UnhappyP
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ich möchte gerne meinen Trennungsschmerz von der Seele schreiben, weil ich derzeit nicht weiß, wie ich damit umgehen soll.
Meine (Ex)Freundin und ich haben uns getrennt, obwohl wir uns lieben. Ich habe die schönste Zeit meines Lebens mit ihr verbracht. Wir haben gemeinsam gearbeitet und haben in unserer Freizeit viel miteinander unternommen. Langweilig war uns nie. Wir haben den gleichen Humor. Ich habe noch nie mit einer Frau so viel gelacht wie mit ihr. Hört sich eigentlich nach der perfekten Beziehung an.
Leider sind wir charakterlich sehr unterschiedlich. Ich bin ein sehr geduldiger, herzlicher und sensibler Mensch. Ich sage selten sofort was ich denke, sondern gebe der Situation Zeit. Manchmal tun geliebte Menschen etwas, das einem nicht gefällt. Ich glaube trotzdem muss man es ihm nicht immer auf die Nase binden. Manchmal handelt es sich einfach um ein Missverständnis oder der Partner hat gerade einen schlechten Tag.
Meine (Ex)Freundin ist da anders. Sie sagt direkt was sie denkt, meist ohne Rücksicht auf Verluste. Auf der einen Seite ist das eine gute Eigenschaft, da du immer genau weißt woran du bei ihr bist. Auf der anderen Seite trifft das Menschen wie mich bis ins Mark. Oft sind es evtl. sogar Versäumnisse, die einen selbst ärgern, aber wenn dein geliebter Mensch dir deine Fehler permanent um die Ohren haut, frustriert dich das. Irgendwann hast du das Gefühl, keine Fehler mehr machen zu dürfen, weil du dich dann dafür sofort wieder rechtfertigen musst, egal wie klein der Fehler auch gewesen sein mag. Deswegen haben wir uns mit Sicherheit ein paar Mal pro Monat gestritten. Meist haben wir uns zwar schnell wieder versöhnt. Aber sie sagte Sachen, die zwar übel waren, aber nicht so meinte. Bei mir ist das anders. Ich überlege auch im Streit, was ich meinem Gegenüber sage und was nicht. Sie hat das oft schnell wieder vergessen, aber bei mir bleiben dabei immer ein paar kleine Narben.
Auf Dauer war das für mich eine große Belastung. Vor einem Jahr hatten wir mal ein Gespräch darüber, als unsere Beziehung schon einmal kurz vor der Trennung stand. Danach hat es sich gebessert. Sie hat mir mehr nachgesehen und war etwas sensibler im Umgang mit mir.
Im letzten halben Jahr habe ich ein neues Aufgabengebiet in der Arbeit bekommen. Mehr Verantwortung, mehr Zeit, mehr Geld, schlechtere Stimmung. Sie fragte mich immer öfter, warum ich so schlecht drauf sei, immer aber mit einem gewissen Vorwurf, dass das auch ihr schlechte Stimmung macht. Im Prinzip hatte sie mir den Rückhalt verweigert bzw. zusätzlich noch ein schlechtes Gewissen gemacht. Am Anfang lag meine schlechte Stimmung tatsächlich nur an der Arbeit. Das sagte ich ihr auch. Ich merkte aber immer mehr, dass ich plötzlich nicht mehr in gute Stimmung kam, auch wenn es in der Arbeit gut lief. Heute glaube ich, dass ich unterbewusst einfach enttäuscht war, dass ich nur dann ins Schema gepasst habe, wenn ich der gut gelaunte, lustige und herzliche Partner war. In allen anderen Stimmungslagen ging ich nur auf die Nerven. Ich fand das nicht gerecht. Mir fehlte dabei das letzte Stück Intimität und der Wille für mich auch in schlechten Zeit da sein zu wollen. Ich denke, das war einer der Gründe, warum ich mich zum ersten Mal ein wenig distanziert habe.
Wir hatten dann kurz darauf 2,5 Wochen Urlaub. Eine wunderschöne Zeit, wie immer, wenn wir allein waren und keine Arbeit im Genick hatten. Wir hatten uns zwar auch einmal wegen einer Kleinigkeit in den Haaren, aber der Rest des Urlaubs war harmonisch und innig.
