Hendo
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nachdem ich wie so viele andere hier auch ein stiller Mitleser bin, habe ich mich endlich dazu durchgerungen, auch mal meine Geschichte zu erzählen. Einige hier werden mich bestimmt als (Möchtegern-) Warmwechsler bezeichnen
Ich bin 41 und seit 10 Jahren mit meiner Frau zusammen, seit fast 4 Jahren verheiratet. Wir haben zwei Kinder, 4 und 1. Seit einigen Jahren schon bin ich sehr unglücklich in meiner Beziehung, aber dieser Zustand hat sich mit der Geburt unserer Kinder noch weiter verschlimmert, ja sogar verselbstständigt. Es war schon immer sehr schwierig mit ihr, sie hat ihr Leben lang mit Depressionen und Essstörungen zu tun. Und sie hat auch schon sehr früh in unserer Beziehung angefangen, extrem zu klammern. Ein Beispiel: Als wir erst zwei oder drei Monate zusammen waren, habe ich auf einer kleinen Party bei Freunden durchklingen lassen, dass ich kommendes Wochenende mit einem Kumpel zum Fahrradfahren weg bin. Das Ergebnis: Drei ihrer Freundinnen müssten sie trösten und beruhigen und ich habe fassungslos meine Verabredung mit meinem Kumpel abgesagt.
Unser 6-Leben ist schon nach kurzer Beziehung quasi zum Stillstand gekommen, vielleicht ein paar Mal im Jahr. Ich habe quasi seit 9 Jahren kaum mehr ein Liebesleben. Das ging von uns beiden aus und hat sich irgendwie verselbstständigt. Ich habe Lust auf andere Frauen, bin aber immer treu gewesen.
Und so ging es immer weiter über die Jahre, trotzdem habe ich sie geliebt. Ich habe immer weniger mit meinen Freunden gemacht. Eigentlich bin ich ein sehr geselliger Typ, aber das ist alles nicht mehr. Nun ja, es sei denn, ich bin alleine unterwegs. Auch wenn wir Freunde zu Besuch haben, bin ich in ihrer Gegenwart irgendwie gehemmt. Das fällt auch den Freunden auf.
Sie hat auch nie groß was anderes in ihrer Freizeit gemacht. Sie hat nicht viele Freunde und quasi keine Hobbies. Hängt immer nur auf der Couch und macht nichts. Gut, mit Kindern geht es natürlich oft nicht anders, aber das war auch schon vorher so. Seit zwei Jahren bin ich einfach nur noch froh, wenn Sie abends endlich ins Bett geht und ich das Wohnzimmer für mich habe. Seit der Geburt unseres Jüngsten schlafe ich auch im Wohnzimmer und habe keine Ambitionen, irgendwann ins Schlafzimmer zurückzukommen. Ich finde meine Frau auch schon lange nicht mehr körperlich attraktiv.
Ich konnte mich nie von ihr lösen, ich weiß nicht warum, aber wahrscheinlich war ich einfach zu feige. Jetzt haben wir ja auch Kinder, ich hab vielleicht gedacht, dann wird alles besser, aber das ist es nicht. Ich weiß, es ist schrecklich von mir, aber ich habe mich zu allem mitschleifen lassen. Ich liebe meine Kinder aber sehr. Trotzdem träume ich davon, wie schön es wäre, einfach alleine zu wohnen.
Vor vier Monaten habe ich mich dann in meine Arbeitskollegin verliebt. Sie war etwa schon ein Dreivierteljahr in der Firma, aber wir haben erst seit Anfang des Jahres dienstlich mehr miteinander zu tun gehabt. Und wie sollte es anders sein: Sie verkörpert all das, was mir bei meiner Frau fehlt. Da kamen natürlich die Hormone in Wallung. Es fing ganz harmlos an, mit ein paar unverbindlichen WhatsApps. Dann ist sie zwei Wochen nach Thailand in den Urlaub gefahren, mit ihrem Freund, mit dem sie seit 13 Jahren in einer Fernbeziehung zusammen ist, ohne Kinder.
