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Ex-Partner und Trennung von Narzissten - Austausch

kugelschrei

kugelschrei


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Zitat von Ivori:
Ich kenne das selbst sehr gut. Ich wollte einfach nur noch weg. Aber irgendwie doch nicht so vollständig. Irgendwas zog mich immer wieder hin.


Das ist interessant, geht ja vielen so. Ich glaube, da hatte ich noch Schwein: Sobald ich einmal beschlossen hatte, dass ich keinerlei Kontakt mehr will, fiel mir das vollständige Gehen an sich überraschend leicht.

(Was natürlich, wie man ja merkt, noch lange nicht heißt, dass ich auch innerlich vollständig gegangen bin, das zieht sich sicher noch eine Weile hin. Aber schon, dass mein Giftzwerg nicht weiß, wie mich das innerlich noch beschäftigt, sondern mich immer nur von weitem gutgelaunt und aufgeräumt erlebt, ist mir ein innerer Parademarsch ...)

12.06.2019 14:48 • x 1 #21361


Ivori


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Zitat von kugelschrei:

Das ist interessant, geht ja vielen so. Ich glaube, da hatte ich noch Schwein: Sobald ich einmal beschlossen hatte, dass ich keinerlei Kontakt mehr will, fiel mir das vollständige Gehen an sich überraschend leicht.

(Was natürlich, wie man ja merkt, noch lange nicht heißt, dass ich auch innerlich vollständig gegangen bin, das zieht sich sicher noch eine Weile hin. Aber schon, dass mein Giftzwerg nicht weiß, wie mich das innerlich noch beschäftigt, sondern mich immer nur von weitem gutgelaunt und aufgeräumt erlebt, ist mir ein innerer Parademarsch ...)


Ich denke auch heute noch an ihn. Eher negativ. Egal wird mir nie werden, was er mir und seinem Kind angetan hat.
Sein Verhalten mir gegenüber kann ich mittlerweile gut ab.
Was er aber mit seinem kleinen Kind getan hat, werde ich weder vergessen noch verzeihen.
Ich bin aber froh, nichts mehr von ihm zu hören. Ich hoffe, es bleibt so. Wenn es um unser Kind geht, packt mich das immer. Das wird sich auch nicht ändern. Ich bin halt Mama und es ist für mich nicht nachvollziehbar, wie man seinem eigenen Kind eiskalt den Rücken zukehren und weh tun kann..... Bei vollem Bewusstsein.

Aber ihr geht es mittlerweile gut und sie scheint auf ihn so langsam zu sch.....
Und das ist mir das Wichtigste. Das es meinem Kind gut geht.

12.06.2019 15:01 • x 3 #21362



Ex-Partner und Trennung von Narzissten - Austausch

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kugelschrei

kugelschrei


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Zitat von Ivori:
Ich denke auch heute noch an ihn. Eher negativ.


Da muss ich sagen: Ich denke SEHR negativ über sie. Das ist auch nicht schwächer geworden. Ist aber eben vielleicht ja auch schon eine Art Quintessenz des Verstandes und der Seele und gleichzeitig eine Art "Warnpiktogramm": Vorsicht, hinter jedem Engelsgesicht kann ohne weiteres auch der Teufel stecken!

Zitat von Ivori:
Ich bin aber froh, nichts mehr von ihm zu hören. Ich hoffe, es bleibt so.


Ja, das geht mir ganz genauso. Ich habe auch keinerlei Interesse daran, irgendwie herauszufinden, was sie so macht etc. Das fand ich auch interessant, das war nach dem Kontaktabbruch sofort schlagartig weg: Keinerlei Neugier mehr.

12.06.2019 15:13 • #21363


Perzet


2018
4153
Zitat von Ema:
ich lese deine Beiträge schon eine ganze Weile - nicht nur hier in diesem Thread - und ich lese sie sehr gern.


Vielen Dank liebe @Ema das gebe ich sehr gerne zurück. Deine Beiträge gehörten zu den ersten, die ich hier gelesen habe und haben mich davon überzeugt, dass hier gute und reflektierte Menschen unterwegs sind.

Deine Gedanken zu mir habe ich gelesen und sie haben mich sehr bewegt. So richtig kann ich noch nicht darauf eingehen, weil sie noch in mir arbeiten. Du hast unglaublich breite und tiefe Überlegungen bei mir ausgelöst. Das ist gut so.

