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Letzte Worte an jemand mit dem es nichts wurde

marinah

marinah

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Liebe Community,
ich würde gerne meine letzten Worte an jemanden mit euch teilen, mit dem es mehrere schöne Treffen gab, man sich näher kam und es dennoch nichts wurde. Die Illusion einer schönen Zukunft mit jemandem aufgeben zu müssen kann auch sehr weh tun. Gerne höre ich eure Meinungen zu meinem letzten Brief, den ich nicht abschicken werde:

Was ich dir noch sagen wollte.

Wenn ich die letzten Monate Revue passieren lasse, fallen mir folgende Handlungen und Schlagwörter ein:

1. Wir sind uns nah gekommen, sehr nah
2. Du bist noch nicht bereit für was neues Festes
3. Du fängst dir einen fiesen Virus ein und hast keinen Nerv und keine Bedarf für und an der Frauenwelt
4. Du hast eine Andere

Wenn ich das jemand Außenstehenden erzählen würde, würden sie sagen, dass du der größte Ar. bist. Ich würde dich verteidigen, weil ich es weiß, dass es nicht so ist und das man auf manche Dinge eben keinen Einfluss hat. Dinge, die dann Folgen mit sich bringen, die man nicht will und nicht beabsichtigt.

Wir sind uns beruflich begegnet, du prüftest mein Mandat. Normalerweise sind Prüfungen einfach nur eine nervige Zusatzbelastung, deinetwegen war es eine der schönsten Wochen meiner beruflichen Laufbahn. Wie der Zufall es so will, kannte meine Kollegin deine Kollegin, ich erfuhr du bist vergeben. Die Prüfung war vorbei, unsere Wege trennten sich, meine Gedanken an dich blieben.

Nun ist es ziemlich genau ein Jahr her ist, dass ich erfahren habe, dass du wieder single bist. Es war purer Zufall. Unsere beiden Kolleginnen müssen sich darüber unterhalten haben, so gelangte die Information zu mir. Mein erster Gedanke war, wie jemand so blöd sein kann dich gehen zu lassen. Es war der Moment wo ich beschlossen habe, zu versuchen den Kontakt zu dir aufzubauen. Wenn ich deswegen Schwierigkeiten bekommen hätte, mir wäre es egal gewesen. Ich hatte nichts als deine Handynummer, du hattest sie mir im Rahmen der Prüfung gegeben, das ist nichts Ungewöhnliches. Da wir keine Überschneidungspunkte haben, wo wir uns begegnen, blieb mir nichts anderes übrig als dich anzuschreiben. Mit meinen liebsten beiden Arbeitskolleginnen, die mit mir sitzen und dich daher auch vom sehen kennen, habe ich den Plan geschmidet. Die Kollegin, die mir die entscheidende Information gab, hatte die Ehre die Nachricht abzuschicken, mit der alles begann. Ich kenne mich zu gut um zu wissen, dass ich es wahrscheinlich nicht fertig gebracht hätte die Nachricht zu versenden. Die Nachricht war unwiederbringlich am Satelliten angekommen und ich wusste, dass du antworten würdest, denn für alles andere bist du einfach viel zu gut erzogen (deine Mutter hat gute Arbeit geleistet). Ich hatte keine Ahnung was du davon halten würdest, dass ich dahinter stecke, geschweige denn, ob du dich überhaupt an mich erinnerst. Aber das tatest du und ich konnte mein Glück ehrlich nicht fassen, als unsere Kommunikation tatsächlich Fahrt aufnahm.