Und während dieser Zeit haben wir täglich geschrieben, den ganzen Tag. Wir haben uns immer mehr erzählt, immer weiter. Als sie dann aus dem Urlaub wieder da war, stand ein ganz anderer Mensch vor mir, jemand den ich viel viel besser kannte, als vor dem Urlaub. Und dann ging es auch ganz langsam mit dem Kennenlernen auf der körperlichen Ebene los. Wir hatten eine wundervolle Zeit mit vielen tollen Gesprächen, haben viel gelacht und viel geschmust. Mehr nicht. Und JEDEN Tag bis tief in die Nacht geschrieben.
Bis zur Eskalation Anfang Mai. Ich war mit Kollegen Fußball gucken und danach habe ich mich noch mit ihr getroffen. Und so kam es, dass wir unserer erste Nacht zusammen verbracht haben. Ich habe sowas vorher noch nie gemacht, aber ich habe meiner Frau geschrieben, dass ich zu betrunken bin, um nach Hause zu kommen und das Handy dann ausgemacht. Sehr asozial, ich weiß.
Aber es war eine magische Nacht. So toll habe ich mich seit vielen Jahren nicht mehr gefühlt. Auch am nächsten Morgen war eine so schöne Vertrautheit zwischen uns. Dennoch habe ich es am nächsten Tag meiner Frau gestanden (auf ihre Nachfrage hin) und meine Affäre hat es ihrem Freund gestanden. Meine Frau wollte von mir sofortigen Kontaktabbruch mit ihr. Ich habe es nicht gemacht.
Da meine Affäre eh gekündigt hatte (vollkommen unabhängig von mir), und in der folgenden Woche ihren letzten Arbeitstag hatte, haben wir uns darauf geeinigt um die Situation nicht noch weiter eskalieren zu lassen dann doch den Kontakt an ihrem letzten Tag abzubrechen. Aber nur für ein halbes Jahr, in dem jeder für sich gucken sollte, wie sehr wir hormongesteuert waren und ob es eine Zukunft für uns gibt. Also einen Treffpunkt ausmachen ein halbes Jahr in der Zukunft und wenn beide kommen, dann wüssten wir, woran wir sind. Die letzten Tage hatten wir noch gehörig ausgenutzt. Beim Abschied gab es dann Geschenke und Tränen.
5 Tage haben wir es geschafft. Dann haben wir eine Nacht lang geschrieben und das Kontaktembargo wieder erneuert. Insgesamt drei oder viermal. Immer mit Es ist so schlimm ohne Dich, ich denke immer nur an Dich, von beiden Seiten.
Inzwischen war die Situation zu Hause eskaliert. Ich hatte meiner Frau gesagt, dass ich sie nicht mehr liebe. Sie schmiss mich dann raus. So habe ich einen Monat bei Freunden übernachtet. In dieser Zeit habe ich meine Affäre einmal für zwanzig Minuten gesehen. Wir hatten uns spontan um Mitternacht vor ihrer Wohnung getroffen. Zwanzig Minuten nur umarmt. Das war der Himmel auf Erden, wieder mit ihr vereint zu sein. Danach Kontakt on/off.
Seit drei Wochen wohne ich wieder zu Hause, ich wollte meiner Frau und meiner Familie nochmal eine Chance geben, inklusive Psychotherapie für mich und Paarberatung für uns. Aber ich liebe sie einfach nicht mehr, ich kann nicht mehr, obwohl es mir trotzdem das Herz bricht, vielleicht meine Familie zu verlassen. Also auch ohne die Affäre.
Seit einer Woche auch wieder Kontakt mit der Affäre. Ich schreibe ihr nachts "Ich will Dich". Sie schreibt mir morgens "Ich dich auch". Dann drei Tage später, bin ich wieder Fußball gucken im Pub. Vorher mit ihr geplaudert, "Kollege X ist auch da, ich freue mich auf das Spiel etc". Und dann ist sie auf einmal auch da. Mein Herz hat einen Riesensprung gemacht.
Wieder eine Nacht mit ihr verbracht, wieder der absolute Traum. Ich habe zu Hause nichts gesagt, sie hat es erneut ihrem Freund gestanden. Der hat sie jetzt vor die Wahl gestellt: "Entweder der oder ich". Tja, dann fiel die Wahl doch wohl doch auf ihn. Das ist jetzt drei Tage her. Morgen Abend sehen wir uns nochmal zum Reden, aber das wird es dann wohl gewesen sein. Ich bin so krass verliebt in sie. Aber sie leidet auch gerade extremst, kann es ihrem Freund aber nicht antun.
Meine Güte, geht es mir mies.