Ich wollte schon einmal mitteilen, dass ich das gelesen habe und erste Rückmeldun geben. Allerdings eines haben sie nicht: ich werde ganz bestimmt nicht den Kontakt zu meinem Vater meiden. Im Gegenteil. Bei aller Reflektion meiner Situation bin ich sehr froh und dankbar, dass er noch da ist und dass ich, gerade in den letzten beiden Jahren, seit ich das Thema der nps kennengelernt habe, noch 'am lebenden Objekt' die Entwicklung und diverse andere Dinge bei ihm gegenchecken kann.
Die Sehnsucht, von ihm angenommen und geliebt zu werden, ist immer noch da. Aber sie weicht einem inneren Wachstum in mir, dass ich anfange,im Gegenzug ihn anzunehmen und zu lieben, wie er ist. Bin auf dem Weg dorthin.

Hier habe ich "nur" noch das Thema 'mein Vater', weil ich ihn im Laufe von Jahren und Jahrzehnten endlich als Quelle für so viel schlechte Erfahrungen ausmachen konnte. Das hat sehr, sehr lange gedauert, weil ich als Papakind das nicht sehen konnte. Ich war zu nah an ihm dran.
Erst als ich in Reha eine Liste mit Problemen angefertigt hatte, eine Liste, in der ich nicht gewertet hatte sondern nur aufgelistet habe was mir nach und nach in den Sinn kam, schälte sich ein Bild heraus: nämlich 80 Prozent der Beispiele mit miesem Verhalten bei ganz verschiedenen Menschen waren auch bei ihm zu finden.
Und die paar Männer, die ich hatte, alle sehr verschieden in Optik und Wesen, waren dann im Kern doch wieder auf ihn zurück zu führen, so wie er mich behandelt.

Bei mir sind diverse Mechanismen schon dermaßen lange drin, dass deren Identifikation als auch Umwandlung in gesündere Strukturen einfach dauern. Was mich aber besonders freut ist die Chance zu sehen, dass sooo vieles gar nicht an mir lag sondern mein Vater tatsächlich so ist, wie er ist. Wenn ich also ein anderes Verhalten drauf habe, dann bleibt er dennoch in den typischen nps Strukturen drinnen und versucht dann mit anderen Methoden mich wieder unterzubuttern. War eine schmerzhafte aber auch sehr wichtige Phase für mich gewesen. Da bin ich nicht mehr. Ich bin in der Akzeptanz angekommen, halte also nicht mehr dagegen, verwehre mich nicht, mache ihm keine Vorwürfe mehr, sondern kann liebevoll auf seine guten Anteile schauen und ich registriere seine anderen Versuche als das, was sie sind: 'krankhaft, verzweifelt, traurig, zwanghaft'.

Ich weiß, dass es heutzutage ein ganz großes Credo ist, volle Kontaktsperren mit schwierigen Personen einzurichten. Dem stimme ich in vielen Punkten zu. Aber halt nicht in allen. Denn nur durch den weiteren (ja, schmerzhaften) Kontakt mit meinem Vater habe ich die Chance erhalten, die Strukturen, in denen wir beide drin waren (jetzt noch er), nach und nach wirklich zu verstehen und anzunehmen.
Zu viele Menschen um mich herum sind in dieser Art unterwegs. Natürlich gibt es diverse Variationen. Und viele dieser Menschen kann ich nicht meiden. Wäre auch blöd. Selbst wenn ich kündige, umziehe, sonst was mache - diese Typen sind doch eh überall. Erst wenn ich da aus dem Prinzip des Opfers von nps ausgestiegen bin, können sie mir nicht mehr so viel bis gar nichts mehr. Und dann kann ich es auch bei denen belassen, die ich bereits kenne.
Handelte es sich um 'Freunde' sind diese von selber nicht mehr da. Sie können nicht mehr bei mir wie gewohnt andocken.
Handelt es sich um Bekannte, die man in seinem sozialen Umfeld trifft, so sind diese irritiert, dass sie kaum noch die gewohnte 'Macht' über mich haben (z.B. per Rufmord). Arbeitskollegen ändern sich auch in ihrer Reaktion auf mich.
Von daher ist ein Beobachten der Veränderungen um mich herum durch die Änderungen in mir drinnen schon hoch interessant und faszinierend.

Was mich allerdings noch mehr anspornt diesen Weg weiter zu gehen sind meine weitere Familie. Alle Geschwister meines Vaters sind zu ihren eigenen Kindern auch so gewesen (und inzwischen verstorben). Alle Cousinen und Cousins haben Auffälligkeiten, ausgeprägt und ausgedrückt durch ihre jeweilige eigene Persönlichkeit.
Eine Cousine war immer sehr gegen ihre Mutter aufgebracht gewesen und hatte nie verstehen können, wie ihr über alles geliebter Vater mit dieser Frau zusammen sein konnte. Seit meine Tante verstorben ist, will meine Cousine nicht hören, dass sie jahrzehntelang gegiftet hat. Im Gegenteil. Jetzt habe sie sich mit ihr versöhnt, alles sei gut und überstanden. Wirklich?

