Hallo Lichtstrahl,
danke für deine Antwort. Ich verstehe das auch nicht als Schuldzuweisung, genauso wie ich hoffe, dass es nicht als Schuldzuweisung gegenüber meine Freundin rüberkommt, wenn ich Situationen aus meinem Blickwinkel darstelle.
Zitat:Warum hast du sie nicht darauf angesprochen? Wahrscheinlich hat dich diese Aussage verletzt, aber das kann deine Freundin vielleicht gar nicht nachempfinden wie sehr. Vielleicht hat dich dies auch gerade an deiner Schwachstelle getroffen.
Ich habe sie darauf angesprochen. Das war auch nicht allzu schwer, weil diese Dinge in Streits immer dann vorgekommen sind, wenn ihr sachliche Argumente ausgegangen sind. Dann wurden Dinge aus der Vergangenheit herangezogen, die mit der Sache gar nichts zu tun hatten. Für mich sah es so aus, dass es dann einfach nur noch darum ging mich zu treffen.
Zitat:Hast du dicht gemacht? Warum? Was hast du gefühlt?
Ich habe lange nachgedacht, wie ich das am Besten beschreibe. Das hört sich vielleicht etwas biblisch an, trifft die Sache als Bild aber ganz gut. Ich stelle mir das Unterbewusstsein als Gefäß vor, mit einem großen Einlass und einem deutlich kleineren Auslass. Von oben kommt aus verschiedenen Quellen, was uns so belastet, bspw. Arbeit, Gesundheit, zwischenmenschliche Probleme, etc. Durch den kleineren Auslass stauen sich diese Dinge an, wenn mehr hineinfließt als unten abfließen (verarbeitet werden) kann. Sollte nicht mehr fließt, als abgelassen werden kann, ist das kein Problem. Es ist auch eine gewisse Kapazität da, dass auch das Gefäß mal stärker befüllt ist. Wenn man das abschöpfen möchte, braucht man aber einen
bewussten Impuls von außerhalb. Wenn der nicht kommt und die Dinge nicht schnell genug vom Auslass transportiert werden, läuft das Gefäß über, vor allem wenn plötzlich viel aus mehreren Quellen kommt. Der einzige Weg ist dann noch, das Gefäß von oben zu verschließen. Dann kommt nichts mehr durch, allerdings kann man dann von außen auch nicht mehr einwirken und bewusste Entlastung schaffen.
Und das ist letztendlich passiert. Manche Dinge hatten sich in den letzten Wochen verbessert. Ich habe das registriert, aber es hatte keinen positiven Effekt mehr.
Zitat:Kompromiss ist nicht so gut, da hat man oftmals das Gefühl auf der Strecke zu bleiben und erwartet, dass der Partner es einem dankt. Hat sie denn von dir erwartet, dass du weniger Sport machst?
Indirekt. Wenn man frisch verliebt ist, werden oft viele Dinge akzeptiert. Da kommen die Kompromisse noch gar nicht so sehr zur Sprache. Wenn du dann emotional tiefer drin steckst und dir deine Freundin sagt, dass man eh so wenig Zeit miteinander hat und wir mehr Zeit hätten, wenn ich diverse Hobbys nicht mehr so intensiv verfolgen würde, dann habe ich das Bedürfnis einen Kompromiss einzugehen, weil ich ihr nicht das Gefühl geben möchte, dass sie weniger wichtig ist als mein Hobby. Aber natürlich holt es einen irgendwann ein, wenn man das Gefühl hat, dass der Partner eigene Interesse grundsätzlich voranstellt bzw. wenig kompromissbereit ist.
Zitat:Jeder macht Fehler und keiner mag die gerne unter die Nase gerieben haben. Aber überleg mal, wie hättest du für dich die Situation positiv auflösen können? Statt Rechtfertigung hättest du ja auch sagen können: Stimmt war ein Fehler und fand ich auch doof von mir. Ich weiss, ist schwer. Ich arbeite für mich daran und konnte schon einige "Angriffe" so auflösen, weil der andere dann nicht mehr viel sagen kann.
Das habe ich sogar getan und es hat nicht geholfen. Die Problematik wurde dann bis ins kleinste Detail zerlegt, so dass ich oft gefragt habe, was sie denn noch von mir hören will. Ich hatte doch den Fehler schon eingestanden. Das waren so Gespräche, die mich echt geprägt haben, wodurch ich Streit noch mehr versucht habe zu vermeiden. Ich habe daraus nie etwas positives mitgenommen. Entweder hatte ich Unrecht und es wurde bis zum bitteren Ende verfolgt, oder ich hatte Recht, dafür wurden aber andere verletzende Dinge hervorgeholt.
Wie gesagt, das soll keine Darstellung sein, wie schrecklich sie war, auch wenn es sich so anhört. Sie war in vielen Dingen ein ganz großartiger Mensch. Aber das war ihre Art zu streiten, die für mich kaum zu verarbeiten war. Ich denke man nennt sowas "blind vor Wut". Ich war dann nur irgendwer gegen den man sich mit allen Mitteln durchsetzen musste, nicht mehr der Partner den man liebt. So kam es mir zumindest vor.
Wir haben in ruhigen Minuten über solche Dinge schon geredet. Es wurde dadurch auch besser. Aber meine Verhaltensmuster zu Streitvermeidung und mein Respekt vor möglich Streitpunkten haben sich deutlich verstärkt, was ich auch nicht mehr ablegen konnte. Das sind dann letztendlich die Narben von denen ich gesprochen habe.
Ich kann natürlich durch das Schreiben hier sehr gut reflektieren und auch verarbeiten. Das ist auch der Grund, warum ich diesen Weg gewählt habe. Trost könnte ich mir woanders suchen. Es geht hier wirklich um die Reflektion und den Erfahrungsaustausch. Dafür bin ich euch sehr dankbar.