Odette
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Ich habe kurz Gänsehaut bekommen, denn das GFK-Modell von Rosenberg hat grundsätzlich einen guten Ansatz.
Uns wurde es damals in der Paartherapie vermittelt. In der Umsetzung ging das bei uns allerdings komplett nach hinten los, weil es teilweise wie eine Form von Manipulation eingesetzt wurde. Bedürfnisse und Gefühle wurden zwar benannt, aber für mich gab es dabei kaum Raum für ein Nein oder einen Kompromiss.
Zum Beispiel wurde eher kommuniziert: „Wenn du XY nicht machst, fühle ich mich verletzt.“
Hilfreicher fände ich etwas wie: „XY fehlt mir, und ich würde mich mehr wertgeschätzt fühlen, wenn ...“
Vielleicht ein etwas vereinfachtes Beispiel, aber meinem Verständnis nach geht es bei der GFK ja darum, Bedürfnisse so zu kommunizieren, dass die andere Person weiterhin die Freiheit hat, auch Nein zu sagen oder gemeinsam einen Kompromiss zu finden
.
Falsch angewendet oder in einem ungeeigneten Moment, wie bei uns mitten in einem eskalierten Konflikt, kann GFK aus meiner Sicht mehr Schaden anrichten, als sie hilft. Ich fühlte mich unter Druck gesetzt, bekam Vorwürfe, ich würde mich nicht an das Werkzeug halten, welches uns gegeben worden ist, wenn ich es nicht so umsetze.
Andersherum wurden meine Versuche nicht ernst genommen, oder als deplatziert abgestempelt mit einem 'Ja, aber ich fühle mich XY, etc', besser noch: wenn ich mein Bedürfnis nicht nennen kann, soll ich lieber gar nichts sagen.
Hier kann man streiten. Ich war wegen mehrerer Lügen verletzt. Natürlich war mein Bedürfnis Ehrlichkeit, da dies aber nicht aus Schlag physisch lösbar war, reichte dies nicht. (Ich hoffe, verständlich.)
Außerdem tue ich mich mit der Vorstellung schwer, menschliches Handeln hauptsächlich über Bedürfnisse zu erklären.
Für mich greift das zu kurz, und umfasst zu viele Faktoren.
Das ist natürlich nur meine persönliche Erfahrung. Grundsätzlich halte ich GFK für einen wertvollen Ansatz, aber wie bei den meisten Modellen sollte man sie nicht pauschal auf jede Situation anwenden, wie mein lieber Ex. Jetzt muss ich kurz durchatmen, da es mich an meine Hilflosigkeit erinnert.
Im Job benutze ich diese aber regelmäßig für Feedback und Konfliktgespräche.
Quasi kleines 1x1, welches uns ständig an die Hand gegeben wird. Da funktioniert das super.
Im übrigen auch zu meiner Zeit als Vertrieblerin.
Aber ob das so nett ist, steht auf einem anderen Blatt.
Da ist es ja eine schmale Grenze zwischen Manipulation und Empathie. Bevor ich mich selbst in ein schlechtes Bild stelle: Ich verkaufe Baustoffe. Also nichts emotionales.