Hier setzt der Teil an und bestätigt mich, wo ich mir seit langem wünsche 'noch in diesem Leben (also wo mein Vater noch lebt)' mit ihm Frieden zu schließen. Denn ich bin überzeugt davon, dass die reine Abwesenheit von ihm mir nicht wirklich Heilung (=Überwindung) bringt sondern nur eine Abwesenheit von akut gefühlten Schmerzen ist. Schwer zu erklären. Ich denke, dass ich, solange ich die Strukturen nicht wirklich erkannt und überwunden habe, diese weiterhin - unbewußt - mit mir herumschleppen werde und sie evtl noch ignorieren oder gar verteidigen werde.

Das sah ich jetzt an besagter Cousine. Zu mehreren haben wir eine Reise in die Gegend unserer Vorfahren gemacht. Und die, die alles nur gut meint und soo über ihre Mutter gegiftet hatte, (sich aber um sie in deren letzten Jahren sehr gekümmert hatte) hat exakt die Verhaltensweisen drauf gehabt, die sie so sehr verurteilt hat. Darauf angesprochen, wird alles geleugnet. Sie meine ja alles nur gut. Volle Verweigerung etwas zu reflektieren. Statt dessen bin ich nun ihr Staatsfeind Nummer eins. Am Wochenende werden wir unser großes Familientreffen haben. Habe ich Lust auf ihre Art? Nein. Aber es kommen auch andere, mit denen ich besser kann.

Sich immer vor allem zu drücken, nur weil dort toxische Personen sind, bedeutet, ständig auf der Flucht zu sein. Das sehe ich nicht ein. Dann versuche ich lieber, auch wenn es der längere und schmerzhaftere Weg ist, grundlegend aus dem System auszusteigen und mich ganz anders zu positionieren. Schmerzfrei wird es nicht abgehen, wenn ich auf sie treffe. Noch nicht. Irgendwann vielleicht. Aber dieser Preis ist mir meine Freiheit von deren Machenschaften wert. Ich spüre nämlich, wie sehr ich mich von ihnen immer mehr distanziere, und sie merken es auch.

Da ich müde bin, weiß ich nicht, wie verständlich das ist.

evtl ein paar Begriffe der vorigen post von mir: wenn ich merke, dass meine wunden Stellen ausgenutzt wurden, dann habe ich das dankbar als Hinweis genommen, wo ich Wunden habe - heißt, ich habe ne Menge Traumata erlebt. Solche Wunden aka Triggerpunkte haben mir Hinweise auf weitere, noch nicht bekannte und noch nicht bearbeitete Traumata gegeben.
Diese können nps'ler wie Spürhunde erriechen. Krass.
Diese angedeuteten Traumata sind externe Erlebnisse, haben nur als sehr grober Dunstkreis mit nps zu tun und gehen weit über die Themen dieser Seite hinaus. Ich werde sie hier nicht ausführen. Von daher sind dies keine Retraumatisierungen bzgl nps, zumindest nicht in meinem Verständnis. Aber ich werde diesen Aspekt in Ruhe betrachten und schauen, was sich dazu alles zeigt. Kommt bestimmt einiges zu Tage.
Inzwischen ist ein sehr großer Teil dieser handfesten Traumata bearbeitet, also überwunden. Von daher bin ich jetzt in dem Modus angekommen, dass ich bei 'Schmerzen zufügen wollen' den Personen nicht mehr schreiend ausweiche. Ich suche die Personen auch nicht auf (außer Vater, s.u.). Aber ich kann bei vielen, soweit noch Kontakte vorhanden sind, ihr Tun nun laut wiedergeben und sie darauf ansprechen. Mögen sie nicht. Ist neu, werde ich sehen, was daraus wird.
Das zu dem Aspekt, ich müsse immer besser werden. Nein. Nicht mehr an dem Punkt. Ich gehe nun anders mit den Schmerzzufügern um, gesündern, aufrechter, stärker.

Der Begriff 'Verpflichtungen' bzgl Familie fiel mir spontan ein. Ich bin nicht glücklich mit diesem Wort, finde aber auch keinen treffenderen. Es geht darum, dass man sehr wohl immer wieder nach einem nun fast 96-jährigen Menschen schaut und sich kümmert, wenn da etwas anliegt. Er macht und tut noch sehr, sehr vieles selber. Aber er wird aufgrund seines Alters z.b. aktiv von Neppern, Schleppern und Bauernfängern aufgesucht; diverse Arbeiten stehen an, die altersbedingt nicht mehr so gehen, manchmal auch Krankenhaus, etc. Da schaut man immer wieder nach dem Rechten.
man = ich, mein Bruder, Nachbarn

13.06.2019 01:30 • x 3 #21364


Perzet


2018
4153
Zitat von Ema:
Wäre es nicht stattdessen an der Zeit, diesen simplen Glaubenssatz, der dich fesselt und festhält, einmal gründlich zu überdenken?
Was hindert dich daran?


