Zitat von Besserwisser60: Ein Oberarzt in Teilzeit?
Wo gibt es den denn?
Ja, das ist im Grunde der Endgegner: Die Wirtschaft feministisch gestalten, also familienzentrierte und nachhaltige Strukturen. Das ist ein gaaanz weites Feld und geht damit los, Arbeitszeit und Arbeitsort neu zu organisieren und wirklich nur dann und dort zu arbeiten, wo am meisten Wertschöpfung entsteht. Meine Glaskugel sagt, dass wir dann wieder eine Menge (diesmal aber virtuelle) "Laufakten" haben, die diese unsäglichen Plustermeetings und "Weeklys" ersetzen. Die Arbeitsleistung wirklich messbar erfassen, um Arbeitsplätze besser als in 20TZ und 40VZ aufteilen zu können. Damit hängt zusammen, die Bewertung von Firmenwerten an den Börsen neu zu denken. Vorgetäuschtes Quartalswachstum durch Einmaleffekte am Headcount sind halt echt für'n A... Und dennoch verbringen Männer und Frauen extrem viel Zeit damit, die Ergebnisse an die Forcasts und Budgets anzupassen. Ich stelle mir eine an das Controlling angeschlossene HR-Dispositionsabteilung vor, die dafür sorgt, dass alle Arbeitsvorgänge als Pakete dargestellt werden, die sich das Stammpersonal mit etwas Vorlauf reserviert. Jedem Arbeitspaket ist ein transparentes Teilgehalt zugewiesen, so dass man ganz gut sehen kann, was am Ende des Monats rauskommt. Dann noch eine Gruppe von Springern, die liegengebliebene Pakete die die Führungskräfte nicht verteilt bekommen, auffangen. Dann wäre die Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf und das Reagieren auf persönliche Leistungshindernisse auch nicht so ein Problem und müsste nicht ständig über die Krankenkassen abgefedert werden.
Aber sobald man auch nur einen Teilaspekt dieser Utopie erwähnt, kommen sofort die "Konservativen" (hier viel breiter als nur politisch gemeint) und werfen ein, dass China uns dann überholt und sich jeder dann ja nur die Rosinen rauspickt und, und, und. Denn eigentlich mögen es viele ja, tagsüber nicht zu Hause zu sein und sich in Meetings zu produzieren und per Job Title Wichtigkeit attestiert zu bekommen und per Dienstreiseverfügbarkeit die pflegende Konkurrenz auszustechen und per Überstunden die eigene Unentbehrlichkeit vorzutäuschen. Geld ist Macht. Und Zeit ist Geld.
Zitat von Lizzzy: weil Kinder Vollzeit in Einrichtungen für die meisten Mütter nicht das Ziel ist
Ich glaube, dass das vor allem an unserem Anspruch an diese Einrichtungen liegt.
Es hätte wohl keiner ein Problem, die Kids während einer langen Arbeitszeit bei Oma zu wissen, obwohl da pädagogisch die Qualität niedrig, aber der Personalschlüssel eben extrem gut ist. Und außerdem ist der Tag bei Oma anders getaktet als in der Kita. Also müsste auch Ziel und Anspruch an die Kinderbetreuung neu gedacht werden. Und die Verteilung der Arbeitszeit im Tag. In Schweden gehen alle (auch die Männer) am Nachmittag die Kinder abholen bzw. nach Hause. Und arbeiten abends noch ein paar Stunden. Das ging in zwei meiner Jobs auch ganz gut. War aber völlig vom Goodwill meiner Chefs abhängig. Das sollte imho, auch zum Erhalt der Arbeitskraft bis zur späten Rente bei kinderfreien Arbeitnehmern, Firmenkultur werden.
Noch ein letzter Absatz zu Gewaltandrohungen durch User: Was viele offenbar überlesen haben: badmonkey scheint nicht zum ersten Mal mit dem Gesetz in Konflikt zu stehen. Er schrieb, dass ich ihn ruhig anzeigen könne und dann schon sehen werde, was mir dann passiert. Das sind keine leeren Drohungen. Es gibt tatsächlich eine Möglichkeit, wie er über die Taten, die man in seinem Posting anzeigen kann, meine Identität mit sämtlichen privaten Details erfahren kann. Und das wäre nicht das erste Mal, dass dann die Mailbox voll mit weiteren Drohungen ist und unbekannte Männer (ja, nicht nur einer) an der Tür klingeln. Als es mir das erste Mal passiert ist, habe ich freundlich und sachlich gesagt, dass ich es nicht in Ordnung finde, meinen Kollegen mit ausländischem Akzent bei einem Alltagsgeschäft xenophob anzugehen. Die Ohrfeige, die ich eine halbe Sekunde danach im Gesicht hatte, habe ich selbstverständlich angezeigt. Mein Kollege hat sich als Zeuge zur Verfügung gestellt. Und danach hatten wir beide bis zur Verurteilung zu einer Geldstrafe richtig Aufwand mit dem Frauenklatscher und seinen Freunden. Alles Männer in ihren 40ern mit Job und Familie und ganz offensichtlich massivem Ausländer-, Frauen- und Alk.. Vermutlich auch Poten., aber so weit kam es dann nicht. Schutz durch Staat oder Männer? Fehlanzeige. Aber ganz tolle Frauen um mich herum, die sich vor mich und meinen Kollegen gestellt und auf Fußwegen begleitet haben. Und das war mit Anfang 20 und leider nicht das letzte Mal, dass ich mir "meinen Baum aussuchen" oder "mal so richtig durchge..." werden sollte. Das sind keine leeren Drohungen. Das sind immer Männer, die darunter leiden, nicht die Vorzugsbehandlung zu bekommen, die sie aus ihrer Sicht verdienen, die bei Widerworten und Grenzsetzungen komplett entgleisen und alles niedermähen, was ihrer Vorstellung von einer "gerechten" Welt, entgegen steht. Und sei es auch nur eine Unbekannte, die darauf hinweist, dass man seine Kunden nicht beleidigt oder mit seinem Sorgerechtsstreit nicht der Regelfall ist.