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Scheidung - Schuldgefühle und Selbstzweifel

Leidensgenosse

Hallo, liebes Forum,
ich habe mir einige Einträge hier durchgelesen und habe gemerkt, dass es mir gut tut, zu sehen, dass ich - zumindest, was das Thema "Trennung" angeht, nicht ganz alleine bin. Meine Geschichte habe ich gestern dummerweise als Antwort auf eine andere geschrieben. Heute stelle ich sie noch mal unter eigener Überschrift rein, in der Hoffnung, dass mir vielleicht jemand Trost bzw. Ratschläge geben kann. Zu meiner Geschichte (sorry, langer Text):

Ich war insgesamt 7 Jahre verheiratet. Davon würde ich etwa 5 als "glücklich" bezeichnen. Mein Problem ist insoweit komplex, dass ich seit 20 Jahren chronisch krank bin und alleine deswegen schon eingeschränkt bin, wenn es darum geht, sich nach draußen zu bewegen, um Ablenkung zu suchen. Ähnlich verhält es sich mit Freundschaften, die mir im Zuge meiner Erkrankung größtenteils verloren gegangen sind.

Meine Ex hatte immer schon ein großes Problem damit, Kritik anzunehmen (okay, ich zugegebenermaßen auch). Wenn wir gestritten haben (und damit meine ich auch vergleichsweise harmlose Auseinandersetzungen), kam es immer wieder vor, dass sie die Wohnung verlassen hat. Auch wenn ich die meiste Zeit der Beziehung als "glücklich" in Erinnerung habe, hat sie das auch damals immer wieder getan. Und in unserem letzten gemeinsamen Jahr (mittlerweile fast 3 Jahre her!) lagen zwischen zwei ihrer "Auszeiten" gerade einmal 4 Wochen! Und die letzte der beiden "Auszeiten" bedeutete unsere Trennung.

Jetzt bin ich sicherlich selbst kein einfacher Mensch und ich denke, wir sind beide nicht die besten Streiter (wenn es sowas überhaupt gibt). Aber ich weiß auch, dass ich nicht der schlechteste Mensch bin, und dass ich für meine Exfrau gestorben wäre! Sie hatte also das Haus verlassen und ist über Weihnachten und nicht einmal Sylvester zurückgekehrt. Erst als ich sie angerufen habe, habe ich endlich wieder ihre Stimme gehört. Mann, hab ich sie vermisst. Und ich tue es jetzt noch, nach all den Jahren Traurig Sie bat mich um Zeit, sie müsse erst noch nachdenken (wie ich diese Worte hasse!).

Und dann ziemlich genau 2 Monate nach ihrem Verschwinden ruft sie mich an, um mir zu sagen, dass sie mir etwas mitzuteilen habe. Die wollte es nicht am Telefon sagen, aber ich bestand darauf, da ich mir die ganze Zeit ernsthafte Sorgen um sie gemacht hatte und darüber hinaus auf dem Sprung zur Arbeit war. Ihre Mittelung war: "Ich bin schwanger"! Und der Erzeuger des Kindes war kein anderer als ein Mann, von dem sie mir auffallend oft erzählt hatte (damals war ich zu blind, "MEINE" Frau hat doch nix mit einem Anderen!). Wir ließen uns blitzartig scheiden (Härtefall). Ich muste das (noch vor der Geburt) machen, sonst wäre ich juristisch zum Vater erklärt worden...

Ich habe dennoch nicht von ihr ablassen können. Die Frau, der sich die schönste Zeit meines Lebens zu verdanken habe, wegen eines Vorfalls sausen lassen? Nicht mit mir, dachte ich immer. Das ist zwar hart, aber wir schaffen das schon irgendwie...in solchen Zeiten bin ich naiver als ein Säugling. Der Scheidungstermin war eine äußerst brutale Angelegenheit. Ein grinsender Richter, der auf den schwangerschaftsbedingten, dicken Bauch meiner Noch-Frau zeigt und meint: "He he, der Scheidungsgrund liegt ja auf der Hand." Ich hätte ihm gerne einen Knoten in seinen Hals gemacht!

