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Im gemeinsamen Urlaub verlassen worden

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Liebe Forengemeinde,
nun stehe ich wohl vor dem selben Problem wie viele hier und versuche das in verständliche Worte zu fassen, was so schwer fällt. Was man ja eigentlich selbst nicht verstehen will oder kann.
Wir lernten uns kennen, als ich 16 war und er 17.
Zu Anfang lief es wirklich super zwischen uns.
Machten unser Abitur, zogen zusammen und gemeinsam später in ein anderes Bundesland, weil er dorthin versetzt wurde und ich dort studieren wollte. Nach etwa 5 Jahren änderte sich unsere Beziehung leider. Er wurde kalt, distanziert, irgendwie auch komisch. Nach einem heftigen Streit (er hatte getrunken und in der Wohnung randaliert) wollte er auf meine Bitte hin, nicht mit mir über das Geschehene reden. Ich verstand das nicht, wurde auch wütend. Daraufhin packte er ein paar Sachen und rief mich am Nachmittag an, dass er sein Mietverhältnis für unsere Wohnung kündigen würde.
Ich war natürlich total geschockt, veruschte mit ihm zu reden, aber es brachte alles nichts. So zog ich (notgedrungener Weise) auch nach 3 Monaten aus unserer Wohnung aus und in die Nähe unserer damaligen Heimatstadt. Nach zweieinhalb Jahren Trennung, in denen wir immer Kontakt hielten und uns ab und an trafen, wurden wir wieder ein Paar.
Die Bezihung lief anders, aber trotzdem schön weiter. Ich merkte jedeoch schnell, dass er oft veruschte, mich auf Abstand zu halten. Die Vertrautheit war einfach weniger geworden. Nach weiteren 2 Jahren Bezihung fuhren wir wie jedes Jahr zusammen in den Urlaub. Nach einem wirklich lächerlichen Streit eröffnete er mir, dass er für uns keine Zukunft mehr sieht. Mich nicht Heiraten möchte, keine Kinder mit mir will. Für mich brach erneut die Welt zusammen.
Er schlug vor, den Urlaub abzubrechen und nach Hause zu fahren, wo er mich bei meinen Eltern absetzte. Abends schrieb er mir, dass ich am nächsten tag meine Sachen holen könne, wenn es mir zeitlich auch passte und das wir dann nochmal in aller Ruhe über uns reden werden. Gesagt getan, am nächsten Tag holte ich meine Sachen ab und wir redeten noch kurz miteinander. Eigentlich redete hauptsächlich er.
Erklärte mir, dass er über eine Bezihungspause nachgedacht hätte, die Idee aber schnell wieder verworfen hatte. Es würde sich ja bei uns dadurch eh nichts ändern. Und das übliche bla bla alà: Du kannst dich immer melden, wenn was ist.
Dieses Angebot nahm ich ca. einen Monat später in Anspruch. Ich schrieb ihm einen Brief, entschuldigte mich für meine Fehler in der Beziehung. Kein Betteln, dass er zurückkommt! Darauf kam keine Antwort.
Seit unserem "Abschlussgespräch" sind nun fast 3 Monate vergangen und er meldet sich seitdem nicht mehr. Ich versteh ihn schon ein bisschen, was soll er denn auch schreiben?
Mir geht es schlecht. Bin in psychologischer Behandlung und hangel mich von Tag zu Tag.
Ich suche hiermit Gleichgesinnte, die Lust haben sich auszutauschen. Die einem zeigen können, dass das Leben ja trotzdem irgendwie weiter geht. Mit denen man sich gegenseitig Mut machen und Unterstützen kann.
Falls noch Fragen für euch bestehen, werde ich veruschen sie so gut wie möglich beantworten zu können.

11.11.2015 15:20 • #1


luckyhappy


Likeeatingglass,
ich finde großartig, dass Du in psychologischer Behandlung bist und Dein Leben einen Tag nach dem anderen wieder lebst.

