Kurz vor dem Wiedersehen, beendet sie es komplett

Hanse319

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Hallo zusammen,

langsam glaube ich, dass ich ein wirkliches Problem habe, an dem ich arbeiten muss. Ich weiß, dass ich damit nicht allein bin, aber über gute Ratschläge und Erfahrungen würde ich mich freuen. Zu meiner Geschichte:

Vor wenigen Monaten lernte ich ein Mädel kennen. Sie 22, ich 26. Wir verstanden uns auf Anhieb gut und vereinbarten ein Date. An jenem Abend, als wir uns kennenlernten, küssten wir uns bei der Verabschiedung. Schon da wusste ich, dass sie ab August für ein Jahr im Ausland arbeiten wird.

Wir trafen uns, setzten uns ganz gemütlich in die Stadt und quatschten bestimmt 4h. Irgendwann wurde es später und fing völlig an zu regnen. Ohne es direkt anzusprechen, gingen wir beide zu mir, setzten uns noch etwas auf den Balkon und nach kurzer Zeit küssten wir uns erneut und landeten im Bett. Mein erster Gedanke war "was hast du da getan?". Doch wir schauten eine Serie weiter, kuschelten, sie schlief bei mir und irgendwie war es dann doch ganz schön.

Als mich Freunde auf das Date ansprachen, sagte ich nur "war echt okay". Das war es. Ich weiß nicht, wieso ich nicht einfach mal erzählen kann, was wirklich war. Wieso ich immer erst mit der Sprache rausrücke, wenn es bereits zu spät ist. Doch es geht noch weiter.

Wir trafen uns weitere Male, schliefen miteinander, doch unternahmen wir nie wirklich viel. Nicht aus dem Grund, dass ich keine Lust hatte. Es lief ja vermeintlich ganz gut, wieso also was ändern? Dass das im Nachinein falsch ist, ist mir klar. Mit dem Wissen, dass sie ins Ausland geht, hatte ich für mich bereits wohl beschlossen, dass es eh nichts wird. Ein wenig Selbstschutz, Angst, ich weiß es nicht.
Es war eine Mischung aus Freundschaft+ und doch irgendwie fast in einer Beziehung. Wir trafen uns noch einige Male, doch immer lief es nur auf Essen bestellen, eine Serie oder einen Film schauen und S. hinaus, welcher wirklich überragend war. Ich redete mit wirklich niemandem darüber und so ist es leider häufig bei mir. Dabei habe ich genügend Freunde, mit denen ich dies tun könnte.

Irgendwann kam Tag X. Sie fuhr in's Ausland und war erstmal weg. Wir vereinbarten ein Treffen bei ihr. Doch auch dort unternahmen wir nicht die Welt. Auch hier ging es wieder auf mich zurück. Ich war gern bei ihr. Doch wieso so antriebslos? Am nächsten Tag beendete sie es auf mein Nachfragen, wieso sie so komisch sei. Sie habe das Gefühl, ich vermittele Desinteresse, hätte sehr wenig investiert und sie nie mal etwas persönliches gefragt. Es ging mir dann verdammt dreckig und zum ersten Mal wurden mir meine Gefühle bewusst. Ich bin weiß Gott nicht der "Player-Typ", dem es darum geht so viele Frauen wie möglich in's Bett zu bekommen. Wie gesagt, ich spreche ja nichtmal mit Freunden darüber. Eigentlich wünsche ich mir nichts mehr, als wieder eine Beziehung.

