@celine_m
Ich glaube ich kann die Perspektive deines Freundes in einigen Punkten verstehen, deine aber auch. Ich versuche mal die Punkte durchzugehen:
Zitat von celine_m: Desweiteren sind seine „Witze“ teilweise echt beleidigend. Manchmal denkt er einfach nicht nach, was er sagt. Wir machen uns beide über den anderen lustig und einstecken können wir beide auch. Und ich weiß auch, dass er das nicht tut, um mich absichtlich zu beleidigen. Aber es kommen teilweise aussagen zu themen, wo er genau weiß, dass mich das sehr belastet…
Wie gesagt: Das gleiche Verhältnis haben mein Kumpel und ich auch.
Da hilft nur: Themen, die nicht angesprochen werden dürfen klar und deutlich kommunizieren. Wenn er sich nicht daran hält: Ihn darauf hinweisen und, falls sich nichts ändert, sich emotional abnabeln. Ich spreche aus Erfahrung: Auch meine Ex kannte Themen, wo man "behutsam" miteinander umgehen muss und auch bei uns gab es Situationen, wo ich als Typ das falsche gesagt habe.
Ich wollte ihr auch nicht wehtun, jedoch verlieren "streiterfahrene" Personen in einem hitzigen Gespräch auch mal die Kontrolle. Was mir (und deinem Freund) dann hilft: Durchatmen, den Streit pausieren und kurz die Gedanken auf etwas anderes richten. Dein Freund müsste aber eigentlich sehr schnell merken, wenn er bei dir eine Grenze erreicht. Dafür entwickelt man ein Gefühl.
Zitat von celine_m: Seine erste Freundin, war ein ziemliches Desaster. Sie muss wohl eine sehr toxische Person gewesen sein, die ihn emotional erpresst hat und teilweise auch Gewalt angewendet hat. Und ja, sie hat ihm während seines Auslandssemesters mit einem Freund von ihm betrogen und ein teil seines Freundeskreises war dann weiterhin mit ihr befreundet, was ihm sichtlich gestört hat.
Schlimme Geschichte, schlimmer noch als meine. Als gerade "frisch betrogener" kann ich aber nur dazu sagen: Er soll seinen Mann stehen. Du bist nicht seine Ex und auch nicht dafür verantwortlich was sie getan hat. Das sage ich nur, weil in toxischen Verhältnissen die nicht-toxischen Partner irgendwann sich selbst die Schuld geben. Mach dir das immer selbst deutlich.
Was ihn angeht, so hilft dort nur eine gute Verarbeitung der Vergangenheit (schafft er wohl nicht), eine Therapie, eine Selbsthilfegruppe oder ein deutlicher Klapps von seinem Umfeld.
Aber auch hier: Deine Möglichkeiten zur Intervention sind begrenzt.
Zitat von celine_m: Zu dem Thema Job…es ging dabei um einen speziellen Job, nicht allgemein. Seine Schwester ist die Chefin und suchte noch eine Mitarbeiterin. Und als ich mein Interesse daran zeigte, war er davon nicht begeistert. Seine Exfreundin hat damals für seine Schwester auch gearbeitet und war sehr unzuverlässig, weil es ja die Schwester von ihm ist und da könnte man wohl mal ein Auge zudrücken.
Ok, das ist nicht mal mehr nur toxisch, das ist einfach nur dumm (sorry). Seine Schwester ist die Chefin und nicht er, damit hat er innerhalb des Betriebes nichts zu melden. Und wenn deine Schwester dich nur Kaugummi kauen lässt geht ihn das nichts an.
Auch hier: Klare Grenze aufzeigen, gegebenfalls sogar mit Rücksprache mit seiner Schwester (was haben die für ein Verhältnis?). Du solltest dir aber von ihm auf keinen Fall in die Karriere pfuschen lassen.
Zitat von celine_m: Die Vergleiche sind aber einfach nicht in Ordnung. Er weiß, dass ich so respektvoll bin und gewissenhaft bin. Und dann verglichen zu werden, mit einer Person, die er als „Monster“ beschreibt, verletzt mich.
