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Bei mir sind nun inzwischen mehr als 16 Monate ins Land gegangen, seit meine Seifenblase geplatzt ist. Natürlich war es ziemlich schmerzhaft, auch wenn es nicht meine erste Erfahrung dieser Art war. Übung macht den Meister sagt man. Aber in manchen Angelegenheiten bleibt man offenbar ein Leben lang Geselle. Mag sein dass die Übung bei solchen Abschieden lediglich darin besteht, dass man es zum einen überleben wird, aber auch, dass das Leben tatsächlich weitergeht. Ungezählte Stunden habe ich gegrübelt. Habe geredet, nachgedacht, reflektiert. Habe geschrieben, bis die Tastatur unter meinen auf sie einschlagenden Fingern vor Belastung anfing zu knarren. Es hat seine Zeit gedauert, bis ich nicht nur im Kopf bereit war das Unausweichliche zu akzeptieren. Stimmt: Der Erkenntnis ist es egal wie Du sie erlangst. Aber bis aus dem theoretischen Erfassen einer Lektion eine praktische Umsetzung erfolgt, kann auch einige Zeit verstreichen. Rom wurde ja auch nicht... Aber das hatten wir ja schon...
Nun stehe ich hier heute und ziehe mal wieder Bilanz. Ich muss feststellen, dass es mir, wenn ich objektive (Was auch immer das ist...) Maßstäbe anlege, doch recht gut geht. Ich bin nicht ernsthaft krank, habe ein Dach über dem Kopf, ausreichend (wenn ich mir mein Spiegelbild und die Anzeige der Waage betrachte sogar zuviel :D ) zu Essen und zu Trinken, meine Kinder sind gesund, mit der Mutter meiner Kinder habe ich ein beinahe freundschaftliches Verhältnis (die Früchte jahrelanger Querelen), ich habe viele Kontakte, intensive und weniger intensive, bekanntschaftliche und freundschaftliche, mein kultureller Appetit wird durch neue Musik, den Besuch von Filmveranstaltungen und dann und wann ein gutes Buch befriedigt. Ich habe häufiger Anlass zum Lachen, aber auch mal kontroverse Diskussionen zu führen. Konnte neue Kontakte knüpfen die sich erhalten haben, habe aber auch schon andere wieder aus den Augen verloren. Hatte erfreuliche und unerfreuliche Begegnungen. Ich konnte anderen Menschen mit Worten und Taten Trost und Beistand spenden. Habe dies von wieder anderen Menschen zurück erhalten. Ich habe, was ja heutzutage auch nicht unwichtig ist, einen festen Job, der mir Unterkunft und die Deckung der materiellen Grundbedürfnisse sowie meinen Kindern den ihnen zustehenden Unterhalt sichert. Meinen Humor habe ich ebensowenig verloren wie meine Nachdenklichkeit und meine manchmal geradezu kindliche Unbedarftheit. Ab und zu ergibt sich auch schon mal eine Gelegenheit mein Bedürfnis nach Zärtlichkeit und Nivellierung hormoneller Unausgeglichenheiten zu befriedigen. Ich habe in all dem Schlamassel auch viel Spass und Freude gehabt. Alles im grünen Bereich, wie man so schön sagt.
Ich bin frei, im Rahmen der fest eingestellten sozialen und gesellschaftlichen Parameter versteht sich. Ich bin Single und ich bin...? Ja was denn eigentlich? Irgendwas war da doch noch? Was fehlt denn eigentlich? Warum habe ich, trotz der o.a. "objektiven" Kriterien, das Gefühl, dass es nicht rund ist? Will ich SIE zurück? Oh nein, meine rosarote Brille ist längst wieder durchsichtig geworden. Ich habe den ganzen Weg nicht umsonst bewältigt. Habe die roten warmen Perlen mit den schwarzen kalten zusammen in einen Topf geworfen, ordentlich durchgerührt und dann das Ergebnis betrachtet. Dahin will ich nicht zurück, kann auch gar nicht, da ich all meine selbst gebauten Brücken abgerissen habe. SIE kann es nicht sein was mir fehlt. Und es fällt mir im Moment auch kein Mensch ein, der das Ganze rund machen könnte. Da bin ich einfach noch nicht. Gebranntes Kind? Oder doch SIE? Nein! Ich lasse mich nicht mehr als Akku mißbrauchen, der dann, wenn er leergelutscht ist, in die Tonne fliegt. Ich habe wieder was gelernt... Gleichgewicht, Reißverschluß... Wonach sehne ich mich dann?
Es ist... lange habe ich nach einem Begriff gesucht... Geborgenheit? sich fallen lassen zu können? alle Masken abwerfen? um seiner selbst Willen akzeptiert, um seiner selbst Willen geliebt zu werden? Verlässlichkeit? Beständigkeit? Vertrautheit?... Irgendwas aus alledem... Oft kam und komme ich mir vor wie ein Vagabund oder ein Nomade. Wo immer Du hingehst, Du nimmst Dich selber mit. Aber wohin geht es eigentlich? Der Weg ist das Ziel? Stimmt teils, sagt aber nicht die ganze Wahrheit... Und irgendwann, vermutlich auf dem Klo, unter der Dusche oder in der U-Bahn, also an einem jener Orte wo einen bisweilen unerwartet Geistesblitze durchzucken, kam mir ein Wörtchen in den Sinn: H E I M W E H ! Das trifft den Nagel auf den Kopf! Ich sehne mich nicht nach einem bestimmten Menschen, nicht nach einem bestimmten Moment. Ich sehne mich nach einem Gefühl, dem Gefühl, das man hat, wenn die in der unvollständigen Aufzählung zu Beginn dieses Absatzes erwähnten Kriterien nicht durch Abwesenheit glänzen... Eins ist sicher: im Atlas werde ich diesen Ort, wenn das überhaupt die richtige Bezeichnung ist, wohl nicht finden. Ich weiss nur es liegt irgendwo vor mir. Oder irgendwann? Es reift die Erkenntnis in mir, dass es zwecklos ist danach zu suchen. Ist schließlich was Großes. Und wenn man dauernd nach was großem stiert, verliert man wohl den Blick für die Kleinigkeiten. Verpasst es, sich an einem Sonnenaufgang zu freuen. Oder ein freundliches Lächeln zu erwidern... So was großes, das macht sich schon von ganz allein bemerkbar. Man bekommt es dann schon mit, wenn es einem begegnet. Darin liegt ja der Vorteil der Größe. Also heißt die Devise: Locker bleiben, schön geschmeidig; Offen und aufmerksam sein; sich nicht im muffigen Keller verkriechen; neugierig sein und vor allem: weiter reisen und die Erfahrungen mitnehmen. Schließlich will ich ja, wenn ich dann irgendwann in der Heimat (wo immer das auch sein mag) angekommen bin, was zu erzählen haben. Wenn einer eine Reise tut... Aber jetzt muss ich erstmal weiter. ;)
denkt sich
donald