Okay, eben habe ich eine, sehr wohl gültige, aber verstandesmäßig geprägte Erklärung gegeben.

Gerade habe ich den thread von @SimplyRed ansatzweise gelesen, und da kam mir die eigentliche Erklärung wieder entgegen, die ich im KleinKlein des Alltags vergesse und die in die meisten Konversationen nicht wirklich hinein passt. Es ist ein äußerst persönliches Erlebnis. Für mich ist es sehr real. So real, dass ich diesen harten Weg bereit bin zu gehen, also trotz allem den Kontakt halte. Ich habe es tief verinnerlicht.

Vor vielen Jahren hatte ich eine Nahtodeserfahrung. Ich war ich mit dem Wagen auf der Autobahn als es Blitzeis gab im Januar. Ich war schon vorsichtig, hatte immer wieder den Untergrund getestet. Fuhr auch nicht schnell. Dennoch wurde ich hinter einer kurvigen dreispurigen Brücke regelrecht aus der Spur geschleudert und raste ungebremst frontal auf die Leitplanken zu.
In dem Moment ging mir eine Menge durch den Sinn. Das erste war ein Unfall einer Verwandten, die nur 70 gefahren war und mit vielen Knochenbrüchen knapp überlebt hatte. Ich hatte etwas zwischen 80 und 100 drauf gehabt. Tja.

Dann kam ein Gefühl auf, das mich von den Haarspitzen bis in die Zehenspitzen einhüllte. Ich wußte, warum ich überleben werde. Ich wußte, was passieren musste, damit ich diese Situation überleben kann. Und ich bekam in dieser kurzen Zeit, in Bruchteilen von Sekunden, eine Bewertung meines bisherigen Lebens. Vieles wurde aus der höheren Sicht ganz anders bewertet, als ich es gedacht hatte. Ich war positiv überrascht. Nur bei zwei Personen war man nicht zufrieden mit mir. Da hätte ich mir nicht genügend Mühe gegeben. Damit war ich nicht glücklich. Erraten. Eine Person davon ist mein Vater.

Also bemühe ich mich seither. Ein harter Weg. Ein sehr harter Weg. Für mich aber inzwischen erkennbar lohnenswert.

Dies ist nichts, was ich wegtherapieren muss oder sonstwie falsch verstehe. In dem Moment der Nahtodeserfahrung ist das Bewußtsein unglaublich erweitert. Da existiert dann eine andere Dimension.
Das muss niemand glauben. Für mich war es extrem real.

Ein Freund, der später ebenfalls diese Autobahn fuhr, nahm mich mit, damit ich noch Sachen aus dem Schrottwagen heraus holen konnte. Bis exakt vor dem Schrottwagengelände hat er mich behandelt wie eine, die sich nur anstellt. Als er meinen Wagen sah - drei Räder standen frei, über einem Rad nur eingebeult, vorne und hinten wie eine Ziehharmonika gequetscht - da wurde er kreidebleich und stotterte nur noch entsetzt "und aus d e m Wagen bist du lebend ausgestiegen?" - Habe ich doch gesagt: mein Leben ist nicht zu Ende und die persönliche Begründung hatte ich bekommen.

13.06.2019 02:35 • x 4 #21365


Joni


173
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Zitat von Perzet:
Denn nur durch den weiteren (ja, schmerzhaften) Kontakt mit meinem Vater habe ich die Chance erhalten, die Strukturen, in denen wir beide drin waren (jetzt noch er), nach und nach wirklich zu verstehen und anzunehmen.
Zu viele Menschen um mich herum sind in dieser Art unterwegs.

Und exakt deshalb denke ich, wäre es zu überlegen, da bewußt auszusteigen. Irgendwann wird Dir Dein Vater die Entscheidung rein aus biologischen Gründen abnehmen und dann kann ich mir vorstellen, stehst Du mit ungelösten Konflikten da. Die Du jetzt zugegebenermaßen auch hast. Aber, das bewußte Entfernen und Abschließen mit ihm - das ist nur meine Meinung - könntest Du weit besser verarbeiten, als dann quasi allein zurückgelassen zu werden.
Man neigt immer etwas dazu, weil man das Thema verstanden und studiert hat, kann man einen Narzissten handeln. Das kann man aber nicht, jedenfalls nicht, ohne sich selbst zu verleugnen, zu verlieren oder immer einen Schritt hinter ihm zu stehen. Wovon er ja auch überzeugt ist, daß es der angestammte Platz des anderen ist.
Und das ist eben NICHT der Fall.