Hat er dich als "Monster" bezeichnet, gesagt du seiest wie seine Ex oder situativ Vergleiche angestellt?
Egal was davon: Klar die Grenze aufzeigen und ansonsten dich abnabeln. Auch wenn du ihn liebst: Es ist besser (auch für eure Beziehung) wenn du dich emotional entfernst und damit den Schaden an dir selbst begrenzt als sein Spiel mitzuspielen. Wenn Trennung (noch) kein Thema für dich ist (lese ich so in deinem Beitrag) dann hilft vielleicht eine Pause bzw. eine gewisse Zeit in der ihr euch nicht seht. In der Zeit soll er an seinen Problemen arbeiten, den die liegen ganz alleine bei ihm (sage ich als jemand, dessen Ex ihn letzte Woche betrogen hat, wenn auch nicht derartig schlimm).
Zitat von celine_m: Ich hatte lange Zeit eine Essstörung, von der ich mich erholt habe. Aber er triggert mich, vor allem zusammen mit der Situation, dass von ihm kaum sexueller Körperkontakt kommt, wenn er sagt, dass zugenommen habe oder wenn er mich hochhebt und sagt, dass ich ganz schön schwer geworden bin. Ich weiß, dass ich bei 170 und 53kg nicht „fett“ bin, aber es nagt trotzdem.
Und das häuft sich halt.
Klar toxisches Verhalten. Du wiegst etwa 4 kg mehr als meine Ex und sie war untergewichtig. Lass dir da nichts einreden.
Mal ganz unter uns: Welcher Idot bezeichnet seine Freundin als "fett" bzw. macht Witze über ihr Gewicht? Das du dann überhaupt noch Sex von ihm willst ist .... bewundernswert.
Zitat von celine_m: Das große Problem ist halt, dass wir beide an sich sehr gut harmonieren und zusammenpassen.
Ich bin mir sicher das kommt dir so vor, aber ich lese eigentlich etwas anderes aus deinem Text. Mal ein kleiner Denkanstoß:
Harmonie definiert man als "ausgewogenes, ausgeglichenes Verhältnis von Teilen zueinander; Ausgewogenheit, Ebenmaß". Die Teile seit ihr beide.
Wo seit ihr "ausgewogen" zueinander, wenn er permanent deine Grenzen verletzt? Wo ist die Harmonie, wenn er ständig seine Ex-Beziehung bei euch einbringt?
Ob ihr "zueinanderpasst" kann ich nicht beurteilen, allerdings scheinst du eine Person mit Gefühlen, Empathie und einer gewissen Sensibilität zu sein (nicht falsch verstehen: Damit ist nur gemeint, das du fühlen kannst). So was passt eigentlich nicht zu toxischen Personen.
Zitat von celine_m: Aber er zeigt halt keine Einsicht, dass er „schuld“ daran ist, wenn ich sauer bin.
Ja das kenne ich (von mir selbst zum Anfang meiner Ex-Beziehung). Generell ist das Eingestehen von Schuld etwas schwieriges, meine Ex hat immer gesagt (wenn sie sich geirrt hat): "Da hatten wir wohl beide Unrecht"

Fand ich eigentlich ziemlich süß.
Dort gilt: Es kann sein, dass er sich seiner Schuld bewusst ist, aber es dir gegenüber nicht ausdrücken kann. Dafür braucht ihr einen Modus Operandi, der ihm das ermöglicht (z.B. Streit abbrechen und später fortsetzen).
Allerdings glaube ich ehrlich gesagt nicht, dass er seine Schuld selber sieht. Er wird halt seine Abwehrmechanismen haben (die dich verletzen) und diese als "legitim" ansehen.
Zitat von celine_m: Er ist dann eher verletzt und versteht nicht, wieso ich am liebsten meine Koffer packen würde.
Sein Problem.
Zitat von celine_m: Ich weiß auch, dass er mich liebt.
Woher weißt du das?