Ich schrieb ihr wenige Tage später, dass es mir sehr schlecht geht und einsehe, dass vieles von meiner Seite nicht ganz gut war. Dass ich nicht weiß aus welchen Gründen, mir aber mittlerweile bewusst ist, was ich für sie empfinde. Sie sah ein, dass das Ganze etwas abrupt kam, sie mir aber noch eine zweite Chance geben will. Jedoch etwas Zeit braucht, um sich wirklich darauf freuen zu können. Tage vergingen und wir vereinbarten ein neues Treffen für 3 Tage. Der Kontakt nahm zu und zwischenzeitlich, ganz ohne dass ich das Thema ansprach, schrieb sie mir, dass sie sich auf unser Treffen freut. Dieses sollte heute sein. Ich habe mir wirklich Mühe gegeben, ihr keinen Druck zu machen. Doch vor wenigen Tagen wurde sie wieder etwas komisch. Schlussendlich fragte ich sie, ob sie noch möchte, dass ich komme. Darauf kam eine lange Sprachnachricht, welche sie unterbrechen musste, weil sie anfing zu weinen. Sie glaube, dass es das Richtige ist, sich nicht zu sehen und sie nicht möchte, dass ich so viel auf mich nehme, um sie zu besuchen und am Ende kommt nichts dabei rum.
In dem Moment brach wirklich eine Welt für mich zusammen. Ich wusste, dass das Treffen entweder gut oder schlecht ausgehen könnte, doch hatte ich nicht bedacht, dass es gar nicht erst dazu kommen könnte und ich keine zweite Chance mehr bekomme.
Wirklich verzweifelt habe ich versucht, sie noch davon zu überreden, mich trotzdem zu sehen. Schließlich hat ja niemand was zu verlieren, was am Ende leider eskaliert ist. Sie sagte mir, dass sich sich seit dem ersten Treffen in keinerlei Hinsicht romantisch auf mich eingelassen habe, selber nicht wüsste, was das mit uns war und es nach dem ersten Beenden besser gleich dabei belassen hätte, den Kontakt abzubrechen. Das tat verdammt weh und seitdem bekomme ich nachts die Augen kaum für mehr als 3h zu.



Und nun zu meinem Problem. Das Folgende passierte mir leider nicht das erste Mal und in den letzten Tagen habe ich mir sehr viele Gedanken über MICH gemacht, mir viele Texte und Videos angeschaut und mich sehr oft wiedererkannt.
An sich sollte man meinen, dass ich vor Selbstvertrauen strotzen müsse. Ich habe mir meinen absoluten Traumberuf verwirklichen können und bin Pilot für eine große deutsche Airline, stehe mit beiden Beinen im Leben und habe viele Freunde. Doch wenn ich ehrlich bin, bin ich glaube ich verdammt bedürftig. Unbewusst versuche ich, jedem zu gefallen. Ich habe Probleme Dinge anzusprechen. Aus Angst, das Ergebnis könnte nicht gut für mich sein. Ich passe mich allem und jedem an, um einfach nur nicht negativ aufzufallen. Im Beruf kaum, im Privaten dafür umso mehr. Wenn Dinge "gut" laufen, laufen sie meistens so lange "gut", bis sie in die Brüche gehen, weil ich einfach nichts investiere oder halt zu viel und damit unter Druck setze. Also entweder Bedürftigkeit oder ich nenne es mal "Ist-mir-alles-egal-Verhalten", um die Bedürftigkeit zu überspielen. Erst dann wird mir bewusst, was wirklich schief gelaufen ist und was ich da in den Sand gesetzt habe. Getreu dem Motto "You only need the light when it's burning low - You only miss the sun when it's start to snow". Ich weiß nicht, wieso ich so vieles für so selbstverständlich ansehe. Wenn ich dann einmal eine Frau kennengelert habe, und es ernster wird, ist die "Coolness" vom ersten Kennenlernen dahin. Ich muss mich teilweise zwingen, nicht genau in der Sekunde zu antworten, in der sie schreibt und würde vermutlich fast alles in die Wege leiten, damit es so passt, wie sie sich das vorstellt. Ja, man muss auch mal Kompromisse eingehen und Dinge tun, die einem vielleicht nicht so passen, aber das ist too much. Ich weiß nicht, wieso ich offensichtlich unzufrieden mit mir selbst bin, ein geringes Selbstwertgefühl habe und so sehr nach Anerkennung strotze. Warum mir das Ganze immer erst im Nachhinein bewusst wird, kann ich wirklich nicht sagen.

