Schaufler
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Die letzten Tage habe ich sehr viel Zeit in diesem Forum verbracht, mich jedoch nie zu Wort gemeldet.
Ich hatte das Gefühl, dass mir es irgendwie geholfen hat zu sehen, dass ich in dieser derzeitigen Situation nicht alleine stecke.
Nunja, letztendlich habe ich mich jetzt doch dazu entschieden mir von der Seele zu schreiben.
Dieser Text kann ziemlich lang werden; ich versuche ihn logisch und mit Überschriften zu gliedern.
Zunächst einmal vielen Dank an alle, die sich die Zeit nehmen alles zu lesen.
Vor der Beziehung
Es handelte sich um eine Fernbeziehung mit 700km Distanz und einer Ländergrenze zwischen uns. Wir haben uns 2016 beim zocken kennengelernt, wurden sehr gute Freunde, haben einen Haufen Zeit miteinander verbracht. Wir wollten es erst beide nicht wahr haben, aber irgendwann kamen langsam Gefühle auf. Wir haben dann sehr viel darüber geredet, weil wir beide nicht von einer Fernbeziehung begeistert waren. Letztendlich haben wir uns aber gemeinsam dafür entschieden und wurden ein Paar. Zu diesem Zeitpunkt waren wir beide 16 und noch in der Schule.
Die Fernbeziehung
Es gab selten einen Tag, an dem wir nicht miteinander videotelefoniert haben. Das erste Jahr der Beziehung waren wir beide noch in der Schule, weshalb wir nur die Ferien nutzen konnten, um uns zu sehen. Wir haben ausnahmslos jede Ferien genutzt, die wir nutzen konnten. Als ich dann Mitte 2018 mit der Schule fertig war fing in an zu arbeiten. Seitdem habe ich jeden Urlaubstag und jede Überstunde genutzt, um zu ihr zu fahren. Ich habe alles an Überstunden mitgenommen, was überhaupt ging, teilweise komplette Wochenenden durchgearbeitet. Vor etwas mehr als einem Jahr fingen wir dann an einen Plan auszuarbeiten: Ich ziehe zum nächstmöglichen Termin (Mitte 2020) zu ihr. Leider erwieß sich das nicht so einfach, wie gedacht, da ich trotz starker Bemühung und unzähligen Stunden Bewerbungen schreiben, keinen Ausbildungsplatz fand. Dass sie zu mir zieht war für mich eigentlich keine Option, da sie auf vieles (eine große Familie, all ihre Freunde, Vereine) hätte verzichten müssen. Doch vor etwa 2-3 Monaten sagte sie, dass sie das für die Beziehung machen möchte.
Der Anfang vom Ende
Anfang März, haarscharf vor dem Beginn der Coronakrise, war ich das letzte mal bei ihr. Es war wundervoll und wir hatten in dieser Zeit auch unser 3-Jähriges. Normalerweise wäre das nächste Wiedersehen für Ostern geplant, aber dass das nichts wurd wussten wir direkt. Etwa seit der 2. Märzwoche habe ich gemerkt, dass sie etwas abweisend war. Sie hatte nicht mehr so oft Zeit zum telefonieren, ihr ging es oft schlecht,. Ich habe versucht mit ihr drüber zu reden, aber sie ist nicht wirklich drauf eingegangen. Ich habe mir gedacht, dass es wohl am Lernstress und der allgemeinen Situation derzeit liegt. Vor etwa 2,3 Wochen meinte sie dann in einem Telefonat es würde kalt zwischen uns werden. Ich war baff, habe mich versucht zu entschuldigen und die Situation zu retten. Die Woche darauf hat sie sich fast nie gemeldet, teilweise um 20 Uhr nicht mehr auf meine Nachricht geantwortet, aber dann erst um 14 Uhr mit einem "Morgen" geantwortet. Ich habe mich stark gewundert, immerwieder gefragt. Aber es kamen immer neue Ausreden wie "Ich konnte nicht schlafen und habe dann einen Film geschaut" oder "Mein Akku war leer". Wiedermals habe ich das Gespräch gesucht, aber sie hat blockiert.
