Elfchen86
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ich bin seit Monaten im Gefühlschoas…
Ich muss ein wenig ausholen.
Anfang letzten Jahres habe ich meinen jetzigen Freund kennen gelernt. Wir wollten Beide keine Beziehung. Ich hatte mich erst ein halbes Jahr zuvor von meinem Partner getrennt, wir waren fast 10 Jahre zusammen. Mein Plan war es, mein Singledasein zu genießen und einfach zu machen, worauf ich Lust habe. Mein jetziger Freund hatte ein paar Monate zuvor seine Frau aufgrund einer schweren Krankheit verloren. Somit selbstverklärend, dass er auch alles andere als eine Beziehung gesucht hat.
Wir hatten einfach eine entspannte Freundschaft plus, die uns beiden gut tat. Ich habe von Anfang an gemerkt, dass er ein besonderer Mensch ist. Daher habe ich mich auch auf die Freundschaft plus eingelassen, ohne Hintergedanken an eine Beziehung. Naja, irgendwann kam dann der Zeitpunkt, an dem für uns beide klar war, dass es irgendwie in eine andere Richtung geht. Wir mussten uns entscheiden, welchen Weg wir nehmen. Wir haben uns nach vielen Gesprächen für die Beziehung entschieden. Was alles andere als leicht war, für uns beide. Er hat nach und nach seiner Familie und seinem engsten Freundeskreis von mir erzählt. Was für ihn natürlich auch alles andere als leicht war. Seine Freunde waren natürlich auch noch am trauern bzgl. des Verlustes seiner Frau, welche ebenso eine gute Freundin von all seinen Freunden war. Für mich war es schwer, da mich natürlich jeder als die „Neue“ angesehen hat, die jetzt da ist um die Lücke/Leere in ihm zu füllen. Seine Freunde habe mich bis heute nicht richtig angenommen, seine Familie hingegen hat mich von Anfang an mit offenen Armen empfangen.
Wir sind jetzt bald ein Jahr zusammen, trotz allem ist alles immer noch sehr schwer für mich. Er sagt mir, dass er mich liebt, was ich ihm auch glaube, sonst hätte er das nicht alles auf sich genommen. Er sagt mir aber genauso ehrlich, dass er seine Frau auch vermisst. Er hat mir erklärt, dass er sie nicht als Partnerin vermisst, sondern als sehr gute Freundin und als Mensch.
Für mich ist seine verstorbene Frau aber überall präsent. In der Familie, im Freundeskreis, in seinem Haus. Es hängen viele Bilder von ihm und seiner Frau im Haus (viele Bilder von der Hochzeit, ein großes Bild von ihr). Natürlich soll er sich an sie erinnern und sie im Herzen tragen und darf auch ein Foto von ihr aufhängen. Aber gleich soviele?
Ich kann das Gefühl einfach nicht abschütteln, vielleicht nicht an sie ran zu kommen. Immer mit ihr verglichen zu werden. Vielleicht doch nur der Mensch zu sein, der die Leere in ihm füllt. Er hat mal zu mir gesagt, „ich wäre seine Medizin“. Medizin braucht man solange, bis es einem wieder gut geht. Was ist, wenn er irgendwann merkt, dass ich wirklich nur seine Medizin war um ihm die Leere zu nehmen? Was ist, wenn er tief in seinem Inneren doch noch nicht bereit ist, für eine neue Frau?
Er ist für mich einfach ein ganz besonderer Mensch. Als ich gemerkt habe, dass da mehr ist, wusste ich, dass ich für ihn durch die Hölle gehen würde und er es wert ist, zu kämpfen. Die Gefühle, die ich für ihn habe, habe ich so bisher noch nicht gefühlt.
Aber der Start unserer Beziehung war alles andere als einfach und schön (die ganze Geschichte würde hier den Rahmen sprengen). Das hängt mir auch noch nach. Er ist ein Mensch, der sein Herz auf der Zunge trägt. Er hat mir immer erzählt, was in ihm vorgeht, auch bzgl. seiner Frau. Was natürlich nicht immer leicht für mich war.
Vielleicht hat ja jemand von euch ähnliche Erfahrungen gemacht und mir berichten, wie man mit so einer Situation und den Ängsten umgeht.
Ich wünsche euch einen schönen Abend.
Viele Grüße
