr so sehr auf einen Menschen einlassen und ihm blind vertrauen? Wie findet man wieder zu Dingen, die einem auch alleine Spaß machen, weiter bringen und nicht nur Ablenkung oder Zeitvertreib sind? Mir kommt gerade alles so vor und ich frage mich wo das hinführen soll und vor allem wann das schlimme Vermissen endlich aufhört. Ich kann seine Entscheidung einfach nicht verstehen und meine Zukunft so anders akzeptieren wie sie jetzt wird. Zugleich weiß ich aber in meinem Kopf, dass ich nicht zurück möchte, da die Angst dass so etwas jederzeit wieder passieren kann viel zu groß wäre.
Ich freue mich sehr über eure Erfahrungen und Tipps.
Ganz liebe Grüße

13.10.2019 21:01 • #1


Waldmann

Waldmann


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Du musst dein Ziel finden das schaffst du mit viel Beschäftgung

13.10.2019 23:43 • x 1 #2



Akzeptanz für Trennung fällt so schwer

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Catalina

Catalina


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Hallo Lotti,

hattest du denn innerhalb der Beziehung kein Hobby oder einen Bereich, den du nicht mit ihm geteilt hast, der einfach "deins" war? Wie lange wart ihr denn zusammen und ist das dein erster Liebeskummer?

Ich weiß, es tut verdammt weh, vor allem, wenn man die Gründe für die Trennung nicht versteht. Die erste Zeit ist immer hart, alles erinnert einen an den Ex, man kann sich gar nicht vorstellen, irgendwann mal wieder glücklich zu sein. Das haben wir hier so ziemlich alle durch, viele schon mehrmals. Letztendlich muss man die Tatsachen aber irgendwann akzeptieren und sein Leben weiterleben. Irgendwann wird der Schmerz nachlassen, die Erinnerungen verblassen und eines Tages wacht man auf und stellt erstaunt fest, dass man wieder lächeln und sich freuen kann. Das wird auch bei dir so sein.

Wie lange das dauert, ist bei jedem Menschen individuell verschieden. Hängt auch ein bisschen davon ab, wie man mit der Situation umgeht. Ich finde es toll, dass du dir schon Unterstützung gesucht hast, tu das ruhig weiterhin, wenn dir das hilft. Und ansonsten ist einfach die Zeit dein Freund.

14.10.2019 00:02 • x 2 #3


Lottii


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Danke euch für die lieben Antworten
Ich lese auch viel hier im Forum, es tut einfach gut zu wissen, dass man nicht alleine ist.
Wir waren knapp 5 Jahre zusammen und es ist nicht mein erster Liebeskummer, aber es war noch nie so schlimm. Einmal hatte ich sogar schon einmal solchen Kummer wegen ihm - das hätte ich vielleicht noch erwähnen sollen. Er hat schon einmal gezweifelt und sich getrennt, wir sind nach sehr vielen Gesprächen und einem halben Jahr Zeit, in dem sich jeder sortiert hat, aber wieder zusammengekommen. Und dieses Mal war es anders als vorher - erwachsener, stabiler und ernster. Er sagte immer dass ich keine Angst zu haben brauche, sowas passiert nicht mehr - er macht so einen Fehler einmal und nie wieder. Wenn wir das geschafft haben, schaffen wir jetzt alles. Klingt vielleicht blöd, aber das hat sich auch so angefühlt und ich war mir sehr sicher.
Ich denke das macht es mir noch schwerer, dieses Mal endgültig abzuschließen.
Ich hatte und habe Hobbies, die nicht mit ihm zusammenhingen. Und auch Freunde, die nur meine sind. Wir haben auch während unserer Beziehung öfter mal Dinge alleine unternommen, weshalb es mich noch mehr überrascht, dass es mir jetzt so geht. Ich habe einfach keinen Spaß mehr an den Hobbies von vorher und es ist mehr Pflicht als Ausgleich. Am liebsten würde ich jede freie Minute nur eingekuschelt auf dem Sofa verbringen.
Ganz liebe Grüße
Lottii

14.10.2019 07:14 • #4


Carolinga

Carolinga


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Hallo Lottii,
ja, alles tut weh und alles erinnert an ihn...
So geht es mir auch. Nach 30 Jahren hat sich mein Mann von mir getrennt und nach nur drei Monaten. liebt er eine Andere.
Er spricht von neuer Lebenspartnerein und er ist hier erst letzten Dienstag ausgezogen.
Seine Sachen sind noch überall hier.
Auch bei mir will die kleine, böse Hoffnung im Hintergrund nich weggehen.
Mein Mittel der Wahl ist reden, reden, reden.
Und trotzdem ist dieser Schmez in mir, der nicht weggehn will, der mich lähmt und mir jegliche Energie raubt.
Alle sagen, die Zeit wird heilen, darauf können wir alle nur bauen.
Bis dahin wird es ein harter Weg...
LG
Carolinga