Die erste Bewährungsprobe kam als es sich bis zu unserem ersten Treffen ewig zog und zwischendrin sah es so aus, als würde es nie dazu kommen und ich einfach nur meine Zeit und meine Nerven komplett verschwende. Ich war hin und her gerissen zwischen los lassen und fest halten aber mein innerer Zwiespalt wurde belohnt als du endlich nach einem Treffen fragtest. Die weiteren Treffen fanden eher unregelmäßig statt, du warst beruflich und privat total busy. Klar hätte ich mir regelmäßigere Treffen gewünscht aber ich habe dich und deine Freiräume immer respektiert und hätte nie etwas getan was dich einengt. Für meine Begriffe haben wir uns unfassbar gut verstanden, man trifft nicht oft auf einen Menschen mit dem man sich stundenlang unterhalten kann ohne, dass unangenehme Pausen entstehen. Wir kamen uns endlich näher, dank dir. Ich weiß du hättest dir mehr Initiative von mir gewünscht aber das ist nun mal Männerarbeit. Ich habe mich immer sehr wohl bei dir gefühlt und für mich hätte ab diesem Zeitpunkt alles einfach seinen natürlichen Lauf genommen. Aber das Leben ist nun mal nicht immer einfach. Bei unserem letzten Treffen warst du schon irgendwie anders und als ich gegangen bin habe ich mich nochmal umgedreht und durch das Fenster in deinen Flur sah ich dich weglaufen, in deinem lila T-Shirt das ein Loch an der Seite hatte. Tief in mir drin wusste ich, ich sehe dich das letzte Mal. Dieser letzte Kuss an deiner Tür war unser Abschiedskuss, ich hätte ihn mehr auskosten sollen.

Ich fuhr in den Urlaub nach Sardinien und war an den schönsten Stränden, die man sich vorstellen kann aber ich wäre lieber bei dir gewesen, im verregneten Deutschland. Dann war da noch dieses latent schlechte Gefühl nach dem letzten Treffen, was ich erfolglos zu ignorieren versuchte. Ich war nicht gut drauf. Aus dem Urlaub zurück wurde ich in meiner Befürchtung bestätigt, du bist nicht bereit für was neues Festes und stelltest ein weiteres Treffen in Frage. An dieser Stelle wusste ich nicht, ob ich stolz auf meine Intuition sein soll oder Angst davor haben soll, dass sich der Teufel Inspiration in meinen Ängsten holt und mich diese durchleben lässt. Wahrscheinlich wäre es das beste gewesen, ich hätte an dieser Stelle den Ring verlassen, denn bei Sätzen wie ich bin noch nicht bereit für was neues Festes oder ich mag dich, es hat nichts mit dir zu tun sollte man besser das Feld räumen. Im Prinzip hast du mir die Tür aufgehalten, ich hätte einfach hinauslaufen können. Aber da du mir nie klipp und klar gesagt hast, dass es mit uns nichts wird, war die Tür noch nicht zu und ich blieb. Zudem hatte ich auch einfach Verständnis für deine Situation. Wir wollten uns wieder sehen, doch du warst wieder busy und ich akzeptierte es.

Die Krankheit brach aus, du hattest keinen Nerv mehr für die Frauenwelt und auch keinen Bedarf, sagtest du und ich akzeptierte es auch dieses Mal. Der Kontakt wurde immer weniger und ich hatte das Gefühl, dass du alle meine Bemühungen diesen aufrecht zu erhalten abblockst. Aber ich hatte auch dieses mal Verständnis dafür, dass du deine Kräfte vielleicht gerade einfach für dich selber brauchst und stellte mein Ego wieder hinten an. Tief im Inneren wusste ich aber, dass man auch in deinem damaligen Zustand den Kontakt aufrecht erhalten hätte können, wenn man jemanden in seinem Leben behalten möchte. Du wolltest es in meinem Falle nicht. Gegen diese Gewissheit zu arbeiten, hat mich sehr viel Kraft gekostet. Ich war so hin und her gerissen zwischen loslassen und nicht aufgeben. Mir blieb nichts anderes übrig als dir den Freiraum zu geben, den du verlangtest. Das Beste wäre es gewesen, ich hätte dich einfach direkt gefragt, ob du grundsätzlich noch an mir interessiert bist. Aber ich hatte nicht den Mut dies zu tun, tief in mir drin kannte ich die Antwort, dein Verhalten sprach einfach Bände. Aber solange keine direkte Abfuhr deinerseits kam, wärmte ich mich lieber an dem kleinen Fünkchen Hoffnung, den es da noch gab, als der kalten Realität ins Auge zu blicken. Es war auch für mich keine schöne Zeit, am Liebsten wäre ich einfach nur für dich dagewesen aber du hast mich von dir weggestoßen. Es klingt paradox aber wäre ich an dieser Stelle gegangen, hätte ich das Gefühl gehabt dich im Stich zu lassen. Obwohl es schwer war, wäre mir auch in dieser Zeit niemals in den Sinn gekommen, dich aufzugeben, den dich zu früh aufzugeben, war meine Größte Angst von allen. Du warst mir das alles einfach Wert. Ich weiß nicht, ob es dir bewusst ist aber in einer Welt wie dieser, ist jemand wie du selten.

