dionysos
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Ich versuche, möglichst kurz und prägnant einen sehr komplexen Sachverhalt zu schildern.
Ich komme aus einer 28jährigen Beziehung, meine neue Freundin aus einer 23jährigen Beziehung.
Wir lernten uns Anfang 2020 nach Kontakt über einem Dating-Portal kennen, Ziel war es bei beiden dezidiert NICHT, eine Beziehung anzufangen.
Ihr Beweggrund sich im Portal anzumelden, war ähnlich wie meiner, dass die Ehen durch psychische Probleme und Suchtverhalten der jeweiligen Partner kaputt waren und man "Abwechslung" abseits der Ehe suchte. Also eher ein niederträchtiger Grund gegenüber den Partnern.
Es kam, wie es kommen musste, bereits beim zweiten Treffen verliebte sich meine Freundin in mich, mir schmeichelte das sehr. Sie ist gebildet, Business-Lady-like, selbstbewusst, humorvoll, wir hatten die die selben Interessen, extrem viele Parallelen (auch der Werdegang mit den Partnern, Alk., Psychopharmaka etc.).
Wir schwebten gemeinsam zeitweise auf Wolke 7, riomantisch, verliebt, unglaubliche Emotionen.
Wir trafen uns anfangs nur zum spazieren gehen, wandern oder im Auto, stundenlanges Reden und schmusen, irgendwann das erste Mal Sex im Hotel.
Während mich immer wieder das schlechte Gewissen meiner Frau gegenüber einholte, da auch meiner Freundin gegenüber nie einen Hehl daraus machte und sogar 2x halbherzig versuchte, Schluss zu machen, um meine Ehe zu retten, schien sie relativ stark mit dem Sachverhalt umzugehen.
Meine Frau war im Laufe des ersten Halbjahres mehrmals in einer Klinik (Depressionen / Alk.), viele Alk., die mir immer wieder zeigten, dass es so nicht weiter gehen kann in meiner Beziehung.
Ich probierte es schon so lange, habe ihr immer wieder mit Scheidung gedroht, habe sie gemahnt endlich einen Entzug zu machen, aber sie gestand sich ihre Sucht nicht ein und mir war das ganze Ausmaß wohl auch nicht bewusst, aber eine "funktionierende, glücklich Beziehung" war das schon seit längerem nicht mehr, ich hatte rückblickend damals eine sogenannte "Co-Abhängigkeit" entwickelt.
Ganz ähnlich bei meiner Freundin, deren Mann schwere psychische Probleme hat, Tabletten nimmt, ebenfalls sehr viel Alk. konsumiert, sich aber einer Therapie verweigert. Es kam in der Ehe wohl sehr oft zu schweren Streitereien, die auch der gemeinsame Sohn (Teenager) mitbekam.
Wenn wir uns trafen, flüchteten wir uns in eine romantische Traumwelt, es war einfach nur herrlich und wir fühlten uns so "ruhig" wenn wir uns hatten.
Anfang August stellte sie mir dann ihren Sohn vor, er mochte mich von Anfang an, auch ihre Eltern, Teile der Familie und Freunde lernte ich nach und nach kennen. Sie hat im ersten Halbjahr den Hausbau, den sie ursprünglich mit ihrem Mann geplant hat, allein durchgezogen, was viel Stress bedeutete.
Ich half im August beim Auszug aus der gemeinsamen Wohnung mit ihrem Mann, der Mitte Juni 2020 aus dieser Wohnung ausgezogen war und sie noch bis zum Einzug in das neu fertig gestellte Haus wohnen blieb. Sie hat ihrem Mann also bereits im Mai eröffnet, dass sie keine Chance mehr auf die Fortführung der Ehe mehr sieht; es war bereits seit längerem ein Thema zwischen Ihnen, sie hat ihn vor über 10 Jahren bereits mal für ein halbes Jahr verlassen, um doch wieder zu ihm zurück zu kehren.
Meine Frau und ich dagegen haben nach einer (wieder mal) Einweisung in eine Klink eine räumliche Trennung von 3 Monaten, von Mai bis einschl. Juli vereinbart. In dieser Zeit wuchs die Liebe zu meiner Freundin sehr, wir kamen uns wirklich sehr nahe.
Ende Juli, kurz bevor sie wieder in die gemeinsame Wohnung zurückkehren sollte, fragte mich meine Frau, ob ich eine Freundin hätte und ich gab es unumwunden zu. Klar war sie extrem down und traurig, aber sie kehrte dennoch in die gemeinsame Wohnung zurück, war erstaunlich einsichtig und wir vereinbarten, dass wir WG-mäßig zusammen wohnen wollten, bis sie eine eigene Wohnung gefunden hat.
Leider bekämpfte meine Frau diese Trennung und die Einsicht, dass ich eine Freundin habe und sie aus der geliebten Wohnung ausziehen muss mit Unmengen an Alk. und Dingen, von denen ich alptraumartig nicht mal zu denken wagte.
