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Geringes Selbstwertgefühl in der Beziehung - Therapie?

Lila7

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Hallo, dies ist das erste Mal überhaupt, dass ich mich in so einem Forum eingeklingt habe. Um die Situation zu erläutern, die mich runterzieht, muss ich leider etwas ausholen. Ich versuche , mich kurz zu fassen. Vor nahezu zwei Jahren lernte ich im Urlaub (spontan gebucht, Reisegruppe, ich bin alleine mitgefahren) meinen jetzigen, ich muss wohl Exfreund sagen, kennen.
Ich selber war ca. 3,5 Jahre single. In meiner Exbeziehung wurde ich leider zum Ende hin belogen und hatte danach lange Zeit daran zu knabbern. In den 3,5 Jahren lernte ich zwar immer wieder Männer kennen, es entwickelte sich jedoch bei mir nie mehr das Gefühl mich darauf einlassen zu können/wollen.

Bei meinem jetzigen Ex war das anders. Er legte sich ins Zeug (erst als ich wieder zu Hause war nahm er den Kontakt zu mir auf und wollte sich mit mir treffen). Wir wohnen ca. 180km voneinander entfernt, was es für mich schwierig machte, allzu optimistisch daran zu gehen. Ich bin kein Fernbeziehungsmensch, da ich die Nähe meines Partners schon brauche.

Dazu kam, dass ich beruflich genötigt wurde in eine andere Abteilung zu wechseln, in welcher ich im Schichtdienst arbeiten muss. Also auch WE/Nachts egal wann. In einem unregelmäßigen Zyklus.

Das alles war umso schwerer zu ertragen, je mehr ich mich gefühlstechnisch auf die Beziehung einließ. Wir hatten immer weniger Zeit. Es fiel mir jedoch offensichtlich schwerer als ihm. Er war auch im ersten Jahr derjenige, der nahezu immer zu mir fuhr. Ich habe mich bemüht, dem Ganzen gerecht zu werden und habe ihm im Gegenzug bekocht etc.

Was noch wichtig zu erwähnen ist, dass ich aufgrund gesundheitlicher Probleme und der Belastung dadurch auch auf Raten meines Hausarztes eine Therapie begonnen hatte. Diese hatte ich quasi fast überlappend abgeschlossen, als die Beziehung begann.

Nun kam es in den zwei Jahren immer wieder zu Momenten, in denen ich wirklich überlastet war, nicht mehr weiter wusste und irgendwann dazu neige, allen Dampf abzulassen. Vielleicht habe ich auch zuviel von ihm erwartet, da es für ihn wie ich nach mehrfacher Frage erfuhr, die erste richtige Beziehung ist/war. Er ist eher ein ruhiger Mensch, seine gesamte Familie. Im Gegenzug zu mir und meiner Familie.

Ich weiß, dass ich mir mit meinem Temperament einiges verbaut habe. Und im Allgemeinen vielleicht zu hohe Ansprüche habe.
Wir sind beide über 30. Ich habe mir früher selber immer mein Leben in diesem Alter ausgemalt. und leider (bis auf beruflich) diese Ziele noch nicht erreicht. Weil mir auch der richtige Partner wohl noch fehlte.

Da ist der springende Punkt. Ich bin einfach aufgrund vieler Erfahrungen in meinem Selbstwert so angeknackst, dass ich Probleme damit habe, wenn sich mein Partner selten meldet/es ihm ausreicht mich am WE zwei halbe Tage lang zu sehen etc. Insgesamt fehlt mir seit langem das Gefühl, geliebt und respektiert zu werden. Worte wie vermissen o.ä. kamen nie von ihm.

Zu Beginn sagte er auch, dass er an seinen Wohnort nicht gebunden sei. Nach zwei Jahren und vielen Höhen und Tiefen später ist davon nichts mehr übrig gewesen.

In seinen Augen ist mein "Überreagieren", "Nerven verlieren" sein Problem. Weswegen er nicht mehr in uns vertraut.

Nun ist der Punkt gekommen, wo er mich quasi zwingt diesbezüglich eine Therapie zu machen. Er schiebt jegliche Verantwortung von sich. Sehen möchte er mich auch nicht mehr. wenn ich mich ändern würde, würde man weiterschauen können.

