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Selbstliebe nach Affäre des Mannes

J

123jen
Mitglied

Beiträge:
3
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1
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3
Mitglied seit:
Vor einem Jahr fand ich heraus, dass er eine fast einjährige Affäre hat. Ich habe ihm direkt eine Chance gegeben. Wir haben ein kleines Kind, Haus, 17 Jahre. Ich hätte nie gedacht, dass mir so etwas passieren kann. Ich hätte ihm diesen Schmerz nie antun können. Ich habe seit dem viel geweint. Viel gekämpft, erklärt, erhofft. Aktuelle Erkenntnis (ich bin froh, dass ich auf diesem Stand bin): er bemüht sich, aber er kann nicht der Mann sein, den ich brauche, um weiter an der Beziehung zu arbeiten. Anfangs dachte ich noch, es kann alles irgendwie und irgendwann wieder gut werden. Jetzt zu der wichtigsten Frage: wie habt ihr es geschafft, euch wieder an erster Stelle zu stellen. Ich habe außer ihm niemanden. Das Leben, das was ich mit ihm aufgebaut hatte, ist alles was ich habe. Meine Eltern sind kein Halt. Freunde habe ich so gut wie keine. Ich bin es gewohnt alles im Alleingang zu meistern. Außerhalb der Beziehung weiß ich das ich wertvoll bin. Aber sobald ich mit meinem Mann bin, hängt alles von ihm ab. Ich will aus dieser Erwartungshaltung raus.

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Lathgertha
Herzlich Willkommen im Forum.

Ich finde es sehr bemerkenswert, auf welchem Stand du gerade bist. Viele Menschen bleiben viel länger in der Hoffnung hängen, dass alles wieder wird. Du hast etwas sehr Wichtiges erkannt; Er bemüht sich, aber er kann dir nicht das geben, was du brauchst. Das ist keine kleine Einsicht, sondern ein echter Wendepunkt.

Deine Frage geht aber noch tiefer. Es geht nicht nur darum, ihn anders zu sehen, sondern darum, dich selbst wieder an erste Stelle zu setzen, obwohl dein ganzes System an ihn gebunden ist. Du hast nicht zu wenig Selbstwert. Du beschreibst selbst sehr klar, dass du außerhalb der Beziehung weißt, dass du wertvoll bist. In der Beziehung kippt es, weil dein Selbstwert emotional an ihn gekoppelt ist. Das ist kein Widerspruch, sondern eine typische Bindungsdynamik nach so vielen gemeinsamen Jahren, mit Kind und gemeinsamem Leben.

Was dir gerade fehlt, ist kein Mut oder keine Stärke, sondern ein innerer Bezugspunkt außerhalb von ihm… Und den baut man nicht durch einen einzigen Gedanken auf, sondern durch viele kleine, konsequente Schritte im Alltag. Es geht darum, innerlich nicht mehr jede seiner Handlungen zu verarbeiten oder auf dich zu beziehen, Erwartungen bewusst zurückzunehmen, weil er sie aktuell nicht erfüllen kann, und dir selbst wieder Raum zu geben, auch wenn dieser am Anfang sehr klein ist. Dein System muss langsam wieder lernen, dass du auch unabhängig von ihm existierst.

Gleichzeitig ist es wichtig, bei der Realität zu bleiben. Du hast bereits erkannt, dass er nicht der Mann ist, den du brauchst, um weiter an der Beziehung zu arbeiten. Diese Klarheit ist im Moment dein wichtigster Anker, nicht die Hoffnung, dass sich etwas grundlegend verändert. Hoffnung kann dich sonst immer wieder zurückziehen in genau die Dynamik, aus der du eigentlich heraus willst.

Dass du dich so stark an ihn gebunden fühlst, hat nichts mit Schwäche zu tun. Du hast 17 Jahre investiert, ein gemeinsames Kind, ein gemeinsames Leben aufgebaut. Es wäre unnatürlich, wenn sich das leicht lösen würde. Aber genau deshalb darfst du jetzt anfangen, Schritt für Schritt wieder bei dir anzukommen.

