Hey @Melusine ,
du erinnerst mich immer mehr an mich selber...
Genau solche Gedanken hatte ich auch ganz viele.
Zu deinem Partner:
Zitat von Melusine: Ich finde solche Äußerungen gerade sehr anstrengend. Weil sie für mich implizieren, dass es ja vielleicht doch irgendwo Hoffnung gibt. Ich aber eben mich jetzt gefälligst auf mich konzentrieren soll, weil es keine Hoffnung mehr gibt. Diese Ambivalenz reibt mich auf.
Ich hatte es dir schon angedeutet:
Für mich war dier Erkenntnis ganz wichtig, dass diese Ambivalenz so nicht da ist.
Ich habe festgestellt, dass ganz viele Schritte die gleichen sind, egal ob ich auf ein Comeback hoffe, oder ob ich versuche abzuschließen.
In deinem Fall höre ich raus, dass du bewusst aufhören könntest, um ihn zu kreiseln, und bewusst dich selber wieder spüren könntst. Das scheint ja etwas zu sein, was ihn in der Beziehung eingeengt hat.
Gleichzeitig wird es dir irgendwann, wenn du bereit dazu bist, enorm helfen, abzuschließen.
Und dann... Mein Spruch war immer: Man kann nicht mit Potential zusammen sein. Der andere muss es auch abrufen wollen.
Meine Beste und ich haben es auf die Formel gebracht: "Wann er net mog, mog er net"
Es bleibt nix anderes übrig, so schwer es ist, als hier in die Akzeptanz zu gehen.
Und schlussendlich: klar macht es total wütend und hilflos, wenn du siehst, dass die Krankheit, die Dämonen alles kaputt machen. Und klar ist es dann die Frage, wieviel von der Trennung seine freie Entscheidung ist, und wieviel die Dämonen. Letztlich habe ich für mich erkannt, dass das wurscht ist. Weil, wie er mit seinen Dämonen umgeht, ist halt dann doch, zumindest ein Stück weit, seine Entscheidung. Und selbst wenn ihn die Dämonen zu 100% zwingen würden, dann wär es ja auch einfach so. Hilft ja nix.
Außerdem kommen wir hier zu Punkt eins zurück, dich selber spüren, deine Bedürfnisse wahr und ernst nehmen: Was macht es mit dir auf dauer, die Dämonen so radikal ins Zentrum stellen zu müssen? In Angst vor SEINEN Dämonen leben zu müssen? Wenn du deine eigene, fürsorgliche, verbindende Art nicht ausleben zu sollen/dürfen, weil ihn das einengt?
DU bist genauso wichtig in dieser Beziehung wie er.
Und dann stellst du dir, im Zusammenhang mit der Aussage deiner Freundin die Frage, ob es "echt" war. Auch das kann ich gut nachfühlen, mein Ex meinte mal, man hätte sich schon vor 10 Jahren trennen sollen... Das war eine totale Ohrfeige für mich.
Ich denke, dafür wäre es sinnvoll, einen Schritt zurück zu gehen: Es ist normal, wenn sich Gefühle im Laufe der Zeit verändern. Und es ist auch normal, dass man das erst nach und nach einordnen muss. Es ist auch normal, dass sich eine Beziehung nach so langer Zeit wandelt, hinterfragt wird... Insofern ist so eine Aussage weit davon entfernt, "objektiv" zu sein.
Zu deiner Freundin:
Zitat von Melusine: Jedenfalls habe ich sie ganz konkret gefragt, ob er damals schon was in die Richtung gesagt hätte, dass er mich nicht mehr liebt. Ihr „Das wirst du dir doch denken können“ habe ich nicht gelten lassen, und dann meinte sie, ja, er hätte damals gesagt, dass die Gefühle nicht mehr so sind, wie sie mal waren und sein sollten.
Naja, da halst du deiner Freundin aber eine ganz schöne Last auf...
Sie hatte also vor einem Jahr diese Info, und musste damit irgendwie umgehen... Ich denke, sie konnte es nicht richtig machen, und jetzt böse auf sie zu sein ist vermutlich der falsche Weg.
Ansonsten nervt es dich, verständlicherweise, dass sie dich auf dich selber und aufs Abschließen stubst, wo du doch emotional noch in einer ganz anderen Situation steckst.
Also: wenn du dir deine "Fürsorgeprogramme" und dein Nähebedürfnis anschaust, dann kann ich da jetzt von außen auch nicht viel falsches, oder gar pathologisches daran finden. Ich denke, dass du mit dieser Art genau richtig bist.
Trotzdem kann ein normales, gesundes Verhalten, das andere Menschen vielleicht sogar wertschätzen würden, ja für einen anderen Menschen einfach zu viel sein. Oder für einen Menschen in einer anderen Lebensphase zu viel sein.
Vielleicht hat sich auch eine blöde Dynamik eingeschlichen, dass du auf tendenziellen Rückzug mit noch mehr Fürsorge reagiert hast?
Naja, und zur Freundschaft an sich: Ich denke, als Freundin versucht man immer zu helfen, und von Außen schauen Dinge oft so einfach aus... Es ist auch viel einfacher, schlaue Ratschläge zu geben, als den Schmerz einer Freundin auszuhalten... Vielleicht bittest du sie ganz direkt, nur zuzuhören und da zu sein... Dass du schon verstehst, was sie dir sagen will, dass du aber einfach noch Zeit brachst zu trauern und zu hoffen, bevor du ihre Ratschläge umsetzen kannst, und ob sie bereit wäre, die Trauer und die Hoffnung mit dir mitzutragen? Und ja, Freundschaften kommen hier einfach oft an ihre Grenzen.
Zu der Radikalisierung: Ja, mir würde es auch sehr schwer fallen, unter solchen Umständen eine Freundschaft aufrecht zu erhalten... Ohne da weiter ins Detail gehen zu wollen.