Und etwa ein halbes Jahr nach der Scheidung dann etwas, das mich fast in den Selbstmord getrieben hätte: Meine Exfrau erzählte mir, der Vater des Kindes sei zwar ein guter Freund gewesen. Den S. mit ihm hätte sie aber nicht gewollt. Er sei genau wie sie betrunken gewesen und hätte ihn sich einfach genommen. Also: Vergewaltigung! (Und wohl nicht die erste von diesem Schwein! Er ist übrigens auf freiem Fuß, konnte ihn ausfindig machen. Ich wünsche ihm alle Krankheiten, die man kriegen kann) Ich habe meiner Ex alles angeboten, was ich hatte. Bei mir wieder einziehen, eine gemeinsame Lösung suchen etc. Unter dieser Voraussetzung hätte es niemals eine Scheidung gegeben, so meine Worte. Aber sie wollte nicht. Ihre anfangs noch demütige Haltung (hatte sich permanent bei mir entschuldigt) mündete langsam aber sicher in eine, die nur noch von Vorwürfen geprägt war. Ich sei an allem schuld, hätte ihr Leben zerstört usw.

Natürlich weiß ich bis heute nicht, welche Version der Geschichte (betrogen oder nicht) nun stimmt. ich weiß nicht einmal, ob er der einzige Mann - neben mir - war. Und dafür, dass sie das Haus verlassen hat, anstatt sich in ein Zimmer zu verkriechen, konnte ich nun wirklich nichts (sie hatte keinen Grund, vor mir Angst zu haben - ich konnte sehr laut werden, aber geschlagen habe ich NIE).

Aber all diese Erklärungen halfen mir bis heute nicht. Ich fühle mich schuldig, werfe mir die peinlichsten Kleinigkeiten vor und hasse mich selbst. Alles, was ich einmal nur für mich getan habe (wenn ich mir z. B. mal etwas gekauft habe), werfe ich mir vor, da wir nie wirklich Geld hatten. Und das, obwohl ich kaum Klamotten hatte un sogar mein Mundwasser verdünnt habe, damit es länger reicht.

Ich liebe sie noch immer. So ist es nun mal. Und ich lebe seitdem fast nur noch in der Vergangenheit, die mich aber zunehmend erdrückt. Wenn ich arbeite, kann ich einigermaßen abschalten. Wenn ich nach Hause komme, ist die Einsamkeit unerträglich. Und rausgehen kann ich nur, wenn es gesundheitlich geht. Und selbst wenn es geht, muss ich es alleine machen, da sich meine Freunde wie gesagt längst verabschiedet haben. Sch.....!

Sorry für den depressiven Unterton, aber die Geschichte ist so gruselig und verfolgt mich seit Jahren bis in den Schlaf.

Danke im Voraus für jede Antwort

06.08.2012 18:20 • #1


WeepingGuitar


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Hallo Leidensgenosse,

na das ist wirklich keine schöne Geschichte. Ich kann mir vorstellen, wie stark dich das Ganze verletzt haben muss.
Du schreibst, dass eure Trennung jetzt drei Jahre her ist, oder? Das ist natürlich schon eine ganze Zeit.
Ich verstehe, dass du ohne Freunde und die nötige gesundheitliche Verfassung natürlich ziemlich isoliert bist und so die nötige Abwechslung total zu kurz kommt.

Gibt es Selbsthilfegruppen für deine Krankheit? Hast du vielleicht auch mal darüber nachgedacht mit deinen seelischen Schmerzen zu einem/einer Therapeut/in zu gehen?
Um vielleicht zu versuchen mit diesem Thema aufzuräumen? Du musst wieder nach vorne blicken können und es hört sich so an, als könntest du das im Moment überhaupt nicht.

06.08.2012 19:46 • #2



Scheidung - Schuldgefühle und Selbstzweifel

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stellina


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Lieber Leidensgenosse, das ist wirklich alles andere als schön und tut mir sehr leid für Dich.

