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Disneyfizierung der Liebe

OneDay

OneDay


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Disneyfizierung brachte ich zunächst mit Stadtplanung in Verbindung. Im Kontext Liebe dachte ich an einen Bodybuilder im Prinzessinnenkleid, mit Krönchen, im Park, umgeben von einer ganzen Schar Tieren und dann noch singend.

Soweit der erste Gedanke, find es ja recht interessant was der Typ zu erzählen hat, vieles kommt mir bekannt vor, wenn auch aus anderer Richtung. Da geht es zwar auch um Dating usw aber die Herangehensweise ist eine Andere. Was mir etwas übel aufstößt ist die Tatsache, dass der gute Mann seinem Gegenüber jedwede Medienkompetenz abspricht. Jeder weiß, auf derartigen Bildern liegt der x-te Insta-Filter u es geht um den schönen (An)Schein. Das sie ihm fast fast den Hals umgedreht hätte weil er der scharfen Wasserstoffperoxid Blondine im viel zu engen Bikini auf die Brüste starrte bleibt undokumentiert.

10.02.2021 14:04 • x 1 #16


Wasabix

Wasabix


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10.02.2021 14:11 • #17



Disneyfizierung der Liebe

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OneDay

OneDay


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Gut der Typ muss das ernst nehmen, der verdient seine Brötchen damit. Aber was er hier betreibt ist Dramatisierung, oder um auf den EP zurück zu kommen: Die Tolkinisierung von Beziehungen, alles ein epochales Drama bei dem Shakespeare nur neidisch gucken kann. Bissel Soziologie gemischt mit Versatzteilen der Psychologie, gut geschüttelt, nur ich bleib ungerührt. Woher stammt eigtl die Idee alles und jeden in eine Beziehung prügeln zu müssen und diese dann auch noch von außen bewerten lassen zu müssen? Ich find das Konzept irgendwie abartig.

Ob er nen Vertrag mit IKEA hat? Beim letzten Vid war das Bücherregal (suggestiv ich hab die alle gelesen u weiß daher viel mehr als Du Waldmensch) nämlich noch braun.

10.02.2021 14:40 • x 2 #18


H-Moll


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Ich liebe Disneyfilme und hab sie gefühlt mit meinen Kindern alle gesehen, wir können auch heute noch 20 Jahre später alle Dialoge mitsprechen und die Lieder singen.

Letzhin beim Küche aufräumen, I'll make a man out of you; Mulan, geht sehr gut:)

Film ist Film und Leben ist Leben, fizierung das gilt ja auch für Romane oder andere genres. Irgendwann geht's "vom Kino wieder zurück auf die Straße."

Ob man später zur Dauerverklärung oder überzogenen Ansprüchen neigt - Disneyfizierung kannte ich nocht nicht, aber "damsel-in-distress, I need a man to save my life":), dafür sind mE nicht alleine Filme, Bücher oder andere Fiktionen verantwortlich, sondern das reale Umfeld, in dem man aufwächst.

10.02.2021 15:00 • x 1 #19


Offspring78


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Es sind ja auch tief verwurzelte Urvorstellungen der Menschen, sogenannte Archetypen, die damit angesprochen werden. Geschichten werden berühmt und beliebt, weil die dergleichen in uns zum Klingen bringen und nicht umgekehrt. Hero to zero, böse Hexen, unschuldige Prinzessinnen, alles Tropes, die einfach viel mit der Psyche zu tun haben und nicht erfunden, sondern einfach nur in Worte/Storys gefasst wurden. Die natürlich jeder kennt und liebt.
Jung hat da glaube ich auch viel zu geschrieben.

10.02.2021 15:05 • #20


OneDay

OneDay


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Zitat von H-Moll:
... "dafür sind mE nicht alleine Filme, Bücher oder andere Fiktionen verantwortlich, sondern das reale Umfeld, in dem man aufwächst."


Soweit klar, aber wodurch wird besagtes Umfeld geprägt? Medien insbesondere Massenmedien, Filme allg, soz Medien, Presse, Rundfunk, Bücher usw wäre hier die richtige AW. Medien sind nun einmal Teil der gegenwärtigen Sozialisierung, deren Inhalte sind Teil dessen was als gesellschaftlich akzeptiert gilt. Hier wird die Frage aufgeworfen woher stammt diese Akzeptanz und wieweit ist sie dem Individuum dienlich. Ich kann das Intro von "König d Löwen" mitbrummeln, wäre aber nicht begeistert hätte meine Partnerin noch 7 Pygmäen nebenher.

