Suchen und finden - Abschied nehmen

Dom

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Hi @ all,

nun bin ich fast zwei Jahren Mitglied dieses Forum, habe oft schon daran gedacht, meinen Hut vom Haken zu nehmen, bin aber noch immer da. Woran mag dieses wohl liegen?

Liegt es daran, dass noch immer „etwas“ gesucht wird? Liegt es daran, dass ich noch immer nicht ohne Hilfe gehen kann? Oder liegt es daran, dass ich einfach nicht die Fähigkeit besitze, Abschied zu nehmen? Wieder Fragen ohne Antworten.

Tatsache ist, dass ich hier einige Freunde gefunden habe, ich, der eigentlich nicht kommunizieren kann (so wirft man es mir vor). Zugegeben: jede Person, die sich als Freund bezeichnete ist es nicht geblieben. Aber ist es nicht allzu alltäglich?

Tatsache ist auch, dass gewisse Fragen noch immer nach Antwort ringen.... Auch darum lese ich immer wieder hierher (Danke Mick, danke Donald: Ihr habt mir viel gegeben!). Einige Menschen scheinen auf alles eine Antwort zu haben, wissen einfach, wie alles war, ist, sein wird. Warum sind sie dann noch hier, wenn sie lediglich wie eine Dampfwalze über alles drüberfahren? Nun gut... Vielleicht fehlt mir hier die Objektivität...

Wie gesagt, es sind fast zwei Jahren her, dass meiner Ex ging... Sie ließ nicht nur mich, sondern auch unsere Kindern zurück... Dann kam der Punkt, an dem sie um die Kindern gekämpft hat (musste sie ja gar nicht, denn sie sind auch freie Menschen), und schließlich gegen mich richten konnte. Details möchte ich hier auslassen, jedoch nicht aus Schuldgefühle heraus.

Jetzt aber ist die Zeit gekommen, an dem die Kinder sich an mich erinnern und Kontakt suchen!

Warum ich dieses hier und jetzt erwähne? Ich kann mich sehr gut daran erinnern, dass das Thema „Kinder“ oft erwünscht, jedoch immer wieder eher stiefmütterlich behandelt wurde. Es ist dennoch für Viele unter uns ein großes Problem und belastet sehr...
Klar: meine Kinder sind schon seit langem volljährig und sollten wissen, was sie wollen. Sind sie denn deswegen weniger „meine Kinder“?
Es ist nicht immer leicht, hinter den Spiegel zu schauen: da wird man mit sich selbst konfrontiert und muss ggf. nach neuen Rechtfertigungen suchen. Es ist jedoch unerlässlich, dass Jeder hinter seinen eigenen Spiegel schaut, um sich selbst zu erkennen! Es ist die Grundvoraussetzung dafür, dass eine positive, konstruktive Entwicklung ihren Lauf nehmen kann!

Das Leben ist kein Pokerspiel, bei dem Jeder seine Karten sorgfältig verdeckt hält und darauf wartet, dass der „Gegner“ sich aufdeckt!

Genug Frustentladung für Heute.

Es wünscht Euch alle ein schönes Wochenende

der Dom

21.11.2003 16:25 • #1


Knuffelmaus0610


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Hallo lieber Dom ,
es ist nun schon eine Weile her, daß ich hier etwas von mir gegeben habe und so einiges ist in der Zwischenzeit geschehen (wie du ja weißt). Aber trotz totalem Chaos in mir und um mich herum habe ich es immer wieder geschafft, hin und wieder hier vorbeizuschauen und zu lesen. Um hier  eigene Worte zu verfassen, war ich einfach noch nicht in der Lage. So ganz langsam merke ich aber, daß ich mich einen kleinen Schritt nach vorn bewege und nicht mehr alles ganz so grau sehe.
Ich habe den Rat eines lieben Freundes(dem ich hier noch mal lieb für seine Geduld mit mir danken will) angenommen und es versucht, mich in Geduld zu üben. Es ist jeden Tag auf´s neue so schwer für mich, den Dingen abwartend ihren Lauf zu lassen.
Vieles, was man erzwingen wollte, kommt von allein auf einen zu, wenn man die Zeit für sich arbeiten läßt: in den letzten Tagen haben sich meine Kinder,die getrennt von mir leben,  mehrmals bei mir gemeldet! Ich bin so froh darüber, denn ich hatte angenommen, ihnen egal geworden zu sein. Das hätte ich zu allem, was mit der Trennung von ihrem Vater an Negativem auf mich zugekommen ist absolut nicht auch noch verkraften können!!
In diesem Sinne, ich wünsche euch allen ein ruhiges Wochenende
Knuffelmaus

