So, habe mich erstmal beruhigt. Immerhin fließen wieder Tränen, massiv sogar, das ist ein Fortschritt zu den letzten Tagen. Es löst sich wieder ein wenig was.
Zitat von Tin_:Wenn sie das Weiterentwicklung nennt. Ich nenne es Egoismus und mit Ellenbogen das einfordern, was ihr so länge verwehrt geblieben ist.
Nee, sie hatte beim Ex freiwillig verzichtet, wollte das von sich aus. Sie hätte sich nie von irgendwem was sagen lassen, auch früher nicht. Sie hatte auch in der kurzen Zeit vor mir, als sie Single war, keinen S.. Sagte sie, ich glaub ihr das. Am Anfang mit mir war sie eher langsam und vorsichtig damit. Nur vor dem Ex war es stark, sie hatte wohl genug davon, machte ja auch Therapie und alles. Sie meinte auch mal, ich hätte sie durch bestimmte Dinge wieder "auf den Geschmack gebracht", und dass ich "das jetzt davon hätte", so halb im Scherz. Sie meinte auch, dass es beim Neuen nicht um S. ging, sie bot mir sogar am Anfang als "Entgegenkommen" an, dass sie "keinen S. mit ihm bräuchte", nur die emotionale Beziehung und Sicherheit. Das ist es ja, vieles ist eigentlich "gar nicht so schlimm", sie gehört niemandem ganz, das hat sie ihm auch gesagt und mir, sie wäre ja auch weiterhin mit mir verbunden geblieben, hätte ich es einfach aushalten können, dass es etwas weniger wird und ich sie teilen hätte können. So hab ich sie wohl nur noch mehr in seine Arme getrieben, indem ich Terror gemacht habe und Forderungen gestellt. Ich war einfach noch nicht so weit.
Zitat von Tin_:Hier sind wir wieder beim "WIE" änderst du das. Willst du nicht jemand sein? Bist du nicht schon jemand, wenn du so eine Aussage über dich treffen kannst?
Ja, ich spüre, es kommt wieder ein wenig was, kleine Anflüge, Ahnungen von etwas das in mir ist. Es ist halt nicht so viel und macht nicht glücklich im Moment, aber es ist was da. Bescheidenheit, Dankbarkeit dafür.
Zitat von Tin_:Fang klein an. Mach Dinge, die die sonst mit ihr getan hättest - Augenkontakt zu einer hübschen Dame in der Fußgängerzone herstellen, jemandem ein Lächeln schenken.
Puh, lächeln war die letzten Tage undenkbar, überhaupt jemanden anschauen. Aber ja, gerade im Moment ist das eine schöne Vorstellung.
Zitat von Tin_:Mein "Vater" wird von mir auch nur "Erzeuger" genannt. Ich denke du kannst dir vorstellen warum. Seit ein paar Jahren denke ich: Er sollte sehen, was trotz oder auch wegen seiner "Liebe" für ein Mann aus mir geworden ist
Das tut mir leid. Also mich freut es für dich, das was aus dir geworden ist, das was du dir wünschst. Ich höre bei "Erzeuger" immer etwas bitteres raus. Ich kenne es von mir, ich habe im Grunde nur studiert, weil ich meinen Eltern beweisen wollte, dass ich nicht dumm bin, dass ich mehr bin als nur ein Hauptschüler. Ich wünsche dir, dass es bei dir anders ist und du deinem Vater vergeben konntest. Mir ist die Tage bewusst geworden, dass man eben doch immer Teil von seinen Eltern und seiner Erziehung sein wird. In diesem Rahmen kann man sich bewegen und positiv entwickeln, aber es hat wohl Grenzen. Daher versuche ich gerade, meine Eltern und meine Herkunft anzunehmen, vielleicht sogar zu lieben, was super schwer ist. Aber ich glaube da liegt der Hund begraben bei vielen Problemen.