10.02.2021 15:13 • x 1 #21


Goldy

Goldy


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Zitat von OneDay:
Soweit klar, aber wodurch wird besagtes Umfeld geprägt? Medien insbesondere Massenmedien, Filme allg, soz Medien, Presse, Rundfunk, Bücher usw wäre hier die richtige AW. Medien sind nun einmal Teil der gegenwärtigen Sozialisierung, deren Inhalte sind Teil dessen was als gesellschaftlich akzeptiert gilt. Hier wird ...


Ich stimme nur teilweise zu. Märchen gehören zur Literatur. Genauso wie Anna Karenina, Krieg und Frieden, Sommernachtstraum von Shakespeare, Stolz und Vorurteil, ect. Die Sprache, der Aufbau, ect. das ist etwas, was, meiner Meinung nach, zum Allgemeinwissen gehört.

Ich als Mutter/Vater muss mein Kind darauf vorbereiten, wie die Welt tatsächlich ist. Sage ich meiner Tochter immer wieder, sie wird nur glücklich mit Mann und er ist ihr Held, Beschützer, Alleinverdiener und sie die Mutti, unselbständig, ect. dann muss ich mich nicht wundern, wenn sie ins Märchenland aka Disney abdriftet.

Ich wollte übrigens nie Cinderella sein. Ich war Mogli.

10.02.2021 15:43 • x 2 #22


Florentine


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Zitat von ThePort:
Doch, früher hat man auch verstanden, dass es eben nicht so ist

Bei manch einem lyrischen oder epischen Format aus der Epoche der deutschen Romantik wage ich das stark zu bezweifeln.
Auch der Sturm und Drang und die "Werther-Selbstmorde" legen andere Schlüsse nahe = manche verstehen es, bei anderen ist Hopfen und Malz verloren.

Zitat von OneDay:
wodurch wird besagtes Umfeld geprägt

In der Primärsozialisation mag das mit Einschränkungen stimmen, dieser liegen aber neben den Medien auch noch tiefere gesellschaftliche Werte und Normen zu Grunde, Religion, Bildungsgrad der Eltern usw. zu Grunde.
So werden z.B. Filme der "vom Tellerwäscher zum Millionär"Liga in Amerika anders rezipiert als in Europa, einfach weil die gesellschaftlichen Wertsetzungen andere sind.

Disneyfizierung ... damit tut man Disney in der negativen Konnotation aber Unrecht.
Selbst "Die Schöne und das Biest" gibt ja mehr her als Kitsch: keine Liebe auf den ersten Blick. Stattdessen ein Protagonist, der unsicher ist und sich dann (um die Liebe und um die Beziehung) Mühe gibt, das Gegenüber zu verstehen - das halte ich nicht für kitschig, sondern für durchaus vernünftig.
In Cap und Capper können wir lernen dass freundschaftliche Liebe stark sein - Freundschaften aber trotzdem zerbrechen können.
Die Märchenadaptionen mit teilweise geändertem Schluss - geschenkt. Die waren schon bei Grimm in der Liebe immer kitschig ausgegangen (wie man "Liebe" damals halt definierte) und dass die Strafen für die Bösen nicht so drakonisch ausfallen wie einstmals: Grimms Märchen waren nicht in erster Linie für Kinder gedacht. Rapunzel wird ja eigentlich auch schon im Turm in ihrem 12. Jahr schwanger.
Es sind in den moderneren Disneyfilmen auch (im Gegensatz zu Grimms Märchen) nicht mehr nur arme hilflose Früchtchen, die von irgendeinem Prinzen gepflückt werden (z.B. Mulan) - in vielen Filmen von Disney ist die Liebe gar bloß eine Randerscheinung oder wird gar nicht weiter thematisiert.
Ich wünsche mir mal eine "Plus-Size-Heldin" von Disney
Mit Blick auf Liebe und Kitsch finde ich viele Hollywood-Highschool-Filmchen und Liebes resp. S..szenen aus Kinofilmen tausendmal schlimmer.

Die Geschichten gibt es in jeder Kultur und in allen wird die Liebe überhöht - man lese nur mal in 1001 Nacht rein, das trieft vor Schmalz, oder schaue ein paar Bollywoodfilme.
In Asien ist das nicht anders - dort schaue man Mangas o.ä. auch dort wird eine Liebe vorgestellt, die es so in der gesellschaftlichen Realität nicht gibt.
Zitat von Goldy:
Ich war Mogli

Ich wollte immer sein wie Ronja Räubertochter und vor allem ihr Pony haben

10.02.2021 15:48 • x 3 #23


Landlady_bb

Landlady_bb


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Zitat von OneDay:
Woher stammt eigtl die Idee alles und jeden in eine Beziehung prügeln zu müssen und diese dann auch noch von außen bewerten lassen zu müssen?