22.11.2003 00:13 • #2


Dom


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Hi Knuffelmaus,

hier nur ein Zeichen, den Du sicher verstehen wirst:  ;)

Dir das Beste, wünscht

der Dom

22.11.2003 12:08 • #3


Ehemaliger User


Hallo Dom,

> Tatsache ist, dass ich hier einige Freunde gefunden habe, ich, der eigentlich nicht kommunizieren kann (so wirft man es mir vor)

also da hatte ich aber einen ganz anderen Eindruck bei unserem Treffen.

> Zugegeben: jede Person, die sich als Freund bezeichnete ist es nicht geblieben. Aber ist es nicht allzu alltäglich?

Alltäglich, weil unbewußt. Nach meiner Erfahrung sind es gerade die Leute, von denen man es am wenigsten erwarten würde, die einem treu bleiben. Ein guter Test ist es, mit einem Freund Geschäfte zu machen. Dann sieht man ziemlich schnell, wer wirklich Freund ist und wer nicht, gerade hier in Deutschland, wo sich alles ums Geld und um Vorteile dreht:-)

> Einige Menschen scheinen auf alles eine Antwort zu haben, wissen einfach, wie alles war, ist, sein wird. Warum sind sie dann noch hier, wenn sie lediglich wie eine Dampfwalze über alles drüberfahren?

Lieber Dom, Du solltest immer im Auge behalten, daß praktisch keiner, der noch so schlau sein will, das für sich selber so einfach umsetzen kann, und derjenige auch "nur" auf dem Weg der Erkenntnis ist. Weisheiten, die man erkannt und formuliert hat, sind sowas wie Pfeiler im Meer, um ein Haus darauf zu bauen. Nicht mehr und nicht weniger. Es bleibt jedem überlassen, diese Pfeiler zu benutzen oder sich lieber mit dem Schiff aufs Wasser zu begeben. Also: Schlaue Sprüche sind sowas wie Ideale, an die man sich halten kann oder nicht. Und meistens hilft ein wenig Selbstsuggestion, diese Dinge auch ins Leben umzusetzen. Ja, ich weiß, zwischen dieser Suggestion und dem Selbstbetrug ist die Grenze fließend. Wichtig ist eigentlich nur, daß man seine Taten immer wieder reflektiert. Im Buddhismus heißt es: Gedanken, Worte, Taten in Einklang bringen...

> Es ist jedoch unerlässlich, dass Jeder hinter seinen eigenen Spiegel schaut, um sich selbst zu erkennen! Es ist die Grundvoraussetzung dafür, dass eine positive, konstruktive Entwicklung ihren Lauf nehmen kann!

Da sind wir uns ja einig:-)

> Das Leben ist kein Pokerspiel, bei dem Jeder seine Karten sorgfältig verdeckt hält und darauf wartet, dass der „Gegner“ sich aufdeckt!

Korrektur: Es sollte das nicht sein. Tatsächlich ist es das aber in unserer Gesellschaft. Falscher Stolz, Arroganz, Masken, Selbstbetrug, Lügen, Intrigen, Dro. aller Art und Vertuschungen sind an der Tagesordnung, die "besten" Dinge, die einen auf Dauer kaputt und die Ärzte und Psychotherapeuten reich machen. Leider erkennt das keiner, solange es ihm einigermaßen gut geht.

> Jetzt aber ist die Zeit gekommen,  an dem die Kinder sich an mich erinnern und Kontakt suchen!

