Neustart oder zu kompliziert?

lucrezia

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Hallo Forum.

Ich bin wieder hier. Kurz meine Vorgeschichte: Mein Partner und ich wollten heiraten und kurz davor kam heraus, dass er sich auf ein Techtelmechtel mit einer älteren Frau eingelassen hat, mit der ich dienstlich zu tun habe (bis heute) und die in unserem Wohnort tätig ist. Zudem pflegte er ero. Mailkontakte zu anderen Frauen, auch während meiner Schwangerschaft, die in einer Fehlgeburt endete. Es gab noch viele andere Sachen, die mich dazu bewogen haben, die Beziehung zu beenden, die Hochzeit abzusagen und auszuziehen.

Nun war geraume Zeit Funkstille. Ich ging freiwillig in eine Psychoklinik, weil ich mit den vielen Belastungen nicht mehr klar kam und alles über mir zusammenstürzte. Die Klinik tat mir sehr gut. Ich kam zur Ruhe, ordnete meine Gedanken und fasste neues Vertrauen in mich; zum Ex gab es keinen Kontakt. Ich muss einräumen, dass die Liebe zu ihm trotz allem, was vorgefallen war, nicht aufgehört hatte.
Geade in dem Moment, in dem ich anfing, wieder neue Pläne zu schmieden und mein Leben neu zu ordnen, kam spät abends eine SMS von ihm. Er liebe mich immer noch und bat darum, mir schreiben zu dürfen.
Und ja: Ich bin schwach geworden. Die Gefühle für diesen Mann sind einfach unbeschreiblich.

Wir haben nun seit zwei Wochen wieder Kontakt. Mailen und simsen, telefonieren und gehen auch miteinander aus.
Wenn wir uns sehen und sprechen, fühlen wir uns beide gut.

Er ist inzwischen in Therapie, um zu ergründen, warum er sich immer wieder auf ero. Reize von außen einlässt, obwohl er in unserer Beziehung sehr glücklich war (was ich ihm auch wirklich immer abgenommen habe, deshalb trafen mich seine "Aktivitäten" umso schwerer). Er hat also einen Therapeuten, was ich sehr gut finde.

Aber jetzt wird alles kompliziert. Der Therapeut findet es wohl nicht gut, dass wir an einem Neuanfang basteln. Eine Paartherapie findet er nicht gut. Erst müsste jeder von uns beiden seine eigenen Probleme auf die Reihe kriegen. Wir sollen uns nicht auf ero. Ebene näher kommen. Und den Kontakt einschränken.

Ich habe nie selbst mit dem Therapeut Kontakt gehabt. Aber die Vorgehensweise finde ich schon sehr befremdend. Ich hätte gerne mal ein gemeinsames Gespräch, weil ich viele Fragen zu dem geplanten Neuanfang habe. Aber anscheinend lehnt er das ab und sagte erst zu meinem Noch-Ex, dass er einen Neuanfang überhaupt nicht gut findet. Beim nächsten Termin gab er die Anweisungen für die Vorgehensweise unserer Wiederannäherung, was zur Folge hatte, dass mein Noch-Ex unser Treffen abgesagt hat.

Unsere Anziehung zueinander ist immer noch sehr groß und wir fühlen uns miteinander wohl. Ich würde gerne mit professioneller Hilfe an einer Beziehungsbasis bauen, mein Noch-Ex auch. Er betont auch immer wieder, dass er sich nur deshalb derzeit so verhält, weil er den Beziehungsstart ichtig machen will. Er will künftig Fehler vermeiden. Das finde ich auch sehr löblich.

Aber ich fühle mich dennoch sehr im Stich gelassen. Ich stehe da, mit 1000 Fragen, bin der Meinung, dass wir therapeutische Hilfe bräuchten - und kriege nichts. Seit ich aus der Klinik wieder draußen bin, habe ich selbst noch keinen ambulanten Therapeuten gefunden. Es ist sehr schwer, einen Platz zu finden.

Wie schätzt Ihr denn die ganze Situation ein? Ich fühle mich gerade sehr kompliziert. Und dabei ging es mir in der Klinik sehr gut und ich sah endlich wieder ein Licht am Horizont.

Traurige Grüße.

Lu

01.09.2011 10:46 • #1


lucrezia


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Seit heute morgen trage ich den Gedanken in mir, den Kontakt zu meinem Noch-Ex wieder abzubrechen. Ich würde gerne der Beziehung eine Chance einräumen, aber ich finde die Vorgehensweise seltsam. Vielleicht sollten wir den Kontakt für ein halbes Jahr konsequent kappen und danach sehen, wie es uns ohneeinander ergangen ist.
Ich bin heute morgen so weit gegangen, dass ich mich auf eine Stelle in einer anderen Stadt beworben habe.

