NoahWayne
Mitglied
- Beiträge:
- 11
- Themen:
- 1
- Danke erhalten:
- 32
- Mitglied seit:
ich lese hier seit einiger Zeit mit und sehe so viele Parallelen in euren Geschichten. Immer wieder fällt ein Wort: Kämpfen.
„Ich kämpfe um unsere Ehe.“
„Ich kämpfe gegen seine/ihre Kälte an.“
„Ich kämpfe darum, dass er/sie mich endlich versteht.“
Ich möchte heute mal eine unpopuläre Meinung teilen: In einer toxischen Dynamik ist „Kämpfen“ kein Ausdruck von Stärke, sondern ein Symptom der Abhängigkeit.
Ich war selbst an diesem Punkt. Ich bin leise auf Zehenspitzen durch mein eigenes Haus geschlichen, habe Besuche bei meiner Familie abgesagt, um keinen „Verrat“ zu begehen, und habe versucht, durch noch mehr Verständnis die Mauern meines Gegenübers einzureißen.
Das Ergebnis? Ich habe nicht die Beziehung gerettet, sondern mich selbst verloren. Während ich für ein „Wir“ gekämpft habe, hat mein Gegenüber mit Waffen gekämpft, die ich gar nicht kannte: Silent Treatment, Gaslighting, Triangulation (die ständige Präsenz von Ex-Partnern) und emotionale Erpressung.
Die Erkenntnis, die alles verändert hat: Man kann niemanden mit Liebe heilen, der dich als Projektionsfläche für seinen eigenen Hass oder seine Instabilität benutzt. Wer deine Zahnbürste im Toilettenwasser tränkt (metaphorisch oder real), wer dich isoliert oder deine Bedürfnisse als „Druck“ abwertet, führt keinen Beziehungskonflikt – er führt einen Vernichtungskrieg gegen dein Selbstwertgefühl.
Was ist die Alternative zum Kampf? Der Loslassweg. Das bedeutet nicht, dass man schwach ist. Im Gegenteil: Es erfordert brutale Stärke, den Kampf einzustellen und zu erkennen: „Hier gibt es nichts zu gewinnen. Das einzige, was ich hier retten kann, bin ich selbst.“
Mir geht es nicht darum, Menschen zur Trennung zu drängen, sondern ihnen die Augen für die Muster zu öffnen, damit sie wieder klar sehen können.
Wie geht es euch? Habt ihr auch das Gefühl, in einem Hamsterrad aus „noch mehr Anstrengung“ festzustecken? Wann war bei euch der Punkt, an dem ihr gemerkt habt, dass eure Liebe allein nicht reicht?
Ich freue mich auf einen ehrlichen Austausch.