Die Wochen flogen an uns vorbei. Ich habe es mir schon lange vorgenommen dir zu deinem Geburtstag zu gratulieren und somit nochmal leise an deine Tür zu klopfen. Wahrscheinlich hast du gehofft, dass ich mich nie wieder melde, dann wäre es dir erspart geblieben, mir zu beichten, dass du eine Andere hast. Ich mache dir keinen Vorwurf, dass du jemand Anderen kenne gelernt hast, solche Dinge passieren und darauf hat niemand Einfluss. Was ich dir zum Vorwurf mache ist, dass du mir früher hättest reinen Wein einschenken können. Wahrscheinlich war der Fall bei dir bereits nach unserem letzten Treffen erledigt, stattdessen hast du dich nur immer distanzierter Verhalten, ich vermute in der Absicht, dass ich von alleine aufgeben. Aber an dieser Stelle hast du mein Löwenherz und mein aufrichtiges Interesse an dir unterschätzt.

Ich bereue es nicht, dich solange nicht aufgegeben zu haben. Ich wäre es mir und meinem Seelenheil allerdings schuldig gewesen, früher selber für klare Verhältnisse zu sorgen. Die Alarmglocken klingelten so laut und ich hielt mir die Ohren zu. Ich war einfach zu feige, zu schön war die Illusion, die ich mir von uns beiden erschaffen hatte, diese Illusion nun aufgeben zu müssen, tut weh. Unsere Reise fühlte sich für mich eine lange Zeit so an als hätte das Universum einen Plan für uns, einen verdammt guten Plan, aber ich hatte mich getäuscht.

Was ich dir noch sagen wollte ist, dass es mir mit dir immer ernst war, sonst hätte ich all das niemals auf mich genommen. Ich hätte mir mit dir Alles vorstellen können. Aber nun bin ich diejenige, die mit nichts als leeren Händen dasteht. Als ich den Kontakt zu dir aufbaute, war mir klar, dass es so enden könnte und ich hatte auch Angst davor. Größer als diese Angst war allerdings, die Angst davor, was mir diese Angst nehmen könnte. Wir hätten großartig sein können. Nun hast du eine Andere. Wie lange das schon geht und was sie dir bedeutet, ich weiß es nicht. Was ich aber weiß ist, dass ich dir nicht wünsche glücklich mit ihr zu werden. Ich könnte dir schreiben, dass ich dir dein Glück gönne, es wäre gelogen. Manchmal geht das Leben seltsame Umwege und vielleicht werden wir uns irgendwann noch einmal begegnen, bis dahin behalte ich dich in Erinnerung, als Geschenk und als Lektion und schaue auf unsere Geschichte, wie auf ein unvollendetes Meisterwerk.

15.02.2020 19:52 • x 7 #1


Tatiana

Tatiana


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Ich wollte dir 3 Sachen sagen:

1.) Das tut mir alles leid für dich

2.) Du bist nicht alleine. Wir zwei sitzen im selben Boot und ich denke genau wie du, fast haargenau, in meiner Situation. Es tut wirklich weh, diese Illusion auf zu geben und man bleibt daher wirklich länger dran. Es ist auch schwer, sich die NICHT aus zu malen, die Zukunft...argh...so schmerzhaft..

3.) Er weiß das, was du ihm noch sagen wolltest. 100%. Er weiß, dass du da warst, gewartet hast, den ersten Schritt getan hast und daher sehr viel Interesse hattest und er mit dir so einiges hätte haben können..