01.09.2011 10:50 • #2


alexander


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Hallo lucrezia. Eine echt schwere Situation. Aber vielleicht hat der Therapeut deines Ex-Verlobten doch vorläufig recht. Dein Freund befindet sich zurzeit noch in therapeutischer Behandlung, wie ich verstanden habe. Vielleicht merkt der Therapeut, dass dein Ex sich zwar bessert, aber immer noch anfällig für ero. Reize von außen ist und eine Neuanfang der Beziehung daher noch wenig Sinn macht und zu früh wäre. Vielleicht müssen die Therapie noch endgültig fruchten und die alten Probleme gelöst werden, damit dein Freund den Versuchungen widerstehen kann und ihr einen glücklicheren Neuanfang wagen könnt. Ein Neuanfang wäre doch eventuell überstürzt, da ihr euch immer noch in therapeutischer Behandlung aufhaltet und euch gerade durch das Gefühlschaos nach vorne arbeitet.

01.09.2011 11:50 • #3


lucrezia


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Hallo Alexander.

Danke für Deine Ausführungen. Ich könnte ja alles nachvollziehen, wenn man mal direkt mit mir sprechen würde. Aber ich erfahre immer alles nur über meinen Expartner. Gäbe es ein Gespräch zu dritt, in dem ich die Zusammenhänge erfahren könnte, wäre das alles einfacher für mich.

Aber derzeit ist es so, dass mich mein Ex mit Liebesschwüren überschüttet, mir wieder einen Heiratsantrag gemacht hat - gleichzeitig sagt er mir aber, dass sein Therapeut gegen einen Neustart ist und wenn, dann nur auf Distanz und ohne S..

Mir sind die Extreme zu stark. Auf der einen Seite Vollgas - auf der anderen Seite eine Vollbremsung.

Ich bin der Meinung, dass uns sehr geholfen wäre, wenn wir als Paar auch Hilfe kriegen könnten, aber das lehnt sein Thera ab.

LG, Lu

01.09.2011 12:02 • #4


alexander


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Therapeuten scheinen sehr eigen zu sein. Ich würde dir aber auch raten, dich nicht gleich wieder in die Beziehung zu stürzen. Eure Gefühle für einander sind zwar sehr stark, aber das Verhältnis wurde doch zerrüttet, das solltest du auch irgendwie nicht vergessen. Ich würde mich an deiner Stelle ganz langsam an deinen Expartner annähern. Ich würde ehrlich gesagt auch eine Paartherapie sinnvoll finden, aber das musst du wohl mit deinem Partner und seinem Therapeuten ausmachen. Kannst du nicht einfach mal zu einer Sitzung mit ihm mitgehen? Ich kenne mich da nicht aus.

01.09.2011 12:07 • #5


lucrezia


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Hallo Alexander.

Die Paartherapie wird vom Therapeuten abgelehnt. Und auch dass ich mitgehe lehnt er ab. Also, der Therapeut lehnt das ab, nicht mein Ex.

Deine Gedanken kann ich gut nachvollziehen - nicht umsonst habe ich ja heute eine Bewerbung in eine andere Stadt verschickt, obwohl ich hier ja alles habe und gar nicht weg müsste.
Aber vielleicht hilft eine räumliche Distanz, die Beziehung zu überwinden.

Ich will nur noch mal betonen, dass nicht ich Kontakt zum Ex aufgenommen habe (ich war sehr stark, habe seine Nummern gelöscht usw), sonder er mich kontaktierte. Das alles hat er seinem Therapeuten vorher allerdings nicht gesagt. Jetzt hat er mich kontaktiert, mein Seelenleben wieder durcheinander gebracht - und jetzt macht der Therapeut anscheinend einen Strich durch die Rechnung. Geht es wieder so weiter, wie es aufgehört hat? Alle haben unsere Beziehung bestimmt - nur wir selbst nicht. In manchen Momenten denke ich, all das macht keinen Sinn. Ich sollte lieber schauen, dass ich wieder auf die Beine komme.

01.09.2011 12:14 • #6


alexander


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Naja letztendlich müsst ihr das ja selbst entscheiden, ob ihr die Beziehung wollt und nicht der Therapeut.