Siehste, das ist doch sehr schön. Ich denke man muß nur etwas Geduld haben, am Ball bleiben und offen sein, dann werden sie sich irgendwann auf ihren Vater besinnen.

schönen Sonntag noch!

ciao

23.11.2003 12:06 • #4


Dom


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Hallo ,

Du sagst es sehr deutlich: „Falscher Stolz, Arroganz, Masken, Selbstbetrug, Lügen, Intrigen, Dro. aller Art und Vertuschungen sind an der Tagesordnung, ...“ Ja, das Leben ist gespickt davon. Und das Schlimmste daran scheint es noch zu sein, dass der Mensch sich darin badet!
Aber nun... Das ist „unsere“ Gesellschaft. Traurig genug.
Und da gibt es noch die „Anderen“, jene, die sich am Rande aufhalten und für sich ein Kampf führen. Gegen Windmühlen zwar, aber lebensnotwendig. Oder Überlebensnotwendig? Hmm...
Weißt Du, allmählich erwarte ich nichts mehr von den Menschen. So kann es vorkommen, dass eine positive Überraschung sich von Zeit zur Zeit sich einstellen kann. Aber erwarte ich von mich selbst noch etwas?
Ich denke, das Leben ist ein Pfad, den wir gehen müssen. Auf dem Weg – es setzt voraus, dass wir auch gehen! – erwarten einem diversen Aufgaben, Rätsel. Hier muss man differenzieren können, was man davon aufnehmen kann, soll, darf. Dieses ist es, was ein prägt. Nachdenken allein ist nicht genug, dem muss ein Handeln folgen. Aber es gibt einer Zeit für alles. Geduld, Selbstgeduld ist eine Tugend.
Oh Weh! Jetzt wird es wieder abstrakt! Sartre hatte gar nicht so Unrecht...
Wie würdest Du denn „Zufriedenheit“ definieren? Ich suche seit einige Tagen nach eine „Interpretation“, finde jedoch keine, die mich „zufrieden“ stellen kann... Wachsen die Ansprüche in Relation zu deren Sinngabe?
„Laß’ uns erleben, so dass wir das Licht wahrzunehmen vermögen und die Wahrheit hinter dem Spiegel am Ende doch noch sehen können.“

Dir auch einen schönen Sonntagabend,

Dom

Danke!

23.11.2003 23:06 • #5


Ehemaliger User


hallo dom,
ich kann dir auch nach 2 jahren nur beipflichten: bleibe hier, wenn du magst, es gibt immer wieder themen, an denen man noch herumkaut und gute tipps hier, manches auch einmal anders zu betrachten. außerdem gibt es hier wirklich auch viele wohlgesonnene leute, die mir immer wieder weiterhelfen.

normal ist auch, dass man einige langzeitenttäuschungen mit sich rumschleppt, die weit über die trennung hinausreichen.
da führst du z.b. freunde an, die keine sind oder sich nicht mehr melden. ja, das habe ich auch erkennen müssen und entsprechend abstriche gemacht. andererseits habe ich aber auch einige neue gute bekannte dazugewonnen und sei es auch nur per beitrag und erwiderung hier im forum !
ich habe viel darüber nachgedacht, warum sich manche freunde so sang- und klanglos verabschiedet haben: viele sind schlichtweg total überfordert, weil ich lange zeit wie in flammen stand, traurig war, wütend (und somit auch unsachlich)war und sie irgendwie keine partei beziehen wollten. viele sind auch meiner ex nicht geblieben. insofern kann man auf diese freunde wohl dann auch getrost verzichten.
tja und die kinder ? mein junge lebt bei der ex (deren trennungsgrund, der mann ihres lebens, sich jetzt nach 3 jahren von ihr verabschiedet hat); ihn sehe ich mindestens jedes 2. wochenende und wir verleben schöne zeiten, obwohl ich es schade finde, den alltag nicht mehr mit ihm zu haben: er wird so schnell groß und ich bekomme manche entwicklungen garnicht mehr so mit. unsere tochter (aus einer früheren beziehung meiner ex) meldet sich trotz mehrfachen bemühungen von mir gar nicht mehr, sie ist wohl mit 22 erwachsen und will mit dieser episode des lebens ihrer mutter nix mehr zu tun haben. tja damit muß ich leben....

ja es gibt hier rasenmäher-leute, aber das kann uns doch egal sein, wir schreiben einfach weiter und helfen uns gegenseitig.

meine neue freundin sagte neulich mal zu mir (für mich nicht so überraschend), daß man mir irgendwie eine tiefsitzende trauer oder schwere anmerkt.
und das ist mir wirklich als vermächtnis der trennung noch geblieben, das geht wirklich nur sehr langsam weg und wer weiß, ob nicht die rasenmäher-leute mit ihrem zweckoptimismus viel weiter von sich weg sind als du und ich dom !