14.06.2019 16:09 • #21366


Perzet


2018
4153
Zitat von Joni:
Und exakt deshalb denke ich, wäre es zu überlegen, da bewußt auszusteigen. Irgendwann wird Dir Dein Vater die Entscheidung rein aus biologischen Gründen abnehmen und dann kann ich mir vorstellen, stehst Du mit ungelösten Konflikten da. Die Du jetzt zugegebenermaßen auch hast. Aber, das bewußte Entfernen und Abschließen mit ihm - das ist nur meine Meinung - könntest Du weit besser verarbeiten, als dann quasi allein zurückgelassen zu werden.
Man neigt immer etwas dazu, weil man das Thema verstanden und studiert hat, kann man einen Narzissten handeln. Das kann man aber nicht, jedenfalls nicht, ohne sich selbst zu verleugnen, zu verlieren oder immer einen Schritt hinter ihm zu stehen. Wovon er ja auch überzeugt ist, daß es der angestammte Platz des anderen ist.
Und das ist eben NICHT der Fall.


Ich habe nirgendwo gesagt, dass ich Narzissten handhaben kann. Im Gegenteil. Sie bestätigen ja ununterbrochen, dass sie immerzu die Oberhand behalten müssen und sind perfide erfinderisch und spürhundmäßig sicher unterwegs, einem das immer wieder zu beweisen.
Was ich aber machen kann, und dafür bin ich unglaublich dankbar, ist n a c h und n a c h zu erkennen, wo alles die typischen perfiden Verdrehungen stattgefunden haben damit i c h da raus komme und das nicht unbewußt weiter mit mir herum trage, als Erbe sozusagen.
Es ist unglaublich, wie perfekt Schuldzuweisungen verdreht werden; wie sehr Dinge vernebelt werden, wie sehr man immer wieder als unmöglich hingestellt wird. Das waren (!) alles Dinge, die ich am lebenden Objekt nach und nach erkennen durfte. Im Nachgang ist das schwer, eine eh vernebelte Situation auseinander zu dröseln.
Und genau diese Erkenntnisse und die Chance bestätigt zu bekommen, dass es tatsächlich nicht an mir lag, war sehr wichtig für mich.
Ich finde es erstaunlich, wie man persönlich wichtige Dinge dennoch abgesprochen bekommen kann. Diesen Effekt kenne ich zu gut von meinem Vater und all denen, die ähnlich ticken. Sie können nur ihr eigenes Weltbild gelten lassen.

Für mich (!) (individuell - ich verlange keine Übertragung auf andere; andere aber sehr wohl auf mich) ist es wichtig, dass ich mich n i c h t auf die gleiche Ebene begebe, wie die, die durch ihre herum k ackerei andere fertig machen.
Vor langer Zeit hat mal ein guter Mann das Beispiel gebracht, dass nur weil mich mein griesgrämiger Nachbar nie grüßt ich den ebenfalls nicht zurückgrüße. Im Gegenteil. Die Entscheidung, ob ich freundlich Grüße bleibt ausschließlich bei mir und wird nicht von ihm und seiner Griesgrämigkeit bestimmt.
In meinen Augen wäre ich unglaublich verlogen, wenn ich mit meiner Hilfsbereitschaft und hohen Bedeutung der Familie (hach, auch noch Ahnenforscher) ausgerechnet meinen fast 96 jährigen Vater mißachte und liegen lasse. Nope. No way.
Und wie schreiben so viele hier: 'es gibt ja auch gute Zeiten.'
ok, Spaß beiseite.
In meinem Verständnis ist kein Mensch ausschließlich gut oder ausschließlich böse. Jeder ist eine Mischung aus vielem. Und da ich nun mal von einer stark narzisstischen Persönlichkeit geprägt wurde, bin ich auch stark auf diese Typen in meinem Leben angesprungen. Es macht also überhaupt keinen Sinn, diese eine Person zu meiden, wo es noch so dermaßen viele von denen da draußen gibt. Bin bei allen weglaufversuchen in den letzten Jahrzehnten genau in deren Arme gestürzt. Bringt nichts. Meine Erfahrung. Also lieber Augen auf, wahrnehmen, erkennen, lernen, akzeptieren, umsetzen, heraus wachsen.
Ebenfalls eine immer wieder bestätigte Erfahrung in meinem Leben: wenn ich etwas überwunden habe, dann löst sich etwas wie von alleine auf, ohne Not oder Druck.

