@Balu85
Zitat von Balu85:
Dazu hätte ich gern mal eine Erklärung. Es gibt ja unterschiedliche Tarifverträge. Aber zumindest in dem Unternehmen verdient eine Person auf Posten A der mit Gehaltsgruppe Y ausgeschrieben ist unabhängig vom Geschlecht das gleiche.
Man muss hier einfach differenzierter drauf schauen.
Es gibt sicher Branchen, wie bspw. Auto, mit einer starken Gewerkschaft, in der es weniger flexibel ist. Aber auch da gilt dies oft nur innerhalb bestimmten Beschäftigungsgruppe.
Aber auch in einem tarifgebundenen Unternehmen muss dieses nur ebenfalls tarifgebunden Arbeitnehmern, sprich Gewerkschaftsmitgliedern Tarif zahlen- Schlupfloch 1

Und selbst wenn sie es tun, jetzt aus der Praxis, bei meinen beiden letzten Arbeitgebern, beide tarifgebunden, waren die Auswirkungen konkret:
Es gibt tarifliche Gehälter, je nach Tätigkeit, Tätigkeitsjahr, Eingruppierung. Diese dürfen nicht unterschritten werden. Tarifliche Steigerungen müssen weitergegeben werden, können aber, begründet, mit übertariflichen Anteilen verrechnet werden.
Das hieß und heißt Null, dass alle mit der gleichen Tätigkeit das Gleiche verdienen oder gleich bezahlt eingestellt werden. Bei mir im Team sprechen wir da über Schwankungen von mehreren Hundert Euro.
Unter Führungskräften gern auch mehr.
Einfach deswegen, weil niemand auf Tarif "sitzt" ( sind aber dennoch keine ATler) und Tarif einfach nur das Minimum im Verhandlungsspielraum ist.
Und das ist bei praktisch allen Teams im Unternehmen so, Ausnahme meist Logistik oder eben die Einstiegsgruppen.
Und daraus ergibt sich eine große Spielwiese, in der natürlich Wohlwollen und Bias der Führungskraft eine Rolle spielen.
Und nach vielen Jahren Arbeit mit Führungskräften , von denen nun mal in Deutschland über 70% Männer sind, kann ich Dir versichern, auch mal anekdotisch, dass , (natürlich nicht bei allen und auch weniger als früher) egal wie gut sie geschult sind und wie brav zu Beginn die "richtigen" Antworten gegeben werden, der Lack da ganz schön dünn ist und wie schnell man bei " die fällt eh aus, die wird eh schwanger, die wird eh wegen krankem Kind daheim bleiben können, wer weiß wie lange sie reisen wird und und und" - oder auch schön, "die sieht nicht gut aus" ist vs. " der Mann muss schließlich eine Familie ernähren, der hat 3 Kinder und braucht das Geld, der kann noch flexibel sein, auch wen er heiratet" usw usf ist.
Was natürlich auch mit einfließt, wenn es darum geht, wer das neue Projekt bekommt, mit dem man sich profilieren kann oder wem man ein neues Team gibt oder wer am Weiterentwicklungsprogramm teilnehmen "darf".
Das ist ein sich selbst erhaltendes System. Es gibt mehrere Studien dazu, die belegen, dass männliche Recruiter bevorzugt Männer einstellen, dass bereits Stellenanzeige oft implizit auf Männer zugeschnitten sind ebenso die Auswahlkriterien. dass Männer bei männlichen Vorgesetzten häufiger befördert werden als Frauen usw.
Und da reden wir noch nicht von den Gesprächen, wenn es darum geht, "wer jetzt Frau X nehmen muss" , wenn sie aus der Elternzeit zurück kommt. - Studien zeigen übrigens dass jede 8. Frau nach der Elternzeit Jobverlust droht. Dazu kommen langfristige Einkommensbußen nach der Elternzeit von Frauen. Gern nochmal:
Studie Lebenseinkommen (IAW / BWIHK)
"Frauen verlieren durch Elternzeiten im Vergleich zu Männern über das gesamte Erwerbsleben hinweg rund 40 % Lebenseinkommen. Dabei sind insbesondere hochqualifizierte Frauen stärker betroffen"
Von daher sorry, aber wenn ich lese, wie "müssen sie halt den richtigen Beruf wählen oder besser verhandeln" oder " kann ja gar keinen Gehalts GAP geben" kann ich das nicht ernst nehmen.