Zitat von Talia_: Mit der richtigen Technik, gezieltem Training und passenden Hilfsmitteln lässt sich die Belastung oft so anpassen
Und die passenden Hilfsmittel werden eben garantiert nicht von den Menschen entwickelt oder das dafür nötige Geld als "sinnvoll" oder "nötig" angesehen werden von Menschen, denen die größere eigene Muskelkraft einen Wettbewerbsvorteil bringt.
Daher würden auch weibliche Gehirne (und auch die von schwarzen Menschen) von weißen männlichen Forschern als schon biologisch weniger leistungsfähig "erkannt" als sich nun herausgestellt hat.
Zitat von BernhardQXY: Es sollte jeder nach seinen Fähigkeiten eingesetzt werden
Das unterschreibt sicher jede/r.
Aber wie messen wir Fähigkeiten? Warum ist eine durchsetzungsstarke Frau herrisch, dominant und keifig und ein durchsetzungsstarker Mann eine Führungspersönlichkeit?
Zitat von BernhardQXY: Es gibt nicht nur körperlich sondern auch geistig Unterschiede. Unterschiedliche Interessen und Fähigkeiten.
Ja, aber der Unterschied von einer Frau zu einer anderen Frau und zwischen einem Mann zu einem anderen Mann ist größer als der zwischen Frauen und Männern als Gruppendurchschnitt.
Zitat von BernhardQXY: Ich habe im Moment keine wirkliche Lösung., das zu unterscheiden.
Und genau das machen Gender-Studies. Sie erforschen, welche Attribute vorhanden sind und ob sie auf die Biologie oder die Sozialisation zurück zu führen sind. Z.B. auch, um herauszufinden, ob Männer wirklich aggressiver als Frauen sind und deshalb völlig zu Recht die Gefängnisse bevölkern, oder ob die Gesellschaft (ja, auch die Frauen und Mütter!) ihnen das anerziehen und wir den Jungs damit großes Unrecht tun.
Aber Gender-Studies sind gerade unter Männern (und einigen Frauen) ein Kampfbegriff und werden als läppisch, überflüssig etc. pp. abgewertet. Weil sie am Status Quo rütteln. Und Veränderung den Menschen Angst macht.
Zitat von Blindfisch: Der Feminiusmus, der die Biologie des Menschen und die Unterschiede von Mann und Frau als "gesellschaftlich konstruiert" sieht,
Denn das hier stimmt so ja nicht. Es gibt die unterschiedliche Biologie. Aber bestimmt diese wirklich, ob jemand gut einparken kann oder sich nicht als Erzieher eignet?
Zitat von Balu85: Aber dieser Gedanke der Absicht steckt doch irgendwie in dem immer wieder verwendeten Begriff der "Unterdrückung" mit drin.
Dann stell Dir bitte die "Unterdrückung" nicht physisch vor, so wie man jemanden unter Wasser drückt, sondern als Filter vor. Wenn Du mit einem Filter durchs Leben läufst, der alle Stimmen von Kindern, Frauen und Behinderten aus Deinem Ohr rausfiltert, dann hat eben noch nie eine Frau was sinnvolles gesagt und die Behinderten hätten sich doch nur mal zu Wort melden müssen. Dieser Filter ist keine individuelle Absicht, sondern den bekommen wir alle strukturell ins Ohr gesetzt. Absicht ist es dann, den Filter aus dem eigenen Ohr zu entfernen.
Zitat von Blindfisch: nur muss ich mich nicht damit beschäftigen und will es auch nicht.
Dass Du es nicht musst, ist Dein Privileg als Mann. Für Dich "passt" das Allermeisten und vor allem das Althergebrachte. Und dass Du Dich deswegen nicht darum kümmern willst, ist eine individuelle Entscheidung.
Das Privileg, dass für mich das Allermeiste "passt", habe ich z.B. leider nicht. Ich würde mich auch viel lieber nur um mich selbst und zwei drei Personen in meinem Umfeld kümmern. Aber das kann ich eben nicht. Ich muss die Strukturen ändern, wenn es jemals für mich passen soll.
Zitat von Balu85: Also wäre es, im Sinne des Feminismus auch sinnvoll das Frauen sich ihren Wert bewusst sind und da, ich sage mal sich stärker verkaufen?
Ja, das ist ein ganz wichtiger Schritt. Dass auch Frauen verstehen, dass ihr Leben nicht aufgrund der Biologie oder persönlicher Entscheidungen so ist, wie es ist, sondern eben auch aufgrund der Strukturen.
Zitat von Balu85: Jetzt hast du mich neugierig gemacht, warum müssen die Handwaschbecken in die Kabine rein.