Ich hatte 2 Nervenzusammenbrüche, als ich ihre Sachen in Kisten verpackte und Freunde diese in die neue Wohnung schafften, all das geschah zeitrafferartig im August.
Ich hatte in der Zeit Urlaub und verbrachte diese Zeit fast ausschließlich im neuen Haus der Freundin, half beim Aufbau der Möbel etc.
Im September verbrachten wir (inklusive Sohn, also zu dritt) eine sehr schöne gemeinsame Zeit im Urlaub im Süden. Aber die Rückkehr vom Urlaub zog mir den Boden unter den Füßen weg. Ihr Noch-Ehemann sendete ständig Störfeuer, auch gegen mich, obwohl er seinerseits bereits seit Mai eine Freundin hat.
Meine Freundin forderte plötzlich mehr Zeit für sich, sie wollte "zu sich finden", was ich nur sehr widerspenstig akzeptierte und nach 2 Wochen dieser "schwierigen Phase" gab sie mir den Laufpass, allerdings auch eher halbherzig, also hatte ich noch Hoffnungen. Im Nachhinhein hat sie mir gestanden, dass sie es ncoh einmal mit dem Mann probieren wollte, sie auch einmal Sex hatten.
Ich ging durch die Hölle, auch wenn ich nichts von der Sache mit ihrem Mann wusste, so wusste ich, dass das noch nicht alles sein konnte. Es kam dann noch etwas sehr persönliches dazu, das ich nichtmal anonym niederschreiben will - jedenfalls musste sie sich während unserer kurzen Trennung einen gynäkologischen Eingriff unterziehen.
Jedenfalls nach ca. 2 Wochen fast ohne Kontakt hat sie mich unter Tränen angerufen, wie leid ihr alles tut und sie will mich unbedingt sehen - wir trafen uns Mitte / Ende Oktober und waren sofort wieder EXTREM ineinander verliebt. Wir wollten es eigentlich "langsamer" angehen lassen, aber auf ihr Drängen hin verbrachte ich 5 Nächte die Woche (darunter jewiels das gesamte Wochenende) bei ihr, sie sagte sie braucht mich und ich fühlte mich auch besser bei ihr. So ging das 4 Wochen lang, bis letztes Wochenende, da merkte ich eine Veränderung in ihr. Sie war nicht mehr so liebevoll zu mir und ich sprach das auch an.
Wir vereinbarten, es nun WIRKLICH wieder etwas langsamer anzugehen, aber 3 Tage später hatte sie einen Zusammenbruch, sie ist nun seit 1 Woche nur noch am heulten, hat Antidepressiva verschrieben bekommen und hat eine Therapie begonnen.
Ich hatte natürlich sofort Angst, dass es nun endgültig aus ist oder sie zu ihrem Mann zurückkehrt, aber sie sagte mir, es hat nichts mit ihr zu tun, sie hat nun nur erkannt, dass sie seit Monaten davor weggerannt ist, sich der Trennung wirklich zu stellen.
Sie sagte mir, dass sie mich nun in vielen Aussagen und Verhaltensweisen, die ich bereits 6 Monate davor zeigt, verstehen kann und dass ihr das "alleine" sein (im Sinne von ohne Ehe-Alltag) so weh tut und sie versucht hat, durch möglichst viel Action und Ablenkung zu verdrängen.
Sie meinte auch, sie wollte mich zwanghaft in eine familienartige Konstellation hineindrängen, wir haben bereits über meinen Einstieg in die Finanzierung des Hauses und Heirat gesprochen, dabei sind wir beide noch verheiratet. Ich konnte ihre Geschwindigkeit in den letzten Wochen kaum noch Schritt halten, ständig fielen ihr neue Dinge ein: was man noch alles im / am Haus erledigen muss, am besten noch bis Weihnachten, sie wollte die Scheidung durchpeitschen (die ihr Mann verweigert), hatte sogar abstruse Ideen von diversen nebengewerblichen Geschäftsideen, im Rückblick fast schon durchgeknallt.
Jedenfalls ist es so, dass wir uns vergangenes Wochenende nach ca. 1 Woche an einem neutralen Ort getroffen haben, viel geredet dabei, die erste Stunde hat sie fast nur geheult.
Ich habe sie am Schluss in den Arm genommen und ihr einfach nur minutenlang den Kopf gestreichelt. Insgesamt verbrachten wir so 3 Stunden mit spazieren gehen und am Schluss im Auto, wie früher, weil es uns zu kalt wurde draußen.
Sie hat mir klar gemacht, dass NICHT Schluss ist, sie aber jetzt da "durch" muss, weil sie nicht mehr davon laufen mag vor dem Schmerz der Trennung und sie nicht auf den Trümmern ihrer Ehe was Neues anfangen will, sondern jetzt erst wieder klar werden will und DANN ganz behutsam einen Neubeginn wagen will, ohne die ganzen unverarbeiteten Altlasten.
