Bausa
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Ich wäre euch sehr dankbar, wenn ihr mir einen neutralen Blick von außen geben könntet, ob und wo ich mit meinen Einschätzungen richtig liege oder ob ich doch irgendwie total auf dem Holzweg bin. Ich bin gerade ziemlich am Boden und weiß nicht weiter.
Ich habe im letzten Jahr über Tinder eine Frau kennengelernt. Sie kommt nicht aus Deutschland sondern aus der Türkei und lebt auch dort. Wir schrieben viel und nach ein paar Wochen kam sie für einen Kurzurlaub nach Deutschland in meine Stadt. Unser erstes Date verlief super und wir hatten immer mehr Kontakt. Die Gefühle wurden stärker und spätestens beim nächsten Treffen war es um uns beide geschehen. Seitdem war sie noch dreimal hier, ich einmal bei ihr und wir einmal gemeinsam im Urlaub.
Damit eine Fernbeziehung über solche Distanzen funktionieren kann, müssen die Gefühle besonders stark sein, weil man nicht eben mal mehr Nächte in einem anderen Stadtviertel verbringt, sondern viele Opfer bringen muss. Ich hatte aber das Gefühl, dass das bei uns beiden die Bereitschaft vorhanden war, denn wir sprachen auch über ernste Themen (Familie, Kinder, Auswandern, . ) und wie wir uns eine gemeinsame Zukunft vorstellen können.
Dabei kam es im Verlauf dieses Jahres immer wieder zu Streitigkeiten. Ich bin eher ein rationaler Typ und werde so gut wie nie laut. Sie ist eine emotionale Person. Meiner Meinung nach lag der Grund für die Streitigkeiten weniger an unseren eigentlichen Sichtweisen sondern vor allem an Kommunikationsproblemen bzw. wie wir uns ausdrückten und die andere Person das verstand. Wir schrieben mehr als wir miteinander sprachen. Sie kann Deutsch aber nicht so gut, dass sie alles genau so ausdrücken kann, wie sie möchte. Nachdem ich das als Problem erkannte, bat ich sie um mehr Telefonate und Video-Chats, damit wir nicht nur Text haben sondern dazu auch Stimme und Mimik. So richtig nahm sie das aber nicht an, vermutlich weil die Probleme da schon zu groß waren?
Vor drei Monaten gab es einen großen Streit um das Thema Impfungen. Sie ist eine Impfgegnerin. Ich bin auch kein großer Freund von Impfungen aber halte zumindest die Grundimpfungen für unerlässlich. Das große Problem war, dass wir uns beide gegenseitig überzeugen wollten, was bei einem solch emotionalen Thema kaum möglich zu sein scheint. Ich beteuerte zwar, dass ich mich mit meiner (kritischen?) Meinung nicht am anderen Ende des Spektrums sondern in der Mitte sehe, aber sie schrieb, ich wäre dumm und hätte keine Ahnung vom Thema. Ich schrieb, dass ihre "Beweise" gegen wissenschaftliche Erkenntnisse sprechen würden. Irgendwann kam dann von ihr der Satz, dass sie IHRE Kinder nie impfen würde und ich mit MEINEN Kindern machen könne, was ich wolle. Gefolgt von der Frage, ob sie diesen Gedanken weiterführen solle. Dem entgegnete ich, dass ich sie liebe aber wir mit solch unterschiedlichen Denkweisen keine Chance auf eine (glückliche) gemeinsame Zukunft haben können und sie sich dann doch besser einen anderen Mann suchen sollte. Sie schrieb dann direkt, dass sie das auch so sehen würde, aber einige Stunden später, dass ich ihr das Herz gebrochen hätte. Danach war Funkstille inklusive Blockieren und dem ganzen soziale Medien-Mist.
Das Blockieren war nach ein paar Wochen vorbei aber die Funkstille blieb. Ich gab ihr ab und zu mal ein Like aber von ihr kam gar nichts. Vor ein paar Tagen schrieb ich ihr und sagte, dass ich sie immer noch liebe und sehr vermisse. Wenn sie denn möchte, würde ich gerne über alles reden. Wir schrieben dann ein wenig aber es artete schnell wieder aus. Sie fühlte sich nicht ernst genommen und ich hätte ihr keine Zeit gegeben, sich zu erklären und Dinge zu besprechen, obwohl ich immer meinen Wunsch für mehr Wort und weniger Text zum Ausdruck brachte. Ich schrieb ihr sogar ein paar Mal direkt nach dem Streit aber keine Nachricht kam an, weil sie mich eben blockierte. Letztendlich sind wir jetzt so verblieben, dass wir uns beide lieben und vermissen, aber dennoch getrennte Wege gehen, weil zu viel vorgefallen war.
Ich verstehe sie. Sie hat wie jede Mutter natürlich Angst um ihre Kinder und auch Angst irgendwann alleine und ohne MIttel in einem fremden Land zu leben. Und wenn ich sie schon jetzt so schnell aus ihrer Sicht unbegründet verlasse, dann verstärkt sich natürlich das Gefühl, dass eine Beziehung mit mir diese Gefahr birgt. Andererseits haben mich ihre Aussagen sehr verletzt und bei solch konträren Ansichten halte ich es für besser, jetzt eine Entscheidung zu treffen als dass man sich in ein paar Jahren scheiden lässt, weil man sich nicht einigen kann, was mit dem gemeinsamem Kind passieren soll. Für sie waren das emotionale Gespräch. Für mich war es eher ein wissenschaftlicher Austauch. Sie zog daraus, dass ich sie gar nicht lieben würde, weil ich "wegen nichts" Schluss gemacht hätte, wobei ich in ihren Aussagen unüberbrückbare Unterschiede sah. Ich will, dass sie glücklich ist aber wenn ich glaubte, dass das nicht mit mir geht? Sie meinte, das müsse ich ihr überlassen.
Mich macht die Situation gerade richtig fertig. Wenn die Partnerin einen betrügt oder die Liebe verfliegt, hat man wenigstens einen Grund sie zu verteufeln oder es ist einem egal. Wenn man sie aber liebt und weiß, dass diese Person auch so denkt, ist es maximal sch., wenn man diese Chance dennoch verstreichen lässt.