Mit diesem unsteten Mann, der beim zweiten Zusammensein erst mit Dir in
Urlaub fährt und Dich dann zu Deinen Eltern bringt, wärst Du nie froh geworden.

Ich wünsche Dir alles Gute !

11.11.2015 15:39 • #2



Im gemeinsamen Urlaub verlassen worden

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Vielen Dank für deine Antwort. Das mit der psychologischen Behandlung war/ist der richtige Weg für mich.
Ich hatte schlimme Panikattaken nach der Trennung. Einen tag bevor er Schluss machte, ist auch noch mein Opa gestorben
Das Ding ist halt, dass "er" ständig vom Heiraten und Kinder bekommen sprach. Ich hatte ihn da zu nichts gedrängt.

11.11.2015 15:54 • #3


luckyhappy


Ich drück Dich von Herzen, das ist sehr schmerzlich, dass er so gesprochen hat und anders gehandelt.
Schau nach vorn, Du hast wegen ihm genug gelitten. Lieber ein Ende mit Schrecken, wie Schrecken ohne Ende.
Und Du kannst nun wieder stärker und selbständiger werden mit Hilfe der Psychologin,
alles Gute !

11.11.2015 16:43 • #4


Likeeatingglass

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Vielen Dank für deinen Zuspruch.
Irgendwie auch Ironie des Schicksals, dass er den Spruch " Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende" mir gegenüber nach Beendigung der Beziehung gebracht hat :/
Das tat ganz schön weh (also von ihm ausgesprochen, nicht von dir).
Ich wünsche dir auch alles Gute.

11.11.2015 16:54 • #5


Drops07

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Zitat:
Das Ding ist halt, dass "er" ständig vom Heiraten und Kinder bekommen sprach. Ich hatte ihn da zu nichts gedrängt.


Es ist meist so, dass man die Aussagen von Menschen, welche den Mund ziemlich voll nehmen, meist in die Tonne treten kann. Dies sind dann meist auch Menschen, welche nach Außen irgend eine Art Status benötigen, im inneren aber davon genauso überzeugt sind wie Mäuse welche glauben der Schinken wächst auf Bäumen...

13.11.2015 17:50 • #6


Likeeatingglass

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Du hast leider so recht mit deiner Aussage Drops. Status und Anerkennung von anderen war ihm immer wichtig. Er hat sich mit solchen Äußerungen auch immer selbst unter Druck gesetzt.
Er: Ich überlege ein Konto zu eröffnen, für die Kinder, die wir haben haben werden. -> 1Woche später hat er sich getrennt.
Er: Willst du später mal meinen Namen annehmen oder deinen behalten?-> 2 Wochen später war Schluss.
Sein Schwiegervater: Wann heirate ihr denn mal? Seid doch lang genug zusammen?-> 1 Woche später im Urlaub Schluss gemacht.
Das tut weh. Das tut sogar sehr weh. Es kratzt natürlich auch an meinem Ego. Bin ich ein Mensch, der es nicht wert ist, geheiratet zu werden? Doch bin ich. Das weiß ich auch. Ich habe nie Druck gemacht. Und er wusste, dass ich ihn so gerne heiraten wollte. Er traf auch Aussagen wie: Du musst nicht mehr lang auf den Antrag warten. Wenn du mal asuversehen schwanger werden solltest, wäre das für mich kein Problem.... Tja, kann ich mir jetzt auch nichts von kaufen. Irgendwie war es auch gemein von ihm, solche Äußerungen zu treffen. Ich hab halt doch immer gewartet und gehofft, dass er mal den nächsten Schritt geht

13.11.2015 18:42 • #7


Drops07

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Zitat:
Wenn du mal asuversehen schwanger werden solltest, wäre das für mich kein Problem.... Tja, kann ich mir jetzt auch nichts von kaufen.