Zitat von Tin_:Auch hier schwingt (wie in so vielen deiner Aussagen) eine Art "Buße" mit, die du glaubst leisten zu müssen. Wem gegenüber? Warum? Warum und für wen leidest du und erträgst es?
Möglicherweise glaube ich tief in mir dass es nobel ist oder von Gott gewollt. Oder weil ich es kann. Weil ich es kenne, gelernt habe, dafür auserwählt wurde. Dass es neben den Menschen die sich viel freuen dürfen, auch Menschen geben muss, die das Leid tragen, stark vereinfacht. Denn es gibt das eine nicht ohne das andere, so wie Licht und Schatten. Das ist so eine Theorie, aber ich glaube nicht wirklich dran. Ich stelle nur fest, dass es Menschen gibt, die aufgrund ihrer Gene, Erziehung, Herkunft, etc., "Schicksal", irgendwie mehr auszuhalten haben und da auch mit besten Willen nie wirklich raus kommen, nur mildern können. Borderliner zum Beispiel. Sie sagte z.B. immer, sie trägt für mindestens drei Leute den Schmerz. Ich glaub ihr das.
Zitat von Tin_:Warum ich das alles weiss? Weil ich auch mal so getickt habe wie du. Weil ich Anerkennung ersehnt habe, weil ich mich in so vielem was du schreibst wiedererkennen. Deswegen nehme ich mir auch diese Zeit um deine Aussagen zu sezieren und dir Gedankenanstöße zu geben. Ich habe jahrelang gelitten, mich selbst gegeißelt, meinem Erzeuger die Schuld gegeben, mich für andere Aufgeopfert um Anerkennung zu bekommen, die ich sonst nie bekam. So verdammt viel Zeit habe ich verschwendet für Ding, die andere wollten damit ich mein inneres Buch füllen kann - leider mit den falschen Dingen.
Wie füllst du dein Buch heute im Vergleich zu damals? Was machst du anders? Welche Schritte bist du gegangen? Wie fühlt es sich an für dich heute im Vergleich zu damals? Kommst du an das gleiche Glücksgefühl? Ich habe mich nie besser gefühlt, wenn ich IHR eine Freude machen konnte, für sie da sein konnte. Es ist ein so starkes Gefühl, so ein starker Mechanismus, es geht wie auf Knopfdruck. Würde ich heute bei ihr wieder einziehen und dürfte abwaschen, den Müll rausbringen, ihr das Bett machen, die Wohnung putzen, ihr was schönes kochen, ich wäre innerhalb einer Stunde wieder richtig richtig glücklich. Und hier in meiner eigenen Wohnung vermüllt alles. Meine Güte, wie arm, ich merke es ja selbst. Es gibt Phasen, da bemühe ich mich um mich selbst, aber es ist ein echtes Bemühen, beinahe ein Kampf. Macht keinen Spaß.
Zitat von Tin_:Es geht um Dich. DU bist grade so WERTVOLL für MICH, dass ich dir all das schreibe, dir meine Gedanken und Gefühle mitteile - ALLEINE, Weil DU DU und kein anderer bist. Verstehst du, was ich meine?
Danke. Der erste Gedanke ist natürlich, dass du aus deiner persönlichen Betroffenheit heraus schreibst und es gar nicht wirklich um mich gehen kann. Aber ich schiebe diese Denke jetzt bewusst beiseite und bedanke mich bei dir.
Zitat von Tin_:Da ist sie wieder... diese "Buße-Mentalität". Niemand MUSS durch Schmerz.
Außer vielleicht die Leute, die den Schmerz durch ein Trauma eben fest verankert und so drückend in sich tragen und so lange darauf aufmerksam gemacht werden, bis sie hinschauen und durchfühlen. Weil das ganze Leben durch diesen verdammten Schmerz durchtrieben wird, er zieht sich wie ein roter Faden durch und lässt alles zum Chaos werden. Und das Durchfühlen kann offenbar sehr lange dauern.