Also bleibe hier, schreib weiter und ich wünsche dir eine schöne woche

mick

24.11.2003 07:52 • #6


Dom


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Hallo Mick,

Ganz sicher hast Du damit recht, dass Langzeitenttäuschungen weit über die eigentliche Trennung hinausreichen. Mann sollte meinen, dass gerade bei Leuten, die dieser Fahrt mitgemacht haben so etwas wie Einsicht vorhanden sein sollte. Leider ist daraus keine Regel abzuleiten.
Aber gut: vielleicht wird einfach zu viel erwartet und dafür zu wenig an in Richtung Selbstaufbau gearbeitet?
Es ist schon sehr aufschlussreich festzustellen, wie sich manch ein Verhalten wiederholt! Ich meine hiermit Deiner erwachsene Tochter. Bei meine Kinder war es nicht anders. Nachdem sie sich umorientiert hatten und wieder den Kontakt zu ihrer Mutter gesucht hatten, gegen mich, habe ich mich dazu entschlossen, auch hier loszulassen, abzuwarten. Und siehe da! Jetzt beginn der Wind aus einer anderen Richtung zu wehen! Wie schon sagte, manchmal genügt es zu warten (was nicht immer sehr einfach ist!). Gemeinsam mit Deiner Tochter haben sie, dass sie eigentlich nichts von der Trennung „hören“ wollen. Aber das ist auch ganz in Ordnung so.
Ja, die Kinder wachsen sehr schnell. Das bekommst Du besonders jetzt zu spüren, da Du sie nur noch zeitweise um Dich hast. Ich hoffe, dass wenigstens Dein Sohn so viel von Dir mitnimmt, dass er ein halbwegs gesundes seelisches Wachstum erfährt!

Die Rasenmäher-Leute... Irgendwann ist jeder Energie erschöpft. Also warten wir doch auch hier einfach ab. Ich erinnere mich an einen Spruch meines Großvaters. Er sagte: „vergessen nie, dass derjenige der Gewinner ist, der die Ziellinie erreicht.“ Und nicht zu selten bleiben Einige auf halber Weg einfach stehen, mangels Energie.

Dir ebenso eine schöne Woche, Mick,

Dom

24.11.2003 15:29 • #7


Ehemaliger User


Hallo mick,

Zitat:
deren trennungsgrund, der mann ihres lebens, sich jetzt nach 3 jahren von ihr verabschiedet hat


man, wenn ich sowas lese, dann stellen sich mir die Nackenhaare hoch. Ich weiß, daß Du inzwischen einen anderen "Kriegsschauplatz" hast (ist wohl das falsche Wort), ich find´s nur einfach behämmert, wenn ich sowas lese. Alles "umsonst"... aber das wußten wir ja bereits...


Hallo dom,

Zitat:
Einige Menschen scheinen auf alles eine Antwort zu haben, wissen einfach, wie alles war, ist, sein wird. Warum sind sie dann noch hier, wenn sie lediglich wie eine Dampfwalze über alles drüberfahren? Nun gut... Vielleicht fehlt mir hier die Objektivität...


Zwischen Wissen und Tun gibt es einen  riesen Unterschied.

Wenn nur das Wissen ausreichen würde, um Probleme zu lösen, wäre das Forum mit all seinen Gefühlen kaum notwendig. Nein - das Wissen, den Verstand, das mag bei mir schnell dagewesen sein... die Umsetzung der ersten konsequenten Schritte hat lange gedauert - und es dauert bei mir noch weiterhin an.

Wissen weiterzugeben, Erfahrung zu teilen hilft dem Anderen nur, wenn er für sich eine Lösung darin sieht und es aber dann auch so nach und nach oder gleich konsequent umsetzt. Ob es der richtige Weg für einen ist, kann man nur immer selbst nach einer gewissen Zeit beurteilen. Wie sagst Du: Die Ziellinie erreichen...

Der Schritt davor ist, das Ziel zu finden. Und hier bin ich noch auf der Suche... Gruß, Gerd

25.11.2003 14:14 • #8




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