Nun sitze ich hier, wie alle drei Wochen und lasse das „Gift“ in mich hineinfließen; Immuntherapie wird es auch genannt. Und du?, Du lässt es dir gut gehen, sitzt heute Abend mit deiner neuen Flamme in deiner Lieblingspizzeria und feierst deinen heutigen Geburtstag.
Hallo liebes Forum,
eigentlich wollte ich gar nicht schreiben, aber ich merke, dass mich das Thema nicht loslässt und um mich bei meiner Therapie etwas abzulenken, schreibe ich doch.
Mein Freund hat mich bereits am 04.04. diesen Jahres verlassen, wir waren alles in allem 5 Jahre zusammen (2 Jahre eher beste Freunde mit Körperlichkeiten); er habe nur noch freundschaftliche Gefühle für mich.
Naja, ich kann’s auch irgendwie verstehen… Ich habe jetzt in drei Jahren das zweite Mal Krebs; dieses Mal leider nicht mehr heilbar und das mit 38 Jahren. Das mit den freundschaftlichen Gefühlen kaufe ich ihm jedoch trotzdem nicht ab. Er hat immer alles für mich gemacht, er war in den beiden schweren Zeiten immer für mich da, er hat mich weit in spezialkliniken gefahren, ist nicht zur Arbeit gegangen, hat mich gepflegt, mich gewaschen, mir meine Beine rasiert. Er arbeitet im drei Schichten System, hat mich jeden Tag im Krankenhaus besucht und ist jeden Tag mit meinem Hund spazieren gegangen; auch lange nachdem ich aus dem Krankenhaus entlassen war, weil mir die Kraft fehlte (musste zwei Monate im Krankenhaus sein, weils überhaupt nicht gut aussah). Er kochte für mich, lies Kissen und Kuscheltiere mit Besserungswünschen erstellen, ging mit mir und meinem rollator spazieren… ach, ich könnte euch noch mehr aufzählen.
Die zwei Monate im Krankenhaus haben alles verändert… er saß jeden Tag bei mir, nach oder vor der Arbeit und weinte bitterlich. Er konnte mit der Situation überhaupt nicht umgehen und sich nicht distanzieren. Er weinte nur noch, ließ sich dann irgendwann mehrere Wochen krankschreiben… er empfand es so schlimm, dass er mir nicht helfen konnte und nicht weiß, wie es mit mir enden wird. Dann kam dazu, dass wir uns bestimmt ein halbes Jahr nicht anfassen durften, weil mein Immunsystem so schlecht war und ich keinesfalls krank werden durfte. Es war keine schöne Zeit

Als ich dann zuhause war, kam er auch dort jeden Tag zu mir. Er wollte mich unbedingt wieder bei sich haben, was aber aufgrund meiner Situation nicht machbar war. Er wohnt im vierten Stock, dass hätte ich aufgrund meiner fehlenden Kraft nie hoch geschafft. Des Weiteren bin ich nachts künstlich ernährt worden… auch hatte ich über vier Monate Fieber und keiner wusste, was los war.
Er fragte mich ständig, ob ich zu ihm komme, ob wir spazieren oder einkaufen gehen und meistens musste ich halt aufgrund der Umstände, ablehnen. Irgendwann merkte ich, dass sein Nachfragen weniger wurde und somit fragte ich ihn, ob ich mal wieder zu ihm kommen kann… naja, daraufhin sagte er mir, dass er nur noch freundschaftliche Gefühle für mich hat, dies habe er gemerkt, als wir das letzte Mal zusammen einen Film geschaut haben… Ich überlegte, dass war im Januar
😲 Dann, zudem Zeitpunkt, an dem es mir wieder richtig gut ging hat er mich verlassen… er hatte also von Januar bis April Zeit, um sich von mir zu verabschieden, zu distanzieren und für mich, war es das schlimmste auf der Welt, was passieren konnte.
