Zitat von stillgrey: Desto mehr und länger man einen Menschen kennenlernt, desto eher bekommt man ja mal mit welche Schwächen / Probleme / komische Verhaltensmuster derjenige hat.
Äääh… Ich glaube, ich verstehe Dein Anliegen und diesen Thread nicht. Natürlich hat (behauptet ich mal) jeder Mensch Schwächen und ab und zu Probleme. Komische Verhaltensmuster liegen zum einen im Auge des Betrachters, für einen ist es ne unaushaltbare Macke, für andere ein niedlicher Spleen.
Warum sollte das grundsätzlich pathologisch sein und/oder plakativ vor sich hergetragen werden?
Zitat von stillgrey: Für die Meisten sind das keine Themen die sie gerne ansprechen, selbst bei Freunden nicht.
Keine Ahnung, ob das so ist, wie Du jetzt hier behauptest; ich hab keine empirische Erhebung dazu gemacht. Vielleicht kenne ich auch nur die falschen Menschen. Von meinen Freunden denke ich (bzw. bin ich überzeugt), dass sie ihre Probleme schon besprechen. Allerdings nicht mit jedem und auch nicht mit jedem Freund. So halte ich das übrigens auch.
Das heißt nicht, dass ich denen, wo ich etwas nicht anspreche, nicht vertraue. Manchmal paßt es einfach nicht und es hat auch was mit Rücksichtnahme auf das Befinden von anderen zu tun.
Zitat von stillgrey: Vieles ist nach Außen hin eine Scheinwelt und jeder versucht im super Licht dazustehen.
Jaja, die Matrix…

Ich hab allerdings in meinem Freundeskreis niemanden, der ständig im super Licht dastehen will.
Zitat von stillgrey: Sind nicht gerade solche Themen unglaublich interessant, das nicht immer alles toll und super im Leben ist und Jeder mit XY zu kämpfen hat?
Ist es nicht selbstverständlich und zur Lebensrealität gehörend, dass nicht immer alles toll und super im Leben ist und jeder MAL vielleicht auch zu kämpfen hat?
Vielleicht wäre es schon hilfreich, nicht ständig Nabelschau zu betreiben, um sich selber zu kreiseln und mal über den Tellerrand zu gucken?
Zitat von Cagy: Menschen die mich ungefragt mit ihrem Seelenmüll überschütten empfinde ich als unangenehm und *die Wahrheit* sagen ist schön und gut...aber es kommt letztendlich doch auf das wann, wie und wem an.
Das sehe ich ganz genauso. Ich habe allerdings auch schon erlebt, dass ich seelischer Mülleimer war: Da wurde sich ausgekotzt, dem-/derjenigen ging es anschließend super und ich saß da und hab mir nen Kopf gemacht

Hab ich keinen Bock mehr drauf, das Recht nehme ich mir. Wohlgemerkt: Ich rede nicht von der besten Freundin, die ihren Liebeskummer loswerden will oder von der Nachbarin mit ihrem schwerkranken Mann.
Auf die Gefahr hin, dass ich mich unbeliebt mache: Ich finde auch die ständigen Hinweise auf THERAPIE eher nervig. Mag sein, dass ich in die Ecke der Generation „früher war alles besser“ gedrängt werde (und nein, finde ich ganz gewiss nicht, dass es so war!) Aber meine Güte, heute wird ganz selbstverständlich jedem 23jährigen mit Liebeskummer geraten, in Therapie zu gehen. Weil der/die Ex wahlweise toxisch, narzisstisch oder mit ner Borderlinestörung behaftet sein MUSS. Ich geb zu, da bin ich preußisch - bei manchem muß man einfach damit durch, gehört zum Leben.
Ich hab nen Bekannten, der ist seit Jahren arbeitsunfähig. Dem sind als Lokführer 3x innerhalb kürzester Zeit Männer (ja, alles Männer. Einer mit einem Baby auf dem Arm) vor den Zug gesprungen und er findet keinen Traumatherapeuten. Die sind womöglich alle damit beschäftigt, Liebeskummergeschädigte zu betreuen.
Wenn mir jetzt jemand damit kommt, dass ich Therapie bei entsprechender Diagnostik für überflüssig halte, dann will derjenige mich falsch verstehen.