Heimdal
Gast
ich lese hier im Forum schon ein paar Wochen mit. Genauer gesagt seitdem meine Frau mir von heute auf morgen gesagt hat das sie sich von mir trennt.
Ich bin an dem Abend (anfang Dezember 2018) gefallen und ich falle bis heute. Ab und an kann ich mich kurz an etwas festhalten um den Fall kurzzeitig zu bremsen.
Heute, natürlich mal wieder ein Sonntag, bin ich wieder gefallen.
Wir waren ca 5 1/2 Jahre zusammen, 1 Jahr und 7 Monate davon verheiratet. Es lief vieles bei uns nicht richtig. Es war oft kalt zwischen uns. Aber ich habe bzw ich liebe sie immernoch. Ohne Grund heiratet man ja auch nicht, oder?
Ein großes Thema (was auch Trennungsgrund war) war ihr Kinderwunsch, den ich ihr noch nicht erfüllen wollte. Das ständige auf und ab in unserer Beziehung hat mich immer wieder sehr verunsichert. Ich habe mir immer gesagt
das ich niemals ein Scheidungskind in die Welt setzen möchte. Das ich mir 100% sicher sein will bevor ich diese Lebensaufgabe annehme. Heute bin ich einerseits froh das ich immer standhaft geblieben bin was meinen Stand gegenüber Kindern anging,
aber ich bereue es auch teilweise sehr. Ständig geistert in meinem Kopf die Frage umher ob ein Kind uns gerettet hätte. doch dann kommt meine Vernunft ins Spiel und sagt ganz klar NEIN, ein Kind kann keine Beziehung reparieren.
Ich habe vor 10 Jahren noch (ich bin jetzt 30) gesagt "ich werde niemals heiraten", doch sie hat mir einfach das Gefühl gegeben das sie die richtige ist. Ehe bedeutet für mich bis ans Lebensende, egal was kommt. In guten wie in schlechten Zeiten.
Vor der Ehe habe ich gerne ein wenig mit anderen Frauen geflirtet (NUR geflirtet!). Nachdem ich den Ehering am Finger hatte habe ich andere Frauen links liegen gelassen.
Ich war stolz darauf mit ihr verheiratet zu sein "das ist meine Frau, mein fehlendes Puzzleteil". Wir lebten zusammen in einer relativ großen Wohnung im Haus meiner Eltern, ohne jeglichen Zwang mit meinen Eltern zu kontakten.
Es war für alle schön so wie es war, wir wollten die Wohnung noch ein wenig weiter ausbauen. Ich habe ihr mit fast allem freie Hand gelassen, Dekoration, Farbe der Wände etc. Sie sollte sich wohl fühlen und nicht das Gefühl haben in meine Wohnung zu ziehen, sondern in unsere Wohnung. Was kann man besseres haben? Fast Mietfrei in einem Haus wohnen das uns irgendwann mal komplett gehört?
Heute wird mir all das vorgeworfen. Es war nie ihre Wohnung, der Kontakt zu meinen Eltern war ihr zu eng (im letzten Jahr war es tatsächlich durch eine schwere Erkrankung meines Vaters deutlich intensiver geworden als die Jahre zuvor).
Ich verstehe die Welt nicht mehr. Fühle mich, wie viele in meiner Situation, leer und verdammt einsam. Ich bin aufgrund meiner Vergangenheit ein ziemlich zurückgezogener und manchmal auch sehr pessimistischer Mensch.
Ich habe in meinem Leben viele sehr enge Freunde gehabt die ich nach und nach verloren habe. Heute stehe ich alleine da. Vor lauter Verzweiflung habe ich einige Tage nach der Trennung meinen Beziehungsstatus bei Fb
auf Single gesetzt. Nicht weil ich sofort auf symbolisieren wollte das ich wieder zu haben bin sondern als eine Art Hilferuf. Ich hatte gehofft einer meiner alten Freunde stolpert darüber und sucht den Kontakt - dummer Gedanke.
Auch diese Aktion wurde mir, trotz Erklärungsversuch meiner Ex gegenüber, negativ ausgelegt. Wie man´s macht .
Ich habe mir dann ziemlich schnell Hilfe bei einer Heilpraktikerin für Traumatherapie geholt weil ich angst hatte wieder in so ein tiefes Loch wie bei meiner vorherigen Trennung zu fallen. Damals habe ich 3 Jahre gebraucht um wieder
eine Frau in mein Leben lassen zu können.
Letzte Woche habe ich dann das Thema Scheidung ins Gespräch gebracht, woran meine Ex noch nicht einmal gedacht hatte. Sie tanzt in meinen Augen momentan völlig losgelöst auf einer Zuckerwattewolke durch die Welt und vergisst dabei
das wir in keiner stinknormalen Beziehung waren, sondern eine Ehepaar sind. Es tut unglaublich weh sie nicht auf allen Kanälen blockieren zu können weil die Ehe uns nunmal noch verbindet. Tägliche Statusupdates bei Whatsapp von ihrem tollen
Leben tragen immer wieder dazu bei das ich mich immer mehr verkrümel und mir oft wünsche das mir irgendein zufälliges Ereignis den weiteren Schmerz erspart und ich nicht mehr leiden muss. Ich weiß es geht irgendwann vorbei. hoffe ich zumindest.
Immer wieder diese Albträume in denen ich vor unserer Wohnung stehe und auf sie warte, doch sie kommt einfach nicht.
Sie fährt täglich durch den Ort in dem ich lebe um zur Arbeit zu fahren, ständig sehe ich sie. Immer wieder wird die Wunde aufgerissen. Abends sitze ich dann in meiner fast leeren Wohnung und weiß nichts mit mir anzufangen.
Kontaktversuche mit alten "Freunden" liefen mehr schlecht als recht ab und ich stürze mich immer mehr in meine Arbeit.
Und immer wieder frage ich mich ob ich wirklich so blind war und die ganzen Anzeichen für die Trennung einfach nicht gesehen habe? Kein Händchenhalten in der Stadt mehr, kein "Ich liebe dich", ständig unterwegs mit Freundinnen und ich saß
immer zu Hause und habe es auch oft genossen alleine zu sein. Inzwischen ist es eine Qual für mich.
Es fehlen noch so viele Details, so viele Situationen aber ich kann gerade nicht mehr all zu gut sehen weil die Augen doch ziemlich wässrig werden.
Ich musste das alles einfach mal los werden, sonst werde ich noch verrückt.
Gruß Heimdal