624

Meine Borderline Partnerin hat mich verlassen, was nun?

Liv211
Zitat von Error:
Narzissmus ist für mich bisher ein Merkmal, welches ebenfalls anerzogen wird - Prinzen und Prinzessinnen, denen von ihren Eltern immer nur gesagt wird, dass sie toll sind und wer es nicht so sieht, falsch liegt


Zitat von Error:
Narzissmus haben wir alle, es dient aus meiner Sicht dem Eigenschutz.
Die Ausprägung dessen ist es, die uns ausmacht.

Deine Meinung, ok.

Meiner Meinung könntest Du nachlesen, das sind bei weitem nicht
Prinzen und Prinzessinen.
Da gibt’s ganz andere Komponenten.

Und nach dem, was Du sagst, hast Du noch nicht wirklich mit so einem Menschen zu tun gehabt.
:/

• x 1 #496


A


Meine Borderline Partnerin hat mich verlassen, was nun?

x 3


Error
Zitat von PapaEmeritus:
@Error Diese Studien sind deswegen so seriös, weil sie Zwillinge untersucht haben, teilweise über Jahrzehnte, die in unterschiedlichen Familien aufgewachsen sind, zB aufgrund von Adoption. Wäre Persönlichkeit größtenteils nur anerzogen, müssten diese Menschen sehr unterschiedlich sein, hat man aber nicht so ...

Interessant. Hast Du einen Link zu diesen Studien?
Und noch ne Frage: Warum liest Du solche Studien?

• #497


Error
Zitat von Liv211:
Und nach dem, was Du sagst hast Du noch nicht wirklich mit so einem Menschen zu tun gehabt.

Och Liv 😕 willst du mir jetzt ans Bein pinkeln?

Natürlich kenne ich solche Menschen. Ich bezweifle lediglich, dass diese so auf die Welt gekommen sind.

• #498


PapaEmeritus
@Error

Ich könnte mir heute Abend nach der Arbeit Zeit nehmen, momentan ist es bisl schwierig 😆

Ich bin drauf gekommen, weil mir diese ganzen Erklärungen, alles ist Umwelt, alles ist Erziehung nicht vollkommen plausibel erschien. Und da hab ich nach anderen Erklärungen geschaut.

• x 1 #499


Error
Zitat von PapaEmeritus:
@Error Ich könnte mir heute Abend nach der Arbeit Zeit nehmen, momentan ist es bisl schwierig 😆 Ich bin drauf gekommen, weil mir diese ganzen Erklärungen, alles ist Umwelt, alles ist Erziehung nicht vollkommen plausibel erschien. Und da hab ich nach anderen Erklärungen geschaut.

Musst Du nicht. Aber danke Dir dafür und ich freue mich auf Deine Links. Denn das Thema von echter, genetischer Vererbung von Eigenschaften interessiert mich auch. Allerdings nicht so sehr, dass ich danach googlen mag.

In erster Linie interessiert mich, ob man aufgrund Vererbungen schon als "eingeschränkter, böser oder auch guter Mensch" zur Welt kommt.

• #500


PapaEmeritus
@Error

Ich möchte hier auch niemanden überzeugen, jeder kann sich das erklären, wie er möchte. Ich denke auch nicht in Kategorien wie Gut und Böse. Das funktioniert vielleicht im Film, aber nicht in der Realität. Was ich aber denke ist, dass Menschen einfach unterschiedliche Temperamente, Eigenschaften, Tendenzen usw haben, die zu einem großen Teil genetisch bedingt sind. Und kommen eben bestimmte Tendenzen in einer bestimmten „Mischung“ zusammen, ergibt das eben dann das, was wir als „problematisch“ beschreiben. Wie gesagt, muss mir niemand glauben. Aber bei positiven Zügen akzeptieren wir das ja oft problemlos.

• #501


Error
Zitat von PapaEmeritus:
Und kommen eben bestimmte Tendenzen in einer bestimmten „Mischung“ zusammen, ergibt das eben dann das, was wir als „problematisch“ beschreiben. Wie gesagt, muss mir niemand glauben. Aber bei positiven Zügen akzeptieren wir das ja oft problemlos.

Genau das würde mich sehr interessieren. Daher meine Bitte um Links zu diesen Studien.
Nur wenn einer davon spricht, hilft mir das nicht weiter. Sorry.

