Zitat von Nalf: Warum sollten wir da zwischen natürlichem Abgang aufgrund Gestationsfehlern, künstlichem Abgang aufgrund Medikation, Fehlgeburt, Totgeburt oder Körperverletzung mit Fehlgeburtsfolge unterscheiden? Warum wird eine Abtreibung anders gewertet als ein Abgang aufgrund eines von der Mutter verursachten Autounfalls?
Guter Punkt, Punkt für dich.
Diese Betrachtung macht Sinn, ja.
Folgendes stört mich aber noch, vielleicht kannst Du mich zumindest bei diesen beiden verstehen.
Für mich ist es seltsam, dass nahezu bei allen Tötungen, der Tatbestand nach dem Motiv benannt wird.
Beispiel: Du tötest mich, weil ich reich bin und du erben möchtest. Habgier ---> Mord aus Habgier. Beim Femizid hingegen, wird der Tatbestand nicht nach dem Motiv, sondern nach dem Opfer benannt. Als Beispiel, der Ex-Mann von Frau Meier tötet sie, weil sie mit einem neuen Mann anbandelt. Da heisst es dann "Femizid" und nicht "Mord aus Eifersucht". Und hier jetzt noch den umgekehrten Fall....
"Kirsty Carless und Louis Price (England, 2025)
Was passiert ist: Am 25. Dezember 2024 fand Kirsty Carless, 33, das Tinder-Profil ihres Ex‐Partners Louis Price, 31, und war voller Eifersucht. Sie verfolgte ihn, stach ihn im Haus seiner Eltern tödlich in die Brust und wurde später zu lebenslanger Haft mit einer Mindeststrafe von 25 Jahren verurteilt"
Wieso gibt es hierfür keinen Begriff? Wären aber die Rollen vertauscht und die Motive dieselben, spräche man von Femizid.
Ich gebe gerne zu, als Mann empfinde ich das als herabsetzend und nicht gleichwertig. Mir geht es nicht darum, eines mehr zu gewichten als das andere, sondern um beides auf eine Stufe zu stellen. Für mich impliziert, dass es nur diesen einen Begriff gibt, als wäre das eine schlimmer als das andere. Aber in beiden Fällen gibt es Hinterbliebene, die unendlich traurig sind und die den Boden unter den Füssen verlieren.
Vielleicht als Gedankenstütze, stelle Dir vor für einen Herrscher gäbe es den Begriff "König" und für die Frau dieses Königs gäbe es keinen Begriff. Jetzt würdest Du kommen und sagen, "hey das ist nicht richtig, die Frau des Königs ist doch die Königin". Dann würden unisono einige Männer dir das absprechen und sagen, "ja oftmals haben Könige ja keine Frauen und deswegen braucht es dafür keinen Begriff". Dann Du "ja, aber es gibt sie, die Frauen der Könige und die müssen doch Königinnen sein". Dann die Männer "ja aber nicht so viele wie Könige, passt schon so" Fände ich ziemlich verletzend und herabsetzend. Und ja, so empfinde ich bei Femizid, wo es für die gleichen Motive bei umgekehrter Opfer-Täter-Rolle einfach keinen Begriff gibt mit der Begründung, kommt ja nicht oft vor.
Kleiner Exkurs in meine Gedanken- und Gefühlswelt. Vielleicht kannst Du das eine oder andere verstehen.
Zitat von BernhardQXY: Ja.
siehe oben