Mein Problem ist einfach, dass mein Selbstbewusstsein eh schon so angeschlagen ist. Früher war ich ein fröhlicherer Mensch. Aber durch manche Erfahrungen und körperliche Beeinträchtigungen (Rücken etc.) ging mir diese Leichtigkeit verloren.

Ich denke auch, dass ich ein recht ehrgeiziger Mensch bin. In der Kindheit wollte ich immer schon "gut" (nicht die Beste) sein und die Bestätigung durch Noten o.ä. war mein "Erfolg".

Auch wenn wir schon öfters einen größeren Streit hatten, den ich durch meine Verunsicherung nicht "sachlich" klären konnte sondern vielmehr zu emotional war, so ist dies nun der Höhepunkt.

Ich habe mich schon im Internet eingelesen, sogar einen Termin bei der ehemaligen Therapeutin ausgemacht (der Termin ist leider erst in einigen Wochen)

Ich sehe ja ein, dass ich meine Enttäuschung anders hätte zeigen/äußern müssen. Und bin auch gewollt dies zu ändern. Nur von dem Menschen, bei dem man dachte man sei angekommen, nun nur noch zu hören, man solle sich therapieren lassen und man vertraue nicht darauf, dass man selber an sich arbeiten mag/kann, das schmerzt sehr. Es ist nicht gerade förderlich, wenn man durch viele Tiefschläge in der Beziehung sowieso sein Selbstbewusstsein und -vertrauen verloren hat.

Manchmal glaube ich, ich halte an einem Partner nur fest, da ich Angst habe im Alter alleine zu sein. Mein gesamter Freundeskreis ist restlos vergeben/verheiratet.

Und ich bin anscheinend an jemanden geraten, der in mir seine erste Freundin hat und allgemein sehr verschlossen ist. Sich immer an seine gute Freundin (von der ich per Zufall nach einem Dreivierteljahr erfuhr) oder Mutter wendet und Rat sucht. Oder sogar zur Seelsorge geht. Dahin hat er mich auch zwei Mal mitgenommen.

Ich weiß nicht, wie ich mit der Situation umgehen soll. Es tut weh loszulassen, da ich einerseits auch für mich gelassen sein möchte, andererseits immer bis zum Ende kämpfen möchte, weil mir eine Beziehung im Leben so wichtig ist.

Wie kann ich aus einer solchen Geschichte mir erhobenen Haupt herausgehen, wenn man quasi erpresst wird eine Therapie zu machen und der andere sagt, er würde dann mal schauen ob es was bringt und erst dann mit mir eine Zukunft sieht.

Es ist jetzt etwas viel geschrieben, aber glaubt mir, ich hätte noch viel viel weiter ausholen können.

Meine Vorschläge, z.B. einen "Vertrag" aufzustellen. uns auch gegenseitig zu fixieren was uns beim anderen wichtig ist und was man ändern soll etc, auch von mir die Idee autogenes Training, wieder mehr Sport machen zu wollen (vor der Beziehung war ich 5 Mal die Woche beim Sport, das fehlte mir schon) um auch gelassener zu werden, schmettert er ab. Für ihn heisst es Therapie für mich und Ende.

Dann haut mal raus. Was denkt ihr darüber?

28.09.2017 11:55 • x 1 #1


Sabine

Sabine


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Willkommen hier

Ich hau da nix raus. ich lese was, was du schreibst, außen suchst und bei dir hast

Zitat von Lila7:
Weil mir auch der richtige Partner wohl noch fehlte.


hm . . . sagt es dir das, was es mir sagt? Wer ist der wichtigste Mensch in deinem Leben?

Dir alles Liebe

Lilly

Dir alles Liebe

Lilly

28.09.2017 13:07 • #2


Santosha1951


Zitat von Lila7:
Nun ist der Punkt gekommen, wo er mich quasi zwingt diesbezüglich eine Therapie zu machen. Er schiebt jegliche Verantwortung von sich. Sehen möchte er mich auch nicht mehr. wenn ich mich ändern würde, würde man weiterschauen können.

Mein Problem ist einfach, dass mein Selbstbewusstsein eh schon so angeschlagen ist.

Zitat von Lila7:
Manchmal glaube ich, ich halte an einem Partner nur fest, da ich Angst habe im Alter alleine zu sein. Mein gesamter Freundeskreis ist restlos vergeben/verheiratet.

