Gato, danke, dass Du zuhörst. Und das meine ich völlig ernst. Denn es ist nicht selbstverständlich, sich für etwas zu interessieren, was einen persönlich direkt nicht betrifft.
Darf ich kurz an Leuchten, was an dem Zitat "aufstößt"? Auch wenn es Dich zunächst ärgern wird, weil es an den Grundfesten unserer gesellschaftlichen Organisation rüttelt? Es ist auch überhaupt nicht als Vorwurf gemeint, sondern soll als Erklärung dienen, warum bei Dir wie bei so vielen Männern die Fürsorge in der eigenen Familie groß ist, gesamtgesellschaftlich sich aber nicht auf "alle Frauen" erstreckt. Denn historisch bist Du für die gar nicht zuständig. Historisch wäre es sogar übergriffig, wenn Du Dich für anderer Leute Frauen und Töchter und deren Wohlbefinden überhaupt interessierst.
Der Mechanismus ist (so meine angelesene Meinung) folgender:
Mal angenommen, vor 30 Generationen waren Frauen eher wie sprechende Tiere. Männer wurden begrenzt, indem sie jeweils nur eine zeitgleich "erwerben" konnten. Aber die gehörte dann ihm, durfte ihm nicht entwendet werden. Und wenn sie jemand versehentlich umbrachte, war Schadensersatz an den Ehemann zu zahlen. Frauen waren eher sowas wie Kinder als wie Männer. Der Mann musste sie füttern und hatte aber stets das Sagen. Verstarb ein Mann, musste der Bruder als Hinterbliebener und Erbe zusehen, wohin Frau und Kinder kamen. Das wurde nicht hinterfragt. Das war einfach so und alle waren damit zufrieden.
Mal angenommen, dieses System wurde in allen Familien so gehandhabt, auch im Hause von Ururururururur...Opa Gato. Und dann durch die Jahrhunderte und Epochen immer mal wieder angepasst (Wahlrecht, Schulpflicht, etc.).
Würde es dann Sinn machen, wenn Du das hier schreibst:
Zitat von ElGatoRojo: Sie doch froh, wenn sich eine Mann für allgemeine Frauenbelange wenigstens deswegen einsetzt, weil es auch Frau und Tochter betrifft.
Du machst das nicht, weil Du böse bist oder Frauen hasst.
Sondern weil Du der Ururururururur...enkel des Mannes bist, der es völlig normal fand, dass zwischen Männern und Tieren noch eine weitere Spezies existiert, die ungefähr so viel wert und so fähig ist, wie eine Rippe von ihm.
Und Deine Frau findet das auch völlig normal. Nicht, weil sie blöd ist, sondern weil sie die Urururururur...Enkelin der Frau ist, der nie im Traum eingefallen wäre, dass sie das Gleiche wie ein Mann sein könnte. Und weil sie im Alltag anderes zu tun hatte, als feministische Texte zu lesen. Und weil sich die Temperatur des Wassers, in das man geboren wurde, angenehm anfühlt. Und weil Du offenbar ein aus ihrer Sicht guter Ehemann bist. Und weil irgendwer schreibt, dass ihr Interesse für den Haushalt wohl genetisch ist und das Sinn ergibt.
Ich wiederum lese solche feministische Texte, weil meine Mutter sie schon gelesen hat, ich also mit Feminismus aufgewachsen bin. Und meine Mutter hat sie gelesen, weil sie nur durch die Halbwaisenrente ihr Studium finanzieren konnte, weil ihr Stiefvater Studien für Frauen generell nicht notwendig fand. Er war selbst Handwerker. Und für eine Tochter, die biologisch nicht von ihm ist, musste schon gar kein Geld ausgegeben werden. Und dann fiel meiner Mutter auf, dass alle Frauen in ihrer Familie immer nur niedrigere Ausbildungen zugesprochen bekamen als die Brüder - und das bei besseren Schulabschlüssen. Und weil die 68er gerade in der Uni Alarm machten, hat sie sich mit Frauenthemen genauso beschäftigt wie mit dem Nato-Doppelbeschluss und dem Nahostkonflikt. Und trotzdem Kinder bekommen. Und danach die volle Breitseite an "was, sie wollen weiterarbeiten? Verdient ihr Mann nicht genug? Und wer passt dann auf die Kinder auf?" abbekommen.
Es ist kein Zufall, dass sich Dein Schutz auf die Frauen in Deiner Familie erstreckt und in anderen Kulturen mit mehr Tribalismus auch auf Cousinen und Tanten, aber eben nicht auf alle Frauen. Denn die meisten Frauen, "gehören" gefühlt nicht zu Dir. Und dieses Gefühl hast Du Dir nicht ausgesucht und es ist auch nicht biologisch. Es ist kulturell und wurde Dir anerzogen. Du hast es Dir von anderen Männer abgeguckt.
Und ob Du hinterfragen möchtest, ob dieses kulturelle Gefühl das ist, was Du als Mann oder Mensch sein möchtest, entscheidest allein Du.
Aktuell ist es für Dich von Vorteil, wenn Dein Schutz sich nur auf Deine Familie erstreckt. Aber das hat eben auch gesamtgesellschaftliche Konsequenzen, die Du dann automatisch mitträgst.
So wie meine Mutter ihre Karriere indirekt beendet hat, weil sie nicht auf Kinder verzichten wollte. Sie hat noch 5 Jahre nach dem Mutterschutz weitergearbeitet, in Vollzeit, bis mein Vater Bedingungen geschaffen hat, die es ihr so sehr erschwert haben, dass sie sich auf die Hausfrauenrolle beschränkt hat. Das hat mein Vater nicht mit Absicht gemacht. Aber natürlich sah er als Ernährer seinen Job als wichtiger an als den meiner Mutter. Sie hatte ja schließlich zwei. Und der wichtigere blieb ja übrig. Aus seiner Sicht. Sie "musste jetzt nicht mehr arbeiten". Er dachte, er tut alles für seine Familie. Sie blieben bis zum Tod verheiratet. Er war ein guter Ehemann und Vater und sie eine gute Ehefrau und Mutter. Aber gleichberechtigt waren sie nur vor dem Gesetz. Gleichbeachtet und gleichbewertet waren sie nicht.
Ich würde mich mehr darüber freuen, wenn mein Vater mir gleiche Chancen wünscht, nicht, weil ich seine Tochter bin, sondern weil ich auch ein Mensch bin. So wie er.