Zitat von Charla: Ich werde es auch nicht gutheissen, denn von Menschen, die mir nicht gut tun, trenne ich mich, sie haben keine Bedeutung in meinem Leben.
Freunde kannst Du beiseite schieben, Partnerbeziehungen lösen, aber enge verwandtschaftliche Beziehungen bleiben. Man kann sie sich nicht aussuchen, sie sind so wie sie sind. Aber Eltern sind Eltern und Kinder bleiben für die Eltern immer in der Kindrolle. Blut ist immer dicker als Wasser. Wenn Du Kinder hast, werden sie Dich immer beschäftigen und ob es dann im Alter schön für Dich ist, wenn sie sich nicht um dich kümmern, ja, sich nicht mal mehr für Dich interessieren, ist fraglich.
Als die Eltern meines Mannes alt wurden, brauchten sie mehr Zuwendung und Unterstützung. Ist ja normal, denn mit Ende 80 geht es allmählich dahin. Der Vater wurde zunehmend dementer, die Mutter boshafter. Es gibt vier Kinder, von denen sich drei um die Eltern kümmerten. Regelmäßig vorbei schauten, Hilfestellungen gaben, sie mal zum Arzt fuhren und es lief ganz gut. Mein Mann war immer Montags dort, sein Bruder, der vor Ort wohnt, sogar zweimal die Woche, Die älteste Tochter kochte einfach mehr und brachte das Essen den Eltern, auch wenn sie es ihr nicht dankten.
Wer sich rausnahm, war die jüngste Schwester meines Mannes. Sie, die verzogenste, Papas kleine Prinzessin, war nicht zur Stelle. Ach, da war dies und jenes und da und dort hat sie keine Zeit oder sie war wieder mal krank, denn Migräne ist ein probates Mittel. Selbst zur Beerdigung wurde sie mit ihrem Mann nicht gesehen, denn zum Glück schlug passend zu einem sehr unerfreuliche Termin die Migräne wieder zu oder sonst was.
Sie verdrängte es einfach, dass auch sie ihren Beitrag hätte leisten sollen. Und am Grab kommt man manchmal doch sehr unangenehm ins Nachdenken.
Sie hat zwei Kinder. Der Sohn ist ziemlich eigenartig und war wohl schon als Kind psychisch ein wenig gestört. Die Tochter ganz anders, strebsam, ehrgeizig und tatkräftig. Sie hat ebenfalls zwei Kinder. Die drei Generationen hingen ständig beisammen, die Enkel oft bei den Großeltern und in den Ferien fuhr man zu sechst in ein Ferienhaus auf Sylt für drei Wochen. Alles sah so toll aus und ich dachte mir, Mensch, das klappt ja anscheinend alles prima.
Irgendwann kippte das Ganze. Den oder die Gründe weiß keiner, aber aus dem Sextett wurde ein Duo und ein Quartett, das sich feindselig gegenüber stand. Es gab wütende Mails hin und her, Vorwürfe usw. Aber Genaues erfuhren wir nicht und wollten es auch nicht so genau wissen.
Jedenfalls kam es dazu, dass die Tochter samt ihrer Familie wegzog, angeblich weil die Kinder in eine internationale Schule gehen sollten und die am vorherigen Wohnort geschlossen worden war. Die vier sind praktisch verschwunden, melden sich nicht mehr. Der Sohn auch nciht. Und die beiden "Alten"? Haben sich ein Riesenwohnmobil gekauft und verbringen den Sommer in Dänemark und den Winter in Spanien.
Die Kinder wollen von ihren Eltern nichts mehr wissen und die Eltern haben sich damit abgefunden. Fehler haben sicher beide Parteien gemacht, aber die völlige Funkstille scheint jetzt die beste Lösung zu sein, auch wenn es den Großeltern sehr weh tut, dass sie keine Beziehung mehr zu ihren Enkeln haben dürfen.
Ich sagte zu meinem Mann, es ist doch genau das Gleiche was die Schwester mit ihren Eltern gemacht hat. Sie hat sich entzogen und getan, als ob es sie nichts anginge. Und jetzt passiert ihr genau dasselbe, denn ihre Kinder haben sich auch von ihr abgewandt. Diese Zusammenhänge sieht die Schwester sicher nicht. Aber Beziehungsstörungen in Familien setzen sich oft fort in die nächste Generation.
Es ist meine Sichtweise und die darf ich vertreten. Deine ist eben anders, so what? Lass es gut sein. Ich bin halt mal eine "rechthaberische Zicke" und ich frage mich, warum Du Dich so angegriffen fühlst und gefühlt um Dich schlägst. Lies es halt nicht, dann ist doch alles bestens.