Zitat von nalea: Die Backpfeife, den Klaps auf den Po, das in der Ecke stehen sind heute nicht mehr erlaubt.
Wo kein Kläger, da kein Richter.
Emotionaler Missbrauch ist als Ganzes kein justiziabler Straftatbestand.
Hierzulande steht über allem noch Artikel 6 GG.
Das ist leider die Realität.
Zitat von nalea: Durch das Internet und social media haben sich aber leider andere Formen der Gewalt etabliert, die wir besser bekämpfen müssen.
Aha - von welchen Formen der Gewalt sprechen wir hier?
Emotionaler Missbrauch ist kein Phänomen, das erst mit dem Internet aufgekommen ist.
Das hat was mit transgenerationaler Übertragung von Traumata und einer immer egozentrischer bzw. narzisstischer werdenden Gesellschaft zu tun. Diese Tendenz gibt es schon sehr sehr lange. Das Internet mag da vielleicht katalytische Wirkung haben, aber mehr auch nicht.
Zitat von nalea: Ob es patriachialische Strukturen sind, die Gewalt fördern, kann man nicht sagen, denn auch in Familien und Kontexten ohne Männer wird und wurde von Frauen Gewalt ausgeübt.
Das ist definitiv keine Frage des Geschlechts.
Zitat von nalea: Generell scheint die Persönlichkeit des Täters/der Täterin die größte Rolle bei der Ausübng von Gewalt zu spielen
Das würde ich genauso unterschreiben.
Zitat von nalea: Ich finde es z.B, gut, dass Australien das Alter für die Nutzung von social media accounts auf 16 Jahre hochgesetzt hat.
Trotzdem bleibt es nur second best choice, solange nicht das Grundproblem angegangen wird:
Die Förderung der Vermittlung von Medienkompetenz für alle an der Erziehung beteiligten Personen.
Reine Verbote führen auf Dauer nur zu einer kurzfristigen Verschiebung des Problems, lösen es aber nicht wirklich nachhaltig.
Zitat von nalea: aber es hat eine Aufklärungskampagne und öffentliche Diskussionen zum Thema gestartet, in denen Erwachsene jetzt die Verantwortung zurückerhalten haben.
Echt?
Was ich hierzulande wahrnehme, ist nichts anderes als ein förderalistischer Flickenteppich, in dem jedes Bundesland, wenn nicht sogar jede einzelne Schule jetzt ihre eigene Insellösung für die (angebliche) Endlösung des Handyproblems strickt.
Dabei sehe ich das schon kommen, dass demnächst Eltern wieder genauso anfangen zu tricksen, wie wir es schon erlebt haben: Da wird mit allen Mitteln versucht, das Kind in die Kita oder die Schule mit dem niedrigsten Mitgrantenanteil zu bringen, weil ansonsten unwiderbringliche Bildungsnachteile befürchtet werden. Das wird uns bei diesem Handy-Flickenteppich bald auch drohen.
Das Problem liegt aber viel tiefer: Unser bis ins Mark verrottetes und überaltertes Bildungssystem ist für andere Lösungen gar nicht ausgelegt. Bestes Beispiel dafür: Inklusion. Wenn also ein Großteil der Lehrerschaft (diejenigen, die noch nicht erfolgreich genug durch ausreichend Anrechnungsstunden ihre Unterrichtszeit auf ein Minimum reduziert haben oder die noch nicht aufgrund von Überlastung im Dauerkrankstand gelandet sind) schon Inklusion als Überlastung ansieht, wie soll das erst werden, wenn Kindern auf diesem Weg auch noch Medienkompetenz im Umgang mit Handy und Internet vermittelt werden soll?