Würdest du denn eine Fernbeziehung führen wollen, falls das in der anderen Stadt mit dem Job klappt, oder möchtest du endgültig mit deinem Ex dann abschließen?

01.09.2011 12:23 • #7


lucrezia


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Hallo Alex.

Ich würde dann komplett abschließen wollen, weil mich dieses Hin und Her nur mürbe macht. Ich wohne jetzt gerade in einer Interimslösung, weil mein Auszug ja noch nicht so lange her ist. Ich muss jetzt irgendwie wieder Perspektiven haben. Und wenn ich diese nicht mal in Form einer Paartherapie bekomme, über die ich aktiv an der Beziehung mit arbeiten kann, dann frage ich mich schon, was das alles überhaupt soll. Wir gehen beide auf die 40 zu und jeder Hinz und Kunz scheint in diese Beziehung mitreinquatschen zu können: Der Therapeut, seine Familie, seine Kumpels. Ich weiß ja, dass mein Ex das Problem hat, dass er keine Grenzen setzen kann (deshalb passieren ihm ja die Flirtereien - wenn er angebaggert wird, kann er nicht Stopp sagen). Ich bin ja bereit, mit ihm daran zu arbeiten. Aber irgendwie kriege ich dafür wohl derzeit so gar keine Chance. Und jetzt stehe ich an dem Punkt, an dem ich mich frage, ob ich das durchhalten muss/soll oder ob ich nicht aussteige, ehe es wieder anfängt, weh zu tun. Ich will eine Beziehung mit ihm - ja. Aber die Umsetzung...kostet mich schon wieder so wahnsinnig viel Kraft und vor allem habe ich das Gefühl, dass über mich bestimmt wird, in Form des Therapeuten, der sich nicht mal die Mühe macht, meine Meinung und meine Empfindungen zu hören.

Ratlose Grüße.

Lu

01.09.2011 12:37 • #8


alexander


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Hey Lu, setze deinem Ex-Verlobten doch ein Ultimatum, damit er endlich eine Entscheidung trifft.Wie ich das merke, hängt es von dir ab, ob ihr die Beziehung wiederbelebt oder nicht. Viel hast du ja gerade nicht zu verlieren, wenn du soweit gefestigt aus der Therapie kommst. Wenn dein Ex nicht mitziehen kann/ will, dann musst du wohl endgültig abschließen. Und schließlich gehört man mit 30+ noch nicht zum alten Eisen

01.09.2011 12:47 • #9


lucrezia


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Hm, ich scheue mich gerade davor, wieder die Verantwortung für die Trennung zu übernehmen. Wenn ich sage: "Entweder oder", dann kenne ich seine Antwort: "Dann halt nicht". Er ist in seinem Ort gesellschaftlich sehr gebunden, soll in 1,5 Jahren ein wichtiges Amt übernehmen. Er würde niemals mit mir wegziehen, obwohl auch er weiß, dass es das Beste für uns alle wäre, irgendwo ganz frisch anzufangen, ohne die Kommentare von Hinz und Kunz.

Ich weiß nicht, wie lange es noch dauert, bis ich kapiere, dass er einfach nicht DER stabile Mensch ist, den ich selbst brauche, um stabil zu bleiben. Ich habe zwar selbst viel Stärke und Kraft, aber ich kann nicht immer nur geben. Es wäre einfach an der Zeit, dass ich mal was zurück bekomme. Gestern abend waren wir gemeinsam unterwegs (entgegen der Anraten seines Therapeuten) und im Laufe des Abends sagte ich ihm, dass ich irgendwie erwarte, dass er etwas sagt, was unsere Situation weiter bringt. (War ganz schön doof, weiß ich im Nachhinein, aber ich bin auch nur ein Mensch). Seine Antwort: "Siehst Du, das ist genau das, was mein Therapeut sagt: Du machst schon wieder Druck."

Ich weiß derzeit gar nicht mehr, was ich denken, sagen, fühlen und tun soll. Alles scheint mir zu viel, zu falsch. Ich bin auch nur ein Mensch und mit der Situation derzeit überfordert und ziemlich allein gelassen. Deshalb mein Gedanke, mich wieder zurück zu ziehen und wirklich die räumliche Distanz zu suchen, um endlich zur Ruhe zu kommen.

Ist das nachvollziehbar?

01.09.2011 13:04 • #10


alexander


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Ja das ist nachvollziehbar. Willst du denn jetzt unbedingt eine sofortige Entscheidung? Kannst du es nicht ein bisschen schleifen lassen, dich ganz ungebunden mit ihm treffen und der Sache Zeit zum entwickeln geben? Zeit heilt ja alle Wunden, vllt braucht eure Beziehung einfach nur wieder viel Zeit um wieder zu erblühen?