14.10.2019 08:14 • #5


Lottii


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Hallo Carolinga,
das klingt auch sehr schlimm Nach 30 Jahren ist das sicher nochmal anders als nach 5, aber das Grundgefühl ist bestimmt das gleiche. Das Neue ist aufregender und spannend, aber auch da wird irgendwann der Alltag einkehren. So rede ich mir die ganze Zeit selber gut zu. Gegen so viele Jahre und Erlebnisse kommt keine fremde Person so schnell an, niemand kann uns so schnell das Wasser reichen. In guten Momenten schaffe ich es, das so zu sehen und mich überlegen zu fühlen. Es teilweise sogar zu belächeln, weil gerade Männer (ich will eigentlich nicht pauschalisieren, aber es ist oft so) nicht alleine sein können und die Leere durch andere und wahrscheinlich oft unbedeutende Frauen zu füllen versuchen. Das rufe ich mir in den Kopf und manchmal kann ich es dann sogar ironisch belächeln. Vielleicht kannst du das auch probieren? Die Bezeichnung Partnerin oder neue Frau an meiner Seite habe ich auch nach wenigen Wochen gehört und das tat unfassbar weh. Ich habe das sehr persönlich und sogar fast schon als Beleidigung mir gegenüber aufgefasst. Ich finde es sehr schade, dass so etwas Oberflächliches dem Vertrauten und einer jahrelang aufgebauten Beziehung vorgezogen wird, weil es einfach und bequemer ist. Ich habe auch mal gelesen, dass viele Menschen Verliebtheit und Liebe verwechseln - und es an manchen Punkten auch einfach eine Entscheidung für einen Menschen ist, auch wenn vielleicht gerade keine Schmetterlinge da sind. Und manche sind zu schwach für solche Entscheidungen.
Ich hoffe wirklich du hast Recht mit der Zeit...
Und die blöde Hoffnung oder was auch immer es ist, was einem irgendwie noch gedanklich bei dem Menschen hält, wird hoffentlich auch irgendwann weggehen.
Ich wünsche dir auch, dass du deinen Weg gehst und sich für dich irgendwann wieder alles zum Guten wendet.
Liebe Grüße

14.10.2019 19:32 • #6


Carolinga

Carolinga


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Hallo Lottii,
danke für deine Rückmeldung.
Auch ich rede mir immer ein, das 30 Jahre sehr übermächtig sind und der Alltag bei den Beiden schnell eintreten wird.
Wahrscheinlich ist es nur ein mir selbst schöngerede, aber das Gras ist woanders nicht grüner.
Noch ist alles sehr frisch und ich komme immer noch nicht klar.
Gerade haeute morgen hat er mir wieder per WattsApp geschrieben, das er mich nicht vergisst.
Es tut so furchtbar weh und ich hoffe so sehr, das das Zusammenleben mit ihr nicht so funktioniert, wie er sich das vorstellt. Und wenn die erste Verliebtheit weg ist, wird sich alles zeigen.
Irgendwie muss ich mich damit selber trösten.
LG
Carolinga

15.10.2019 08:19 • #7


sewe


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Hallo liebe Lotti,
habe vorhin einen Beitrag von dir gelesen und fand ich sehr toll!
Nun wollte ich deine Geschichte wissen...
Oh man ... Wir sitzen echt alle hier irgendwie im gleichen Boot. Ich würde dich gerne fragen wie es dir geht? Geht es dir schon besser und fühl dich bitte gedrückt!
Zitat:
Irgendwann wird der Schmerz nachlassen, die Erinnerungen verblassen und eines Tages wacht man auf und stellt erstaunt fest, dass man wieder lächeln und sich freuen kann. Das wird auch bei dir so sein.

@Catalina ich hatte fast tränen in den Augen. Man hat absolut keine Hoffnung, dass man wieder am morgen aufwacht, lächelt, glücklich und unbeschwert ist. Danke für diese Worte

12.11.2019 16:15 • x 2 #8


Lottii


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Hallo sewe,
wie lieb von dir, danke
Ich habe inzwischen auch ein paar Beiträge von dir gelesen und fand sie ebenfalls super. Ich glaube es tut allen hier einfach gut zu sehen, dass es so viele Geschichten und Erfahrungen in dieser Richtung gibt und viele diese blöden Phasen durchstehen müssen. Die guten Ratschläge und lieben Worte tun dann einfach nur gut und bauen auf.
Ich habe es in den letzten Tagen geschafft, aus der Enttäuschung etwas Wut zu ziehen und das hat gutgetan. Als er sich gemeldet hat, habe ich mich auch nicht zurückgehalten und bin einiges losgeworden - das war irgendwie befreiend und jetzt führe ich die Gespräche zumindest nicht mehr andauernd in meinem Kopf.
Ich hoffe das hält eine Weile an und die Gedankenstrudel und Fragezeichen kommen nicht so schnell wieder. Viele empfehlen ja das Aufschreiben und bloß für sich behalten - aber ich finde manches muss einfach raus.

12.11.2019 23:46 • #9



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