Hallo Doris, Shannon, Kathi und Nordlicht und alle anderen,
vielen Dank für Eure Antworten zu meinem gestrigen Posting.
Ihr habt alle Recht. Natürlich. Das weiss ich doch auch. Vor allem Du, Kathi. Natürlich wird es endlich Zeit loszulassen - wirklich loszulassen. Ich bin 33 Jahre, habe viele schlimme Erfahrungen in meinem Leben machen müssen. Nichts hat mich jedoch so sehr herausgefordert, mir soviel Kräfte abgefordert wie dieser Trennungsprozess und alles damit direkt oder indirekt verbundene.
Vom Kopf, vom Verstand, aus meinen Erfahrungen kann ich Euch nur beipflichten.
Aber ... und eigentlich sollte hier langsam kein "Aber" mehr folgen: aber mein Herz, das will sich dem Verstand einfach nicht anschliessen. So dumm das klingen mag. Vielleicht seid Ihr alle stärker als ich. Ich weiss es nicht. Nie im Leben hätte ich geglaubt, dass ich selbst einmal so schwach werden würde. Bin ich nämlich nie gewesen. Ich war immer eine starke, selbstbewusste und mit beiden Beinen im Leben und in der Realität stehende Frau. All das scheint verloren und es gestaltet sich sehr mühsam zu dieser Stärke zumindest im Ansatz zurückzufinden.
Ich möchte Euch nun aber den aktuellen Stand der Dinge mitteilen. Während ich heute morgen Eure Antworten zu meinem Beitrag las, klingelte mein Telefon. Ich selbst war schon soweit das gestrige "Tief" überwunden zu haben und hätte ihn heute ganz sicher nicht angerufen. Auch morgen oder übermorgen nicht. Wahrscheinlich gar nicht. Ich weiss es nicht.
In jedem Fall hat er heute morgen angerufen.
Ich weiss nicht, ob es stimmt, aber Tatsache ist, er wollte wissen, warum mein Fax nicht funktioniert. Ob er das wirklich wissen wollte oder dies nur ein Vorwand zur Kontaktaufnahme war, ich weiss es nicht. Ich vermute es jedoch.
Nachdem ich seine Frage beantwortet hatte, fragte ich ihn, wann er seine restlichen Sachen hier abholt. Er meinte dann, ich solle einen Tag vorschlagen. Dann fragte er, ob es bei Januar bleibt was meinen Auszug aus dieser - unserer ehemals gemeinsamen Wohnung, die er noch zur Hälfte mitzahlt - bleiben wird.
Und da ist das passiert, was vielleicht schon längst überfällig war. Ich bin im wahrsten Sinne des Wortes geplatzt. Zunächst habe ich ihn nur gefragt, ob er sich eigentlich für einen Moment mal vorstellen könnte, dass ich z.Zt. echt andere Sorgen als diese habe. Ich habe ihm gar keine Gelegenheit gegeben darauf zu antworten. Habe ihm all das an den Kopf geworfen, was er mir in den letzten Monaten nach der Trennung an Verletzungen und DEmütigungen angetan hat.
Plötzlich wurde er "butterweich". Er meinte, dass er sich eigentlich mit mir hat treffen wollen und ein bisschen mit mir reden wollen. Dass er endlich nach langer Zeit etwas mehr Durchblick hat im Bezug auf seine eigenen Gefühle. Dass er jede Nacht wachliegt, an mich denkt, dass er während der letzten 3 Wochen täglich an mich gedacht hat, auch mehrere Male vorhatte, sich zu melden, aber meinen Wunsch nach Ruhe und Abstand respektieren wollte, dass er wüsste, wie weh er mir getan hat, dass er wüsste, wie sehr ich enttäuscht bin, dass er zum ersten Mal seit der Trennung wieder klar denken kann, dass er mich liebt, dass er mich immer geliebt hat, dass er glaubt, nie wieder die gleichen Gefühle für einen anderen Menschen haben zu können, dass er mich doch einfach immer nur um Zeit gebeten habe. Dass er jetzt, wo er die mal ein bisschen hatte, auch zum ersten Mal mehr über seine Gefühle sagen könnte. Dass er sich wünscht, dass wir eine gemeinsame Zukunft haben, dass es ihm weh tut, dass wir nicht mehr zusammen sind. Mindestens genauso weh tut, wie mir selbst.
Ich habe alles abgeblockt. Habe ihm gesagt, dass es kein Zurück mehr gibt, dass ich ihm keine Freundschaft geben kann, solange ich noch viel zu viele andere Gefühle für ihn habe. Dass ich - um mich selbst zu schützen - ihn auch nicht treffen kann.
Vielleicht war das Fehler. Ich weiss es nicht. Vielleicht möchte er ja tatsächlich zurück und ich habe ihm damit den Weg verbaut.
Aber ich habe einfach Angst, dass sobald ich ihn wieder ein paar Schritte auf mich zumachen lasse, dass er sich wieder zurückzieht, sobald ich ihm auch entgegen komme. Versteht Ihr ?
Und trotzdem, ich hatte das ganz starke Gefühl, er wünscht sich nichts mehr, als dass wir noch einmal eine gemeinsame Chance hätte.
Aber ich weiss es eben nicht. Und ich konnte auch nicht fragen, weil ich ihn sonst sofort hätte herkommen lassen, wenn er das bejaht hätte. Und damit hätte ich mich schon wieder in eine Hoffnung begeben, von der ich nicht weiss, ob sie berechtigt ist.
Was sagt Ihr dazu ?
Ich bin gerade total konfus, weil ich nicht weiss, ob ich nicht vielleicht einen Fehler begangen habe, indem ich ihm sehr deutlich gesagt habe, dass ich ihm nicht wieder vertrauen könnte, weil ich immer Angst hätte, bei der nächsten Schwierigkeit würde er sich als erstes mal wieder trennen. Versteht Ihr ?
Liebe und konfuse Grüsse
Jacki