Ein paar Wochen zuvor, als ich übers Wochenende vom Krankenhaus nach Hause durfte, fing ich an zu weinen und sagte zu ihn, dass ich solche Angst habe, dass er mich wegen dieser sch. Krankheit verlässt…. Er versprach mich, dies auf keinen Fall zu tun. Naja Taten sagen mehr als Worte.
Für mich fühlt es sich so an, als habe er gewartet, bis es mir wieder gut geht, bis ich ihn im Alltag nicht mehr „brauche“. Er ist daran zerbrochen mich so zu sehen, mich nicht mehr anfassen zu dürfen, die Gewissheit zu haben, dass ich jeden Moment sterben könnte. Ich musste ihn auch zu Meinem Psychoonkologen schicken, damit er sich wieder fängt.
Er beendete also mit diesen Worten unsere Beziehung. Er wollte unbedingt, dass ich ihn nochmal umarme, er wollte weiterhin immer für mich da sein, wenn ich Hilfe brauche, aber ich lehnte ab; bei beidem… Aber ich wüsste, er wäre da, wenn ich mich melden würde und Hilfe bräuchte…
Naja, Vatertags ging ich mit einer Freundin auf ein Fest in unserem Dorf. Wir machten auf dem Weg dahin noch Witze, dass er doch auch dort sein könnte… und so war es auch. Er stand da mit einer neuen Freundin und die hat er heute noch. Am 04.04. verlies er mich und am 14.05. steht er mit ner neuen da… gut!
Aber ja, auch das kann ich verstehen. Wie war ich die letzten Wochen auch zu ihm?! Ich war unzufrieden und launisch. Ich war zuhause und im Krankenhaus gefangen, alle anderen konnten normal leben, konnten Kaffee trinken gehen, dass war so unfair. Das Leben war so unfair… und dann kommt ne junge Frau, die ein normales Leben führt, weit weg von Krankheiten, die ihm gut tut, die ihm vielleicht Komplimente macht, nett zu ihm ist, die einfach ein Leben hat. Da kann ich es schon nachvollziehen…
Ich meine, mit seinen 34 Jahren hätte ich mir auch ein anderes Leben vorgestellt; er war einfach fertig
😥 Und ja, es lässt mich halt nicht los. Ich denke immer noch jeden Tag an ihn und unsere Zeit. Wir waren immer zusammen, hatten soweit keinen Streit, haben alles zusammen gemacht. Und jetzt im September haben wir immer den ganzen Monat Urlaub genommen und schöne Dinge unternommen. Und jetzt weiß ich, dass er die schönen Dinge mit seiner neuen macht. Heute hat er Geburtstag… da wird er mit ihr in seine Lieblingspizzeria gehen und nicht mit mir.
Wir wohnen gerade mal zehn Minuten auseinander und laufen uns ständig über die Füße. Gestern wollte ich einkaufen gehen, wollte gerade aussteigen und da kam er mit seiner Freundin auf den Parkplatz gefahren; ich bin sofort wieder heim gefahren. Wollte mir das verliebte Paar nicht ansehen…
Es ist alles so unfair. Ich bin so jung, bin unheilbar krank, bin jetzt Rentner. Ich hatte so einen guten Job, habe mir daher vor vier Jahren ein Haus gekauft, ich habe vier Hunde… und ich habe so Angst, was passiert, wenn ich nicht mehr kann. Ich hatte lange Haare, habe eigentlich recht ordentlich ausgesehen. Jetzt sind sie ganz kurz, ich komme mir vor, als wäre ich richtig behindert (sorry für den Ausdruck). Ich habe einfach nichts mehr, keine Ahnung ob ich noch liebenswürdig bin… wer will denn sowas? Und er? Er lebt einfach sein neues Leben weiter.
Als ich ihn mal darauf angesprochen habe, dass ich ja schnell ersetzt wurde, war seine Antwort, er versuche sein Leben weiter zu leben, dass solle ich doch auch tun
😓 Wenn diese kack Krankheit nicht wäre…