• #502


PapaEmeritus
@Error

So, eine der bekanntesten Studien ist zb die „Minnesota Twin Family Study“. Eines der Ergebnisse war zB, dass die Varianz was Intelligenz angeht, zu 70 % genetisch ist.

https://embryo.asu.edu/pages/sources-hu...0-thomas-j

Die „Twin Early Development Study“ von 1994 bis 1996 mit 15000 Zwillingspaaren.

https://www.teds.ac.uk/researchers/

Die „Swedish Adoption/Twin Study on Aging“. Eins der Ergebnisse war zb, dass sich Zwillinge auch dann bis ins hohe Alter sehr ähnlich sind, selbst wenn sie in unterschiedlichen Familien groß wurden.

https://www.maelstrom-research.org/study/satsa

Finnish Twin Cohort Study mit 12000 Zwillingspaaren. Die lieferte Erkenntnisse darüber, wie stark Persönlichkeitsmerkmale (wie zB Extraversion und Neurotizismus), aber auch gesundheitliche Verhaltensweisen (wie die Neigung zu Suchterkrankungen oder Übergewicht) genetisch veranlagt sind.

https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC4493754/

Am interessanten sind aber Meta-Analysen, die einzelne Studien auswerten und zusammenfassen. Die sogenannte Polderman/Posthuma-Analyse gilt heute so als die größte aus ca 2500 Studien aus ca 40 Ländern mit 15 Millionen Zwillingspaaren. Dabei wurden knapp 18000 Merkmale untersucht von körperlichen Merkmalen über Krankheiten zu psychologischen Eigenschaften wie IQ, Persönlichkeit, Suchtverhalten etc. Daraus entstand vereinfacht das 50-50 Gesetz. 50 % Gene, 50 % Umwelt. Es wurde kein einziges menschliches Merkmal gefunden, das eine Erblichkeit von 0 % aufwies. Jede psychologische und physische Eigenschaft wird bis zu einem gewissen Grad von unseren Genen beeinflusst. Bei 69 % aller untersuchten Merkmale folgten die Ähnlichkeiten zwischen den Zwillingen einem einfachen, rein additiven genetischen Muster. Das bedeutet, je mehr Gene zwei Menschen teilen, desto ähnlicher sind sie sich. Und ganz besonders interessant: Die Daten zeigten, dass gemeinsame Erziehungsmethoden, der sozioökonomische Status der Eltern oder das familiäre Umfeld Menschen erstaunlich wenig in ihrer Kernpersönlichkeit angleichen. Wenn Geschwister sich ähneln, liegt das primär an den Genen, nicht daran, dass die Eltern sie gleich erzogen haben. Unterschiede entstehen eher durch die nicht-geteilte Umwelt (individuelle Erlebnisse, eigener Freundeskreis, Krankheiten). Nur mal ein paar Beispiele:
Physische Eigenschaften wie Körpergröße oder Beschaffenheit des Skeletts (wer überprüft sowas 😆) sind ca 80 % genetisch bedingt. Persönlichkeitsmerkmale wie Introversion oder auch sowas wie Neigung zu Tbk rund 50 %.
Psychische Störungen, Intelligenz oder Stoffwechsel 60-70 %.
Und wenn’s um das geht, was wir als Persönlichkeitsstörung bezeichnen:
Sehr hohe genetische Komponente zB bei Narzissmus oder antisozialem Verhalten, 60-80 %.
Borderline-Persönlichkeitsstörung zB 50-70 %.
Als Grund nimmt man an, dass das was wir als Störung bezeichnen, genetisch mit der Grundpersönlichkeit verwoben ist. Die moderne Zwillingsforschung geht eben davon aus, dass Persönlichkeitsstörungen keine völlig isolierten, plötzlich auftretenden Krankheiten sind. Stattdessen stellen sie das äußerste, extreme Ende normaler Persönlichkeitsmerkmale dar (ein dimensionales Modell).

Und ganz spannend finde ich: die Heritabilität nimmt mit dem Alter sogar zu. Mit zunehmendem Alter bricht sich unsere Biologie Bahn, und wir werden immer mehr zu der Person, die in unseren Genen angelegt ist.

• x 2 #503


P
Zitat von PapaEmeritus:
Sehr hohe genetische Komponente zB bei Narzissmus oder antisozialem Verhalten, 60-80 %.
Borderline-Persönlichkeitsstörung zB 50-70 %

Hattest Du oben nicht Gegenteiliges behauptet oder habe ich das falsch verstanden?

• #504


PapaEmeritus
@Error

Und eins noch, und dann hab ich dich erstmal genug zugetextet. Es gibt auch etwas, dass man „niche picking“ nennt. Menschen sind nicht einfach unkontrolliertes Treibgut in einer diffusen Welt, sondern sie erschaffen sich eine Umwelt entlang bestimmter Tendenzen und Persönlichkeitsmerkmale. Ein introvertierter Mensch erschafft sich zb bewusst eine Umwelt, die zu seiner Introversion passt: kleine Freundeskreise, keine Wohngemeinschaften oder ein ständig offenes Haus, bestimmte Berufe, Hobbys etc. Das interessante dabei ist, durch die Wahl dieser Umwelt verstärkt und stabilisiert er seine eigene Introversion über die Jahre hinweg. Seine Gene haben ihn dazu gebracht, diese Umwelt zu wählen, und diese Umwelt sorgt dafür, dass er sich in seiner Haut wohlfühlt und er selbst bleibt.