16.09.2019 10:52 • #1


LostGirl1


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Hallo,
dass Du Dich mit Dir selbst auseinandersetzt finde ich einen sehr guten ersten Schritt.
Kannst Du festmachen, warum Du glaubst, es allen recht machen zu müssen? Wie wurdest Du erzogen, könnte es da einen Zusammenhang geben?
Wenn ich Dich so lese habe ich den Eindruck, Du bist von Menschen umgeben und fühlst Dich dennoch einsam. Willst keine 'Schwäche' (wie Verliebtsein oder Gefühle) zeigen oder zulassen. Und wenn die sich dann doch ihren Weg nach draußen bahnen, dann mit aller Gewalt. Was befürchtest Du, wenn Du Deine 'schwache', verletzliche Seite zeigst?

16.09.2019 15:02 • #2


Plentysweet

Plentysweet


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Hey,
Du hast in ihren Augen zu wenig Invest gezeigt und sie hatte Angst, daß das so weitergehen würde und sie hat nun die Reißleine gezogen. Das tut mir sehr leid für Dich .
Ich meine, im Grunde hast DU Dich ja am Anfang geschützt- Du bist mit stark angezogener Handbremse in die Beziehung hineingegangen und benennst es auch
Zitat:
Ein wenig Selbstschutz, Angst, ich weiß es nicht.

und sie tut es jetzt. Sie möchte halt auch nicht mehr verletzt werden.
Du schilderst es ja selbst. Du bist nicht richtig aus Dir rausgekommen. Tust immer Dinge um ja nicht negativ aufzufallen, um keine Probleme zu kriegen oder Deine Komfortzone verlassen zu müssen. Es hört sich so uncouragiert an.
Das Gute ist aber: Du bist sehr selbstreflektiert, weißt um Deine Knackpunkte und kannst diese auch gut verbalisieren. Und hast nun die Gelegenheit diese zu beackern. Trennungen und Krisen im Leben zeigen einem oft gnadenlos die eigenen Schwächen auf.
Andererseits wirst Du Deine Verhaltensmuster, Schutzmechanismen und Wesenszüge nicht grundlegend ändern können. vielleicht wäre eine Partnerin für Dich passender, die unabhängiger ist, eher ihr Ding macht und nicht so auf Dein Invest aus ist. Und einfach das bloße Zusammensein mit Dir genießt. Oder die selber temperamentvoller ist und die Regie übernimmt. Nur als Idee, die mir im Kopf rumschwirrt.
War sie denn Deine erste Partnerin? Oder hast Du schon Erfahrungen mit Beziehungen? Wenn ja, war es da auch so?

16.09.2019 16:50 • #3


Sevi

Sevi


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Naja, sie hätte ja auch Invest zeigen können?
Hat sie mal gesagt, dass sie anders möchte?
Dass es ihr zu wenig ist, zu essen und zu *beep*?

Vorher? Bevor sie Schluss machte?
Ich meine sowas ist ja keine Einbahnstraße...
Nicht nur du hättest Gas geben müssen, sondern auch sie, wenn sie es hätte anders gewollt.

16.09.2019 17:00 • #4


Hanse319


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Zitat von LostGirl1:
Kannst Du festmachen, warum Du glaubst, es allen recht machen zu müssen? Wie wurdest Du erzogen, könnte es da einen Zusammenhang geben?


Das ist eine gute Frage. Spontan und ehrlich beantwortet, würde ich sagen, dass ich Angst vor negativem Feedback über eingene "Inputs" bekomme. Tatsächlich kann meine Kindheit damit zu tun haben. Mein Eltern trennten sich, als ich 4 war. Verstehe mich mit beiden Elternteilen super, doch was ein vollkommenes Familienleben angeht, das kenne ich nicht. Meinen Opa mütterlicherseits lernte ich nie kennen. Die Oma starb, als ich 7 war. Zur Familie meines Vaters habe ich gar keinen Kontakt. Weihnachten, Geburtstage etc. im Kreis der eigenen Familie also Fehlanzeige. Möglich, dass sich das irgendwo widerspiegelt..