Dein Ziel muss nicht sein, ihn sofort loszulassen. Dein Ziel ist, dass dein inneres Gleichgewicht nicht mehr davon abhängt, wie er sich verhält. Und in diese Richtung bewegst du dich gerade schon, auch wenn es sich noch nicht so stabil anfühlt.

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A


Selbstliebe nach Affäre des Mannes

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Sonnenschein85
Was genau wünschst du dir von ihm ?

Käme eine Trennung in Frage für dich?

Veränderung braucht Mut. Aber trotz langer Ehe kannst du das schaffen, wenn du nicht mehr glücklich bist.

x 2 #3


A
Zitat von 123jen:
Wir haben ein kleines Kind,

Liebe 123jen, wie alt ist denn dein Kind? Wie teilt ihr euch die Betreuung? Arbeitest du?

Einen Tipp vorab: Hör auf dir seinen Kopf zu zerbrechen und bring Abstand rein.

Machst du irgendwas außer Kind, Haus etc?

#4


hotte
@123jen

Willkommen und toll das du den Mut gefasst hast um Hilfe zu bitten. DAS ist der erste Schritt auf dem Weg damit es dir wieder besser geht.

Ich war in einer ähnlichen Situation, allerdings ohne das Fremdgehen. Ich habe mich während der Ehe nur auf meine Frau konzentriert, habe ihr alle sozialen Kontakte überlassen usw... nach der Trennung stand ich dann da.

Ich habe abgefangen in mich zu lauschen was ich denn jetzt brauche (und habe einige falsche bzw. dumme entscheidungen getroffen aus denen ich wenigstens lernen konnte). Ich habe angefangen viel zu laufen (also spazierengehen) um den Kopf frei zu bekommen. Das ist für mich einfacher als ins fitnesstudio zu gehen (was ich viel zu selten machen).

Dazu habe ich angefangen "alte" kontakte aus der Jugendzeit zu reaktivieren bzw. leute angeschrieben (über Facebook gesucht) und so hatte ich relativ schnell wieder ein paar Kontakte von früher zu sammen. Dann noch einfach mal raus gehen. Egal was... billard spielen, wandern, tischtennis.... ganz egal was... hauptsache raus und neue leute kennen lernen. Spontacts oder GemeinsamErleben dot com eignet sich dafür sehr gut.

Der wichtigste Punkt für mich sind die Selbsthilfegruppen. Ich bin in einer "Männer" selbsthilfegruppe wo es mehr um den austausch und den Umgang mit versch. situationen geht und war zwischenzeitlich auch in einer Trennungsselbsthilfegruppe. Die persönliche und direkte Austausch hat mir extrem geholfen mit meinen Selbstzweifeln umzugehen und ein einigermassen gesundes selbstbewusstsein aufzubauen.

Vielleicht ist etwas davon ja auch etwas für dich.

x 2 #5


J
@Lathgertha danke dir. Das sind echt liebe Worte. Es ist noch ein auf undankbar. An manchen Tagen bin ich ganz klar in mir. An manchen Tagen zweifle ich so stark und Ende in Gedanken, die mir aber letztendlich nichts bringen. Aber ich bin zuversichtlich, dass ich es schaffe.

#6


J
@Sonnenschein85 Ich habe ihm gesagt, dass ich an erster Stelle eine Veränderung hinsichtlich tiefen Gesprächen brauche. Bis jetzt bin ich immer diejenige gewesen, die ihm „hinterher“ rennt und Gespräche einfordert. Ich rede dann und rede und erkläre und erkläre. Von seiner Seite kommt entweder nichts. Oder man sieht, dass er sich schuldig fühlt. Aber das will ich gar nicht. Ich will kein Schuldgefühl, sondern ein echtes ändern der Situation. Ich habe bis vor ein paar Tagen bestimmt das 10 mal angesprochen, dass ich brauche, dass er von alleine kommt und über seine Gefühle spricht und auch wissen will, wie meine Gefühle sind. Aber es fühlt sich erzwungen an. Beim letzten Mal hat er gesagt, dass er es auch einfach nicht kann. Es hat wehgetan. Aber es ist wenigstens die Wahrheit.

x 1 #7


Sonnenschein85
Das verstehe ich. Man will auch keine erzwungene Reue spüren oder nur ein Bemühen weil man es einfordert.