Das mit der Selbsthilfegruppe finde ich eine gute Idee!
Und mit Deiner seelischen Notlage kannst Du Dich auch an eine Beratungsstelle, z.B. von Caritas oder Diakonie wenden, das kostet nichts.
Oder zum Krisendienst gehen. Im Notfall, da hört Dir jemand zu, der auch geschult ist.

Und natürlich darfst Du Dich jederzeit an uns hier wenden.
Schreiben kann ja auch schon helfen.
Ich wünsche Dir alles Gute und verlier nicht den Mut!

06.08.2012 19:56 • #3


Leidensgenosse


Liebe Antworter,
ich bin jetzt mal zu später Stunde nochmal auf die Seite gegangen, weil ich nicht einschlafen kann. Und Eure Antworten geben mir das Gefühl, verstanden zu werden. Danke Euch allen, das ist echt lieb von Euch! Das mit der Therapie habe ich mir oft überlegt. Aber selbst das wäre mir im Moment zu viel. Und zwar aus dem folgenden Grund: Wenn ich Arzttermine vereinbare, drehen sie sich zumeist um die somatischen Beschwerden. Und das kostet viel zeit und Kraft. Ich weiß auch, dass das nicht alles sein kann, aber ich weiß nun mal bis heute nicht, woran ich eigentlich leide (seit mittlerweile 20 Jahren, werde demnächst gerade mal 36). Und in dieser Sache sehe ich die eigentlichen Ursachen meiner Depressionen. Man sagt dazu meines Wissens auch "reaktive Depressionen". Dass sie nach der Scheidung dann besonders stark zum Vorschein gekommen sind, ist für mich kein Wunder. Dass sie bis heute nahezu unverändert sind, zeigt mir, dass - abgesehen von den grauenhaften Vorfällen - noch eine Vorgeschichte von erheblicher Bedeutung ist. Und um das für mich sinnstiftend zu bearbeiten, brauche ich eine Möglichkeit, gegen die Symptomatik vorzugehen. Eine Psychotherapie mag zwar fürs Selbstbewusstsein nicht falsch sein, aber ursächlich - da bin ich mir sicher - brauche ich zunächst was anderes. Und die Gefühle wegen meiner Exfrau... keine Ahnung, ehrlich. Ich tu wirklich einiges, aber wenn es zu viel wird, falle ich irgendwann um. Eure Ideen haben dennoch absolute Berechtigung. Und ich danke Euch nochmal vielmals. Vielleicht meldet sich die/ der eine oder andere nochmal, würde mich freuen. Jetzt erst mal eine gute Nacht. Ich werds dann auch wieder versuchen mit dem Einschlafen.

07.08.2012 01:47 • #4


Alena-52


Zitat von Leidensgenosse:
Das mit der Therapie habe ich mir oft überlegt. Aber selbst das wäre mir im Moment zu viel. Und zwar aus dem folgenden Grund: Wenn ich Arzttermine vereinbare, drehen sie sich zumeist um die somatischen Beschwerden. Und das kostet viel zeit und Kraft. Ich weiß auch, dass das nicht alles sein kann, aber ich weiß nun mal bis heute nicht, woran ich eigentlich leide (seit mittlerweile 20 Jahren, werde demnächst gerade mal 36). Und in dieser Sache sehe ich die eigentlichen Ursachen meiner Depressionen. Man sagt dazu meines Wissens auch "reaktive Depressionen".