Im Grunde kannst Du Dir schon etwas davon "kaufen" bzw. dies Positiv sehen, immerhin ist die Schwangerschaft nicht eingetreten und Du hast kein Kind mit jemanden welcher Statussymbole als wichtig erachtet. Denn scheinbar sind seine Aussage und seine Wunschgedanken nicht so ernst zu nehmen, ergo kannst Du Dich auf einen solchen Menschen nicht verlassen was aber absolut unabdingbar wäre wenn man eine Familie gründen möchte. Dies solltest Du Dir bewusst machen, wenn es mal wieder weh tut und Dir vor Augen führen, das er ein Dummschätzer ist...

16.11.2015 11:12 • #8


Likeeatingglass

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Hallo Drops,
vielen Dank für deine Antworten. DU kannst mir das vor Augen führen, was mir manchmal so schwer fällt. Du hast recht, dass ich mich bei den wichtigen Sachen wohl nie wirklich auf ihn verlassen konnte. Ich verstehe auch nicht so richtig, warum er manchmal so ist, wie er halt ist. Er wusste immer ganz genau, das egal was ist, er sich auf mich verlassen konnte. Sei es gemeinsames Lernen und ertsellen von Merkzetteln für eine wichtige Prüfung für ihn, seinen Anteil der Miete zahlen, weil er spielsüchtig war oder das ich mein Leben in meiner Heimat aufgegeben hae, um ihn am neuen Arbeitsplatz zu unterstützen und sich dort gemeinsam ein Leben aufzubauen. Auch habe ich ihm durch eine schlimme depressive Phase geholfen. Geschätzt hat er das alles nie wirklich. Als ich ihn mal fragte, ob er froh sei, dass ich mit ihm in das andere Bundesland gezogen bin meinte er nur: Es hat dich ja keiner dazu gezwungen. Als der Verdacht war, dass bei meinem Vater wieder Krebs ausgebrochen ist sagte er nichts dazu, ebenso wenig wie zu der Krebserkrankung meines Onkels, dem Tod meines Opas oder der Scheidung meiner Eltern als ich noch eine Jugendliche war. Auch habe ich mal nach einer für mich sehr wichtigen Klausur geweint und er meinte daraufhin, warum ich denn weine. Hätte ich halt mehr lernen müssen. Ebenso wurden Erfolge meinerseits abgewertet ( Hatte in einer wichtigen Klausur ne 1,0. Er darauf: Da brauchst du dir gar nichts drauf einbilden). Er meinte am "Ende" zu mir, dass ich ihn seelisch kaputt gemacht hätte. Aber ich glaube, den großteil adfür hat er ganz gut selbst hinbekommen. Und so ganz ohne Schuld ist er ja auch nicht (siehe meine Beispiele, wo er mich enttäuscht hat). Tja, warum hänge ich dann trotzdem an ihm? Ich weiß es nicht. Wahrscheinlich seelische Abhängigkeit. Denn wenn ich ehrlich zu mir selbst bin, hat er mir in den letzten Monaten/Jahren der Beziehung nicht mehr viel gegeben. Ich kann auch nach 7 jahren Beziehung nicht sagen, was für ein Mensch er ist. Er hat mich nie wirklich an sich ran gelassen, was sehr schade ist.

16.11.2015 14:56 • #9


Drops07

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Zitat:
Ich verstehe auch nicht so richtig, warum er manchmal so ist, wie er halt ist.


Ganz einfach, weil er eben so ist wie er ist und nicht so ist, wie Du ihn Dir wünscht

Natürlich ist es nach 7 Jahren nicht so einfach, das ganze abzuhacken und sein Leben neu zu gestalten, jedoch ist Dir doch schon sehr bewusst, dass im Grunde er gar nicht zu Dir gepasst hat, Du viel gegen hast, wenig erhalten. Es gab also ein Ungleichgewicht. Das Du ihn nun Seelisch deformiert hast, mag erst einmal unlogisch erklingen, kann aber durchaus sein, da Du Dir gewünscht hast, herbei gesehnt hast, das Eure Beziehung im Gleichgewicht steht, was im Grunde ja auch der Idealfall wäre, dem war aber nicht so, mag sein das Du an der Stelle unterbewusst Druck ausgeübt hast, welchen er nicht Aushalten konnte und welchen er nicht erfüllen wollte/konnte.