Ich weiß, dass mein Vater nicht mehr lange zu leben hat. Und genau deswegen ist es mir wichtig, im Frieden mit ihm auseinander zu gehen. Dieser Friede kann nur in mir drinnen sein. Er hat zwar auch einige Veränderungen in Richtung 'milde' gemacht, aber darauf kann und möchte ich mich nicht verlassen. Und ich habe in den letzten zwei Jahren, seit ich das Thema narzisstische Persönlichkeitsstörung kenne, sehr viel gelernt, verstanden und besser zuordnen dürfen. Ich bin durch eine Menge an Emotionen gegangen, die ich nicht erwartet hätte. Ich habe Dinge bei mir verstanden, die ich bis dahin ganz anders bewertet hatte. Ich hatte weit mehr verinnerlicht, als es mir lieb war als Co-Abhängiger.
Sicher wird noch immer das eine oder andere auftauchen. Ist ok. Aber die Chance, nicht nur das Verhältnis zu meinem Vater sondern zu vielen anderen Menschen in meinem Leben zu überdenken und die daraus resultierenden Konsequenzen zu ziehen, nutze ich noch immer.

Zum inneren Frieden: zuerst war ich unglaublich anklagend, warum er mir das alles hat antun können. Das hat er mitbekommen. War keine schöne Phase, aber eine sehr wichtige. Und sie war die längtse in den letzten beiden Jahren.
Daneben fing ich an zu erkennen, welche Eigenschaften oder Eigenheiten ich entwickelt hatte um mich als Kind in seine verdrehten Vorstellungen einzupassen. Somit konnte ich anfangen, daran zu arbeiten.
Es gab einige auch erschreckende Erkenntnisse. die ich seinerzeits hier geteilt hatte.
Dann gab es die parallel stattfindenden Tests, 'wenn er wirklich ein nps'ler ist, dann müßte er auf meine Veränderung doch jetzt xy reagieren?' Bingo. M-ist. Habe wohl lange gehofft, dass ich mich immer vertue und alles falsche sehe (erkenne die Mechanismen der nps: alles wird vernebelt, man sieht ja alles eh nur falsch!)
Dann wollte ich aus dem Kreislauf raus, aber was auch immer ich entdeckt hatte an schmerzhaften Punkten, er fand neue Wege für seine Herrschaft. Ein vorher beschriebener Kreislauf startete.
Ich wollte nur angenommen und geliebt werden als kleine Tochter von ihrem Vater.
Mein Vater liebt mich, auf seine unvollkommene Weise. Innerhalb dessen aber zu 100%. Das wären für andere vielleicht nur popelige 20% ? Muss man erst mal kapieren. Es geht mehr und besser.
Und je mehr ich mich innerlich distanzierte, desto mehr konnte ich mich von meiner Sehnsucht distanzieren. Sie ist nicht weg, dominiert aber auch nicht mehr.
Statt dessen habe ich den Bereich erreicht, in dem ich meinen Vater wieder als Menschen sehen kann. Als einen Menschen, der schreckliche Erlebnisse durchmachen mußte als junger Mensch. Er hat sie bis heute nicht verkraftet. Der 2.Weltkrieg herrschte in meinem Elternhaus bis vor kurzem noch vor.
In den letzten Jahren fing ich an, ihn ernster zu nehmen (yep, auch das tat ich nicht wirklich, wie ich erkennen durfte), fing an, seine Erlebnisse mitzuschreiben. Erst seitdem lässt sein Gedächtnis nach, muß er sich nicht mehr an alles zwanghaft erinnern. Ist notiert.
Je mehr ich ihn ernst nehme, desto mehr mag ich ihn wieder. Denn nun kommen auch seine guten und starken Eigenschaften mir wieder verstärkt entgegen. Und diese lerne ich zu schätzen und dadurch zu lieben. Aber j e t z t kommen meine positiven Gefühle für ihn nicht aus der abhängigen Stellung einer kleinen Tochter, die sich verzweifelt nach s e i n e r Liebe sehnt. Jetzt entwickeln (noch dabei!) sich neue Fäden, in denen ich sagen kann, dass ich anfange, Liebe geben zu können ohne sie im Gegenzug von ihm zu erwarten oder zu fordern. Und das nenne ich eine unerwartete aber sehr schöne Entwicklung. Ich fange an, unabhängig von seinem Verhalten zu stehen.
(nebenbei bemerkt, er wird dadurch auch ruhiger; ist nicht das Ziel, aber ein schöner Nebeneffekt.)

Hätte ich mich von ihm distanziert, wäre mir diese Entwicklung nicht möglich gewesen. Und ich hoffe, es ist genügend Zeit übrig, dass sich diese Entwicklung verfestigt und ich sicherer darin werden kann. Hat ja auch auf andere Menschen ihre Auswirkung.

Wie ich schon angemerkt habe, erwarte ich nicht, dass andere genau diesen Weg ebenfalls gehen, denn dieser Weg ist unglaublich schmerzhaft. Aber er ist möglich.

