Leidensgenosse
Gast
ich habe mir einige Einträge hier durchgelesen und habe gemerkt, dass es mir gut tut, zu sehen, dass ich - zumindest, was das Thema "Trennung" angeht, nicht ganz alleine bin. Meine Geschichte habe ich gestern dummerweise als Antwort auf eine andere geschrieben. Heute stelle ich sie noch mal unter eigener Überschrift rein, in der Hoffnung, dass mir vielleicht jemand Trost bzw. Ratschläge geben kann. Zu meiner Geschichte (sorry, langer Text):
Ich war insgesamt 7 Jahre verheiratet. Davon würde ich etwa 5 als "glücklich" bezeichnen. Mein Problem ist insoweit komplex, dass ich seit 20 Jahren chronisch krank bin und alleine deswegen schon eingeschränkt bin, wenn es darum geht, sich nach draußen zu bewegen, um Ablenkung zu suchen. Ähnlich verhält es sich mit Freundschaften, die mir im Zuge meiner Erkrankung größtenteils verloren gegangen sind.
Meine Ex hatte immer schon ein großes Problem damit, Kritik anzunehmen (okay, ich zugegebenermaßen auch). Wenn wir gestritten haben (und damit meine ich auch vergleichsweise harmlose Auseinandersetzungen), kam es immer wieder vor, dass sie die Wohnung verlassen hat. Auch wenn ich die meiste Zeit der Beziehung als "glücklich" in Erinnerung habe, hat sie das auch damals immer wieder getan. Und in unserem letzten gemeinsamen Jahr (mittlerweile fast 3 Jahre her!) lagen zwischen zwei ihrer "Auszeiten" gerade einmal 4 Wochen! Und die letzte der beiden "Auszeiten" bedeutete unsere Trennung.
Jetzt bin ich sicherlich selbst kein einfacher Mensch und ich denke, wir sind beide nicht die besten Streiter (wenn es sowas überhaupt gibt). Aber ich weiß auch, dass ich nicht der schlechteste Mensch bin, und dass ich für meine Exfrau gestorben wäre! Sie hatte also das Haus verlassen und ist über Weihnachten und nicht einmal Sylvester zurückgekehrt. Erst als ich sie angerufen habe, habe ich endlich wieder ihre Stimme gehört. Mann, hab ich sie vermisst. Und ich tue es jetzt noch, nach all den Jahren Traurig Sie bat mich um Zeit, sie müsse erst noch nachdenken (wie ich diese Worte hasse!).
Und dann ziemlich genau 2 Monate nach ihrem Verschwinden ruft sie mich an, um mir zu sagen, dass sie mir etwas mitzuteilen habe. Die wollte es nicht am Telefon sagen, aber ich bestand darauf, da ich mir die ganze Zeit ernsthafte Sorgen um sie gemacht hatte und darüber hinaus auf dem Sprung zur Arbeit war. Ihre Mittelung war: "Ich bin schwanger"! Und der Erzeuger des Kindes war kein anderer als ein Mann, von dem sie mir auffallend oft erzählt hatte (damals war ich zu blind, "MEINE" Frau hat doch nix mit einem Anderen!). Wir ließen uns blitzartig scheiden (Härtefall). Ich muste das (noch vor der Geburt) machen, sonst wäre ich juristisch zum Vater erklärt worden...
Ich habe dennoch nicht von ihr ablassen können. Die Frau, der sich die schönste Zeit meines Lebens zu verdanken habe, wegen eines Vorfalls sausen lassen? Nicht mit mir, dachte ich immer. Das ist zwar hart, aber wir schaffen das schon irgendwie...in solchen Zeiten bin ich naiver als ein Säugling. Der Scheidungstermin war eine äußerst brutale Angelegenheit. Ein grinsender Richter, der auf den schwangerschaftsbedingten, dicken Bauch meiner Noch-Frau zeigt und meint: "He he, der Scheidungsgrund liegt ja auf der Hand." Ich hätte ihm gerne einen Knoten in seinen Hals gemacht!
Und etwa ein halbes Jahr nach der Scheidung dann etwas, das mich fast in den Selbstmord getrieben hätte: Meine Exfrau erzählte mir, der Vater des Kindes sei zwar ein guter Freund gewesen. Den S. mit ihm hätte sie aber nicht gewollt. Er sei genau wie sie betrunken gewesen und hätte ihn sich einfach genommen. Also: Vergewaltigung! (Und wohl nicht die erste von diesem Schwein! Er ist übrigens auf freiem Fuß, konnte ihn ausfindig machen. Ich wünsche ihm alle Krankheiten, die man kriegen kann) Ich habe meiner Ex alles angeboten, was ich hatte. Bei mir wieder einziehen, eine gemeinsame Lösung suchen etc. Unter dieser Voraussetzung hätte es niemals eine Scheidung gegeben, so meine Worte. Aber sie wollte nicht. Ihre anfangs noch demütige Haltung (hatte sich permanent bei mir entschuldigt) mündete langsam aber sicher in eine, die nur noch von Vorwürfen geprägt war. Ich sei an allem schuld, hätte ihr Leben zerstört usw.
Natürlich weiß ich bis heute nicht, welche Version der Geschichte (betrogen oder nicht) nun stimmt. ich weiß nicht einmal, ob er der einzige Mann - neben mir - war. Und dafür, dass sie das Haus verlassen hat, anstatt sich in ein Zimmer zu verkriechen, konnte ich nun wirklich nichts (sie hatte keinen Grund, vor mir Angst zu haben - ich konnte sehr laut werden, aber geschlagen habe ich NIE).
Aber all diese Erklärungen halfen mir bis heute nicht. Ich fühle mich schuldig, werfe mir die peinlichsten Kleinigkeiten vor und hasse mich selbst. Alles, was ich einmal nur für mich getan habe (wenn ich mir z. B. mal etwas gekauft habe), werfe ich mir vor, da wir nie wirklich Geld hatten. Und das, obwohl ich kaum Klamotten hatte un sogar mein Mundwasser verdünnt habe, damit es länger reicht.
Ich liebe sie noch immer. So ist es nun mal. Und ich lebe seitdem fast nur noch in der Vergangenheit, die mich aber zunehmend erdrückt. Wenn ich arbeite, kann ich einigermaßen abschalten. Wenn ich nach Hause komme, ist die Einsamkeit unerträglich. Und rausgehen kann ich nur, wenn es gesundheitlich geht. Und selbst wenn es geht, muss ich es alleine machen, da sich meine Freunde wie gesagt längst verabschiedet haben. Sch.....!
Sorry für den depressiven Unterton, aber die Geschichte ist so gruselig und verfolgt mich seit Jahren bis in den Schlaf.
Danke im Voraus für jede Antwort