Zitat von Moonlight8:@U-I-B
Vielen Dank für deinen Beitrag. Du sprichst sehr viele Punkte an, die mir sehr vertraut sind.
Ich habe seinen Canna.. immer toleriert, da er immer meinte, dass er das schließlich im Griff habe, dass es ihn einfach entspannen würde und er jederzeit damit aufhören könne.
Konsumieren tut er das schon sehr, sehr lange (wahrscheinlich schon seit der Jugend). Sowie sein komplettes Umfeld auch. Eigentlich treffen seine Freunde und er sich nur regelmäßig, um sich zusammen zu bekiffen.
Selbst wenn er es einmal geschafft hatte mehrere Tage hintereinander nichts zu rauchen, haben sie ihn dann da wieder mit reingezogen.
Ich habe auch nie von ihm verlangt, dass er sich von diesen Menschen abwenden sollte. Er hatte eine schwere Kindheit und diese "Freunde" waren alles, was er neben mir noch hatte. Klar, er kannte meine Meinung über sie, mehr aber auch nicht.
- Aggression, Manipulation, Verdrängung
Auch das kenne ich sehr gut. Nach jedem Streit, war ich in seinen Augen diejenige die Schuld hatte. Ich hätte ihn schließlich mit meinem Verhalten soweit gebracht, dass er so reagieren musste. Obwohl ich schon immer ruhiger und ruhiger wurde und wirklich nur ganz vernünftig mit ihm reden und jeder Konfrontation mittlerweile aus dem Weg gehen wollte, um ihn bloß nicht zu kränken oder aufzuregen.
Aber im Nachhinein hat er es immer geschafft, dass ich wirklich an mir und meinem Verhalten gezweifelt habe. Ich hatte in letzter Zeit das Gefühl selbst langsam total verrückt zu sein, weil ich mittlerweile selbst nicht mehr wusste, was nun der Wirklichkeit entspricht.
Das mit dem Verdrängen ist das eigentlich Schlimmste für mich. Trotz dieser für jeden sichtbaren Verletzungen stritt er alles ab. Er ist bis heute noch der festen Meinung, dass er mich nur leicht geschubst hätte und ich einfach nur dumm gefallen wäre. Was aber auch nach ärztlichem Befund so nicht gewesen ist. Selbst solche Tatsachen prallen an ihm ab und darüber wollte er auch niemals mehr reden.
Vor ein paar Wochen war ich wirklich soweit, dass ich das alles selbst nicht mehr geglaubt habe und anfing zu zweifeln.
Eigentlich bin ich erst aufgewacht, als ich bei einem neuen Chirurgen war und er mich wirklich geschüttelt hatte, als ich ihm erzählt habe, dass ich lediglich dumm gefallen wäre.
Ich kann auch einfach nicht verstehen, wie man sich nachdem man einen anderen Menschen körperlich so schwer verletzt hat, einfach in's Bett legen und schlafen kann.
Das kann doch alles nicht nur dem Alkohl geschuldet sein. Hätte ich etwas derartiges getan, hätte ich die schlimmsten Schuldgefühle, wahrscheinlich mein Leben lang.
Ja, da ist auch etwas Wahres dran. Kurz vor diesem schlimmen Vorfall hatte ich wirklich das Gefühl, dass er sich ernsthaft geändert hatte. Er hat neben seinem Job eine top Weiterbildung angefangen, wo er auch richtig dahinterstand, hat sich jetzt wirklich monatelang nicht mehr häufig mit seinen Freunden getroffen und wenn dann nur ganz gediegen 2 Bierchen getrunken. Ich dachte wirklich, er sei jetzt endlich aufgewacht und auf einem guten Weg. Und aus dem Nichts kam dann dieser Tag. Das ist einfach unerklärlich für mich. Das ist auch das, was mich so unendlich traurig macht. Irgendwie hatte ich das Gefühl ihm helfen zu müssen, da ich eigentlich weiß, dass er prinzipiell ein echt guter Mensch ist.
Der jüngste Sohn meiner Ex hatte auch Drog. bzw. Canna... konsumiert und auch viel Blödsinn gebaut. Seine Mutter hielt immer zu ihm, ich auch ne ganze Zeit lang. Dann kam der Tag, wo er wieder gewaltig über den Strich zog . Ich habe da auf den Tisch gehauen und auch meine Ex wachte endlich auf.
Er kam weit weg, neues Umfeld, Therapie, das ganze Programm. Um ihn dahin zu bringen, mussten wir ihn mehr als nur überzeugen. Das war Schwerstarbeit. Dauerte auch einige Jahre und da war einiges zusammen gekommen bis dato. Er hatte nur Glück, dass er nicht im Gefängnis gelandet ist. Aber er musste einen sehr langen Weg gehen.
Ich habe mit ihm und den anderen beiden Kindern meiner Ex viel durch. Umso heftiger traf es mich, als mich meine Ex betrog und später für den Next entschied, dass die Kinder mitzogen.
Der Jüngste war auf dem "besten Weg", eine kriminelle Karriere einzuschlagen. Nur sehr knapp ist er dem entgangen. Aber menschlich blieb er, was er war.
Darum - Alk. und Canna.. mögen diese Verhaltensmuster auslösen, aber sie sind nicht die Hauptursache. Es liegt auch im Menschen drin, wie er oder sie tickt. Das habe ich schmerzlich lernen müssen.
Glaube nicht, dass Du ihn ändern kannst oder er Dein Mitgefühl verdient. Hatte er Mitgefühl bei dir? Im Gegenteil.
Nein, ich will nicht sagen, diese Menschen sind böse geboren worden (obwohl es Psychologen gibt, die das behaupten). Ich denke, irgendwann im Leben hatte er auch Entscheidungsmöglichkeiten. Und hat sich dann falsch entschieden.