Und bzgl akute Not und Belastung. Ich habe auch in anderen threads an entsprechender Stelle geraten, sich erst einmal in Sicherheit zu bringen und von dort aus die nächsten Schritte zu überdenken.
Alles hat seinen Platz und seine Zeit. Nicht akute Not mit laufender Entwicklung vermischen. Und das war meine ursprüngliche Aussage gewesen ein paar posts vorher.
Ema's Begriff der ständigen Retraumatisierung arbeitet noch in mir. Da ist viel dran. Aber die beschriebene Entwicklung ist mir lieber. Diese Entwicklung sehe ich einfach nicht, wenn ich mich distanziere, Schmerzdruck nachläßt bzw nicht mehr vorhanden ist und damit meine Not, tiefer in mir Entdeckungen zu machen und Änderungen zu akzeptieren und anzugehen (oben beschriebene Veränderungen kommen aus größerer Tiefe) dadurch entfallen.

Ich habe in meinem Leben einige Exkurse gemacht. Jede endete damit, dass ich feststellen mußte, dass ich doch wieder mit jemandem wie meinem Vater zusammen war. Und damit sind die negativen npsler Eigenschaften gemeint. Ein Wegbleiben von meinem Vater hätte in meinem jetzigen Verständnis nur einen neuen Kreislauf mit dem nächsten Kandidaten zur Folge. Kann ich mir sparen, wenn ich mich der Ursache meiner (negativen?) Prägungen stelle. Und langsam aber sicher sehe ich die Früchte dieser Entscheidung. Es werden Rückfälle kommen. Aber ich kann hoffentlich immer besser damit umgehen und mich davon nicht mehr bestimmen lassen sondern nun selber bestimmen, wie ich damit umgehe. Nicht mehr auf geprägten Knopfdruck sondern je nach Situation entscheiden, ob ich gehe oder unter welchen Bedingungen ich bleibe. Das nenne ich dann Freiheit zur Selbstbestimmung, nicht das permanente Fliehen müssen.

15.06.2019 09:54 • x 3 #21367


Perzet


2018
4153
Für Änderungen war ich zu langsam, deswegen diese extra Ergänzung hier:

Ich weiß, dass meine Situation weit komplexer ist. Ich kann nur kleine Ausschnitte nehmen und versuchen,diese klarer darzustellen. Aber eines ist für mich (oft war es auch ein 'leider') klar: wenn ich mich von meinem Vater physisch distanziere, ich dann nicht die innere Distanz schaffe zu den prägenden Stellen, die es zu bearbeiten gilt. Weil dann schmerzen sie nicht mehr und sind demnach wie nicht vorhanden, tropedieren mich dann aber wie aus dem Untergrund und ich verstehe nicht, warum vieles einfach nicht klappt. Nun kann ich diese ungünstigen alten von Vatern gelehrte Glaubenssätze aufspüren und frei setzen. Klingt marzialisch, funktioniert aber für mich.
Und nein: ich bin nicht aktiv dabei, ständig danach zu suchen. Aber wenn etwas schmerzhaft genug ist, bekomme ich es mit. Und dann wird geschaut, wo es herkommt, was es mir sagen wil und was ich ändern kann und sollte, damit ich es mit einer gesünderen Einstellung ersetzen kann.

15.06.2019 10:10 • x 2 #21368


Joni


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Wie gesagt. Meine Meinung. Der Sinn eines Forums ist ja, daß man neue Impulse und Sichtweisen bekommt.
Ich sehe Deine Erklärung als reflektiert und plausibel, auf den 2. Blick allerdings fällt mir auf, daß Du sein Verhalten zu entschuldigen und zu bagatellisieren versuchst. Natürlich gibt es nicht nur schwarz oder weiß. Das wissen wir alle. Jeder hat seine Vergangenheit, auch ein Narzisst und vielen von der anderen Seite ging es auch nicht gut. Aber, ich kann und will nicht mehr entschuldigen und Gründe finden, warum mich jemand mißhandelt, im Sinne von schlecht behandelt.

15.06.2019 13:20 • #21369


Ema

Ema


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Zitat von Joni:
Aber, ich kann und will nicht mehr entschuldigen und Gründe finden, warum mich jemand mißhandelt, im Sinne von schlecht behandelt.


Ich kann das schon. Ich finde es sogar wichtig. Sonst fällt man in das, was viele praktizieren und was in der ersten Not auch verständlich ist: Nämlich die ganze Verantwortung im Außen zu suchen, den anderen als eine Art Monster und Ungeheuer zu betrachten, ihm jede Menschlichkeit abzusprechen und damit im Grunde das Problem nur zu verlagern.