Und um das für mich sinnstiftend zu bearbeiten, brauche ich eine Möglichkeit, gegen die Symptomatik vorzugehen. Eine Psychotherapie mag zwar fürs Selbstbewusstsein nicht falsch sein, aber ursächlich - da bin ich mir sicher - brauche ich zunächst was anderes. Und die Gefühle wegen meiner Exfrau... keine Ahnung, ehrlich.
willkommen

das du nach so einer langen zeit immer noch nicht zur ruhe findest, zeigt mir, das du möglicherweise dein pferd von hinten aufzäumst. schuldgefühle - die du dir überhaupt nicht machen brauchst - sind sehr erdrückend, kommen aus der seele und drücken sich auch über den körper aus, möglicherweise auch mit deinen grübelein und schlafstörungen.
deshalb würde ich dir empfehlen, es dennoch erstmal über einen therapeuten zu versuchen und eine rehamassnahme in einer psychosomatischen klinik anstreben, auch da kann man deine körperliche problematik mitbehandeln. sie muss nur darin kompetenz nachweisen.
du schreibst etwas über reaktive depression - also eine reaktion - auf was ?
deine frau ist nicht mehr da - also ist sie es nicht, die dir schadet - sondern du bist es selbst - macht deiner gedanken und vorstellungen - davon solltest du dich befreien! damit dein leben wieder erhellen kann.

auch wenn deine frau dich glauben lassen will, dass du für ihr unglück zuständig bist - sie hat an dem was geschah auch ihren anteil. es ist immer sehr bequem andere für sein eigenes fehlverhalten verantwortlich zu machen, deshalb brauchst du dir ihren schuh noch lange nicht anziehen.

freunde sind auch bald mit ihrem latein am ende und ziehen sich zurück, um sich selbst zu schützen - ist auch verständlich bei so einer langen dauer. selbst wahre freunde können auch mal an ihre grenzen kommen.

deine eigene grenze hast du wahrscheinlich auch runtergezogen, deshalb würde ich es gut finden, sie wieder etwas mehr zu öffnen, sie anderen zugänglicher machen.

bei mir kommt es so an - als würdest du in deinem leid bleiben wollen - sonst hättest du dir in diesem zustand schon längst hilfe geholt - auch wenn du deine körperlichen einschränkungen vorschiebst.

schuld und (selbst) bestrafung liegen nahe beieinander - und meiner einschätzung nach machst du das auch. du bist nicht schuld am drama deiner ex-frau und du allein trägst verantwortung für dein lebensgefühl - befreie dich von schuldgefühlen und lasse dir dabei helfen das hinzukriegen.

alles gute für dich!

07.08.2012 03:12 • #5


WeepingGuitar


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Zitat von Alena-52:
Zitat von Leidensgenosse:
Das mit der Therapie habe ich mir oft überlegt. Aber selbst das wäre mir im Moment zu viel. Und zwar aus dem folgenden Grund: Wenn ich Arzttermine vereinbare, drehen sie sich zumeist um die somatischen Beschwerden. Und das kostet viel zeit und Kraft. Ich weiß auch, dass das nicht alles sein kann, aber ich weiß nun mal bis heute nicht, woran ich eigentlich leide (seit mittlerweile 20 Jahren, werde demnächst gerade mal 36). Und in dieser Sache sehe ich die eigentlichen Ursachen meiner Depressionen. Man sagt dazu meines Wissens auch "reaktive Depressionen".

Und um das für mich sinnstiftend zu bearbeiten, brauche ich eine Möglichkeit, gegen die Symptomatik vorzugehen. Eine Psychotherapie mag zwar fürs Selbstbewusstsein nicht falsch sein, aber ursächlich - da bin ich mir sicher - brauche ich zunächst was anderes. Und die Gefühle wegen meiner Exfrau... keine Ahnung, ehrlich.
willkommen

du schreibst etwas über reaktive depression - also eine reaktion - auf was ?


Er meint damit, dass die Depression eine Folge seiner Erkrankung ist.

---

Aber du schreibst ja, dass du nun schon seit 20 Jahren unter diesen Beschwerden leidest. Wäre es da nicht vielleicht auch mal an der Zeit einen anderen Weg einzuschlagen?
Ich meine, es scheint sich ja gerade nicht anzudeuten, als würde das mit deiner Erkrankung schlagartig besser werden.

Ich würde es daher mit einem Psychotherapeuten versuchen. Du hast ja nichts zu verlieren. Du kannst nur gewinnen. Was hält dich davon ab?