15.02.2020 23:44 • x 3 #2



Hallo marinah,

Letzte Worte an jemand mit dem es nichts wurde

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SimplyRed

SimplyRed


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Liebe Marina,

Deine Worte haben mich sehr berührt. Ich finde Deine Zeilen wunderschön und liebevoll.

Es tut mir unendlich Leid für Dich, daß Du diesen Schmerz erfahren hast, ich drücke Dich ganz fest.

Alles Liebe und Gute,
Simply

16.02.2020 01:31 • x 1 #3


_Konstantin

_Konstantin


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Hi marinah,

deine Geschichte hat auch bei mir sehr tief verwurzelte Erinnerungen und Verknüpfungen zu meinen gespeicherten Erfahrungen aktiviert, die mich ebenfalls an ein "unvollendetes Meisterwerk" wieder erinnerten.

Ich habe sehr viel gefühlt beim Lesen deines Textes. Und ja - jeder will in seinem Leben vor allem Angst vermeiden und Glück erhalten. Und Glück erfährst Du mit all deinen Sinnen. Du sprudelst über vor Glück, Du tanzt vor Glück oder schlägst gar ein Rad vor Glück. Wer kennt nicht diesen bunten Strauß von Gefühlen und Eindrücken?

Doch manchmal bleibt nur eine schöne Zeit, eine schöne Erinnerung zurück mit einem Menschen, der das eigene Leben sehr bereichert hat. Dennoch - auch für eine solche Erfahrung bin ich sehr dankbar, denn ich habe auch sehr viel über mich erfahren dürfen.

16.02.2020 02:30 • x 1 #4


marinah

marinah


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Vielen lieben Dank für eure netten Worte! Ich denke das schweste an solchen Situationen ist, dass es eben nur die schönen und aufregenden Seiten gab und man nie den Alltag mit einer Person tatsächlich gelebt hat. Man sollte dabei nicht vergessen, auch wenn eine Person toll ist, wenn sie maximal mit halben Herzen dabei ist, wäre es auf Dauer niemals eine glückliche Beziehung geworden. Die Vorstellungskraft kann einem hier einen fiesen Streich spielen.

Ich wünsche euch auch alles Liebe!

16.02.2020 10:33 • x 2 #5


Nautica

Nautica


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Zitat von marinah:
Vielen lieben Dank für eure netten Worte! Ich denke das schweste an solchen Situationen ist, dass es eben nur die schönen und aufregenden Seiten gab und man nie den Alltag mit einer Person tatsächlich gelebt hat. Man sollte dabei nicht vergessen, auch wenn eine Person toll ist, wenn sie maximal mit halben Herzen dabei ist, wäre es auf Dauer niemals eine glückliche Beziehung geworden. Die Vorstellungskraft kann einem hier einen fiesen Streich spielen.

Ich wünsche euch auch alles Liebe!

Sehr schön geschrieben,unterschreibe ich zu 100 Prozent.Halbes Herz,halbe Liebe,nichts ganzes und nichts halbes kann auf Dauer nie gutgehen.Diese Äußerungen zu Anfang mit nichts festem ist so wahr.Gleich die Beine in die Hand nehmen und nicht darauf hoffen dass er seine Meinung ändert,ist wirklich vertane Zeit.

16.02.2020 10:58 • x 1 #6


Angi2


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Zitat von marinah:
Ich bereue es nicht, dich solange nicht aufgegeben zu haben. Ich wäre es mir und meinem Seelenheil allerdings schuldig gewesen, früher selber für klare Verhältnisse zu sorgen.

Man tut sich selber weh, durch dieses Festhalten, aber man kann manchmal nicht anders.
Zitat von marinah:
Manchmal geht das Leben seltsame Umwege und vielleicht werden wir uns irgendwann noch einmal begegnen, bis dahin behalte ich dich in Erinnerung, als Geschenk und als Lektion und schaue auf unsere Geschichte, wie auf ein unvollendetes Meisterwerk.

Ich kann dir nur zustimmen....es ist ein Geschenk jemanden stark zu lieben...und es ist traurig, wenn es dann doch nicht passt. Aber man lernt daraus, vor allem viel über sich selber.

16.02.2020 11:38 • x 2 #7




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