Zitat von celine_m: Aber dann verstehe ich nicht, wieso er mir das nicht zeigen kann, so wie ich das auch bei ihm kann.
Weil er ein Vertrauensproblem hat. Liebe bedeutet auch Vertrauen nur wenn du vertraust kannst du auch (wahrhaftig) lieben.
Dir zu zeigen, dass er dich liebt würde ihn in seiner eigenen Gedankenwelt angreifbar machen für Manipulationen von seiner Seite. Also behandelt er dich wie ein Stück Dreck, weil dann tut es ihm, falls du dich gegen ihn wendest, nicht so weh.
Das das ganz großer Müll ist muss ich glaube ich nicht erwähnen. Wäre das ein Kumpel von mir würde er ein paar Schläge auf den Hinterkopf bekommen (natürlich nur metaphorisch).
Zitat von celine_m: Vor allem, wenn ich einfach für 2 Wochen im Urlaub mit der Familie bin und er sich einfach nicht meldet. Ich bin da vielleicht auch etwas extrem, weil ich gefühlt alles mit ihm teilen würde und ihm am liebsten von allem Fotos schicken würde. Aber ich verstehe, dass er nicht dieser Typ ist. Aber ist ein Anruf zu viel verlangt?
Nun das ist nicht unbedingt toxisch sondern könnte ein klassisches Kommunikationsproblem sein bzw. eine falsche Wahrnehmung der Kommunikation.
Mir fiel es auch schwer meine Freundin jeden Tag anzurufen. Nicht weil ich sie nicht geliebt habe, sondern weil ich das "anders" gezeigt habe. Ich wollte sie sehen, nicht mit einer "Stimme aus dem Äther" reden. Stattdessen hatte ich immer ein Bild von uns in der Brusttasche....
Was hat geholfen: Einen Kompromiss finden. Z.B. kann man eine Zeit vereinbaren, an der der Freund (oder die Freundin) anruft. Dafür kann er sich dann einen Wecker stellen. Im Gegenzug könntest du anbieten die Gespäche auf eine gewisse Zeit zu begrenzen (den Rest kannst du dann persönlich erzählen).
Das alles wird aber von seinem toxischen Verhalten überlagert. Kriegt er das nicht auf die Reihe, wird es langfristig mit euch aus sein oder du wirst seelisch daran kaputt gehen. Ich rate dir den ersten Weg zu wählen bzw. dir (oder ihm) ein Zeitlimit für eine Änderung zu setzen (das musst du dann natürlich auch einhalten).
Ich wünschte ich könnte dir schreiben, dass die Chance groß ist, dass er sich ändert. Ist sie aber nicht. Toxische Persönlichkeiten können sich ändern, aber nur mit viel Eigeninitative und viel Arbeit. Die muss aber dein Freund investieren (nicht du) und es muss von ihm selbst kommen.
Was für ihn spricht: Es gibt eine Erklärung (keine Rechtfertigung) für sein Verhalten: Vertrauensproblem, vielleicht sogar Selbstwertproblem resultierend aus einer früheren toxischen Beziehung. Das hilft nur leider dir nicht.
Schlussendlich macht dir aber bitte eins immer klar: Es ist nicht deine Schuld und du hast das nicht verdient. Du hast etwas besseres verdient. Ich weiß, dass du wohl am liebsten an deiner Beziehung festhalten willst, aber im Zweifelsfall gibt es viele gute Männer da draußen die nur darauf warten dich kennen zu lernen. Die würden dich eher auf Händen tragen, dir helfen neue Freunde auf deiner Arbeitsstelle zu finden und dir bei deinen Problemen helfen (und nicht sie verstärken). Da spreche ich aus Erfahrung

Ihr erreicht leider gerade den Punkt, wo eure Beziehung aus der wilden Schmetterlingsphase in die liebevolle Zweierbeziehung wechselt. Das führt auch zu einem höheren Vertrauenslevel (man ist halt füreinander da). Bei ihm führt das halt zum triggern der alten Erinnerungen und damit zu seinen toxischen Bewältigungsstrategien.