Hallo Lara!
Vielen Dank, ich hatte gestern einen schönen Tag wegen dir

Der Satz "Freu mich schon auf deine Antwort bis bald ...", sowas nettes hat lange keiner mehr zu mir gesagt - ähm geschrieben.
Jetzt aber zum Thema zurück.
Ich würde dir gerne mal ein bißchen zu dem Thema Midlifcrisis, das du ja als Titel für dieses Forum gewählt hast, aus der männlichen Sicht schildern.
Die Midlifecrisis ein männlicher Begriff für die sog. Wechseljahre der Frauen, gemeint ist aber im Grunde genommen genau das gleiche. Es ist die Zeit der Neuorientierung und auch die Hormone (Männer haben auch solche

können durchaus zu Verwirrungen führen. Mann kann nicht mehr so, wie er will. Und dann fängt Mann an zu fragen, woran das liegt - was ist blos los mit mir? Das Sebstwertgefühl bekommt einen mächtigen Knacks. Dummer Weise ergibt sich jetzt ein Teufelkreislauf in der Beziehung: Mann kann nicht mehr wie die Frau es wünscht oder gewohnt ist, Frau ist enttäscht. Mann muß sich jetzt noch zusätzlich Sorgen um Frau machen obwohl er mit sich selber gerade nicht klarkommt. Das schwächt Mann noch mehr. Frau wird noch unzufriedener und so weiter und so weiter - bis einer von beiden aufgibt und austeigt aus diesem Teufelskreislauf.
Der ganze Vorgang ist durchaus Entwicklungsbiologisch begründet. In der Gesellschaft wird diese Midlifecrisis aber noch nicht mit dem Stellenwert anerkannt, den sie - zumindest für einen Mann - hat. Deshalb fehlt hier oft das Verständnis - auch seintens der Partnerin. Die Midlifecrisis wird gerne als "autoben" oder die "Freiheit haben wollen" abgetan. In Wirklichkeit ist das für einen Mann eine schwere Lebenskrise. Schlußendlich wird auch der rationale Teil des Gehirns in Mitleidenschaft gezogen und die Emotionen gewinnen die Oberhand.
Irgenwo kommt der Punkt, wo man sich als Mann nur noch in der Pflicht sieht:
- die Frau / das Kind will Zuwendung
- die Frau / das Kind will Zeit
- die Frau / das Kind will Geld
- die Frau / das Kind will (gemeinsame) Aktivitäten
und man fragt sich, wie soll ich das blos alles schaffen. Wann soll ich mich ausruhen, zur Besinnung kommen und meinen Lebensrhytmus an meine geänderte persönliche Situation anpassen. Und das ganze natürlich so, daß es für Frau / Kind keinerlei Beeinträchtigungen gibt. Und ein schlechtes Gewissen Frau / Kind gegenüber will man ja auch nicht haben. Irgendann heißt es dann: ich kann nicht mehr. Bei mir wurde es dann eine 6-wöchige "Burnout-Kur". Ich war nur noch müde, ich konnte mich überhaupt nicht mehr konzentrieren, ich hatte an nichts mehr Freude (depressiv) und überhaupt - alles war schei. ;-( Meine Hausärztin sagte dann wörtlich: ich glaube, sie müssen mal raus, weg von der Arbeit und weg von der Familie. Wie recht sie hatte.
Vielleicht hilft die diese Schilderung, die Reaktion deines Mannes in einem anderen Licht sehen.
Es muß keine böse oder willkürlich Absicht unterstellt werden. Es passiert einfach so, keiner merkts und alle fragen sich hinterher verwundert: wie konnte das geschehen?!
So richtig kapiert habe ich das auch alles noch nicht. Werde ich vielleicht auch nicht, aber du siehst - ich arbeite daran. Das Leben geht weiter und ich habe ja immer noch mich selber

Jetzt muß ich mich eben eine Weile um mich selber kümmern, schließlich hab ich mich doch lieb

Vielleicht noch ein paar Sätze zu der Fairness, die du ansprachst (ähm anschriebst).
In Tat war die Fairness im weitesten Sinne auch bei mir der Grund dafür, daß ich mich endgültig getrennt habe. Gerade die letzte Zeit haben wir sehr wohl über mich / uns und meine / unsere Probleme gesprochen. Das Ende vom Lied war, daß meine Frau eine Paartherapie nicht wollte. Sie meinte, dass ja ich eigentlich ein Problem hätte und deshalb solle auch ich zuerst eine Therapie machen. Zu diesem Zeitpunkt war sie aber bereits anderweitig intensiv aktiv - wenn du verstehst was ich meine

Alles klar?
So, jetzt komm ich aber mal zum Ende.
Es hat mich sehr gefreut, daß du geantwortet hast. Das Gefühl, das sich da jemand für einen interessiert war sehr schön. Ich könnte mir gut vorstellen, das fortzusetzen ... In diesem Sinne harre ich jetzt mal der Dinge, die da so kommen werden ...
Gruß, lonesome
P.S.:
Ich habe erst im nachhinein gesehen, das es in diesem Forum noch einen "lonesome" gibt. Ich bin der mit dem kleinen "l" vorne. Der andere hat vorne ein grosses "L".