Er scheint ein Mensch zu sein, welcher wenig Empathie fühlen kann, dies war vermutlich schon von Begin an ein gewisses Problem in Eurer Beziehung, dies wirst Du auch gespürt haben, jedoch hast Du Deine Gefühle bzw. Erkenntnisse nicht genutzt um dieses Manko abzustellen. Von daher vermute ich auch eine innere Enttäuschung in Dir selber. Sinnvoll wäre es, von Begin an Deine Wünsche und Bedürfnisse ernst zu nehmen, zu kommunizieren und auch einzufordern. Ist dies mit Deinem Gegenüber nicht möglich, heisst es mitunter, eine Entscheidung zu treffen welche evtl. auch gegen den eigenen Willen oder gegen die eigenen Gefühle spricht, wäre dann auf Dauer gesehen die bessere Alternative, wenn Du jemanden als Partner hast, wo Deine Bedürfnisse eben auch Bedeutung erlangen.

Zitat:
weil er spielsüchtig war


Ich glaube, diese Art Mensch ist ohnehin schwierig, bei Spielern gibt es nur eines was an erster Stelle steht und das bist nicht Du, sondern das Spiel. In dem Sinne kannst Du doppelt froh sein, das Kind, Heirat usw. nicht funktioniert hat...

16.11.2015 16:20 • x 1 #10


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Du hast so recht mit deinen Äußerungen. Ich habe es mir sehr gewünscht und es ihm auch gesagt, dass ich mir mehr Mitgefühl von ihm wünsche. Gebracht hat es leider nicht viel. Er ist ein sehr sensibler Mensch, der auch viele Probleme mit sich herumträgt. Ich will ihn hier auf keinen Fall als schlechten Menschen dastehen lassen. Schließlich habe ich ihn mal sehr sehr geliebt. Und irgendwie liebe ich ihn auch noch immer ein bisschen. Ich habe ihm veruscht, bei seinen Problemen zu helfen, aber ich bin auch nicht seine Mutter. Er hatte das öfter mal gesagt, dass ihm das einfach fehlt, das ich ihm keine Grenzen aufzeige...auch was das trinken betraf. Ich habe ihm aber auch gesagt, dass das nicht meine Aufgabe ist und er selbst wissen muss, wo die Grenzen sind. Ach man ey.... Ich habe so Angst ihm mal zufällig zu begegnen. Ich wüsste nicht, wie ich reagieren sollte. Wahrscheinlich mit vielen Tränen und Flucht. Im besten Fall ein kurzes "Hallo". Schon irgedwie traurig, nach so langer Zeit Beziehung. Als er vor kurzem sein Whatsapp Profilbild ändere musste ich ohne Vorwarnung anfangen, mich zu übergeben. Nicht, weil das Bild so scheußlich war Nein, ich weiß nicht genau warum. Ich vermisse ihn irgendwie. Was genau das ist, kann ich nicht sagen. Wahrscheinlich die Gewohnheit. Alle wichtigen Etappen im Leben habe ich mit ihm erlebt: Abitur, erste gemeinsame Wohnung, erstes Mal, Studium.... . Die Sache ist halt auch, dass ich gar kein "Vergleichsmaterial"habe. Ich war immer nur mit ihm zusammen. In der Zeit der Trennung hatte ich ne Freundschaft Plus, aber immer wenn ich die Augen öffnete, war da nicht das Gesicht, das ich sehen wollte.
Eine Freundin von mir meinte zu mir: Das wird jetzt ne lange und schmerzhafte Reise, um von ihm loszukommen. Und sie hat so recht. Ich habe es nie geschafft. Mit Hilfe der Therapie verusche ich das zu ändern. Obwohl ich es tief in mir drin eigentlich gar nicht möchte.

16.11.2015 19:47 • #11



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