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Erste Hilfe bei Rückfällen

touchthesky

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Liebe Alle,

Kurz zu Sinn und Zweck dieses Themas, bevor ich kurz auf meine Situation eingehe. Ich bin gerade in der Situation, dass ich eine "Trennung" akzeptiert und ansatzweise überwunden habe. Trotzdem erlebe ich (leider noch fast täglich) recht krasse "Rückfälle", d.h. der Wunsch, ihm nachzuspionieren, "Vermiss-Anfälle" und negative Gedanken wie "wie soll ich das nur schaffen?". Ich bin mir bewusst, dass diese einerseits Teil des Verarbeitens und in meinem speziellen Fall (gehe ich unten näher drauf ein) überspitzt und z. T. sogar irrational sind. Ich würde nun gerne eine Sammlung an "Sofortmassnahmen" zusammenstellen, welche bei Rückfällen helfen, nicht in alte, unbeliebte Verhaltensmuster (wie z. B das Nachspionieren auf Facebook ) zurückzufallen, denn meine Erfahrung ist, dass diese das Gedankenkarrussell nur unnötig antreiben.. Wichtig ist dabei, dass ich auf der Suche nach Sofortmassnahmen bin, die einfach, schnell und ohne grossen Zeitaufwand durchzuführen sind. Meine Lage ist die, dass ich eine Ex-Affäre täglich bei der Arbeit sehen muss oder darf - Wenn ich in dieser Situation laut schreien oder einfach mal zwei Stunden joggen gehen würde, wäre ich wohl bald nicht nur meine Ex-Affäre, sondern auch meinen Job los .. Gesucht sind daher eher Möglichkeiten, einen "Schlag in die Magengegend" ruhig und für mich alleine zu verarbeiten. Habt ihr hier Tipps und Strategien?

Meine Geschichte ist die Folgende: Ich konnte mich vor etwa einem Jahr endlich von einer langjährigen, unguten Halbbeziehung lösen. Leider... Oder zum Glück... ging dies einher mit dem Beginn einer Affäre mit einem nahen Arbeitskollegen (und ja - Ich weiss spätestens heute, weshalb es heisst, don't f*** the company, meine Lektion daraus habe ich gelernt). Obwohl wir uns sehr mochten und mögen, war ich nie verliebt, was meines Wissens auf Gegenseitigkeit beruht. Wir haben uns deshalb nach gesamthaft etwa einem halben Jahr gegen eine Beziehung entschieden. Das Paradoxe daran: Obwohl ich nie verliebt war und weiss, dass mich eine Beziehung mit ihm nicht glücklich gemacht hätte, habe ich an der "Trennung" zu beissen.

Ich habe unterdessen erkannt, dass sich meine zu verarbeitenden Gefühle mehr auf mich als auf ihn beziehen.. Vor knapp drei Jahren habe ich mein Leben und meine Einstellung dazu drastisch verändert. Zuvor war ich stark und unnahbar, habe sowohl positiven als auch negativen Emotionen wenig Raum gelassen, war vorwiegend auf Leistung fokussiert und habe viel zu wenig auf mich geachtet. Ich würde behaupten, dass ich heute noch "stark" bin.. Gleichzeitig geht es mir aber so gut wie noch nie - Ich erlebe eine riesengrosse Lebensfreude, lache viel, weine manchmal und kann Freude wie auch Leid annehmen, ausdrücken und bearbeiten bzw. verarbeiten. Das Wichtigste: Ich habe begonnen, mich mit mir selber auseinanderzusetzen, mich gern zu haben. Bildlich augedrückt wächst in mir ein kleines, zartes Pflänzchen der Selbstliebe. Aus diesem Grund auch das Ende der alten Beziehung: Ich habe meine eigenen Bedürfnisse wahrgenommen und mir wurde klar, dass diese nie erfüllt werden würden. Der "neue" Mann hingegen, war wie Dünger für mich.. Er war zuverlässig, machte mir Komplimente, war charmant, ... Obwohl ich ihn nicht geliebt habe, hat er mir gut getan. Nun ja, natürlich vermisse ich einige Dinge an ihm - Schlussendlich denke ich aber, dass der "Trennungsschmerz" in meinem Fall vorwiegend verletzter Stolz und "Scham" für meine "Niederlage" ist. Zusätzlich haben meine Recherche-Arbeiten ( ) ergeben, dass er wohl jemanden kennengelernt hat, die ihn fasziniert... Da kommt natürlich der Gedanke hinzu, dass ich in meinem gehobenen Alter ( ) sowieso niemanden mehr finde, dass "es ihm soviel besser geht als mir" oder dass ich mir nun möglichst schnell einen neuen angeln muss, um ihm zu beweisen, dass ich längst über ihn hinweg bin. Von letzterem werde ich natürlich die Finger lassen - Zu bewusst ist mir, dass ich momentan, gewissermassen aus Gründen der Selbstfindung, noch nicht dazu bereit bin.