Dieses Verständnis darf man meiner Meinung nach allerdings keineswegs als Grund oder Ausrede dafür benutzen, sich weiterhin schlecht behandeln zu lassen.
Das ist ja die zweite Falle, neben der erstgenannten, in die viele Betroffene tappen: Sie entschuldigen das schlechte Benehmen des anderen mit seinen miesen Erfahrungen oder seiner üblen Kindheit (was beides durchaus zutreffen kann und sogar sehr wahrscheinlich ist), um vor sich selbst einen Grund zu haben, sich nicht rigoros abzuwenden und sich dem schrecklichen Spiel somit weiter auszusetzen.

15.06.2019 13:48 • x 5 #21370


Jonas20


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104
Hallo Leute, ich stecke gerade in der gefühlt 10 Trennung mit meiner Partnerin. Nach dem fast ein halbes Jahr Pause war, sind wir nun seit einem Monat wieder zusammen. Am Freitag eskalierte es mal wieder und nun bin ich überall blockiert und wurde mit dem Gefühl zurück gelassen alles falsch gemacht zu haben. Mein Thread : naehe-distanz-t53935.html

16.06.2019 20:42 • #21371


Scheol

Scheol


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Zitat von Jonas20:
Hallo Leute, ich stecke gerade in der gefühlt 10 Trennung mit meiner Partnerin. Nach dem fast ein halbes Jahr Pause war, sind wir nun seit einem Monat wieder zusammen. Am Freitag eskalierte es mal wieder und nun bin ich überall blockiert und wurde mit dem Gefühl zurück gelassen alles falsch gemacht zu haben. Mein Thread : naehe-distanz-t53935.html



Und du denkst sie ist narzisstisch ?

16.06.2019 23:44 • #21372


Jonas20


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Zitat von Scheol:


Und du denkst sie ist narzisstisch ?

Mir wurde geraten meine Geschichte hier zu verlinken, weil sie sehr viele Anzeichen dafür hat. Wäre einfach toll eine Ahnung davon zu bekommen was da wirklich abgeht

16.06.2019 23:57 • #21373


Regenbogen2019


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Hallo Zusammen,

tja ich bin wohl doch wieder auf "einen" reingefallen und gehe mal wieder nervlich kaputt.

Gibt es nicht sowas wie bei den anonymen Alk. wo man sich persönlich austauschen kann?

***

Ich habe ihn vor 3 Monaten kennengelernt, alles rosa rot ... typisches wir wollen heiraten und noch ein Kind Gefasel. Meine Alarmglocken schrillen. Ich erzähle meine Narzvergangenheit mit meinem ex-mann. Mein jetzt Ex Freund sagt er selber wäre aber keiner sondern er wäre hochsensibel.

Jetzt gab es einen Streit, er betitelt mich dass ich so wäre wie seine depressive Mutter von der er mir 12 weg ist. Daraufhin habe ich Schluss gemacht und es bitterlich bereut.

Ich habe gerade viele Baustellen (Scheidung, Stress mit der Kita, Hausbau und allein gelassen). Ich habe ihn gesagt dass ich nicht depressiv bin sondern einfach gerade total überfordert.

Er ließ mich jetzt eine Woche im Ungewissen wie es weiter geht. Sagte er braucht Zeit.

Ich aber zerbreche daran und musste an mich und meine 2 Kinder denken.

Habe ihm seine Sachen gebracht und er schiebt mir komplett die schild in die Schuhe.

Er kontrolliert mich bei whats app ob ich online bin und gestern hat er mich auf ner dating Plattform entdeckt.(das Profil war für alle öffenltich) er musste sich dafür nicht da anmelden.

Ich habe aber nach einfachen Bekanntschaften gesucht und nicht nach ner festen Bindung.

Er wirft mir also vor, dass nach der Aktion alles vorbei ist.

.... aber was hätte ich machen sollen? Er hat ja auf nichts mehr reagiert und als Telefon ging er auch nicht.

Ich bin so verzweifelt und nervlich am Ende.

Habe meinem großen heute gesgat dass es vorbei ist. Das zerbricht mir mein Herz...

Ich brauche euch mal

17.06.2019 16:01 • #21374


Joni


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@Regenbogen2019
Achherrje, wenn Du wieder sagst, kennst Du das Schema schon und weißt, da ist nichts zu retten.
Also, die üblichen Ratschläge: kümmere Dich ausschließlich um Dich. Du hast ja jetzt genug Baustellen. Ein Mensch, der eine weitere darstellt, der nicht an Deinem Glück, Deinem Wachstum, Deiner Lebensfreude interessiert ist, sondern zusätzlich Energie frißt, ist fehl am Platz. Das siehst Du ja selbst, egal, welche Diagnose Du oder er hast/hat. Sehr stabil bist Du momentan nicht.
Wirf den Ballast über Bord. Es ist sinnlos momentan.

17.06.2019 16:17 • x 2 #21375



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