Zitat von LostGirl1:
Wenn ich Dich so lese habe ich den Eindruck, Du bist von Menschen umgeben und fühlst Dich dennoch einsam. Willst keine 'Schwäche' (wie Verliebtsein oder Gefühle) zeigen oder zulassen


Da liegst du ganz richtig. Es fehlt einfach irgendwo die Frau an meiner Seite. Ich bin nicht der Typ für Tinder & Co, um irgendwas zu erzwingen. Doch wenn ich dann wen kennen lerne, fehlt mir irgendwo die "emotionale Intelligenz", um mit der Sache umzugehen. Unterbewusst steigere ich mich immer mehr in etwas rein, wovon ich mir einrede, dass es nichts wildes ist. Und dann, wenn es vorbei ist, kommen alle Gefühle hoch.

16.09.2019 18:28 • #5


LostGirl1


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Zitat von Hanse319:
Tatsächlich kann meine Kindheit damit zu tun haben. Mein Eltern trennten sich, als ich 4 war.

Vielleicht ist das erstmal grundsätzlich ein Ansatzpunkt für Dich. Es gibt im Netz und in Buchform einiges zum Thema inneres Kind. Leider hab ich selbst davon kein Buch gelesen und kann keine echte Empfehlung geben.
So einfach mal aus dem blauen heraus tippe ich mal drauf los: 'Dein inneres Kind' hat Angst vor Ablehnung, weil Deine Eltern damals mit sich selbst beschäftigt waren und Du bemüht warst, nicht groß weiter aufzufallen und nicht anzuecken. 'Unsichtbar' zu sein. Nur keinen Streß verursachen. Diese Verhaltensweisen haben sich bis heute durchgehalten. "Wenn ich keinen Blödsinn mache und lieb bin, schimpfen sie ncht und haben mich lieb"
Könnte das in die Richtung gehen?


Zitat von Hanse319:
Es fehlt einfach irgendwo die Frau an meiner Seite

Nee, das glaub ich nicht mal.
Du schreibst:
Zitat von Hanse319:
Als mich Freunde auf das Date ansprachen, sagte ich nur "war echt okay". Das war es. Ich weiß nicht, wieso ich nicht einfach mal erzählen kann, was wirklich war.

Das klingt, als hättest Du auch da eine Blockade, eine echte "Verbindung" aufzubauen. Gefühle können auch als Schwäche gewertet werden. Willst Du keine 'Schwäche' zeigen? Kann mit Deiner Kindheit, oder aber mit nachteiligen Glaubenssätzen zusammen hängen. Wir alle haben unsere Glaubenssätze, die wir mit uns herum tragen, meist geformt in der Kindheit. Vielleicht könnte auch das ein Ansatzpunkt für Dich sein. Was glaubst Du wirklich über Dich?
Und eine Partnerin (oder ein Partner) sind selten die Rettung für alle Probleme. Wenn Du eine Partnerin willst, die Dich glücklich macht, bürdest Du ihr damit eine ganz schöne Verantwortung auf. Wie soll Dich jemand anders glücklich machen? Hinzu kommt, dass Dein Glück dann absolut und komplett von dieser einen Person abhängt.
Natürlich verstehe ich den Wunsch nach einer Partnerin - bitte nicht falsch verstehen Die eigene Erwartungshaltung überprüfen kann dennoch nicht verkehrt sein.

Zitat von Hanse319:
Unterbewusst steigere ich mich immer mehr in etwas rein, wovon ich mir einrede, dass es nichts wildes ist. Und dann, wenn es vorbei ist, kommen alle Gefühle hoch.

Die Gefühle, die Du lange unterdrückt hast. Da würde ich halt einen Glaubenssatz oder einen Einfluss aus der Kindheit vermuten. Warum Du Gefühle nicht vorher zulassen kannst, und sie 'einmauerst', bis sie sich ihren Weg frei brechen. Durftest Du als Kind zB auch mal traurig sein? oder wolltest Du das nicht zeigen?

Zitat von Hanse319:
Ich bin nicht der Typ für Tinder & Co

Das spricht aus meinen Augen eher für Dich

PS: ich bin kein Profi - kann also mit allen Mutmaßungen völlig daneben liegen - ich hoffe nur, ich kann Dir ein paar Denkanstösse liefern.

17.09.2019 08:29 • #6




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