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Tod eines narzisstischen Vaters

Gretel

Gretel


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Zitat von NIKi99:
Sorry ... Aber es ist für mich schon lange kein Kriterium mehr, was andere ( über mich ) denken.

Auch besteht wohl keine große Gefahr dafür, daß mich irgendeine Tante nachher anruft, weil mein
Vater mit der gesamten engeren Restfamilie " überkreuz " war ...

Und : es geht auch niemanden etwas an, warum ich nicht komme.
Das ist wohl ganz allein meine Sache.

Mein Vater hat sich seit 9,5 Jahren von selbst nicht bei mir gemeldet. Ich denke, das ist Grund genug ...

Und : wie mein Bruder dann damit umgeht, ist auch seine Sache.
Er findet es auch nicht nötig, mich in die Vorbereitungen fürs Begräbnis miteinzubeziehen.
Außerdem hat er mir schon gesagt, daß er mir nicht böse wäre und ich das selbst wissen muß ...

Danke trotzdem für die lieb gemeinte " Warnung ".


Wie ich schon schrieb:
Es ging mir nicht darum, was andere denken könnten.

Wenn bei Euch (in Eurer Familie/Freundeskreis) sowieso nichts an emotionaler Bindung ist, und Dein Bruder Dich nicht einbezieht (Deine Formulierung "Er findet es auch nicht nötig... ist neutral?)

... ist es wohl stimmig für Dich.

Aber so einschneidende Traditionen wie eine Beerdigung würde ich psychisch nicht unterschätzen.
Du kannst ja auch auf sein Grab spucken.

Zitat von Gretel:
Ist es für Dich vorstellbar, dass Du Dein Thema nach der Beerdigung ansprichst?


Dazu gehört natürlich ein bißchen Mut.
KÖNNTE mehr als Abschluss wirksam werden als Vermeidung.

04.12.2018 02:09 • #16


Perzet


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Liebe Nicole,
ich kann dich sehr gut verstehen, denn ich kenne die ganzen ambivalenten Gefühle und Verhaltensweisen aktuell sehr gut aus meiner Familie. Aufgrund Vaters hohen Alters habe ich dein Ereignis seit 20 Jahren vor mir - und habe mindestens genauso lange schon Bammel davor. Wie du sagst, kommt es einem (in meinen Worten) irgendwo verlogen vor, was man dann erwartet. Ob es wirklich so sein wird, ist was anderes und muss man sehen.

Auch wir Geschwister gehen sehr unterschiedlich und gemischt mit den Folgen seines starken narz. Verhaltens um. Du hast es bereits anschaulich beschrieben. Ist bei uns etwas anders gemischt, aber vom Prinzip ähnlich.

Wenn du hingehst, dann für deinen eigenen Abschied.
Du hast vor Ort ja die Chance, dich ein wenig zu verbergen, wenn du etwas Abstand zu anderen haben möchtest. Meine Cousine hatte bei ihrer Mutter dafür einen riesigen Hut und eine Sonnenbrille aufgesetzt. Hat funktioniert.

Also ich verstehe dich und deine dargelegten Gefühle sehr gut und finde es sehr stark von dir, wie du mit dieser ganzen Situation bereits umgehen kannst

04.12.2018 02:10 • x 1 #17


KBR


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Guten Morgen - trotz allem, ich möchte Dir gar nicht viel schreiben, nur so viel:

Ich kenne die von Dir beschriebenen Konstellationen aus eigenem Erleben (inkl. des Verhaltens Deines Bruders) und sämtliche damit einher gehenden Gefühle. Zwar war die Gewalt in meiner Familie etwas anders gestrickt, aber sonst ist alles sehr, sehr ähnlich.

Auch ich stehe heute gelegentlich noch fassungslos davor, wie wenig solidarisch mein Bruder sich mit mir zeigt. Er kann oder will nicht anders und es ist an uns, einen Umgang damit zu finden. Wenn es heißt, keinen oder nur noch oberflächlichen Kontakt zu haben, ist das eben so.

Auf gewisse Weise bleiben ja nicht nur sie in ihren Mustern sondern wir auch, indem wir immer wieder aufbegehren, indem wir gesehen werden wollen und gemocht und unser Schmerz anerkannt werden soll. Auch indem wir dann doch wieder enttäuscht werden.

Du hast mein Mitgefühl für den Tod Deines Vaters und die gesamte Situation.

04.12.2018 05:55 • x 1 #18


Tin


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Als ich das alles so gelesen habe, dachte ich nur: wichtig ist nicht, wie man eine Rolle bezeichnet, sondern wie man sie ausfüllt.