Das Ende
Am Donnerstag, vor genau einer Woche, hat sich mich gefragt, ob wir reden können. In diesem Gespräch hat sie gemeint, dass sie Gefühle für jemanden anderen hat. Ich wusste direkt wer es war; dreisterweise kenne ich diese Person und wir haben die letzten Wochen höufiger zusammen gezockt. Etwas anmerken lassen hat er sich nie. Nunja auf jeden Fall haben wir fast eine Stunde geredet. Beziehungsweise ich habe geredet, geweint, konnte es nicht fassen. Das Gespräch hat so geendet, dass ich sie darum gebeten habe sich das ganze nochmal 24 Stunden zu überlegen (Ob sich wirklich das alles wegwerfen will und so weiter). Sie hat eingewilligt. Ich habe sie zusätzlich darum gebeten wirklich auf ihr Herz zu hören und vielleicht auch mal die 24 Stunden nicht mit dem anderen Typ zu schreiben. Sie akzeptierte das. Und telefonierte mit ihm über 2 Stunden.
Der Tag darauf und das zweite Gespräch
Die Nacht habe ich kein Auge zumachen können. Ich habe starkes Fieber bekommen, am ganzen Körper gezittert, Krämpfe gehabt, Herzrasen gehabt,mich übergeben müssen, das komplette Paket. Am nächste Vormittag habe ich es nicht mehr ausgehalten und mit ihr das Gespräch gesucht. Auf einmal hat sie nicht mehr von dem anderen Typ geredet, sondern davon, dass sie sich eingeengt fühlt. Dass sie nur glücklich ist, wenn ich da bin, und traurig, wenn ich weg bin (Fernbeziehung halt, mir ging es die ganzen Jahre auch nie anders). Sie meinte dann, dass sie der Schmied ihres eigenen Glückes sein will und ihr Glück nicht abhängig von jemand anderem machen will.
Die beiden Gespräche haben für mich einfach keinen Sinn ergeben und passen nicht zusammen.
Die Tage darauf
Die Tage darauf waren schrecklich. Die physischen Beschwerden haben sich gehalten und es kamen noch ein paar unangenehme dazu (wie zum Beispiel Haarausfall und Blut im Stuhl). Die meisten dieser Erscheinungen sind mittlerweise verschwunden, Sachen wie Appetitlosigkeit und Übelkeit halten sich jedoch immernoch. Die ersten Tage ging mir es so schlecht, dass ich ohne die richtigen Gesprächspartner mit Sicherheit Suizid begangen hätte. Zwischen uns war dann 6 Tage Funkstille. Ich konnte diese Zeit fast nicht ertragen, habe mich fast nicht ablenken können, bin täglich stundenlang zu einem Freund geflogen. Gestern habe ich das erste mal einen akzeptablen Tag gehabt. Zudem hatte ich ein Online-Bewerbungsgespräch, welches sehr gut gelaufen ist und mir Kraft gab. Ich wollte diese gewonnene Kraft nehmen, um mich mit ihr auszusprechen.
Das dritte Gespräch
So kam es dann gestern Abend zum dritten Gespräch. Ich habe die Tage davor viel überlegt und gedacht endlich einen Grund gefunden zu haben, weil ich mir einfach nicht vorstellen kann, dass sie so plötzlich keine Gefühle mehr hat. Ich dachte sie hätte innerlich vielleicht nie zu mir ziehen wollen. Aber ich habe mich geirrt. Im Gespräch hat sie das beneint, sie meinte, dass sie vor nicht einmal 2 Monaten noch bereit gewesen wäre alles für mich stehen und liegen zu lassen ( So wie ich für sie die letzten 3 Jahre alles stehen und liegen gelassen habe, um zu mir zu ziehen. Und dann waren auf einmal ihre Gefühle weg. Ich kann es einfach nicht verstehen. Mein Kopf braucht einfach einen plausiblen Grund dafür, dass das jetzt so schlimm enden musste.
Nunja, sie meinte sie möchte den Kontakt komplett abbrechen, ihr ist dabei egal, dass wir einen stark überschneidenen Freundeskreis haben. Aber ich kann das einfach nicht. Auch wenn es jetzt vorbei ist, ich brauche den Kontakt zu ihr. Nichts von ihr zu hören macht mich einfach nur fertig.
Die Stunden nach dem Gespräch musste ich estmal wieder zu einem Kumpel fliehen, gefolgt von langen Gesprächen.
Und hier bin ich heute. Ich habe seit einer Woche fast nichts gegessen, ich fühle mich wie eine leere Hülle, ich kann nicht lachen, nicht einmal grinsen. Es fühlt sich einfach alles an wie ein unendlicher Alptraum.
Es hat mir wirklich gut getan das alles zu schreiben, selbst wenn es im Endeffekt niemand liest. Falls sich doch jemand bis hier hin durchgekämpft hat möchte ich dir dafür danken.
Ich freue mich wirklich über jeden Kommentar, über Ideen und Tipps das zu bewältigen, über Gleichgesinnte, die vielleicht darüber schreiben oder reden wollen.
Danke