So, ich melde mich auch noch mal zu Wort, mit so vielen Antworten in so kurzer Zeit hatte ich ehrlicherweise nicht gerechnet und bedanke mich erst mal dafür!
Ein paar Antworten sind aber auch ganz schön hart. Was ich total verstehen kann, denn wenn man das so liest, was ich geschrieben habe, dann klingt das alles schon sehr nach Manipulation und Erpressung. Der Vater war aber natürlich schon krebskrank und auch sonst hat sie nicht gelogen, so ist es nicht. Es ist einfach viel Mist bei ihr passiert. Der Selbstmordversuch war auch keine Manipulation. Normalerweise hat sie viel geweint, wenn ich in den Gesprächen auch nur angedeutet habe, dass ich mich trennen möchte. Sie hatte auch viele Panikattacken, das kann man nicht einfach faken. Als die Sache mit dem Selbstmordversuch war, hat sie nicht geweint, da habe ich stattdessen einfach nur Leere in ihren Augen gesehen. Das war richtig gruselig. Sie hat auch nie gesagt, sie würde sich umbringen, wenn ich Schluss mache. Das würde sie nicht sagen. Aber wenn so etwas passiert, kann ich mir das ja selbst denken. Sie wollte mir von diesem Versuch auch gar nichts erzählen, ich habe es eher aus ihr rausgequetscht, was sie da gemacht hat. Ich glaube (leider), dass das wirklich in dem Moment ein authentischer Versuch war, weil sie einfach nichts mehr gesehen hat, wofür es sich für sie zu leben lohnt. Zum Glück hat sie sich umentschieden. Zum Glück ist sie jetzt in Therapie!
Jetzt hat sich die Gesamtsituation ja auch verbessert, aber ich habe einfach den richtigen Moment zur Trennung verpasst, das weiß ich selber. Ich war mir zu lange unsicher, habe zu lange gedacht, ich habe ja keine Eile und dann kamen eben ihre Depressionen (aus nachvollziehbaren Gründen). Das hat es schwieriger gemacht und dass ich mich nicht in ihrer schlimmsten Zeit im Leben auch noch von ihr getrennt habe, finde ich schon fair, da keine Not da war.
Ich hätte es vorher schon tun müssen, habe aber ihrem Wunsch entsprochen, es noch mal ein paar Monate richtig zu versuchen, obwohl ich wusste dass das wohl nichts für mich ändern wird. Ich hatte die Hoffnung, dass sie in der Zeit selbst zu diesem Entschluss kommt, dass es keinen Sinn mehr hat. Da wollte ich es mir wohl zu leicht machen. Da sie mit der Gesamtsituation in unserer Beziehung nicht unzufrieden ist, verliert sie halt auch einfach nicht die Hoffnung, das ganze doch noch zu retten. Sie versteht meine Beweggründe auch ehrlicherweise nicht wirklich, eben da ich ja nicht unglücklich bin und da es ja normal ist, dass sich nach der Zeit die Gefühle so ein bisschen verlieren. Aber wie gesagt muss man das ja nicht akzeptieren und ich würde eben gerne noch mal Gefühle für jemand anderen entwickeln bzw. die Möglichkeit dazu haben.
Es ist jetzt auch nicht so, als wäre ich gequält oder würde hier voll leiden. Ich bin ein insgesamt immer sehr lebensfroher und glücklicher Mensch. Das ist auch immer noch so, nur dass ich mittlerweile halt denke, ich könnte auch durchaus noch glücklicher sein. Und klar, komplett spurlos geht das an mir auch nicht vorbei. Ich bin kein wahnsinnig emotionaler Typ und hätte nie gedacht, dass Schluss machen so schwer sein könnte für mich.
Dadurch dass alles in letzter Zeit wieder was besser ist verspüre ich aktuell auch nicht mehr dieses ganz dringende Bedürfnis da raus zu kommen, wie es noch vor ein paar Monaten war. Ganz gegenwärtig betrachtet gibt es da auch wenig Gründe für. Wenn ich meinen Freunden sagen würde, ich trenne mich (nein, ich habe von den Gedanken bis jetzt niemandem etwas erzählt), würden die auf jeden Fall blöd aus der Wäsche gucken. Sie ist schon eine super Partie und dass ich niemand besseres finde ist ehrlicherweise nicht unwahrscheinlich. Aber wenn die Gefühle halt nicht mehr so da sind und ich eben dieses Bedürfnis habe, jemand neues kennenzulernen... man kann ja nicht alles immer nur gegenwärtig sehen und letztlich weiß ich halt, dass es die gemeinsame Zukunft nicht gibt. Die Gefühle werden sich nicht mehr zum Positiven wenden, diese Chance sehe ich einfach nicht mehr.
Ein Problem von mir ist da tatsächlich auch mein Alter. Wenn ich zwei Jahre jünger wäre oder so, würde ich eben einfach ihren Bachelor-Abschluss abwarten, sie da pushen und überhaupt keine Eile sehen. Aber ich werde jetzt bald 27, will dann auch mal ein bisschen Zeit für mich alleine haben und dass der Markt für den Durchschnitts-Mann nicht so einfach ist, ist ja kein Geheimnis. Klar ist 27 nicht super alt, aber mit 30/Anfang 30 will man dann ja schon natürlicherweise jemanden haben, behaupte ich mal. Ich möchte das zumindest.
Einfach Wohnung suchen und gehen ist übrigens keine Option bzw. wäre das nicht fair ihr gegenüber. Sie ist finanziell sehr klamm und könnte die Wohnung keinesfalls alleine stemmen. Da muss ich schon mit offenen Karten spielen und ihr genauso die Möglichkeit geben, in den 3 Monaten in denen wir die Wohnung vorab kündigen müssen, eine Wohnung zu suchen.
Aber gut, nützt alles nichts. Ich sehe schon, den mysteriösen Trick, wie ich da versöhnlich rauskomme gibt es wohl nicht. Wer hätte das gedacht

Ich werde wohl einfach ein Machtwort sprechen müssen und die Sache durchziehen. Jetzt ärgere ich mich wieder, weil sie gerade hier alles neu-dekoriert hat und sich gerade so über die neu-gestaltete Wohnung freut. Ich weiß, ihr werdet mir davon abraten, aber eine kurze Zeit werde ich wohl noch warten. Bis die Wohnungs-Euphorie ein bisschen verflogen ist. Vielleicht spreche ich tatsächlich mal mit meinem besten Freund oder so drüber. Womöglich eine gute Idee, denn dann gibt es aus meiner Sicht kein Zurück mehr. Ihre Bachelorarbeit werde ich aber nicht mehr abwarten. Wer weiß, wann das passiert.