Danach kam allerdings der totale Wechsel. Ich verfiel im Anschluss in der Arbeit wieder in alte Muster. Es war schlimmer als vorher. Ich sehnte mich wieder in den Urlaub zurück. Von Seiten meiner (Ex)Freundin fehlte mir nach wie vor der Rückhalt. Und jetzt hätte ich sie dringender denn je gebraucht. Ich möchte nicht sagen, dass ich Depressionen oder einen Burn-Out hatte/habe, aber ich war doch psychisch so angeschlagen, dass ich mir gewünscht hätte, dass sie mich einfach nur in den Arm nimmt und mir sagt, dass es wieder besser wird. Sie war allerdings meist kühl und sachlich und machte mir Vorschläge, wie ich meine Probleme zu lösen habe. Das wollte ich aber nicht hören. Dann stritten wir wieder, weil ich ihre Vorschläge nicht annehmen wollte. Sie verstand aber nicht, warum das so war. Die Lösung der Probleme finde ich selbst, dachte ich mir. Ich hätte jemanden gebraucht, der mir den nötigen Rückhalt gibt, wenn es ansonsten nicht so gut läuft.
Vor vier Wochen kam dann der große Knall. Die Doppelbelastung aus Arbeit und Beziehung war irgendwann zu groß. Ich weiß nicht mehr genau, wie wir auf das Thema kamen. Aber irgendwann habe ich ihr alles was ich vermisse an den Kopf geworfen. Sie war schockiert, hat geweint, konnte aber alle meine Vorwürfe nachvollziehen. Sie sagte, dass sich ändern werde und es nicht fair war, wie sie mit mir umging. Ich sagte ihr aber, dass ich nicht weiß, ob es dafür zu spät ist. Ich wusste nicht, ob es noch bei mir ankommt. Meine ganze Grundstimmung ihr gegenüber war schon so verhärtet. Trotzdem wollte ich es noch einmal versuchen, weil ich so sehr an ihr hing.
Zwei Wochen später haben wir uns getrennt. Die Zeit bis dahin war steril und höflich, mehr nicht. Wir sind den Konflikt-Themen eigentlich aus dem Weg gegangen. Sie wusste wahrscheinlich nicht, wie sie auf mich zugehen soll. Und ich wollte auf sie zugehen, aber eine innere Blockade hinderte mich daran. Es war eigentlich so, wie ich es vorher angedeutet hatte: Bei mir kam einfach nichts mehr an. Also haben wir uns in den zwei Wochen so weit voneinander entfernt, dass es für uns beide nicht mehr tragbar war.
Ich habe die vergangenen zwei Wochen genutzt, habe das getan, was ich bisher nicht tun konnte. Habe alte Freundschaften wieder aufgearbeitet, die in der Beziehung zu kurz kamen. Ich gehe konsequent meinen Hobbys nach und tue das, was ich für richtig halte. Und NICHTS davon befriedigt mich, rein gar nichts. Im Gegenteil. Während ich am Anfang erleichtert war, dass ich die belastende Beziehung ablegen konnte, verfalle ich nach und nach in tiefe Trauer. Mir fehlen die gemeinsamen Aktivitäten, das gemeinsame Lachen, das gemeinsame Leben. Alles was wir getan haben, hat sich so richtig angefühlt. Wenn ich mein Leben jetzt und in der Beziehung vergleiche, war mein Leben vorher reicher, richtiger, befriedigender. Ich weiß nicht, wie man es beschreiben soll. Manche Dinge im Leben tust du, obwohl es sich falsch anfühlt. Ich hatte mal eine Beziehung, in der sich alles falsch angefühlt hat, weil ich nicht so sein wollte, wie ich es in dieser Beziehung war. Es erfüllt dich dann aber auch nicht, macht dich nicht glücklich. In meiner letzten Beziehung war ich genau so, wie ich immer sein wollte. Das einzige was mir fehlte, war mehr Rückhalt, ein stärkeres WIR-Gefühl und mehr Verständnis für meine Schwächen.
Ich habe mir dazu viele Gedanken gemacht. Ich vermisse sie jede Sekunde. Ich denke permanent nur an sie und an unsere Tolle Zeit. Ich liebe sie von ganzem Herzen, das kann ich mit Sicherheit sagen. Und ich frage mich, ob wir das Richtige getan haben. Auch wenn wir in vielerlei Hinsicht unterschiedlich sind, hatten wir doch ein tolles Leben. Wir hatten beide die Bereitschaft an uns zu arbeiten. Wir haben alle Grundvoraussetzung mitgebracht. Nun frage ich mich, ob wir uns zu früh aufgegeben haben? Der Abstand hat mir gut getan, um wieder klarer zu werden und Gefühle auch wieder zuzulassen, denke ich zumindest. Ich habe Angst davor den falschen Weg einzuschlagen, egal in welche Richtung. Ich habe Angst davor, dass ich mir meine Gefühle einen Streich spielen und unsere Probleme verharmlosen. Ich habe Angst davor einen Menschen und das dazugehörige Leben, dass ich über alles geliebt habe auf immer verlieren werde.
Ich komme an der Stelle nicht weiter. Ich drehe mich im Kreis und bräuchte einen Rat, wie ich mit der Situation umgehen soll.
Danke allen, die sich die Zeit nehmen, um sich mein Problem durchzulesen.