sozialtussi
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Zitat von mr87:@sozialtussi wie schaffst du es das alleinsein zu genießen? Mir fällt das noch sehr schwer
Hallo Mr87
Das kann ich dir sagen.
Unsere Ehe lief schon lange nicht mehr gut.
Allerdings war es natürlich trotzdem sehr schwer, plötzlich alleine zu sein und das nach 32 Jahren.
Im Grunde waren es 34 Jahre mit ihm. Wir waren vor der Ehe zwei Jahre zusammen.
Ich lebte seit meinem 21.Lebensjahr nicht mehr alleine.
Und man vergisst auch natürlich nicht die guten Jahre.
Er verliebte sich jedenfalls in eine Kollegin, mit der er nun seit Mai diesen Jahres im Ausland lebt.
Anfangs war es sehr schwer.
Ich weinte fast ein Jahr um unsere gescheiterte Ehe und um viele sinnlose Jahre,
wo wir nur noch nebeneinander, aber nicht mehr richtig miteinander lebten.
Die Symptome, die hier alle haben, kamen dann auch direkt bei mir zum Vorschein.
Ich konnte nichts essen, musste bei jeder Gelegenheit weinen.
So viele Erinnerungen.
Ich riss mich dann aber zusammen, schliesslich war es besser so, dass ich nicht weiterhin
in einer lieblosen Beziehung lebte.
Daher ging ich auch recht schnell alleine raus.
Da hatte ich noch meinen Hund, er ist seit August tot.
Ich ging spazieren, nahm jede Einladung an, ging alleine Frühstücken, oder ins Cafe.
6 Monate später fand ich glücklicherweise auf einer Geburtstagsparty eine neue Freundin, Single,
genau wie ich.
Wir unternehmen so viel wie möglich zusammen.
Gehen zu Events, ins Theater, im März verreisen wir zusammen. (wird wohl doch Malle werden, da
waren wir beide noch nie.) Wir mögen beide Kultur und sind uns einig, wenn es um
Freizeitgestaltung geht.
Heute Abend war sie auch bei mir, wir haben stundenlang gequatscht.
Diese neue Freundin möchte ich nicht mehr missen, wir passen zusammen wie Topf auf Deckel.
Natürlich habe ich auch noch meine alten Freunde, aber das ist nicht das Gleiche, wie mit einer Freundin, die
auch tun und lassen kann, was sie will und wann sie will.
Mit einem Satz: Ich habe jemanden, mit dem ich was unternehmen kann.
Ich fahre auch alle meine Verwandten in Norddeutschland besuchen, alle 2 Monate.
Ich bin 2x alleine ins Ausland verreist und fand es toll.
Irgendwann versiegten die Tränen.
Ich fand meinen eigenen Lebensrhythmus und es gefällt und tut mir gut.
Durch die Trennung habe ich viel weniger Verpflichtungen, ich kann tun und lassen was ich will.
Inzwischen bin ich richtig froh, wenn ich mal keinen Besuch habe und kann sehr gut mit mir alleine
sein, ohne Tränen und ohne andauernde Wehmut.
Ich habe das Basteln entdeckt, ich kann mich gut beschäftigen, wenn ich alleine bin.
Natürlich habe ich auch einen Job, ich arbeite nur 32 Stunden die Woche, aber ich komme gut zurecht.
Manchmal befällt mich noch diese Traurigkeit, aber es ist okay.
Eine neue Beziehung kann ich mir noch nicht so recht vorstellen, ich glaube, ich habe keine Vertrauen
mehr in die Männerwelt.
Fakt ist, dass es mir sicherlich leichter fiel, als wenn ich ihn noch von Herzen geliebt hätte.
Ich habe ihn mal sehr geliebt, aber aus Liebe wurde irgendwann nur noch ein nebeneinander her leben.
Aus nachvollziehbaren Gründen hatte ich bald keinen Respekt mehr vor ihm.
Wir stritten nicht, wir machten uns keine Szenen, wir hatten beide aufgegeben und lebten nur noch
wie gute Freunde zusammen.
Und deshalb ist es gut, dass das endlich beendet ist.
Ich fuhr mal vom Spätdienst nach Hause.
Unterwegs merkte ich, dass ich mich gar nicht mehr auf meinen Mann freute.
Das ging lange Zeit so.
Irgendwann schrie ich in meinem Auto:
Lieber Gott, bitte gib mir die Kraft, aus dieser Ehe auszubrechen.
Ich bin nicht im Sinne der Kirche gläubig, aber irgendwas im Universum hat meinen Hilferuf
erst genommen.
Ein paar Tage später habe ich eine sms von dieser neuen Frau gelesen.
Ich hatte schon wochenlang was geahnt.
Na ja, ich war schneller als er an seinem Handy und da war alles klar.
"Ich liebe dich". waren die Worte u.a.
Er machte dann angeblich Schluss, aber er war nie von ihr weg.
Ich gab ihn sozusagen frei.
Dann das Übliche...Auszug...
weg...
denn Er will dich nicht...