Dazu kommt dann noch die reaktive Gestaltung: Unsere Persönlichkeit provoziert bestimmte Reaktionen der Umwelt. Ein Mensch, der von Natur aus freundlich und offen ist, erntet von seinen Mitmenschen fast überall Lächeln und Hilfsbereitschaft. Er erschafft sich dadurch eine Umwelt, die ihm das Gefühl gibt, die Welt sei ein sicherer, freundlicher Ort. Ein von Natur aus misstrauischer, aggressiver Mensch hingegen provoziert Abwehr und Kälte – und fühlt sich in seinem Glauben bestätigt, dass alle gegen ihn sind.

Und als drittes die selektive Wahrnehmung.
Zwei Menschen können im exakt selben Raum sitzen und erleben zwei völlig unterschiedliche Welten. Ein extrovertierter Mensch sieht in einer vollen Bar ein Meer aus spannenden Möglichkeiten; ein introvertierter Mensch sieht puren Stress und Reizüberflutung. Wir filtern die Realität durch unsere Persönlichkeit.

@PeterN

Nix gegenteiliges, ich dachte, dass die Zahlen niedriger sind.

• x 1 #505


P
Zitat von Casey:
Schau mal, was neulich rauskam:
"Weltweit größte genetische Studie zu Borderline identifiziert 11 Risikoloci und breite Überschneidungen"
https://www.zi-mannheim.de/institut/new...ungen.html

So, ich habe mir jetzt mal die Studie angeschaut, da steht nichts davon, dass Überbehütung kein Risikofaktor ist.

Aber hier steht was dazu:
https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC13444386/

Zitat:
Fehlangepasste Praktiken – Invalidierung, psychologische Kontrolle und Überbehütung – waren die am häufigsten untersuchten und signifikantesten Risikofaktoren. 29 Studien berichteten über eine elterliche Psychopathologie, die sowohl in Querschnitts- als auch in Prospektivstudien mit höheren BPS-Werten bei Jugendlichen assoziiert war. Kindesmisshandlung und familiäre Dysfunktion wurden ebenfalls als Risikofaktoren identifiziert.

Zu der Qualität der Studien kann ich nichts sagen.
Zumindest scheinen die anderen Studien zu belegen, dass genetische Veranlagungen einen ganz erheblicher Risikofaktor darstellen, wobei damit aber nicht gesagt ist, dass sich Borderline daraus tatsächlich entwickelt. Insofdrn nichts Neues.

Interessant fand ich, was hier steht:
https://www.mdpi.com/2077-0383/15/3/1047

Adoleszenz und frühes Erwachsenenalter (16–25 Jahre) stellen eine entscheidende Entwicklungsphase dar, die durch tiefgreifende biologische, kognitive, affektive und soziale Veränderungen gekennzeichnet ist. In dieser Übergangsphase ist die Anfälligkeit für psychische Störungen am höchsten: Mehr als 60 % aller psychiatrischen Erkrankungen treten vor dem 25. Lebensjahr auf, mit einem Häufigkeitsgipfel um das 14,5. Lebensjahr. Diese Entwicklungsphase ist besonders sensibel aufgrund des Zusammenspiels von frühen Umweltfaktoren (z. B. Trauma, familiäre Dysfunktion) und der fortschreitenden neurobiologischen Reifung.

Moderne neuroentwicklungspsychologische Modelle betonen, dass die Emotionsregulation auf der progressiven und hierarchischen Reifung vernetzter fronto-limbischer Schaltkreise beruht und nicht auf isolierten Hirnregionen.

Während der Adoleszenz und des frühen Erwachsenenalters reifen subkortikale Systeme, die an der emotionalen Reaktivität und der Verarbeitung von Belohnung beteiligt sind, früher, während präfrontale und kortiko-kortikale Netzwerke, die die kognitive Kontrolle, die Emotionsregulation und die Verhaltenshemmung unterstützen, sich langsamer weiterentwickeln. Diese asynchrone, auf Schaltkreisen basierende Reifung führt zu einem vorübergehenden Ungleichgewicht in der funktionellen Konnektivität, das durch eine erhöhte emotionale Reaktivität und eine noch eingeschränkte regulatorische Kontrolle gekennzeichnet ist.


Zur Qualität der Quellen vermag ich nichts zu sagen.

• x 1 #506


PapaEmeritus
Es ist eben sehr wahrscheinlich multifaktoriell, wie so vieles im Menschen. Eine bestimmte Anlage trifft auf eine bestimmte Umwelt, verstärkt sich gegenseitig usw. Gibt’s einfach.

• x 2 #507


A


x 4




Ähnliche Themen

Hits

Antworten

Letzter Beitrag