Weil Vaginen und Vulvennnicht häufiger Infekte haben müssten als z.B. männliche (oder weibliche) Münder. Das sind alles selbstreinigende Körperöffnungen mit Schleimhäuten. Frauen leiden jedoch in misslicher Regelmäßigkeit an Infekten und Pilzen im Intimbereich. Und das aus zwei Gründen: Mangelnde Möglichkeit, sich selbst auf hygienische Weise zu berühren (z.B. weil zwischen Waschbecken im Vorraum und Anfassen der Vulva mindestens 2 Türklinken und die eigenen Klamotten liegen, was durch ein Waschbecken neben jeder Schüssel vermieden werden kann) und mangelnde Hygiene von Menschen, die die Frau intim berühren.
Frauen leben einfach seit Jahrhunderten damit, dass ihre Intimregion regelmäßig krank wird. Obwohl das vermeidbar wäre. Und damit z.B. die Lebensqualität und auch Arbeitskraft all der Frauen, die am Arbeitsplatz an Vaginitis, Blasenentzündung oder Scheidenpilz leiden, erhöht werden könnte. Aber selbst viele Frauen würden dafür kein Geld ausgeben, weil sie sich an ihr Genital als einem für Krankheiten "anfälliges" Körperteil gewöhnt und das nie hinterfragt haben. Der sprichwörtliche "Fischgeruch" ist ein Krankheitssymptom.
Und das Desinfektionsfläschchen und die Zeit, die es braucht, es zu kaufen, daran zu denken und es zu verwenden, ist dann eben die durch "Unterdrückung" der weiblichen Perspektive geforderte "pink tax" oder das schwerere Leben oder der Mehraufwand als Frau ohne biologischen Grund, allein aufgrund unpassender (männerfokussierter) Strukturen
Zitat von Balu85: Hast du da mal ein paar Beispiele?
Z.B. das Geld für den Straßenverkehr. Bis vor kurzem waren deutlich mehr Männer mit Pkw unterwegs als Frauen, in den 60ern zum Beispiel fast ausschließlich Männer und Frauen nahmen das Rad, die Tram oder blieben zu Hause. Wie viel Geld wurde in Straßen und wie viel in ÖPNV gesteckt?
Klar, davon profitieren auch(!) Frauen. Aber Männer eben mehr. Finde mal Themen, bei denen Frauen mehr als Männer profitieren und nicht sofort die Finanzierbarkeit als Grund dagegen angeführt wird. Auch(!) von Frauen(!).
Zitat von Mann1989: denn teilweise fühlte ich mich wirklich ein bisschen abgewertet aufgrund meines Geschlechts.
Und das ist ein Automatismus, der jede sachliche Debatte verhindert. Und keine Frau verlangt, dass heute lebende Männer, die nicht ausdrücklich das Patriarchat fordern, sich schuldig fühlen.
Parallelbeispiel: Rein sachlich leben Du und ich gerade nur in relativem Reichtum, weil unsere Vorfahren Kolonien im Ausland "erobert" und die dortige Bevölkerung ausgeraubt haben. Dafür kannst Du nichts und ich auch nichts und wir können es auch nicht ungeschehen machen. Aber wenn wir sagen würden, "Das wär doch gut so, die Leute da fanden es auch gut und waren glücklicher als heute. Das sollten wir wieder so machen." wäre das reichlich menschenverachtend, oder?
Und wenn wir sagen würden, "Nö, mein Geld hab ich selbst erarbeitet. Das hat mit damals gar nichts zu tun.", dann verschließen wir unsere Augen davor, dass die Substanz, aus der wir heutiges Geld erwirtschaften, auch zusammengeraubt wurde."
Und auch das Argument, "Schau sie Dir doch heute an. Jetzt sind sie frei und bekommen dennoch nichts gebacken und müssen die Brunnen von uns geschenkt bekommen." respektiert nicht, dass Du unsere Vorfahren die dort funktionierenden Strukturen zerstört wurden und wir nach wie vor von den billigen Arbeitskräften dort profitieren.
Keiner von uns ist an Kolonialismus schuld. Aber eine Verantwortung, wenigstens die Vorteile für uns und die Nachteile für andere Menschen zu sehen, sollten wir schon haben. Und im besten Fall sollten wir nicht weiterhin von den kolonialen Strukturen profitieren, indem wir z.B. fairen Kaffee kaufen. Ein Tropfen auf den heißen Stein, aber immer noch besser als zu sagen, "Was geht mich der globale Süden an?"
Und "der Feminismus" möchte eben solche Gedanken und Handlungen auch von "den Männern" und "den Frauen", also den Nachkommen der Männer und Frauen, die damals die Struktur eingerichtet haben, die heute noch Menschen schadet und anderen Menschen Vorteile bringt, ohne dass sie darum gebeten hätten.