Zitat von FrauDrachin: Danke für die Erklärung.
Darf ich fragen, wie du das in deinem Leben umsetzt, und ob und auf welche Hindernisse du stößt oder gestoßen bist?
klar gerne - hoff ich kann es ohne einen Roman ein bisschen erklären (sonst kannst du auch gerne per PN nachbohren)
Mir wurde gesagt, dass ich als Mädchen keine Bildung brauche und wenn schon, dann soll ich doch bitte was machen das zu Mädchen passt - eine Hauswirtschaftsschule. Ich hatte die Kraft und Überzeugung mich mit 14 da durchzusetzen und aufs Gym zu gehen. Das war in den Frühen 90ern und ist im Bildungsfernen Umfeld wahrscheinlich auch heute oft noch so.
Das war nicht leicht, wirklich nicht leicht. Fühlte mich schlecht meine Eltern und ihre Erwartungen zu enttäuschen. Hatte aber Glück und Rückendeckung durch engagierte Lehrer aufgrund meiner Begabung. Der Weg Gym und dann BWL Studium war die richtige Wahl.
Im Arbeitsleben setze ich mich seit 2 Jahrzehnten in einer Männerdomäne (It und Technik) durch. Da passiert viel Wegbereitung für die kommenden Generationen und gerade dann, wenn ich die einzige Frau im Raum bin, bin ich mir auch dessen bewusst, dass man auch so was wie eine Vorbildunfktion hat. Die Begegnug auf Augenhöhe ist mir wichtig. Drum hab ich jetzt auch nur begrenztes Mitleid mit einem Mann der bei der Krippe dumm angequatscht wird. Wenn man neue Wege gehen will kostet das eben Mut und Überzeugung.
Sofern möglich versuche ich junge, talentierte Kolleginnen zu fördern und zu coachen - das nehmen viele gerne an und kommen immer wieder wenn sie Trost, Aufmunterung oder Entscheidungshilfe brauchen.
Weil du die Pflege erwähnst: Das Einstiegsgehalt für Pflegefachkräfte liegt bei etwa 43.400 Euro brutto jährlich das Einstiegsgehalt als Softwareentwickler:in mit weniger als 3 Jahren Berufserfahrung liegt im Durchschnitt bei 51.000 Euro brutto pro Jahr. Das durchschnittliche Bruttogehalt eines Maurers in Deutschland liegt bei etwa 40.585 Euro entspricht.
Findest du die Pflege wirklich so unterbezahlt?
Meiner Meinung nach erledigt das der Markt - Pflegekräfte werden immer händeringender gesucht. Die Gehälter von Pflegekräften sind in den letzten Jahren überdurchschnittlich stark gestiegen, sowohl im Vergleich zum Durchschnitt der Gesamtwirtschaft als auch innerhalb des Pflegebereichs
Es gibt den Mutterschutz und die Elternzeit - die Decken den Ausfall aus dem Erwerbsleben gut ab. Darüber hinaus noch zu Hause bleiben zu wollen ist ein Luxusproblem, das man sich ja gerne leisten kann aber nicht auf Kosten der Steuerzahler.
Ich teile diese, andere müssen dafür sorgen, dass es mir gut geht und ich alles hab, Mentalität nicht. Kinder sind eine persönliche Entscheidung. Kinderbetreuung in Einzelfamilien ist meiner Meinung nach ein überbewertetes, ineffizentes und veraltetes Modell (auch wenn ich jetzt geteert und gefedert werde). Und der Frau eines gut verdienenden Mannes muss ich auch nicht noch ein Gehalt überweisen, weil sie den Haushalt und die Kinder für beide schupft.