Schokoriegel
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ich sitze gerade in meinem Bett, mein Laptop auf dem Schoß und lösche seit 5 Minuten jede Zeile, die ich neu tippe, weil ich einfach nicht weiß, wo und wie ich anfangen soll.
2017 habe ich in diesem lieben Forum meinen ersten Beitrag erstellt. Damals bin ich einer dreijährigen toxischen Beziehung, die aus Lug und Betrug bestand "entkommen", heute sitze ich hier, habe den vermeintlich perfekten Partner für mich verloren und alles ist irgendwie anders.
Ich habe meinen jetzigen Ex vor etwas weniger als einem Jahr kennengelernt (ich weiß, dass das nicht vergleichbar ist mit 20 Jahren Ehe, die manch anderer hier verlieren musste und dass der Schmerz wahrscheinlich vergleichbar klein ist, dennoch möchte ich gerne meine Erfahrungen mit euch teilen). Wir haben uns auf Anhieb super verstanden, haben perfekt harmoniert und unsere Interessen überschnitten sich fast zu 100%, da wo sie es nicht taten, konnten wir uns prima ergänzen. Die Gespräche, die wir führten, waren so tiefsinnig und komplex, trotzdem oft witzig und ausgelassen. Ich fühlte mich das erste mal seit langem pudelwohl in meiner Haut. Er gab mir während unserer Beziehung ALLES: Liebe, Zärtlichkeit, Verständnis und ein offenes Ohr. Ich war mir sicher: Der ist es! Und auch er (absoluter Familienmensch) sprach oft von gemeinsamen Zukunftsplänen, Heiraten, Kindern. Ich fühlte mich so angekommen und wusste (!), ich würde nie wieder alleine sein.
Doch nahm das Schicksal vor gut einem Monat eine erhebliche Wendung.
Im Laufe der Beziehung habe ich durchaus gemerkt, dass er unter einem geringen Selbstwertgefühl und latenter Verlustangst litt, doch das schreckte mich nicht ab, wir haben immer offen über alles geredet und häufig konnten solche "Phasen" schnell durchbrochen werden.
Vor einem Monat ca. hat er sich plötzlich total merkwürdig verhalten. Er antwortete auf meine Nachrichten nur noch sporadisch und abgehackt, beim Telefonieren redete er kaum noch. Auf Nachfrage kam nur ein unbefriedigendes "ne, ist nichts. Ich bin nur müde". Das nahm ich erstmal so hin. Am Wochenende darauf bin ich wie immer zu ihm gefahren, auch da war er völlig kalt - so kannte ich ihn nicht. Wir gingen an dem Freitagabend früh und ohne viel zu reden ins Bett. Um 3 Uhr morgens irgendwann weckte er mich, er war total angespannt, starrte mich an und forderte, ich solle ihm mein Handy geben. Habe ich dumme Kuh auch gemacht und dann ging es los. Er durchscrollte mein Whatsapp auf der Suche nach irgendwas. Dann meinte er auf einmal "Ich kann dir nicht vertrauen", ich war sprachlos und hatte Angst, sah mich vor eine Wand gefahren. Er erklärte mir, dass er in den letzten Monaten immer wieder das Gefühl hatte, ich würde fremdgehen und ihm nicht die Wahrheit sagen, er wolle das nur überprüfen. Daraufhin schloss er mein Handy an seinen PC an und ließ sich (wie auch immer) ausspucken, in welcher Zeit ich Chats gelöscht hatte, was ich öfter mal tat, da mein Handy über wenig Speicherplatz verfügt, und das war DER Beweis, ich hätte alle Chats mit anderen Männern gelöscht, um meinen Betrug zu verheimlichen. Zu dem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass er sich für diese "Information" ALL meine Whatsapp-Daten auf den PC gezogen hatte. Im späteren Verlauf stellte sich heraus, dass er all meine Chats gelesen hatte (nicht in dieser Nacht, aber später, denn entgegen seiner Behauptung, löschte er die Daten natürlich nicht).
Und trotz dieser Entblößung, dieser (aus meiner Perspektive) haltlosen Vorwürfe, bin ich die Nacht und das gesamte restliche WE bei ihm geblieben, habe ihn getröstet und alles geschluckt.
