@Scherbenmeer
Zitat von Scherbenmeer: Die Beziehung war keineswegs durch meine Angst geprägt, im Gegenteil, ich würde fast sagen, er hat weitaus mehr Verlustangst als ich und ist zudem in keiner Weise willig, an sich zu arbeiten.
Statt dessen bin ich in seinen Augen schuld an seinem Verhalten.
Ich habe ihm mehrfach versucht zu vermitteln, dass es geht hier nicht um Schuld geht , es geht um Lösungen.
Dazu kommt absolute Intransparenz und ständiges Mauern, anstatt zusammen Lösungen zu finden.
Ich bin wirklich am Ende mit meinem Latein, ich kann und will ihn nicht therapieren und sehe keinerlei Einsicht oder auch nur den Versuch seinerseits, gemeinsam einen Weg zu finden.
Deswegen, so weh es mir tut, ich kann und will das so nicht mehr.
Er ist nicht willig, an sich zu arbeiten. Klar, es geht ja auch so. Kommen und gehen , wie es ihm seine Impulse gerade eingehen, ohne Rücksicht auf die Partnerin. Die sieht ja dann, dass er abgetaucht ist. Dann kommt er wieder, will wieder eine harmonische Beziehung, schwört womöglich, dass das nie mehr vorkommen wird. Und macht es wieder. Weil er so ist und es nicht ändern kann und sich mit sich auch gar nicht befassen will.
Ich fragte mal einen Therapeuten. ob Bindungsängste heilbar sind. Nur schwer, meinte er und nicht mit ein paar Sitzungen. Der Klient kommt erst dann, wenn der Leidensdruck hoch genug ist, aber das ist er selten. Und so machen sie halt so weiter wie sie es kennen. Es ist eine oft langwierige Ursachenfindung notwendig und es gibt Menschen, die keinen Zugang zu sich finden, schon weil sie alles Belastende und Angst Machende vergessen haben. Übertüncht mit alleim möglichen, sind die Ursachen, der Schmerz von früher gut weggesteckt, aber wirken doch.
Viele kommen gar nicht, denn sie kommen ja auch so durchs Leben. Eine Beziehung kaputt, versucht man es halt woanders wieder.
Warum soll er sich mit sich befassen, sein Problem angehen? Da ist es doch bequemer, die Schuld der Partnerin zuzuweisen. Die berühmte Schuldumkehr um von sich abzulenken.
Ich kann mir gut vorstellen, wie Du versucht hast Lösungen zu finden. So was prallt ab, denn damit stelltst du Ansprüche, damit wirst Du unbequem und fordernd und das mag er gar nicht. Er will keine Lösungen, er will seine Ruhe und sein Ding machen.
Damit hast Du Druck ausgeübt und Druck vertreibt.
Ja, es stimmt, Du kannst hier nichts ausrichten und ein gemeinsamer Weg ist doch gar nicht möglich. Allenfalls zeitweise ein Nebeneinanderher, aber nichts mit Substanz, keine Beziehung mit Stabilität und Zuverlässigkeit. Das verlangt ihm doch viel zu viel ab.
Ein Bindungsvermeider kommt selten allein. Es finden miest die passenden Gegenstücke zueinander, aber sie arbeiten sich aneinander ab, meist ergebnislos. Lies ruhig mal in dem Buch von Stefanie Stahl. Ich tat es damals auch und war momentan verstört, denn da war ja eins zu eins unsere Beziehung beschrieben.
Von wegen, einzigartige Probleme, das Ganze folgte einer Choreografie. Es war schon fast banal. Aber was hilft es, es zu lesen?
Ja, Erkennen ist immer nützlich und gut, aber wie soll man denn die Probleme angehen, vor allem, wenn sich nur der eine Mühe gibt und der andere diese ablehnt?
Der eine will den abtrünnigen Partner vom Wert einer Beziehung überzeugen, der andere will aber nicht überzeugt werden. Und ein Partner, eine Partnerin kann kein Therapeut sein, denn das verschiebt die Rollen in einer Beziehung völlig. Der eine, der Kluge, will den anderen heilen und stabilisieren, weil er ja weiß wie es geht und weil er sowieso klüger ist. Schließlich hat er ja herausgefunden, was dem kleinen Krisenpatienten fehlt. Leiden erkannt, jetzt geht es an die Heilung.
Eine Katastrophe, weil der Möchtegerntherapeut den anderen in die schwächere Rolle des hilfsbedürftgen Patienten drängt. Damit spricht man dem Anderen seine Würde ab und degradiert ihn und stilisiert sich selbst zu etwas hoch, was man nicht leisten kann. Therapieren kann allenfalls ein unbeteiligter Dritter und einer, der was von seinem Fach versteht.
Das Mauern, die Verweigerung von tiefsinnigen Gesprächen sind typisch für den aktiven Vermeider. Denn Gespräche schaffen Nähe, der Andere rückt damit näher und das lehnt er ab. Die Verweigerung ist eines der Mittel um Distanz herzustellen.
Du bist ihm auch zu nahe auf den Pelz gerückt und Du wolltest was und hast was gefordert. Die Antwort kennst Du.
Mit solchen Menschen kann man nur leben wenn man die Eskapaden des Partners mit Gleichmut nehmen kann, aber diese innere Souveränität hat in der Regel keiner, der wartet.
Am Ende steht dann Zermürbung, Kraftlosigkeit, seelische Erschöpfung und eine Trennung, die schon lange ansteht, ist unausweichlich.
Nicht selten trabt einer von beiden wieder an. Oft derjenige, der das Alleinsein zwar vorzieht, weil er sich selbst schützen muss, aber wenn er die Konsequenzen des Alleinseins dann spürt, nimmt er oft genug wieder Kontakt auf. Und das Karussell dreht sich von Neuem, vor allem, wenn der Andere doch wieder aufgeschlossen ist und ihn herein lässt in sein Leben.