Zitat von Blindfisch: Zum reden habe ich nicht wirklich jemanden. Die Lebensgeschichte meiner Mutter ist ein Alptraum. Ich kenne ihre Geschichte, ihre gestohlene Kindheit, mein Stiefvater weiß nichts davon. Als ältester von 3 Kindern habe ich früh Verantwortung übernehmen müssen. Habe meine Bedürfnisse immer zurück gestellt. Mein leiblicher Vater ist schon lange nicht mehr unter uns. Alles gut soweit. Hab mein Leben gemeistert. Habe eine wundervolle Frau an meiner Seite und 2 wundervolle Kinder. Und dennoch ist es grau im Kopf. Die Gedanken nie genug zu sein. Die Gedanken das alle besser dran wären, wenn ich nicht mehr im Wege stehe.
Lieber @Blindfisch, ich sehe da ein Kind, dass mit der Situation der Mutter überfordert war. Es hat Verantwortung übernommen, die ein Kind noch nicht tragen kann. Es hätte seinen eigenen Impulsen folgen können müssen in der Gewissheit, dass es immer zur Mutter zurück kann, die es hält und aufbaut. Kinder haben einen biologischen Auftrag: sich ausprobieren, sich kennenlernen, der Neugierde folgen, sich nach und nach zu lösen, an den gesetzten Grenzen rütteln, sich an den Eltern abarbeiten um die unsichtbaren Grenzen kennenzulernen die eigenen und die der anderen usw. Dabei passiert auch immer wieder etwas, weil Kinder eben nicht vernünftig sein können. Du musstest viel zu früh erwachsene Verantwortung übernehmen und hast deine Kinderbedürfnisse zurückgestellt. Und wenn dann ein Kind sich auslebt, dann stört es die depressive Mutter, weil sie nicht die nötige Energie hat. Aber das alles hat nichts mit dem Kind zu tun. Es war richtig, so wie es ursprünglich war. Es hatte etwas mit den Bezugspersonen zu tun. Dein jetziges Gefühl, nicht gut genug zu sein und dass alle besser dran wären ohne dich, ist ein uraltes Kindergefühl, was nie gehört wurde, von den anderen nicht und von dir auch nicht. Es sagt nicht die Wahrheit über dich, sondern über die falsche Situation, in der du als Kind warst. Die Verantwortung gehörte den Erwachsenen und nicht dir als Kind. Wie alt warst du, als du die schlimme Lebensgeschichte deiner Mutter erfahren hast? Es hätte der Stiefvater mit tragen müssen und nicht du als Kind oder als Jugendlicher. Du darfst ihr ihre schlimmen Erfahrungen wieder zurück geben. Es war ihr Schicksal und nicht deins. Du hast dein eigenes Schicksal. Manchmal glauben wir, der anderen Person zu helfen, wenn wir ihr Schicksal mittragen und erlauben uns nicht, trotzdem glücklich zu sein, sondern lassen es uns aus Solidarität auch schlecht gehen. Ich glaube, dass du dein Kinderverhalten, was damals absolut richtig war, um zu überleben, heute noch weiter so mit dir machst, in dem du deine eigenen Bedürfnisse zurückstellst und nur funktionierst. Bei dieser Art zu leben, zieht die Seele irgendwann die Reißleine, weil sie einfach nicht mehr weiter übersehen werden möchte. Depression ist eine Chance! Ich habe mir damals zu allen Themen, die in mir hoch kamen Bücher gekauft, bin dabei immer meinem Bauchgefühl nachgegangen.