Und Alena-52 hat es auch richtig gesagt. An einer Trennung ist nie einer alleine Schuld. Beide tragen ihr Päckchen. Mach dich also nicht selbst fertig. Hör auf über Fehler nachzudenken, die du vielleicht gemacht hast und wie es vermutlich hätte anders laufen können. Du musst wieder den Kopf hoch nehmen und beginnen nach vorne zu schauen.

07.08.2012 07:28 • #6


Alena-52


Zitat von WeepingGuitar:
Zitat von Alena-52:
Zitat von Leidensgenosse:

Und zwar aus dem folgenden Grund: Wenn ich Arzttermine vereinbare, drehen sie sich zumeist um die somatischen Beschwerden.

Ich weiß auch, dass das nicht alles sein kann, aber ich weiß nun mal bis heute nicht, woran ich eigentlich leide (seit mittlerweile 20 Jahren, werde demnächst gerade mal 36). Und in dieser Sache sehe ich die eigentlichen Ursachen meiner Depressionen. Man sagt dazu meines Wissens auch "reaktive Depressionen".

Eine Psychotherapie mag zwar fürs Selbstbewusstsein nicht falsch sein, aber ursächlich - da bin ich mir sicher - brauche ich zunächst was anderes. Und die Gefühle wegen meiner Exfrau... keine Ahnung, ehrlich.
willkommen

du schreibst etwas über reaktive depression - also eine reaktion - auf was ?


Er meint damit, dass die Depression eine Folge seiner Erkrankung ist.
hallo Weeping Guitar

du, dass hab ich schon gelesen und auch so verstanden, das er meint, seine depri ist ne folge seiner erkrankung ist - und ich hab auch gelesen, das er diese , seine erkrankung, seit 20 jahren hat und keiner so recht weiss, was die ursache ist. deshalb schrieb ich das - damit er DAS mal überprüfen kann. 95 % der erkrankungen haben einen psychischen ursprung - das darf man nicht vergessen. und deshalb könnte es helfen da anzusetzen, wäre eine möglichkeit für ihn der sache mal auf den grund zu gehen. und wenn seine seele heller ist, kann er auch besser seine einschränkungen akzeptieren.

07.08.2012 10:46 • #7


WeepingGuitar


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Tut mir Leid, Alena, dann habe ich dich missverstanden. Jetzt verstehe ich, wie du das meintest. Sorry nochmal!

Ansonsten sehe ich das aber genauso wie du das gesagt hast.
Psyche kann manchmal mehr bewirken, als man denkt. Denk einfach mal drüber nach, Leidensgenosse, wie gesagt, du hast nichts zu verlieren!