Wir vereinbarten, dass wir wieder mehr zu zweit, ohne ihren Sohn und ohne Stress wegen des Ausbau des Hauses und ohne Freunde etc. verbringen sollten, auch das "Familienmäßige" erstmal reduzieren und ich vorzugsweise nur bei ihr (oder sie bei mir) übernachten sollte, wenn der Sohn beim Vater auf Besuch ist.
Nach dem Treffen, noch während des Heimfahrens, hat sie mich angerufen und gesagt, dass sie sich seit Wochen nicht mehr so wohl gefühlt hat. Auch sagte sie mir zu, dass sie mich unter der Woche besuchen will und mich am Wochenende zu einer (Coronabedingt) kleinen Familienfeier begleiten will, um mehr Menschen aus meinem Umfeld kennen zu lernen (sie lernte bisher nur meine Mutter kennen).
Es schmerzt mich dennoch, dass sie weder per WhatsApp noch Telefonat mit mir Kontakt sucht, ich lasse sie aber umgekehrt in Ruhe, da ich sie nicht bedrängen will.
Ich befinde mich seit der Ternnung von meiner Frau in einer Gesprächstherapie wegen der Co-Abhängigkeit, was mir gut tut, aber es wurde mir von der Therapeutin klar gemacht, das ich ein massives Problem mit dem Thema "Trennungsangst" in Beziehungen habe, ich gerate ständig in Panik und klammere, sobald mein "Kopfkino" angeht. Während all meine persönlichen Säulen (Gesundheit, Finanzen, Job, Freunde, Familie etc.) absolut solide sind, beginnt mein gesamtes Fundament zu wankten, bishin zu psychsomatischen Problemen, wenn die Säule Beziehung unsicher ist.
Ich werde deshalb ebenfalls eine psychologische Therapie beginnen um an mir zu arbeiten, denn mein "Klammern" ist nicht beziehungsförderlich.
Das war es in "Kürze"
Es ist natürlich noch alles viel komplizierter, auf das Beziehungsgeflecht mit ihrem Sohn, der mich übrigens voll akzeptiert, aber den der Streit der Eltern wg. der Scheidung aufreib gehe ich jetzt mal gar nicht so sehr ein, auch nicht auf die nicht enden wollenden Psychospielchen des Noch-Ehemanns meiner Frau, der zumindest narzisstische Züge zeigt.
Jedenfalls hat meine Freundin plötzlich extrem mit allem zu kämpfen, was sie dieses Jahr alles erlebt hat, sie sagt sie kann sich im Moment mir nicht emotional öffnen, sie fühlt sich auch so schuldig, dass sie ihren Mann mit mir hintergangen und ständig angelogen hat - unabhängig davon, was er ihr alles schlechtes in der Ehe angetan hat, fühlt sie sich gescheitert, es nicht DOCH ernsthaft probiert hat.
Mir tut das natürlich alles sehr weh, weshalb ich hier im Forum gelandet bin und euch um Rat bitte, ob das alles noch "gut" werden kann. sie hat mich so oft in den Himmel gehoben, ich sei ihr Traummann etc. aber diese Emotionslosigkeit mir gegenüber macht mich so traurig. auch ich merke, dass ich noch nicht 100% abgeschlossen habe, dass ich mich in meiner Wohnung alleine fühle, das ich den sicheren Ehealltag vermisse. aber ich bin mit meiner Noch-Frau im Reinen, im Gegensatz zu meiner Freundin mit ihrem Mann verstehen wir uns und haben vereinbart, für immer beste Freunde und "Familie" zu bleiben, auch wenn wir getrennte Wege gehen.
Meine Noch-Frau macht derzeit eine Alk., endlich, sie hat sich sehr positiv entwickelt, wir sehen uns ca. alle 4-6 Wochen und stehen (auch wegen organisatorischen Dingen) per WhatsApp in Kontakt.
Aber ich habe das in den letzten Wochen / Monaten mehrmals hinterfragt: mein Herz ist bei der "Neuen", auch wenn es kompliziert ist und auch bleiben wird, denn eine ernste Beziehung mit ihr würde für mich einen Umzug in eine andere Stadt (ca. 1 Stunde entfernt) bedeuten und somit auch ein Wechsel von Job und direktem Umfeld. Damit habe ich mich aber bereits arrangiert und wäre bereit dazu, weil ich sie liebe.
Die Frage, die mich umtreibt ist allerdings - kann das alles noch funktionieren? Ist "ihr" Weg der richtige?
Vermutlich haben wir alles falsch gemacht, uns in diese Beziehung zu flüchten, aber es ist geschehen. Wir haben mittlerweile alle Intensitäten und Geschwindigkeiten durch - kann uns jetzt bis Weihnachten der "Durchbruch" gelingen? Immerhin haben wir das nicht alles gemeinsam durchgestanden, um nun zu sagen, das war es?