Das was du hier beschrieben hast, ist kein Vater - nur Erzeuger und Erzieher (in der negativen Art). Ich nenne meine andere genetische Hälfte auch nur Erzeuger - ein Waschlappen und feiges Stück feinster Güte, der gerne mal die Hand erhob, gerne mal ein Gläschen mehr trank und (wie meine Mutter bestätigte) nie erwachsen wurde im Kopf.
Sein Standardspruch zu mir: "aus dir wird nichts, du landest eh im Gefängnis. Keine Ahnung, was bei dir falsch gelaufen ist."
Natürlich gab er mir auch die Schuld daran, dass meine Mutter sich von ihm trennte, denn er machte ja nie was falsch.
Der Mann mit dem meine Mutter danach zusammen war, DAS war mein Vater. Zwar knallhart und erzkonsequent - aber verlässlich wie die Morgenzeitung vor der Tür. Er war immer für mich da, hat mir beim ersten Liebeskummer beigestanden, mein erstes Auto mit mir gekauft, war auch meiner Abschlussfeier der Schule, hat mich abgeholt -egal von wo - wenn ich drum bat. Er hatte nie eigene Kinder gehabt, musste in diese Rolle reinwachsen und hat es mit Bravour getan.
DAS ist ein Vater. Erzeuger sein ist so einfach - aber Vorbild, Lehrer in fachlicher wie emotionaler Sicht, Beschützer und Anker - DAS ist es!

Väter sind schon eine ganz eigene Spezies. Lange Zeit wurden Männer dahingehend erzogen (eben auch diese Väter), dass es schwach ist Gefühle zu zeigen. Diesen Mangel in der eigenen Erziehung können sie oft nicht mehr entsprechend befrieden und so wird es an die eigenen Kids weitergereicht.

Ich finde es toll, dass du dich von deinem Erzeuger gelöst hast und noch viel toller, dass du dich lieben gelernt hast. Ich weiss wie schwer das ist, wenn man nicht sein darf, wie man ist - und wenn man es dann doch mal ist, (auch körperlich) bestraft zu werden für das was man ist.
Ich arbeite immer noch daran. Ich hatte bis vor ein paar Jahren (nach Jahren der ohne Kontakt) wieder Kontakt mit ihm. Mittlerweile tut er mir sehr leid und ich möchte diesem Versager nicht ins Gesicht sagen, was ich von ihm halte - weil er eben so jämmerlich ist. Trotzdem ist der Wunsch da.
Ich würde ihm gerne zeigen, was für ein MANN aus mir geworden ist. Nix Gefängnis! Ich bin so gesetzestreu, dass ich nicht mal ungenutzte Pausch-Beträge bei der Steuererklärung angebe. Ich bin beruflich erfolgreich, verdiene nicht ganz schlecht, liebe meine Mutter und bin ein guter Sohn.
All das würde ich ihm gerne sagen und was ich von ihm halte... Er ist zu feige mich zu treffen. Dementsprechend habe ich den Kontakt abgebrochen, wenn er mal zu Weihnachten angerufen hat. Er tut mir nicht gut.

Eines habe ich daraus gelernt: nur weil Blutbande besteht muss man nicht lieben - das hat er mir eindrucksvoll vorgelebt. Und: ich werde, wenn es mal soweit sein sollte, niemals so ein "Vater" sein, wie er. Er hat mir perfekt gezeigt, wie es nicht geht.

04.12.2018 06:42 • x 2 #19


Tin


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Eines noch, was ich grade erst gelernt habe und vielleicht bei deinem Verständnis hilft: Kinder suchen Aufmerksamkeit und Anerkennung ihrer Eltern. Es ist nicht nur möglich, sondern sehr wahrscheinlich, dass dein Bruder eine ganz andere Sicht der Dinge hat, weil Geschwister oft "unbesetzte Rollen" einnehmen um ihre Aufmerksamkeit zu bekommen. Ist die Rolle "des artigen und strebsamen" Kindes schon durch ein Geschwister besetzt, so sucht ein anderes Geschwister eben seine Rolle in Aufmerksamkeit zu bekommen. Ich war der "Rebell und Unruhestifter". Dementsprechend wurde ich auch anders behandelt. Von meiner Mutter mit Nachsicht, von meinem Erzeuger mit Bestrafung und Ablehnung. Trotzdem ist es Aufmerksamkeit und man wird wahrgenommen.
Dementsprechend kann und wird dein Bruder eine andere Sicht der Dinge haben - so wie mein Bruder, der immer der artige und strebsame war. Dementsprechend hat er "positive" Aufmerksamkeit bekommen.

Diese Info ist übrigens keine These von mir, sondern wurde mir vor kurzem in meiner Therapie von meinem Psychologen erläutert. Wir gehen grade dieses Thema an.
Vielleicht hilft es dir auch, die Dinge aus seiner Perspektive sehen zu können.

04.12.2018 06:59 • x 2 #20


Murmel

Murmel


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Hallo Nicole

Zitat:
Meine Mutter ... hatte selbst Angst vor meinem Vater und daher leider nicht den Mut, mich / uns zu beschützen.

Das war auch sehr schlimm für mich, daß ihr die Beziehung zu meinem Vater anscheinend immer wichtiger war, als das seelische und körperliche Wohl ihrer Kinder ...Danke " Lebensfreude " ...

Könnte es auch daran gelegen haben, dass eure Mutter mit euch finanziell abhängig war von eurem Vater?

04.12.2018 14:46 • #21




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