dyness
Gast
Ob mich das trösten soll, weiß ich noch nicht.
Ich vermeide es mittlerweile fast vollständig über meine Affäre zu sprechen, ich komme mir ja eh schon bescheuert genug vor.
Vor drei Jahren war ich 47 , meine Kinder mehr oder minder erwachsen, mein Mann und ich führten eine Wochenendehe seit Jahren, hatten uns aber gut darin eingerichtet. Wir verstanden uns besser als jemals zuvor, fand ich, verbrachten viel Zeit am Wochenende zusammen, genossen das auch- alles prima, fand ich.
Um so mehr hat es mich getroffen als er sich in eine andere Frau verliebte.
In der Zeit lernte ich im Internet einen Mann kennen- ich bin Kunsthandwerkerin und er hatte etwas bei mir bestellt - mehr und mehr stellten wir aber fest, wie interessant es war, uns auszutauschen und uns zu schreiben. Er war 11 Jahre älter als ich , seit über 30 Jahren verheiratet und zudem noch in England. Ungefährlicher geht kaum, dachte ich. Ich war oft traurig und fing an viel von mir zu erzählen . Daraus entwickelte sich eine intensive... hm...Beziehung, die schließlich dazu führte, dass wir uns trafen, öfters. Heimliche Mails, heimliche Telefonate, sorgsam arrangierte Treffen. Ich realisierte lange nicht, verliebt wie ich war, dass ich das war, was ich nie hatte sein wollen. Die Geliebte. Ich wartete - auf mails , messages, Anrufe. Und oft vergebens, wenn er es nicht schaffte. Sonntag Abend Tennisclub für seine Frau- also unser Telefonabend. Oder auch nicht ! Sonntag Abend war aber auch mal mein Abend gewesen, mich mit meiner Freundin zu treffen - oder mal gemütlich Tatort zu schauen, das fiel immer öfter aus. Nur ein Beispiel. Die ständige Sehnsucht, das Warten auf Treffen , die Heimlichkeiten- ich wurde immer nervöser, unausgeglichener und auch trauriger. Meine Freunde und Kinder wollte ich das nicht merken lassen und zog mich mehr und mehr zurück.
Schließlich kam der Tag an dem er es ebenfalls nicht mehr aushielt und er sagte seiner Frau alles und sagte , er wolle sie verlassen. Und dann begann der eigentliche Albtraum. Seine Frau hat gekämpft wie eine Besessene, fing an mich am Telefon zu beschimpfen, er und ich hatten oft ewig keinen Kontakt und wenn dann tränenreichen - ich wollte mich lösen und hab es nicht geschafft. Als ich mich einer Freundin anvertraute erntete ich eher Unglauben und Verständnislosigkeit- seit wann war ich so unvernünftig und blöd?! Ich zog mich mehr und mehr zurück, eigentlich war ich am liebsten alleine, was ich kaum an mir kannte vorher. Schlaflosigkeit, Panikattacken und depressive Phasen wurden immer häufiger, ich zog mich noch mehr zurück. Schließlich zog er tatsächlich aus- oder wurde schließlich energisch vor die Türe gesetzt , nach neun Monaten Kampf und Tränen auf allen Seiten.
Nach einer Weile sahen wir uns auch wieder- nach 10 Monaten. Und klar waren wir froh zusammen zu sein, das war wunderschön. Aber in mir kommt immer wieder alles hoch was passiert ist wenn wir getrennt sind. Ich habe fürchterliche Zweifel und Selbstzweifel, fühl mich in etwas gefangen was destruktiv ist und weiß nicht wie ich daraus lösen kann. Das ist wie eine Sucht.
Kennt von euch jemand das Gefühl?
Und danke fürs Durchlesen- wenn sich jemand den langen Sermon tatsächlich angetan hat.