07.08.2012 10:55 • x 1 #8


Leidensgenosse


Danke für Eure Kommentare & Anregungen, Alena und WeepingGuitar.
Ihr habt natürlich Recht, dass eine Psychotherapie Sinn machen würde, so oder so. Und versucht habe ich es in der tat immer wieder. Aber schon längere Zeit her. Auch in einer psychosomatischen Klinik war ich vor etwa 12 Jahren einmal. Ich war dort 2 Monate und war am Ende ziemlich empört über das fehlende Verständnis der Professionellen. Mit denen kam ich leider nicht zurecht, das Vertrauen fehlte mir gänzlich. Die Insassen - teilweise sehr durchgeknallte - fand ich dagegen super. Die haben mich tatsächlich verstanden und respektiert. Und ohne sie wären diese 2 Monate pure Zeitverschwendung gewesen. Mein Vertrauen in Profis hält sich sehr stark in Grenzen. Man darf mich beispielsweise gerne provozieren, aber bitte nur dann, wenn das auch einen Zweck verfolgt. Den habe ich in der Behandlung meines Therapeuten nie vermittelt bekommen. Was die Entstehung meiner körperlichens Symptome angeht, kann man unterschiedlicher Meinung sein. Ich vertrete keine komplett andere als Ihr. Aber meine Bauchkrämpfe beispielsweise, die man mir über 10 Jahre als psychosomatisch bedingt verkaufen wollte, stellten sich auf einmal als Folge eines Leistenbruchs heraus. Seit der OP bin ich die Schmerzen los. Das hätte man deutlich früher erkennen können, zumal bereits danach gezielt gesucht worden war. Diese ganze Krankheitsgeschichte konnte ich zur Zeit meiner Beziehung echt verkraften. Ich war zwar eingeschränkt, aber meine Ex gab mir über Jahre hinweg das Gefühl, etwas wert zu sein. Und sie war wirklich eine gute Ehefrau, bis ihr offenbar irgendwann alles zu viel wurde. Und ich habe ihr ja auch viel gegeben, was sie mir (damals) auch immer wieder bestätigte. Als wir uns kennen lernten, konnte sie beispielsweise kein Deutsch. Sie kommt aus Asien (wir haben uns in Deutschland kennen gelernt, als sie Au Pair war). Über mich hat sie Sprache und Kultur gelernt, jedenfalls in den ersten Jahren. Und ihre Ausbildungstelle habe ich ihr auch beschafft. Kurz bevor sie die abschloss, waren wir jedoch schon geschiedene Leute. Wir hatten eigentlich alles noch vor uns. Wir wollten ein Kind (wenn die Finanzen stimmen), verreisen und in eine größere Wohnung ziehen. Nur das mit der Wohnung haben wir umgesetzt. Aber kurz darauf war Schluss. Ich bin noch zwei weitere Jahre in der Ehewohnung geblieben, erst dieses Jahr kam dann der Umzug in meine eigene Wohnung. Aber trotz der räumlichen Umorientierung wird es bei mir nicht besser. Unseren Kater habe ich bei mir. Jedesmal, wenn er schreit, kommen die Gefühle hoch, die mich an die Zeit erinnern, an der wir ihn geholt haben. Sie war damals viel alleine, während ich in die Uni musste. Und sie hatte ihn immer bei sich, wenn sie mich vermisst hat... ich grüble jetzt schon schriftlich, sorry. Nehmt mir das bitte nich übel, es tut gerade gut, sich das von der Seele zu schreiben. Aber jetzt beende ich, damit es nicht noch mehr wird. Danke Euch beiden

07.08.2012 21:35 • #9


Alena-52


Zitat von Leidensgenosse:
Auch in einer psychosomatischen Klinik war ich vor etwa 12 Jahren einmal. Ich war dort 2 Monate und war am Ende ziemlich empört über das fehlende Verständnis der Professionellen. Mit denen kam ich leider nicht zurecht, das Vertrauen fehlte mir gänzlich.

Mein Vertrauen in Profis hält sich sehr stark in Grenzen.

Aber meine Bauchkrämpfe beispielsweise, die man mir über 10 Jahre als psychosomatisch bedingt verkaufen wollte, stellten sich auf einmal als Folge eines Leistenbruchs heraus. Seit der OP bin ich die Schmerzen los.
Und sie hatte ihn immer bei sich, wenn sie mich vermisst hat... ich grüble jetzt schon schriftlich, sorry. Nehmt mir das bitte nich übel, es tut gerade gut, sich das von der Seele zu schreiben.
hallo leidensgenosse

ich hab mal ähnliche erfahrungen gemacht -schon länger her
inzwischen bin ich fast alles losgeworden obwohl ich auch gut zwanzig jahre damit zu kämpfen hatte, von kindheit an.
statt anderen zu trauen und mich auf sie verlassen, habe ich selbst den menschen als gesamtheit (incl. mich) studiert, ... und bin auf den richtigen weg dadurch gekommen. was mir aber wirklich von all dem half - war bewusstseinsarbeit. schon in der bibel steht : am anfang war der geist und meinen kenntnissen und erfahrungen nach - liegt auch da unser aller übel.
wir sind was wir mal -schon ganz früh- gedacht haben über uns, menschen, und in den situationen und all das ist in uns gespeichert und läßt uns reagieren, statt agieren. dieses programm läuft immer weiter - bis ich es erkennen und ändern kann.
ändere ich ein altes programm - ändert sich auch mein innerer ablauf, mein körper, meine seele heilen ...

ist schon mal gut, dass dir da zumindest deine schmerzen genommen werden konnten. den seelischen schmerz zu heilen dauert viel länger.

das forum ist dazu da um sich auszutauschen, sein leid von der seele zu schreiben und hilfe und unterstützung zu bekommen, manchmal auch trost.

