Ex-Mitglied
Gast
Kinder, du, ich, wir alle hier, übernehmen unbearbeitete Traumata und Baustellen von unseren Eltern. Das IST einfach so.
Die Generation unserer Eltern hat da kaum drüber gesprochen. Sie wussten vieles nicht besser.
Das Leid, was du heute fühlst, ist auch eine Konsequenz dieses Nicht-Wissens.
Heute wissen wir aber mehr darüber. Wir sprechen darüber. Und kein gebildetes Elternteil kann sich noch aus der Verantwortung nehmen. Wenn deine Kinder deine Muster übernehmen, dann weil du entschieden hast, nicht hinzugucken. Und dann sitzen sie in 20 Jahren vor dir und führen ähnliche Beziehungen und fühlen ähnlichen Schmerz.
Du hast die Wahl.
Und was deine Therapie angeht, wiederhole ich mich ebenfalls. Kein guter Therapeut würde dir mit dem Wissen um den Wahnsinn dieses Strang zu ein paar positiven Gedanken raten. Keiner.
Also entweder ist dein Therapeut nicht gut, dann such dir dringend einen neuen.
Oder aber du hörst nicht richtig zu und umgehst die schmerzhaften Anteile der Arbeit. Dann würde ich zwingend im Sinne deiner Kinder dazu raten, da nochmal hinzuschauen.
Oder aber, du erzählst ihm einfach nur einen Bruchteil. Und da kann es einen großen Unterschied machen, ob du sagst " ach, manchmal tu ich mich echt schwer damit Entscheidungen zu treffen". Oder ob du erzählst, was tatsächlich passiert. Dass du in Panik gerätst, Heulkrämpfe auf der Arbeit oder im Restaurant hast, sobald jemand einen Rückzug andeutet. Dass du geradezu zwanghaft Bindungen brauchst und gleichzeitig zerstörst. Dass dir die Kontrolle über dein eigenes Leben fehlt. Erzähl von deinen Ängsten, deinem sprunghaftem Denken und Fühlen, der Not, die du verspürst, wenn du nicht in Bindung mit irgendeinem Mann bist, der verzweifelten Panik, dass du allein sein könntest, dem unverhältnismäßigen Druck finanziell gut aufgestellt zu sein. Erzähl von der tiefsitzenden Unsicherheit. Der Qual, die sich durch diesen Strang zieht. Dem Schmerz bei drohendem Verlust.
Zeig deine Gefühle. Sitz beim Therapeuten und weine. Zeig deine Wut. Sei verzweifelt. Denn du bist doch verzweifelt. Zeig ihm das. Dort ist der Ort, wo das hingehört.
Und wenn er darauf mit so einem Spruch reagiert, dann ist er kein guter Therapeut. Dann such dir einen anderen.
Wenn er aber mit dir in den Schmerz rein will. Dich zum fühlen animiert. Dich in deine Erinnerungen begleiten will. Aufarbeiten will, dann lass das zu. In ganz kleinen Schritten, aber lass es zu. Denn nur so kannst du hinter den Schmerz kommen und in ein Leben, in dem du wieder handlungsfähig bist und eine Chance auf echtes Glück hast.