Zitat von Lila7:
Wie kann ich aus einer solchen Geschichte mir erhobenen Haupt herausgehen, wenn man quasi erpresst wird eine Therapie zu machen und der andere sagt, er würde dann mal schauen ob es was bringt und erst dann mit mir eine Zukunft sieht.


Liebe @Lila7

obwohl du auf der einen Seite ein gefühlvoller Mensch bist, dich nach Zuneigung und Nähe sehnst, dir eine harmonische Beziehung
wünscht, hast du anscheinend eine Charaktereigenschaft, die man "anklammernde Persönlichkeit" nennt und die gerade in Partnerschaften schwer zu handeln ist.

Das ist aber nur die eine Seite von dir, auf der anderen bist du sensibel und liebebedürftig.
Jeder Mensch braucht anerkennende Worte, Komplimente und menschliche Wärme, um zu existieren.
Dein Freund ist eher rational veranlagt. Es ist völlig klar, dass dir bei ihm was fehlt.

Da dein Freund beziehungsmäßig noch sehr unerfahren ist, die Mutter zu Rate zieht, wenn er nicht weiter weiß, wird er mit einer emotionalen, momentan unsicheren Frau wie dir, nicht klar kommen.

Eine Therapie würde ich in deinem Fall wahrnehmen, damit du wieder lernst, zu vertrauen und du deinen Selbstwert erkennst. Du bist ein wertvoller Mensch und niemand sollte dir das Gegenteil weismachen wollen.

Natürlich macht dein Freund sich auch Gedanken, wie eure gemeinsame Zukunft aussehen würde unter den jetzigen Bedingungen. Nur hinterfragt er sich selbst wohl gar nicht.

Vielleicht braucht er auch mal eine therapeutische Beratung um sich vom Elternhaus und der Meinung anderer zu lösen. Mit so einem gegensätzlichen Mann, würdest du, mit deiner eigenen Persönlichkeitsstruktur, nur Enttäuschungen erleben.

Du solltest deine Konsequenzen ziehen und ihm klarmachen, dass er es mit einem erwachsenen Menschen zu tun hat und ihr nicht zusammen passt.
Du wirst deine eigene Art von Aufarbeitung deiner Probleme machen, ob nun autogenes Training, viel Sport, oder eine Therapie.

Mach dich nicht von dem abhängig, sondern gehe deinen eigenen Weg. Du bist noch jung genug, und der "richtige" Mann für dich, der wird dich irgendwann schon finden. Glaub mal daran.

Ich wünsche dir auf jeden Fall viel Glück dabei.

Liebe Grüße
Santosha

28.09.2017 13:28 • x 1 #3


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Du musst es Dir wert sein, etwas zu verändern. Was willst Du? Was macht Dich glücklich? Was erfüllt Dich?

Wenn Du in der Therapie voran kommst, FÜR DICH weiter kommst und es danach mit ihm wieder besser läuft, gut.

Wenn nicht, auch gut. Du musst Dich für niemanden verändern.

Du wirst im Außen nicht das finden, was Dir im Innen fehlt.

Ich wünsche Dir alles Gute für Deinen Weg!

Liebe Grüße

28.09.2017 13:46 • x 2 #4


Lila7


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Danke euch allen, für die Antworten.

Langsam aber sicher lerne ich es schmerzvoll zu akzeptieren. Zu akzeptieren, dass es alles nicht ohne Sinn so gekommen ist. Für die Zukunft daraus zu lernen...

In einem von mir erbetenen Telefonat erwähnte ich ihm gegenüber, dass ich in einem Forum darüber geschrieben habe...er wollte mehr wissen, was ich aber auf den Moment nicht gut fand.


In einem Telefonat vor einer Woche räumte er dann ein, dass er es im Internet gefunden hat...er fände es zwar gut, dass ich hier etwas schrieb.... Kritik kam dennoch weiterhin...und sich ein wenig selber reflektieren...das ist sowieso zuviel verlangt.

Die Telefonate wurden von ihm eh nur noch dazwischengeschoben...hören werde ich aktiv von ihm vermutlich nie mehr etwas.

Das habe ich auch nicht mehr nötig....auch wenn er dies vielleicht lesen wird...

Genau das werde ich nicht mehr tun, mich unter Wert verkaufen...

Euch alles Gute !

11.10.2017 19:05 • #5




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