Das kommt aus genau jenem Hexenkessel, in welchem die Art zu leben, also die Lebens-Art, zum Lifestyle
umetikettiert werden muss. Das Leben wird auf "vorzeigbar" gestylt, statt es zu leben.
Und zu eben jenem vorzeigbarem Lifestyle gehört dann eben auch irgendein Beziehungsmodell, das nach einem ausgeklügelten Konzept funktioniert.
Merke: Der Partner ist dabei nur noch ein versachlichtes Stück Zubehör zu jenem zum Lifestyle passenden Beziehungsmodell.
Ähm - was? Ein Partner ist ein Mensch?
Ähm - was is'n das, ein Mensch? Kann ich das googeln oder weiß es mein Therapeut?

10.02.2021 16:05 • x 2 #24


Goldy

Goldy


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Meine Tochter und ich waren immer treue Fans von "Kim Possible". Sie mochte die Kitschfilme von Disney überhaupt nicht. Eigentlich, wenn ich so recht überlege, gar keinen. Doch! Halt! Die tollkühne Hexe in dem fliegenden Bett und Mary Poppins. Die haben wir geliebt. Aber diesen Zeichentrickschmalz? Igitt.

10.02.2021 16:09 • x 1 #25


OneDay

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Zitat von Goldy:
Ich stimme nur teilweise zu. Märchen gehören zur Literatur. Genauso wie Anna Karenina, Krieg und Frieden, Sommernachtstraum von Shakespeare, Stolz und Vorurteil, ect.


Ja klar, jedoch sind die Märchen d Gebrüder Grimm alles andere als Disney. Da geht es um Mord, Kannibalismus, Verbrennung etc... Die Hexe will den Hänsel fressen und endet als Feueropfer, die Stiefmutter plant mittels vergiftetem Apfel einen Mord an ihrer Ziehtochter, der Wolf "entlastet" d Rentenkasse in dem er die Omi frisst. Alles in allem nicht besonders disneylike.
Grimms Märchen könnten auch gut im Subgenre des Grimdark ihren Platz haben, ok bis aufs "und sie lebten glücklich u zufrieden bis an ihr Lebensende". Disney hat besagte Märchen romantisch verkitscht, dies verhält sich nochmal anders als die "hohe" Literatur ala Tolstoi, Shakespeare o J. Austen.

Zitat von Goldy:
Ich als Mutter/Vater muss mein Kind darauf vorbereiten, wie die Welt tatsächlich ist. Sage ich meiner Tochter immer wieder, sie wird nur glücklich mit Mann und er ist ihr Held, Beschützer, Alleinverdiener und sie die Mutti, unselbständig, ect. dann muss ich mich nicht wundern, wenn sie ins Märchenland aka Disney abdriftet


Hm, medial bekommt Tochter o Sohn jedoch ein ganz anderes Bild vermittelt, nicht nur in kommerziellen Medien sondern die Prägung welche davon ausgeht, geht so tief, das versucht wird dies nachzuleben, eben auf Insta u co. Du glaubst mir nicht? Blick auf einige FB-Profile von Jugendlichen reicht aus, Selbstinszenierung par excellence.

10.02.2021 16:09 • #26


Goldy

Goldy


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Zitat von OneDay:
Hm, medial bekommt Tochter o Sohn jedoch ein ganz anderes Bild vermittelt, nicht nur in kommerziellen Medien sondern die Prägung welche davon ausgeht, geht so tief, das versucht wird dies nachzuleben, eben auf Insta u co. Du glaubst mir nicht? Blick auf einige FB-Profile von Jugendlichen reicht aus, Selbstinszenierung par excellence.



Tochter ist bereits 23 Jahre alt und lebt seit 2 Jahren mit ihrem Schatz zusammen. Und war bereits nach einem halben Jahr komplett desillusioniert.

10.02.2021 16:13 • x 1 #27


Landlady_bb

Landlady_bb


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Zitat von OneDay:
Blick auf einige FB-Profile von Jugendlichen reicht aus, Selbstinszenierung par excellence.

Opa, das is keine Selbstinszenierung. Das is Leifsteil!
Oder Laufstall ...

10.02.2021 16:15 • x 1 #28


OneDay

OneDay


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Zitat von Goldy:
Tochter ist bereits 23 Jahre alt und lebt seit 2 Jahren mit ihrem Schatz zusammen. Und war bereits nach einem halben Jahr komplett desillusioniert.


Kluge Tochter!
Geht glaube mit 23 jedem so, stellt sich die Frage woher die Erwartungshaltung welche eine solche Desillusionierung hervor ruft?
(rhetorische Frage)

10.02.2021 16:17 • #29


OneDay

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Zitat von Landlady_bb:
Opa, das is keine Selbstinszenierung. Das is Leifsteil! Oder Laufstall ...


Oldie! Das heißt nicht mehr Opa, dass heißt jetzt Boomer.

10.02.2021 16:19 • x 2 #30



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