Lange Rede kurzer Sinn - Ich bin momentan in der glücklichen Lage, morgens bereits fröhlich aufzuwachen, ich habe Kraft und Energie, bin soweit recht glücklich mit mir und habe keinen klassischen Liebeskummer. Ausgangslage ist ganz gut, denke ich.. Dann gibt es aber Momente, in denen es mich hammerhart trifft und ich plötzlich weinen könnte, "weil ich eh nicht gut genug bin und nie wieder jemanden finden werde" und mir schlecht und schwindlig wird. In solchen Situationen bin ich auch sehr anfällig dafür, mein Natel zu zücken und Spionage zu betreiben . Gut tut mir das alles nicht. Gesucht sind eben Strategien bzw. Erfahrungen, welche in solchen Situationen helfen können, wieder zu sich selber zu finden, "runterzufahren", ... Wie gesagt: Diese müssten praktikabel und "transportierbar" sein, da sich solche Situationen zumindest bei mir im Alltag, im Büro, ereignen.

Natürlich teile ich auch gerne meine Erfahrungen, vielleicht helfen sie ja jemanden in einer ähnlichen Situation :

- Füsse auf den Boden, sich gerade hinsetzen und tief durchatmen;
- Einen kurzen Spaziergang auf dem Flur;
- Da ich mich beim Joggen immer frei fühle, habe ich wiederholt dasselbe Lied gehört, welches ich sinnbildlich für die positive Gefühlsverfassung anhöre;
- Den Gedanken bewusst annehmen, ihn mental auf ein Papier schreiben und ihn loslassen. Dies wenn nötig mehrere Male;
- Mir vergegenwärtigen, dass mein "Ausbruch" nichts mit Liebe zu tun hat und er nicht der Mann meiner Träume ist;
- Mir vergegenwärtigen, dass der Verlauf seines (Liebes-)lebens nichts mit dem Gang meiner Dinge zu tun hat;
- Seit er die "Neue" hat: Mir vor Augen halten, dass ich nun endlich Klarheit habe (gab zwischendurch immer wieder Phasen der Annäherung beiderseits), was mich unendlich erleichtert. Mich daran freuen, dass ich ihm nicht mehr gefallen muss und ab dem Gedanken lachen, aus diesem Grund in Jogginghosen und Schlabberpulli am Arbeitsplatz zu erscheinen;
- Mir meine Lebensziele aufzählen, bzw. eins aussuchen, an dessen Verwirklichung ich rumstudiere;
- Mir eine neue Challenge für mich selber überlegen (z. B. wildfremde Leute im Lift grüssen, einen Tag lang nur die Treppe benutzen etc.)

Wie ihr seht habe ich doch schon eine rechte Menge zusammengetragen - Gab jedoch auch Situationen, in welchen ich doch 2-3 Stunden gebraucht habe, bis ich mich wieder "erholt" habe. Mir ist dann teilweise richtig schwindlig und übel.. Und natürlich wurde ich in solchen Situationen auch rückfällig und habe wieder die Facebook-Profile tausender Leute abgecheckt nur um mein Spontangedanke nicht gut genug zu sein noch bestätigt zu sehen . Wünschte mir irgendwie eine noch etwas physischere Methode der Überwindung (könnte ja mal meine Chefin bitten, mich zwei, drei Male ins Schienbein zu treten ). Naja.. Hat hier jemand Erfahrungen oder Tipps?

Viele "Langzeitmassnahmen" habe ich übrigens schon eingeleitet. Zwei Wochenendtrips sind geplant, ich treibe regelmässig Sport, gehe aus, treffe Freunde... Und werde mich wohl bald mal im Meditieren versuchen, um hoffentlich bald noch ein Werkzeug mehr zu haben, mit stressigen Situationen umzugehen .