In der darauffolgenden Woche kamen jede Nacht mindestens 3 Anrufe von ihm, am Mittwoch bin ich nicht ran gegangen und am nächsten morgen hatte ich eine Meldung von meinem Google-Konto auf dem Handy, jemand hatte sich um 02:44 von einem anderen Handy aus in meinen Google-Account gehackt. Ich rief ihn direkt an und es dauerte nicht lange, bis er zugab, dass er es war. Er hatte sich meine Zeitachse (dort zeichnet Google den Standort auf, wenn GPS aktiviert ist, auch über Jahre hinweg), meinen Verlauf, einfach ALLES akribisch angesehen, doch nicht viel gefunden, wie er selbst sagte.
Ich sah rot, war wütend und verletzt, sagte, dass ich nach diesem Vertrauensbruch Zeit zum Nachdenken brauchte, wobei ich wusste, dass das nur eine Farce war - ich würde nicht Schluss machen.
Einen Tag später trafen wir uns zum Aussprechen, er weinte, entschuldigte sich (fast auf Knien) und wollte nicht, dass ich gehe. Da war mir noch nicht bewusst, wie co-abhängig unsere Beziehung eigentlich war, obwohl es eindeutig zu sein schien.
Die darauffolgenden Wochen waren die Hölle, immer wieder kamen Vorwürfe seinerseits, er wüsste etwas und könne damit nicht leben. Irgendwann wurde er dann konkret und warf mir vor, dass ich mich auf einer Prost. angemeldet hätte, habe ich nie! Mir platzte der Kragen (später durfte ich mir anhören, dass er über diese derbe Reaktion schockiert war und er das Gefühl hätte, man könne mit mir nicht vernünftig darüber reden).
Ich wünschte, das wäre das Ende der Geschichte, doch leider spielten wir das Spiel weiter, waren bis vor kurzem sogar noch gemeinsam im Urlaub. Auch dieser war die Hölle, ich wurde jede Nacht geweckt, seine Gefühlswelt schwankte zwischen Liebe und Hass - das ließ er mich auch spüren.
Als wir wieder zuhause waren, wollte ich einen Schlussstrich ziehen, aber konnte es nicht. Zwischendurch gab es immer wieder diese "normalen", glücklichen, liebevollen Momente, auf die ich so aus war, das KONNTE ich nicht wegwerfen und dennoch waren wir beide so unglücklich.
Diesen Freitag dann bekam ich, nachdem er sich nicht mehr richtig gemeldet hatte, einen kurzen Anruf, der insgesamt 10 Minuten dauerte. Wir wären nicht mehr glücklich, er hätte nachgedacht und es sei besser, die Beziehung zu beenden. Schock! Trotz des ganzen letzten Monats, des Auf und Abs, wollte ich das nicht. Dennoch sagte ich dazu nicht viel, es war zwischen Tür und Angel, ich wollte mit meiner Schwester gerade los zu einem Konzert, ich ließ es geschehen und klammerte mich einfach an die Sätze "man läuft sich bestimmt nochmal über den Weg" (er hatte schonmal davon geredet, dass wenn wir Schluss machen, ein Comeback nicht auszuschließen wäre), "in ein paar Wochen treffen wir uns für ein klärendes Gespräch" (vielleicht eine zweite Chance?). Und noch immer klammere ich mich an diese Sätze.
Es gibt einen Teil in mir, der schon während der Beziehung abgeschlossen hat, hin und wieder kommt der auch durch, doch der lautere Teil in mir will ihn verzweifelt zurück, drängt mich, zum Handy zu greifen und anzurufen. Ich bin zerrissen und fühle mich schuldig über das Aus der Beziehung. War ich zu unfair, bin ich nicht richtig auf ihn eingegangen? Diese Gedanken spuken seitdem in meinem Kopf, gemeinsam mit all den schönen Erinnerungen.
Ohje, jetzt sehe ich diese Textwand und ihr Armen habt euch durch mein Gefühlswirrwarr bis hier her durchgequält.
Vielen Dank fürs Lesen! Es hat mir unglaublich gut getan, das alles einfach mal runter zu schreiben.