überlege dir vielleicht trotz deiner weniger schönen erfahrungen nochmal hilfe zu bekommen - es gibt auch gute kliniken, ärzte und therapeuten, man muss manchmal nur suchen um sie ausfindig machen zu können.
ein versuch kann es wert sein.

alles gute und viel glück!

07.08.2012 22:24 • #10


Leidensgenosse


Danke vielmals für Deine tröstenden Worte. In der Tat denke ich immer wieder darüber nach - nicht zuletzt wegen Eurer Anregung - diesen Schritt noch einmal zu wagen. Das Problem ist - und da kenne ich mich leider zu gut, dass ich wahnsinnig launisch bin und dementsprechend inkonsequent. Ich nehme mir etwas vor und dann scheitert es entweder an meiner Befindlichkeit (die ich nicht vorschiebe, sondern sie ist da und nimmt sich all meine Kraft), meiner Sturheit ("Diese Therapeuten sind doch alle gleich, meinen immer, alles besser zu wissen, und in Wirklichkeit stehen sie selbst vor einem privaten Scherbenhaufen") oder aber auch an einer zeitlich befristeten BEsserung meines Seelenlebens (vor allem, wenn ich viel arbeite oder doch mal unter Leute komme - meine Kolleginnen und Kollegen kriegen es immer wieder mal hin, mich zu was zu motivieren. Sie sind zur zeit Freunde, Familie und all das, was ich außerhalb nicht habe oder meide). Und dann habe ich plötzlich Urlaub. Und Urlaub ist inzwischen mein Angstgegner. Ich nehme mir immer viel vor. Mach davon dann auch einiges, wenn auch nicht alles. Aber am Ende bin ich eben allein. Als ich heute in der Zeitung von Silvia Seidels Suizid gelesen habe (sch*****!), wurde mir bewusst, wie viel wert es ist, eine vergleichsweise sichere und geregelte Arbeit zu haben. Die hatte ich nicht immer. Aber wenn ich früher mal arbeitslos wurde, hatte ich zumindest noch ein behagliches Zuhause...

Ich muss mich aufraffen, weiß nur noch nicht, wie. Diese Woche erwarte ich ein Laborergebnis, das ich dann meinem Hausarzt vorlegen möchte. Davon hängt ab, ob ich eine (somatische) Therapie beginnen muss. Aber in meinem Hinterkopf habe ich auch eine Adresse, über die ich einen PSychotherapeuten meiner Wahl erhalten kann. Bei dem System scheint es so eine Art "Casting" zu geben. Du siehst Dir 3 Therapeuten (oder mehr) an und entscheidest Dich anschließend. Als ich meinen letzten (ambulanten) Therapeuten hatte, hatte ich gerade krankheitsbedingt mein Studium auf Eis gelegt. Das war natürlich eine zusätzliche bittere Niederlage. Der Therapeut war sehr empathisch und eigentlich mein Fall. Aber an der objektiven Situation konnte sich damals noch nichts ändern. Mein Studium habe ich vor Jahren dann doch erfolgreich abgeschlossen, sodass zumindest dieser Komplex abgelegt ist. Vielleicht hilft mir ja diese vergleichsweise neue Perspektive. Das AUfraffen ist im moment mein Problem, aber ich muss versuchen, es mal ganz oben auf meine Prioritätenliste zu setzen. Alles andere - und da hatte auch WeepingGuitar" Recht - hat ja bisher (meist) versagt.

07.08.2012 22:51 • x 1 #11



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