Ich hoffe, das Ganze klingt nicht allzu verwirrend und ist lesbar ... Liebe Grüsse an alle da draussen

16.02.2016 13:05 • x 2 #1


Bina1412


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Ich schaffe es inzwischen ganz einfach nicht mehr zu "spionieren", indem ich mir immer wieder das schlechte Gefühl, was ich im Anschluss habe, vergegenwärtige. Das ist anfangs schwer, wird aber immer leichter, weil man merkt, dass es einem so besser geht. Natürlich habe auch ich noch ab und zu das Bedürfnis, bei WhatsApp zu schauen (habe ihn nicht blockiert oder gelöscht, nur archiviert), aber inzwischen kommt dann automatisch der Gedanke, dass es mir im Anschluss eh nur schlecht gehen würde und ich mich nicht so fühlen möchte. Also atme ich einmal tief durch und lasse es bleiben. Im Übrigen hilft mir das auch bei der Bewältigung des Gedankenkarussels, da ich das automatisch gar nicht so extrem habe, wenn ich nicht dauernd schaue, was er macht oder wann er online war.

16.02.2016 15:57 • x 2 #2



Erste Hilfe bei Rückfällen

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touchthesky

touchthesky


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Hallo Bina,

Danke vielmals für Deine Antwort. Klingt logisch und werde ich auf jeden Fall in mein "Repertoire" aufnehmen .

Habe zusätzlich auch noch daran gedacht, mein Natel zusätzlich noch irgendwo hinzulegen, wo ich nicht so einfach rankomme. So blöd es wohl tönen mag, wenn der "Griffweg" länger ist, habe ich Zeit für einen Gedanken mehr.. Hoffe er wird dann z. B einer der "Deinen" sein, und ich werde es einfach lassen .

Ich wünsche Dir viel Kraft und Durchhaltewille.. Fühl Dich gedrückt!

16.02.2016 20:54 • #3


LonelyXmas

LonelyXmas


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Hallo tts,

ich kenne die Rückschläge nur zu gut. Bei mir auch verbunden mit Zukunftsängste wegen meiner kleinen Tochter, meiner künftigen Beziehung zu ihr.

Ich komme ehrlich gesagt gar nicht mit den Rückschlägen zurecht. Ich spüre sie kommen, kann sie aber nicht aufhalten oder abschwächen. Sie treffen mich dann mit voller Wucht.

Ich muss mich dann extrem ablenken, manchmal gehe ich einfach zu Freunden. Auf keinen Fall darf ich allein Spaziergänge machen oder so, da entgleitet mir die Situation. Ich lese dann auch oft hier im Forum.

Auf der Arbeit passiert es mir wenigstens fast nie. Da bin ich maximal abgelenkt.

18.02.2016 21:48 • #4


Mäusl

Mäusl


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Liebe Touchthesky,

Hab auch mal deinen Thread gefunden. Erstmal sehr schön geschrieben und tolle Idee. Ich weis nicht ob du es umsetzen kannst aber mir hilft im Büro immer meine persönliche gute Laune Musik oder Abreagier Musik anzumachen und dabei etwas am Schreibtisch zu tanzen oder mitzusingen. Das macht glücklich und lenkt ab.

Alternativ konzentriere ich mich bewusst auf alle Kleinigkeiten die mich an dem Tag schon fröhlich gestimmt haben.

18.02.2016 22:13 • x 1 #5


touchthesky

touchthesky


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Zitat von Mäusl:
Liebe Touchthesky,

Hab auch mal deinen Thread gefunden. Erstmal sehr schön geschrieben und tolle Idee. Ich weis nicht ob du es umsetzen kannst aber mir hilft im Büro immer meine persönliche gute Laune Musik oder Abreagier Musik anzumachen und dabei etwas am Schreibtisch zu tanzen oder mitzusingen. Das macht glücklich und lenkt ab.

Alternativ konzentriere ich mich bewusst auf alle Kleinigkeiten die mich an dem Tag schon fröhlich gestimmt haben.


Du hast absolut recht!

Ich höre momentan immer Aufstell-Musik.. Einfach eine "good Mood" Playlist. Das hilft immens! Die kleinen Dinge des Tages werde ich ab jetzt in meinem Tagebuch festhalten. Du hast absolut recht - Man muss sie nur sehen. Und ich persönlich habe bemerkt, dass ich Dinge noch stärker verinnerliche, wenn ich sie schriftlich formulieren muss. Deshalb das "Tagebuch".

Und DANKE, dass Du mich an meine einzige "Pflicht" erinnerst hast, die ich heute noch zu erledigen habe - Habe mir noch fröhlich-Musik herausgesucht, die ich bei Apple noch holen wollte. Bis jetzt ist das absolut vergessen gegangen, ... Das werde ich aber gleich noch machen - Dann wird "morgen" bestimmt ein guter Tag

18.02.2016 23:03 • x 1 #6


Cece


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Bei mir ist alles noch ganz frisch und es geht mir heute besonderes schlecht aber muss sich glaub ich ablenken.

21.02.2016 15:00 • #7




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