Vielleicht passt es nicht mehr. Wenn dir etwas fehlt. Und er anscheinend von selbst sich dahingehend nicht ändert.

x 1 #8


RoteTablette
Zitat von 123jen:
Ich habe außer ihm niemanden. Das Leben, das was ich mit ihm aufgebaut hatte, ist alles was ich habe.

Zitat von 123jen:
Freunde habe ich so gut wie keine.

Zitat von 123jen:
Aber sobald ich mit meinem Mann bin, hängt alles von ihm ab.

Das alles solltest du dringend ändern. Selbstständiger werden, Freundschaften entwickeln, auf eigenen Beinen stehen.
Dann würdest du auch wieder für deinen Mann interessanter werden. Denn wer will schon ein pures Anhängsel?
Zitat von 123jen:
Ich will aus dieser Erwartungshaltung raus.

Sehr gut! Nun heißt es an Werk gehen. Tu das für dich. Ohne seine Hilfe. Du solltest ihm das auch nicht kommunizieren - er soll von selbst drauf kommen, dass du erfolgreich an dir arbeitest. Gespräche bringen weniger als man denkt. Worte sind billig. Taten dagegen sprechen ihre eigene, unwiderlegbare Sprache.

#9


J
@123jen
Ich kann die blöde Fremdgeherei nicht verstehen. Wenn es nicht mehr klappt, man sich unwohl fühlt, dann kann sich die Person äußern und die Beziehung retten, aber so.... Was denkt man sich dabei, das ist doch meinem Partner/meiner Partnerin egal oder wie? Sobald ich Augen/Gefühle für einen andere Person habe, muss ich doch schauen wieso weshalb warum und das kommunizieren. Wenn der S. fehlt, oder die Kuschlerei oder... dann doch nicht bei einer anderen Person sondern mit der man eine Beziehung führt. Es tut mir Leid für dich und vorallem für dein Kind. Bitte versucht das Kind aus euren Angelegenheiten raus zu halten - Danke.
Meine Einschätzung ist, wenn er aktuell zu keinen Gesprächen von sich aus bereit ist, dann kannst du so oft sagen wie du möchtest, er wird es vermutlich nicht ändern können bzw. nicht in deiner benötigten Geschwindigkeit.
Mach du dir Gedanken wie du weiter leben möchtest. Kommt dann in dem Leben ein lieben und netten Freund/Mann drin vor? Dann schaue ob du das hast oder vielleicht mal bekommst. Wenn du an ihm festhalten möchtest - was verständlich ist, dann werdet ihr mit seiner Kommunikationsbereitschaft nicht um eine Paarberatung oder zumindest um eine Elternberatung drum herum kommen.

#10


E
Liebe @123jen,

Ich finde @Lathgertha hat es wirklich toll zusammengefasst und ich stimme ihr in allen Punkten zu.

Überlege dir wer du eigentlich bist. Was begeistert dich jenseits von deiner Familie? Ich empfehle dir, dir ein Hobby zuzulegen, einen Tanzkurs zu machen, ein Ehrenamt auszuprobieren, irgendwas, dass dir gefällt, das nur dir gehört. Darüber kannst du auch wieder soziale Kontakte knüpfen und das wird dir helfen deinen Selbstwert wieder aufzubauen und dich selbst zu sehen

#11


Worrior
@123jen
Diese Beziehung war viele Jahre ein sehr großer Teil Deiner Identität.
Wenn das jetzt wegbricht ist da erst mal eine große Leere in Dir.

Selbstliebe, Selbstachtung und Selbstpflege hat nichts mit Überheblichkeit und Egoismus zu tun und es sind auch keine narzistischen Züge.
Es bedeutet die volle Verantwortung über das eigene Leben zu übernehmen.
Aus dem Opferdenken auszubrechen und seine Lebensqualität und Lebensfreude nicht von den Launen Anderer oder äußeren Umständen abhängig zu machen.

#12


A


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