01.09.2011 13:12 • #11


lucrezia


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Noch ein Zusatz:

Von meinem Ex kommt ziemlich viel amouröser Input in Form von Liebesschwüren, Heiratsantrag usw. Vor wenigen Tagen sagte er, dass er es sich vorstellen kann, überall mit mir zu wohnen und dass wir endlich einen richtigen Neustart vornehmen sollen. Darauf vertraue ich - und kurz darauf ist alles wieder hinfällig: "Ich kann nicht auf die Schnelle meine Wohnung aufgeben". Ich erwarte nichts auf die Schnelle. Aber wie soll es denn weitergehen? Gestern abend sagte er: "Ich gebe Dir eine Aufgabe: Du suchst nach einem Haus für uns. Egal wo" Er würde das gerne mit mir machen, das weiß ich. Aber er hat Angst vor der Umsetzung. Er hat Angst vor der Reaktion anderer Leute.
Ich stehe derzeit einfach wahnsinnig unter Druck: Ich habe eine ätzende Übergangswohnlösung (bei meiner Mutter im Gästezimmer, mit meinem kleinen Kind). Aber wie soll es jetzt weitergehen? Er schickt mir SMSse mit dem Inhalt: "Bald sind wir wieder eine richtige Familie" - aber wie soll die Umsetzung aussehen? Paartherapie wird vom Therapeuten abgelehnt, mit meinen Gedanken und Gefühlen bin ich allein, gleichzeitig macht man mir Hoffnung, dass wir zusammen die Kurve kriegen, die amourösen Gefühle stimmen und ich will ja mit ihm etwas ändern und erreichen. Aber mir kommt es gerade so vor, dass es völlig wurscht ist, wie es mir überhaupt geht - und dafür habe ich keine Kraft mehr.

01.09.2011 13:15 • #12


lucrezia


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Ich würde ja gerne ungebunden sein, habe mich die letzten Wochen auch ziemlich aufgerappelt, mein Sportprogramm aufgelegt, neue Freundschaften geknüpft, meinen Freundeskreis wieder gepflegt, ich bin regelmäßig verabredet, mein Job läuft wieder gut. Ich habe mich einer losen Frauengruppe angeschlossen, die sich immer Donnerstags in einer gemütlichen Kneipe zum Frauenstammtisch trifft. Da ist absolut nichts dabei und hat auch nichts mit Flirten zu tun. Aber meinem Ex ist das schon ein Dorn im Auge: Er hat Angst, dass er mich verliert, weil ich abends ab und an weggehe. Er sagt, es wäre wichtig für jeden von uns, dass wir nichts unternehmen, was die Beziehung gefährden könnte. Nun ja - wer macht mit anderen rum, wenn er unterwegs ist...ich oder er? Er, nicht ich. Aber ich will ihm ja nicht immer die ollen Kamellen vorsetzen. Aber warum soll ich jetzt auf meine neuen Kontakte verzichten, bei herrlichem Biergartenwetter zuhause sitzen und Trübsal *beep*, nur weil sein Therapeut verbietet, dass er und ich uns treffen?

Ich kapiere die ganze Logik nicht mehr. Und ich habe das Gefühl, wieder mal mehr zu geben als zu bekommen.

01.09.2011 13:21 • #13


alexander


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Na wenn er schon so kommt, dann suche ein Haus auswärts und konfrontiere ihn mit der Tatsache, dass es dir da gefällt und dass du da hinwillst. Will er ja eigentlich auch. Sei die treibende Kraft, ziehe ihn aus seinem Trott, Entscheidungen aus dem Weg zu gehen. Die Frage ist nur, ob du stark genug bist, du hast ja schon extrem viel durchgemacht. Das mit der Übergangslösung bei deiner Mutter ist wirklich nicht so optimal, hast du keine Gelegenheit dir was auf Zeit zu mieten und bei deiner Mutter auszuziehen?

01.09.2011 13:28 • #14


alexander


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Zitat:
Er sagt, es wäre wichtig für jeden von uns, dass wir nichts unternehmen, was die Beziehung gefährden könnte.


Du machst ja nichts in die Richtung, mach ihm das einfach klar. Jeder braucht seinen Freiraum, dass muss er einsehen. Kontrollsucht ist jetzt für euch wohl das Falsche

01.09.2011 13:31 • #15




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